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Full text of "Die Gedichte Walthers von der Vogelweide"

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DIE   GEDICHTE 

WALTHERS  VON  DER 

VOGELWEIDE 


HERAUSGEGEBEN 
von 

H.  PAUL 


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Die  Gedichte 


Weither*^  von  der  Vogelweide 


Herausgegeben 


Herrn  an  n   Paul 


Fünfte  Auflage 


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Halle  (Saale) 

Verlag  von  Max  Niemeyer 

1921 


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Altdeutsche  toxtbibliothek,  herausgegreben  von  H.Paul 
Nr.  1 


Vorrede  zur  ersten  aufläge. 

Dem  zwecke  der  Sammlung  entsprechend,  die  mit  diesem 
bände  eröffnet  wird,  bin  ich  lediglich  bestrebt  gewesen,  die 
gedichte  Walthers  durch  eine  möglichst  billige  und  handliche 
ausgäbe  leicht  zugänglich  zu  machen.  Ich  mache  nicht  den 
ansprach,  damit  etwas  wesentliches  für  die  kritik  und  er- 
klärung  geleistet  zu  haben.  Meine  arbeit  hat  hauptsächlich 
darin  bestanden,  aus  der  masse  der  aufgestellten  Vermutungen 
das  wenige  sichere  oder  wenigstens  plausible  herauszusuchen. 

Bei  der  herstellung  des  textes  habe  ich  mich  enger 
an  die  handschriftliche  Überlieferung  angeschlossen  als  alle 
früheren  herausgeber.  Ich  will  damit  nicht  in  allen  fällen 
die  richtigkeit  derselben  als  zweifellos  hinstellen,  aber  ich 
meine,  daß  wir  immer  auf  einem  festeren  boden  bleiben, 
wenn  wir  eine  überlieferte  lesart,  die  uns  einiges  bedenken 
erregt,  stehen  lassen,  als  wenn  wir  sie  durch  eine  conjectur 
ersetzen,  die  willkürlich  aus  verschiedenen  möglichkeiten  aus- 
gewählt ist.  Am  wenigsten  habe  ich  da,  wo  der  Sinn  keinen 
anstoss  erregt,  unerwieseneu  metrischen  Voraussetzungen  zu 
liebe  ändern  mögen.  In  der  beseitigung  orthographischer 
und  dialektischer  eigenheiten  der  handschriften  bin  ich  weiter 
gegangen  als  Lachmaun,  um  das  Verständnis  eines  textes, 
der  auch  von  anfängern  gebraucht  werden  soll,  nicht  un- 
nötig zu  erschweren.  Im  übrigen  lege  ich  auf  die  von  mir 
gewählte  Schreibweise  kein  besonderes  gewicht,  da  ich  sehr 
wol  weiss,  wie  wenig  wir  im  stände  sind  ein  abbild  von  der 
wirklichen  spräche  des  dichters  zu  geben.  Die  anmer- 
kungen,  die  auf  das  knappste  mass  beschränkt  werden 
mussten,  dienen  hauptsächlich  dazu  über  die  den  gedichten 
zu  gründe  liegenden  politischen  und  persönlichen  Verhältnisse 
aufschluss  zu  geben. 

Die  wichtigsten  punkte,  in  denen  ich  in  bezug  auf  text- 
kritik,  erklärung  und  datierung  der  lieder  von  den  bisherigen 
herausgeben!  abgewichen  bin,  sind  im  achten  bände  der  Bei- 
träge zur  gesch.  d.  deutsch,  spr.  u.  lit.  näher  erörtert. 

Freiburg  i.  B.,  october  1881. 


Vorrede  zur  zweiten  aufläge. 

Der  text  dieser  aufläge  ist,  abgesehen  von  berichtigungen 
der  druckfehler  und  einigen  Veränderungen  der  Schreibweise, 
an  folgenden  stellen  geändert:  2  23.  28.  4  13.  14.  16.  20.  21. 
24.  28.  31  27.  33  2.  5.  14.  15.  16.  56  3.  5.  12.  17.  57  5.  12.  13. 
17.  42.  91  32.  Die  änderuugen  sind  zum  grossen  teile  durch 
die  Wolfenbütteler  bniclistücke  veranlasst.  In  der  einleitung 
und  den  anmerkungen  ist  die  neuere  literatur  nachgetragen, 
sonst  war  zu  Veränderungen  wenig  anlass.  Das  glossar  hat 
einige  berichtigungen  und  erweiterungen  erfahren. 

München,  13.  october  1894. 

Vorrede  zur  dritten  aufläge. 

Der  text  ist,  abgesehen  von  notwendigen  berichtigungen, 
fast  unverändert  geblieben.  In  der  einleitung  und  in  den  an- 
merkungen ist  die  neue  literatur  berücksichtigt.  Die  zweite 
aufläge  der  textausgabe  von  Wilmauns  ist  mir  erst  zugegangen, 
nachdem  der  druck  grösstenteils  vollendet  war.  Für  beihilfe 
bei  der  correctur  bin  ich  herru  dr.  P.  Wilhelm  zu  dank  ver- 
pflichtet. 

München,  mal  1905. 

Vorrede  zur  vierten  aufläge. 

Die  aufläge  unterscheidet  sich  von  der  vorhergehenden 
nur  durch  kleine  berichtigungen  und  zusätze,  namentlich  solche, 
die  durch  die  neuere  literatur  notwendig  geworden  sind, 

München,  jannar  1911. 

Vorrede  zur  fünften  aufläge. 

Zu  dieser  aufläge  gilt  dasselbe  wie  zur  vierten.  Zur  her- 
stellung  des  textes  konnte  ich  die  eigenen  äugen  nicht  ge- 
brauchen. Unterstützt  haben  mich  frau  dr.  Löwenfeld  und 
fräulein  Annemarie  Deditius  (frau  dr.  Köhler).  Die  correctur 
ist  besorgt  von  herrn  dr.  Eudolf  Blümel  und  herm  dr.  Arthur 
Hübscher. 

München,  mai  1921. 

U.  Paul. 


Einleitung. 

1.    Walthers  leben,  i) 

Die  kenntnis  der  lebensumstände  Walthers  von  der 
Vogelweide  verdanken  wir  fast  auscliliesslich  den  an- 
deutungen  in  seinen  gedichten.  Nur  wenige  sonstige 
Zeugnisse  stehen  uns  zu  geböte. 


^)  Gesamtdarstellungen  von  Walthers  leben,  die  eine 
selbständige  bedeutung  in  anspruch  nehmen  dürfen,  sind  die 
folgenden.  L.  Uhland,  Walther  von  der  Voarelweide,  ein  alt- 
deutscher dichter,  Stuttgart  1822;  wider  abgedruckt  in  Uhlands 
Schriften  zur  geschichte  der  dichtung  und  sage,  bd.  5,  Stutt- 
gart 1870.  V.  d.  Hagen,  Minnesinger  IV,  160—190.  M.  Rieger, 
Das  leben  Walthers  von  der  Vogelweide,  Giessen  1863. 
E.  Menzel .  Das  leben  Walthers  von  der  Vogelweide ,  Leipzig 
1865.  W.  Wilmanns,  Leben  und  dichten  Walthers  von  der  Vogel- 
weide, Bonn  1882.  Neu  bearbeitet  unter  dem  titel:  Walther  von 
der  Vogelweide,  herausgegeben  und  erklärt  von  W.  Wilmanns. 
Vierte  vollständig  umgearbeitete  aufläge,  besorgt  von  Victor 
Michels.  Erster  band:  Leben  und  dichten  Walthers  von  der 
Vogelweide,  Halle  1916.  A.  Schönbach,  Walther  von  der 
Vogel  weide.  Ein  dichterleben,  Dresden  1890  (populär).  ^  Berlin 
1910.  K.  Burdach,  Allgemeine  deutsche  biographie  41,  35  —  92. 
Derselbe,  Walther  von  der  Vogelweide.  Philologische  und 
liistorische  forschungen  I,  Leipzig  1900.  Ders.,  Der  mythische 
und  der  geschichtliche  Walther  =  Deutsche  rundschau  113, 
38—65.  237  —  256  (Was  Burdach  neues  bringt,  scheint  mir 
grösstenteils  entweder  verfehlt  zu  sein  oder  nur  den  wert  von 
Vermutungen  zu  haben,  weshalb  es  auch  von  mir  nicht  überall 
berücksichtigt  ist.  Vgl.  die  anzeigen  von  Hampe,  Archiv  f. 
d.  stud.  der  neueren  spr.  109,  152  und  von  Dieterich.  Literaturbl. 
f.  germ.  u.  rom.  philol.  1903,  269).  Const.  Heisterbergk, 
W.  V.  V.,  Dresden  1910  (populär  mit  Auswahl  in  Original 
und  Übersetzung).  R.  Wustmann,  W.  v.  d.  V.,  Strassburg 
1912  (verfehlt).  Man  vgl.  ausserdem  die  einleitungen  zu  den 
ausgaben  von  Pfeiffer  und  Wilmanns.  Mit  einzelnen  umständen 
in  Walthers  leben  und  der  Chronologie  seiner  gedichte  be- 
schäftigen sich  0.  Abel,  Zschr.  f.  deutsches  altert.  IX,  138. 

Walth.  V.  d.  Vogelweide.    5.  aufl.  1 


lieber  sein  gelturtsjahr  können  wir  nur  auf  grund 
späterer  feststehender  daten  aus  seinem  leben  eine  un- 
gefähre Vermutung  wageu.  Wir  werden  dadurch  auf 
ca.  11 60  —  70  geführt.  Seine  heimat  hat  man  in  den 
verschiedensten  gegenden  Deutschlands  gesucht;  so  in 
der  Schweiz  1),  in  Franken'^),  in  Oestreich^),  in  Böhmen*). 
Mit  besonderer  entschiedenheit  ist  die  ansieht  geltend 
gemacht,  dass  er  aus  Tirol  stamme,  wo  an  mehreren 
örtlichkeiten  der  name  Vogelweide  haftet.  Zuerst  ent- 
schied sich  Pfeiffer  ■>)  für  ein  Vogelweide ,  das  er  in 
einem  unter  der  regierung  des  grafen  Meinhard  von 
Tirol  (t  1295)  geschriebenen  urharbuche  nachwies,  und 
das  im  Eisack-  oder  oberen  Wiptale  zwischen  Schellen- 
berg und  Mittenwalde  gelegen  haben  muss.  Später 
wurden  ansprüche  erhoben  für  den  Innervogelweiderhof 
im  Layener  Ried,  ö)  Indessen  ist  Vogelweide  als  orts- 
nnd    Personenname    und    das    davon   abgeleitete   Vogel- 


Wilmanns  ib.  XIH,  249.  Nagele,  Germania  XXIV,  151.  298. 
XXXII,  165.  257  (wertlos) ,  dazu  noch  ein  progr.  der  staats- 
oberrealschule  zu  Marburg  a.  D. :  Studien  zu  Walther  von  der 
Vogelweide  (1892).  Paul,  PBB  VllI,  161.  P.  Apetz,  Chrono- 
logische begrenzung  der  von  Walther  von  der  Vogelweide  in 
seinen  Sprüchen  verwandten  töne,  .Jenaer  diss.  1881.  P.  Walther, 
Germ.  XXXII,  197.  299  (wertlos).  Koppmann,  Germ.  XXXVI.  258 
(verfehlt).  Rieger,  Zschr.  f.  d.  altert.  47,  225.  Singer,  PBB 
44.  451.  G.  van  Poppel,  Realien  zu  Walther  von  der  Vogel- 
weide, Neopbilologus  2,  190.  Ausserdem  vgl.  man  die  an- 
merkungen  zu  den  ausgaben  von  Lachmann,  Pfeiffer  und 
Wilmanns  und  zu  der  Übersetzung  von  Simrock.  ' )  Zuerst 
Waser  in  seiner  ausgäbe  von  Stumpfs  Schweizerchronik  vom 
jähre  1606.  In  neuerer  zeit  H.  Kurz,  Ueber  Walthers  von  der 
Vogelweide  heimat  und  herkunft,  Aarau  1863.  ^)  Oberthür, 
Die  minue-  und  meistersinger  aus  Franken,  Würzburg  1818, 
s.  80.  Wackernagel  in  den  anmerkungen  zu  Simroeks  Über- 
setzung II,  194.  Pfeiffer,  Germania  V,  1.  ^)  Lachmann  zu 
34,  18  und  124,  7  seiner  ausgäbe  (erst  in  der  zweiten  aufläge). 
Vgl.  Lambel,  B!l.  des  Vereins  für  landeskunde  in  Niederöster- 
reich. NF.  26, 1-50.  224-292.  27,110—127.  28,24  —  65. 
*)  H.  Kaliwich,  Böhmen  die  heimat  Walthers  von  der  Vogel- 
weide? (Mitt.  d.  Vereins  f.  gesch.  der  Deutschen  in  Böhmen 
32.  93  und  besonders,  Prag  1893).  ^)  In  der  einleitung  zu 
seiner  ausgäbe  s.  XIX,  sechste  aufl.  s.  XXV.  ")  Zuerst  von 
A.  Spiess  und  J.  Haller.    Vgl.  über  diese  Ansprüche  besonders 


weider  als  personenname  anch  anderweitig  nachzuweisen  i), 
und  die  sonst  für  Tirol  geltend  gemachten  gründe  sind 
nicht  stichhaltig. 2)  Wir  müssen  eingestehen,  dass  uns 
die  heimat  des  dichters  unbekannt  ist. 

Walther  stammte  wahrscheinlich  aus  einem  dienst- 
mannengeschlechte.  Dass  er  die  ritterwürde  erworben 
hat,  ist  an  sich  nach  der  sitte  der  zeit  wahrscheinlich. 
Es  würde  sich  mit  Sicherheit  aus  2,  3.  3,  3.  4,  3  unserer 
ausgäbe  ergeben,  wenn  die  echtheit  der  betreffenden 
lieder  über  allen  zweifei  erhaben  wäre,  und  wenn  wir 
sie  mit  notwendigkeit  auf  ein  reales  liebesverhältnis  des 
dichters  beziehen  müssten.  Schwerlich  aber  würde  ihm 
sonst  der  titel  herre  übereinstimmend  von  den  Zeit- 
genossen und  den  jüngeren  ihm  der  zeit  nach  noch  nicht 
zu  fern  stehenden  dichtem  und  handschriftenschreibern 
beigelegt  sein,  noch  weniger  würde  er  sich  selbst  den- 
selben angemasst  haben.  Denn,  dass  er  einer  freiherr- 
lichen familie  entstammt  wäre,  wonach  ihm  dieser  titel 
von  geburt  zugestanden  hätte,  ist  doch  wohl  aus- 
geschlossen. Irgend  ein  besitztum  oder  lehen  scheint 
er  von  hause  aus  nicht  gehabt  zu  haben.  Er  war  auf 
die  gnade  anderer  angewiesen. 

Sein  bildungsgang  wird  der  gewöhnliche  eines 
ritters  gewesen  sein.  Es  ist  nicht  wahrscheinlich,  dass 
er  schulmässig  in  der  gelehrsamkeit  der  zeit  unter- 
richtet ist  .3)    Es  kann  sein,  dass  er  nicht  einmal  lesen 


P.  Anzoletti,  Zur  heimatfrage  Walthers  von  der  Vogelweide, 
Bozen  1876  u.  Walther  von  der  Vogelweide  und  der  Inner- 
vogelweiderhof  bei  Klausen  in  Tirol  (Progr.),  Bozen  1890. 
0.  Redlich,  Mitteilungen  des  inst.  f.  österr.  geschichtsforschung 
Xni,  160.  J.  Zingerle,  Germania  XX.  257.  Ficker  ib.  271. 
Klaar.  Mitt.  des  Instituts  f.  ö.str.  geschichtsforsch.  6,  265. 
0.  V.  Zingerle,  Ueber  unbekannte  Vogelweidhöfe  in  Tirol,  Inns- 
bruck 1909.  1)  Vgl.  Scheins,  ZfdA  XIX,  239.  J.M.Wagner, 
ib.  Palm ,  Zfdph  V,  208.  Ed.  Jacobs,  Beiträge  zur  deutschen 
Philologie  (Halle  1880;,  s.  205.  Wolkan,  Germ.  XXXI ,  481. 
ß.  Müller,  Blätter  des  Vereins  für  landeskunde  von  Xieder- 
österreich,  NF.  XXII,  196.  Lambel,  ib  XXVI,  5  ff.  =•)  Vgl. 
Schönbach,  AfdA  IV,  6;  Zarncke,  PBB  11,574.  »)  Anders 
Burdach,  Walther,  s.  28  und  Wilmanns- Michels  s.  74  ff. 


und  schreiben  gelernt  hat.  Die  paar  lateinischen  brocken, 
die  bei  ihm  vorkommen,  und  die  theologische  gelehr- 
samkeit  seiner  religiösen  dichtungen  waren  geraeingut, 
das  man  sich  auch  ohne  schule  aneignen  konnte. 

Walther  sagt  75,  138,  dass  er  in  Oesterreich  die 
sangeskunst  erlernt  habe.  Sein  hauptlehrer  darin  (an 
einen  förmlichen  Unterricht  werden  wir  allerdings  nicht 
zu  denken  haben)  war  Reinraar,  zum  unterschied  von 
andern  dichtem  des  gleichen  namens  „der  alte"  bei- 
benannt, welcher  identifiziert  zu  werden  pflegt  mit  „der 
von  liagenan",  die  Gottfried  von  Strassburg  in  seinem 
Tristan  4777  ff.  als  die  erste  unter  allen  nachtigallen, 
d.  h.  unter  allen  minnesingern  preist.  Reinmar  lebte 
am  östreichischen  hofe  in  einer  Stellung,  die  wir  wohl 
als  die  eines  hofdichters  bezeichnen  können.  In  eine 
ähnliche  Stellung  scheint  auch  Walther  eingetreten  zu 
sein.  Er  war  so  in  der  ersten  zeit  seiner  dichterischen 
tätigkeit  der  sorge  um  seinen  unterhalt  enthoben,  indem 
ihm  alles,  was  er  brauchte,  von  dem  herzöge  zu  teil 
ward.  Wann  Walther  zuerst  nach  Wien  gekommen 
ist,  lässt  sich  nicht  ausmachen.  68,  13  erwähnt  er 
Friedrich  von  Oestreich  (1194 — 98)  als  seinen  gönner. 
Es  ist  aber  wahrscheinlich,  dass  er  schon  unter  dessen 
vater,  Leopold  VI.,  am  hofe  geweilt  hat.  In  dem  liede 
92,  1  rechnet  er  vierzig  jähre  oder  noch  mehr,  während 
deren  er  von  minne  gesungen  habe.  Wir  können  dies 
lied  aber  nicht  bestimmt  datieren,  sondern  eben  nur 
aus  dieser  äusserung  schliessen,  dass  es  den  spätesten 
lebensjahren  des  dichters  angehören  muss,  wozu  der 
ganze  ton  stimmt,  i)  Nach  der  Stellung,  welche  Walther 
in  der  entwicklung  der  lyrik  einnimmt,  ist  es  nicht 
wohl  gestattet  den  anfang  seines  dichtens  viel  über  1190 
hinaus  zurückzuschieben. 


')  Ohne  zureichenden  grund  setzt  es  Rieger  (Leben 
Walthers  s.  75  ff.),  dem  früher  auch  Wilmanns  beistimmte,  in 
das  jähr  1217,  was  einen  so  frühen  anfangspunkt  für  die  dich- 
terische tätigkeit  Walthers  ergeben  würde,  wie  er  mit  dem, 
was  wir  sonst  von  der  entwicklung  des  minnesanges  wissen, 
nicht  zu  vereinbaren  ist. 


Herzog  Friedrich  starb  am  15.  oder  16.  april  in 
Palästina.  Ihm  folgte  sein  bruder  Leopold  VII.  Zwischen 
diesem  und  Walther  scheint  ein  missverhältnis  bestanden 
zu  haben,  wovon  wir  die  Ursache  nicht  kennen.  Denk- 
bar wäre  es,  dass  Reinmar  dazu  beigetragen  hat,  zu 
dem  Walther  in  ein  feindseliges  Verhältnis  geraten  war, 
wie  aus  den  ihm  gewidmeten  klagestrophen  (71,  1) 
hervorgeht.  In  folge  davon  war  es  für  Walther  un- 
möglich, länger  in  dem  früheren  Verhältnisse  in  Wien 
zu  bleiben,  und  er  sah  sich  genötigt  anderswo  ein  unter- 
kommen zu  suchen.  Da  er  68,  13  den  tod  Friedrichs 
als  den  anfangspunkt  seines  Unglücks  bezeichnet,  so 
müssen  wir  wol  annehmen,  dass  er  Wien  erst  verlassen 
hat,  nachdem  die  nachricht  von  diesen  trauerfall  dort 
angelangt  war.  Möglich  ist  es  allerdings,  dass  er  schon 
vorher   einmal  einen   ausflug  von  da  unternommen  hat. 

Walther  ergreift  jetzt,  soviel  wir  wissen,  als  der 
erste  unter  den  ritterlichen  dichtem,  das  gewerbe  eines 
fahrenden  spielmanns. ')  Als  solcher  treibt  er  sich  mehr 
als  zwanzig  jähre  lang  in  den  verschiedensten  gegenden 
umher.  75,  161  bezeichnet  er  die  flüsse  Seine  und  Mur 
(in  Steiermark),  Po  und  Trave  als  grenzen,  innerhalb 
deren  er  das  leben  der  menschen  beobachtet  habe. 
52,  30  spricht  er  sogar  von  vielen  ländern,  die  er  ge- 
sehen habe,  und  räumt  Deutschland  den  vorzug  vor 
allen  ein.  Der  ausdruck  ist  wol  etwas  übertrieben,  um 
die  ehre  Deutschlands  kräftiger  hervortreten  zu  lassen. 
Wir  sind  ausser  stände  die  ganzen  Wanderungen  des 
dichtere  im  einzelnen  zu  verfolgen.  Dazu  reichen  die 
mannigfachen  anhaltspunkte  doch  nicht  aus,  die  uns 
allerdings  durch  seine  gedichte  geboten  werden.  Die 
darin  enthaltenen  andeutungen  sind  vielfach  zu  un- 
bestimmt und  für  uns  nicht  mehr  verständlich.  Wir 
sind   ja    aber   auch    gar   nicht    berechtigt   zu   erwarten. 


•)  Anders  fasst  Burdach,  Walther  s.  38 ff.  die  Stellung 
des  dichters  während  dieser  periode  auf.  Er  nimmt  au,  dass 
er  nach  und  nach  zu  verschiedenen  fürsten  in  ein  kündbares 
Vasallen  Verhältnis  getreten  sei. 


dass  er  auf  jeden  einigermassen  wichtigen  umstand 
seines  lebens  irgendwo  anspielen  müsste.  Von  vorn- 
herein muss  es  als  verfehlt  betrachtet  werden,  wenn 
man,  wie  es  gewöhnlich  geschieht,  die  Wanderungen 
Walthers  und  seine  beziehungen  zu  fürstenhöfen  auf 
denjenigen  kreis  einschränkt,  auf  den  wir  durch  die 
erhaltenen  gedichte  gewiesen  werden.  Das  einzige,  erst 
neuerdings  bekannt  gewordene,  anderweitige  zeugnis 
über  Walthers  Wanderungen  in  dieser  periode  zeigt  ihn 
uns  im  jähre  1203  an  einem  orte  und  in  einer  be- 
ziehung,  wovon  bis  dahin  niemand  etwas  vermuten 
konnte.  Es  ist  sehr  geeignet  die  übliche  art  sein  leben 
zu  konstruieren  zu  diskreditieren. 

Walther  hat  an  mehreren  höfen  längere  zeit  verweilt 
und  vielleicht  hier  und  da  auf  ein  dauerndes  Verhältnis 
gerechnet.  Dass  er  aber  irgendwo  jähre  lang  hinter- 
einander sich  aufgehalten  habe,  ist  eine  zwar  nicht 
widerlegbare,  aber  auch  nicht  beweisbare  annähme. 
Seine  normale  läge  stellt  er  75, 77  und  76,  38  aus- 
drücklich so  dar,  dass  er  von  tag  zu  tag  genötigt  sei 
sein  quartier  zu  wechseln.  Den  versuch  Walthers 
lebensjahre  auf  einen  thüringischen,  meissnischen,  öst- 
reichischen  etc.,  auf  enthalt,  respektive  mehrere  thü- 
ringische, östreichische  auf  enthalte  zu  verteilen,  hätte 
man  niemals  machen  sollen  Ich  verzichte  auf  eine 
derartige  Chronologie,  indem  ich  die  höfe  aufzähle,  zu 
denen  sich  eine  beziehung  Walthers  für  diese  periode 
nachweisen  lässt. 

Ich  beginne  mit  dem  deutschen  königshofe.  Gleich 
nachdem  er  Oestreich  verlassen  hatte,  scheint  sich 
Walther  zu  Philipp  von  Schwaben  gewendet  zu  haben, 
in  dessen  Interesse  er  bereits  den  spruch  67,  1  ge- 
dichtet hatte.  Er  war  zugegen  wahrscheinlich  bei  der 
ersten  krönung  Philipps  am  8.  sept.  11,98  (68,  1)  und 
sicher  bei  dessen  Weihnachtsfeier  in  Magdeburg  1199 
(68,2.5).  Aus  68,13  geht  hervor,  dass  er  geradezu 
unter  das  hofgesinde  Philipps  aufgenommen  war.  Das 
Verhältnis  könnte  nicht  von  langer  dauer  gewesen  sein, 
wenn  die  annähme  richtig  wäre,  dass  er  schon  im  jähre 


1200  wider  den  Wiener  hof  aufgesucht  hätte,  doch  könnte 
der  betreffende  Aufenthalt  erst  in  das  Jahr  1203  fallen 
(vgl.  zu  69,  1);  für  das  jähr  1203  ist  uns  sicher  bezeugt, 
dass  er  nicht  mehr  in  der  Umgebung  Philipps  weilte, 
sondern  auf  der  Wanderschaft  begriffen  war.  In  den 
neuerdings  aufgefundenen  reiserechnungen')  Wolfgers 
von  Ellenbrechtskirchen,  bischofs  von  Passau,  seit  1204 
Patriarchen  von  Aquileja,  findet  sich  unter  andern  aus- 
gaben auch  folgende  verzeichnet:  Sequenti  die  apud 
Zeize  .  .  .  Walthero  cantori  de  Vogelweide  pro  pellicio 
.F.  soL  Jongos.  Walther  erhält  also  vom  bischof  fünf 
solidi  zur  anschaffung  eines  pelzkleides  geschenkt.  Hinter 
Zeiee  ist  ein  stück  fortgerissen;  nach  den  voranstehenden 
und  folgenden  Ortschaften  kann  es  nicht  zweifelhaft 
sein,  dass  wir  es  zu  Zeizemurum  zu  ergänzen  haben. 
Zeizemüre,  jetzt  Zeiselmauer,  liegt  am  rechten  uEer  der 
Donau  zwischen  Tulln  und  Klosterneuburg.  Eine 
weitere  Untersuchung  über  die  rechnungen  ergibt,  dass 
die  Schenkung  am  12.  nov.  1203  erfolgte.  2)  Hieraus 
erhellt  die  Unrichtigkeit  der  früher  gangbaren  annähme, 
dass  sich  Walther  um  diese  zeit  noch  an  dem  hofe 
Philipps  befunden  habe.  In  Philipps  Interesse  dichtete 
er  noch  nach  dem  29.  juni  1201  den  spruch  67, 25. 
Zwei  ermahnungen  an  Philipp,  die  wahrscheinlich  einer 
späteren  zeit  angehören  (68,  37.  70%  1)  zeigen  ihn 
nicht  gerade  in  des  königs  dienste. 


')  Zuerst  entdeckt  von  A.  Wolf  im  communicalarchiv  zu 
Cividale  und  vollstäudig  veröffentlicht  von  J.  Zingerle,  Eeise- 
rechnungen  Wolfgers  von  Ellenbrechtskirchen,  bischofs  von 
Passau,  Patriarchen  von  Aquileja.  Heilbronu  1877.  Vgl.  die 
frühere  abhandlung  von  Zingerle  in  der  Germania  XXI,  193. 
^)  So  hat  Zingerle  zuerst  den  termin  bestimmt.  Winkelmann  in 
der  Germania  XXIII,  236  ff.  nimmt  das  jähr  1199  an.  Dagegen 
ist  Zarncke  in  den  berichten  der  könijrl.  sächs.  gesellschaft 
der  Wissenschaften,  phil.-hist.  classe  1878  für  die  ansetzung 
Zingerles  eingetreten.  Vgl.  noch  gegen  Zarncke  für  Winkel- 
mann die  abhandlung  von  A.  Nagele,  Germania  XXIV,  892  ff. 
und  dagegen  wider  Zarncke.  ebenda  XXV,  71.  Dazu  jetzt 
die  ausführliche  Untersuchung  von  P.  Kalkhoff,  Wolfger  von 
Passau  1190  —  1204,  Weimar  1882  (Strassburger  diss.). 


Nach  Philipps  tode  hat  sich  auch  Walther  der  all- 
gemeinen anerkennung  Ottos  nicht  entzogen.  In  per- 
sönliche beziehung  zu  diesem  scheint  er  erst  nach 
dessen  rückkehr  aus  Italien  im  märz  1212  getreten  zu 
sein.  Der  spruch,  mit  welchem  er  den  heimkehrenden 
begrüsst  (73,  1),  scheint  der  erste  unter  den  in  Ottos 
interesse  verfassten  zu  sein.  Beweisen  lässt  es  sich 
freilich  nicht,  dass  nicht  auch  einige  schon  gedichtet 
sein  können,  während  Otto  noch  in  Italien  weilte.  Otto 
war  am  4.  Oktober  1209  zum  kaiser  gekrönt,  aber  bald 
darauf  in  folge  eines  angriffs  auf  das  königreich  Sicilien 
mit  papst  Innocenz  zerfallen.  Dieser  sprach  am  18.  nov. 
1210  den  bann  über  ihn  aus  und  reizte  die  deutschen 
fürsten  zum  abfall  von  ihm.  Eine  fürstenversammlung 
zu  Nürnberg  beschloss  im  September  1211  die  erhebnng 
Friedrichs  von  Sicilien  zum  deutschen  könig.  Ottos 
rückkehr  brachte  die  aufrührer  zunächst  wieder  zur 
Unterwerfung.  Aber  als  Friedrich,  der  an  ihn  ergangenen 
auff orderung  folgend,  im  sept.  1212  in  Deutschland 
erschien,  fiel  ihm  rasch  ein  grosser  teil  der  fürsten  zu. 
Am  5.  dec.  ward  er  zu  Frankfurt  gewählt  und  am  9.  dec. 
zu  Mainz  gekrönt.  In  dem  kämpfe  der  beiden  parteien 
vertritt  Walther  energisch  die  sache  des  kaisers  gegen 
den   papst.     Hierher    gehören  die  Sprüche  73,  13 — 48 

75,  1 — 70  und  wahrscheinlich  auch  69,  46.  Die  spitze 
kehrt  sich  dabei  überall  gegen  den  papst  und  die  geist- 
lichkeit,  die  person  Friedrichs  wird  nirgends  angegriffen. 
Wir  wissen  nicht,  ob  sich  Walther  während  dieser  po- 
litischen tätigkeit  dauernd  in  der  Umgebung  Ottos  auf- 
gehalten hat.  Jedenfalls  ward  sie  nach  seiner  eigenen 
auffassung  im  dienste  Ottos  ausgeübt,  und  er  hielt  sich 
für  berechtigt,  eine  belohnung  dafür  zu  verlangen.  Seine 
bitte  ihm  ein  heimwesen  zu  verschaffen  (75,  71)0  blieb 
erfolglos.     Mit  entrtistung  über  den  undank  Ottos  (vgl. 

76,  1  —  20)    wendet    er    sich    schliesslich   wie  fast  alle 


•)  Dass  es  Otto  ist,  an  den  sie  gerichtet  ist,  steht  aller- 
dings nicht  vollkommen  fest,  aber  der  hinweis  auf  das  schach 
scheint  auf  die  bedrohung  durch  einen  gegenkönig  zu  deuten. 


früheren  anhänger  desselben  von  ihm  ab  und  tritt  zu 
Friedrich  über.  Kurze  zeit  vor  den  übertritt  gehört 
vielleicht  die  Strophe  70^,  15,  in  der  sich  schon  Un- 
zufriedenheit mit  der  politik  Ottos  ausspricht. 

Friedrich  zeigte  sich  gleich  im  anfang  freigebig 
gegen  den  dichter,  welcher  selbst  bekennt,  dass  er  noch 
durch  nichts  eine  belohnnng  von  ihm  verdient  habe 
(76,  3).  Diese  gunstbezeugungen  scheinen  aber  vorüber- 
gehend gewesen  zu  sein,  und  wir  sehen  auch  nicht,  dass 
Walther  dem  könige  in  den  ersten  jähren  durch  seine 
tätigkeit  irgend  etwas  genützt  hat,  worauf  er  höhere 
ansprüche  hätte  begründen  können.  Erst  kurz  vorher, 
ehe  Friedrich  zur  kaiserkrönung  nach  Italien  zog  (im 
frühling  1220),  zu  einer  zeit,  wo  er  Walthers  dienste 
sehr  gut  brauchen  konnte,  scheint  sich  dieser  an  ihn 
mit  der  nämlichen  bitte  gewendet  zu  haben,  die  ihm 
früher  von  Otto  abgeschlagen  war  (76,  31).  Er  erhielt 
einen  lehen  von  Friedrich,  wofür  er  seinen  dank  mit  lautem 
jnbel  ausspricht  (76,  41).  Bald  darauf  jedoch  klagt  er, 
dass  ihm  nichts  davon  übrig  bleibe,  womit  er  den 
zehnten  bezahlen  könne,  i)  Jedenfalls  aber  hatte  er 
nun  eine  gesicherte  existenz,  und  die  periode  der  un- 
steten Wanderschaft  war  abgeschlossen.  Auf  grnnd  der 
nachrichten  über  Walthers  grabmal  hat  man  vermutet, 
dass  sein  lehen  in  Würzburg  gelegen  habe. 

Wenden  wir  uns  jetzt  zu  den  sonstigen  beziehungen 
Walthers  in  diesem  Zeiträume,  so  ist  zunächst  hervor- 
zuheben, dass  er,  wenngleich  er  den  Wiener  hof  als 
dauernde  heimat  hatte  aufgeben  müssen,  doch  wiederholt 
auf  kürzere  oder  längere  zeit  dahin  zurückgekehrt  ist.  2) 
Diesem  hofe  wider  anzugehören  ist  nach  einer  undatier- 
baren  Strophe  (71,  53)  eins  von  den  drei  hauptzielen 
seiner  Sehnsucht.  Nach  einer  anderen  undatierbaren 
Strophe  (75,  111)  ist  Leopolds  hof  einer  von  den  dreien, 


')  Wenig  wahrscheinlich  ist  die  abweichende  auffassung 
von  Burdach,  Walther  s.  40.  82.  ")  Vgl.  Wackemell,  Walther 
von  der  Vogelweide  in  Oestreich.  Innsbruck  1876.  Dazu 
Schönbach,  AfdA  IV,  1.    WackemeU,  Zfdph  XI,  62. 


iü 

wo  ihm  stets  ein  unterkommen  gesichert  ist.  Daraus 
lässt  sich  wol  auf  ein  häufigeres  ab-  und  zugehen 
Walthers  schliessen.  Als  er  mit  seinem  höfischen  ge- 
sange  kein  gehör  mehr  finden  kann,  wendet  er  sich 
an  Leopold  als  seine  letzte  Zuflucht  (75,  121.  131). 
Die  bitte  an  den  freigebigen  herzog  auch  seiner  zu 
gedenken  (69,  16)  und  der  vergleich  zwischen  dem 
früheren  glänze  und  dem  dermaligen  verfall  des  hofes 
(69,  31)  werden  jetzt  gewöhnlich  noch  in  die  zeit  von 
Walthers  ständigem  aufenthalt  in  Wien  gesetzt,  sind 
aber  wahrscheinlich  bei  späteren  besuchen  entstanden. 
Bestimmtere  anhaltspunkte  für  die  Zeitbestimmung  geben 
uns  69,  1.  75,  141.  76,21.  69,  1  könnte  1200  oder 
1203  verfasst  sein  (s.  die  anm).  76,  21  ist  zur  be- 
grüssung  des  herzogs  bei  seiner  rtickkehr  vom  kreuz- 
zuge  verfasst,  aus  75,  141  geht  hervor,  dass  Walther 
sowohl  zu  einer  zeit,  wo  Leopold  die  kreuzfahrt  noch 
nicht  angetreten,  aber  schon  beschlossen  hatte,  als  auch 
einige  zeit  nach  seiner  rückkehr  in  Wien  gewesen  ist. 
Daraus  folgt  aber  nicht,  dass  er  auch  in  der  ganzen 
Zwischenzeit  während  der  abwesenheit  Leopolds  dort 
verweilt  hat.  Leopold  brach  im  juni  1217  nach  Pa- 
lästina auf  und  kehrte  im  juli  1219  zurück.  Indessen 
muss  bemerkt  werden,  dass  sich  die  beiden  Sprüche 
auch  auf  den  kreuzzug  beziehen  können,  den  Leopold 
im  jähre  1212  gegen  die  spanischen  Saracenen  und  die 
Albigenser  unternahm.  Er  entledigte  sich  damit  eines 
gelübdes,  von  dem  schon  in  einem  an  ihn  gerichteten 
schreiben  des  papstes  vom  25.  febr.  1208  die  rede  ist, 
wobei  es  ursprünglich  und  noch  im  jähre  1210  auf  eine 
fahrt  nach  Palästina  abgesehen  war.  Die  Sparsamkeit 
Leopolds,  auf  die  75,  141  gedeutet  wird,  lässt  sich 
demnach  schon  auf  die  zeit  von  1208  an  beziehen. 
Noch  ist  ein  an  Leopold  gerichteter  spruch  zu  erwähnen 
(75,  151),  welchen  Lachmann  als  den  ausdruck  eines 
definitiven  Zerwürfnisses  zwischen  diesem  und  dem  dichter 
auffasst  und  daher  als  den  letzten  auf  den  östreichischen 
hof  bezüglichen  spruch  betrachtet.  Man  kann  dabei 
aber  auch  an  einen  harmlosen  scherz  denken,  und  dann 


11 

fehlt  jeder  anhält  zu  einer  Zeitbestimmung.  Ein  aufent- 
halt  Walthers  in  Oestreich  ist  uns  endlich  durch  die 
reiserechnungen  Wolfgers  (vgl.  oben  s.  7)  für  den  12. 
nov.  1203  bezeugt.  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  er  sich 
damals  auf  dem  wege  von  Wien  befand. 

75,  111  ff.  preist  Walther  neben  Leopold  zwei 
andere  gönner,  bei  denen  ihm  stets  ein  unterkommen 
gesichert  ist.  Den  einen  bezeichnet  er  als  den  veter, 
d.  h.  nach  dem  gewöhnlichen  Sprachgebrauch  oheim 
Leopolds.  Gemeint  ist  wahrscheinlich  herzog  Heinrich, 
bruder  Leopolds  VI.,  der  zu  Mödling  seinen  sitz  halte, 
gestorben  1223.  Dass  mit  dem  hiderlen  loatriarken 
Berthold  von  Andechs,  seit  1218  patriarch  von  Aqui- 
leja,  gemeint  sein  müsse,  ist  eine  annähme,  die  man  ohne 
grnnd  immer  widerholt  hat.  Es  liegt  näher  an  seinen  Vor- 
gänger Wolfger  zu  denken,  zumal  da  jetzt  bezeugt  ist, 
dass  derselbe  schon  als  bischof  von  Passau  den  dichter 
beschenkt  hat.  Ein  anderer  benachbarter  fürst,  dessen 
freigebigkeit  Walther  häufig  erfahren  hat  (nach  75,  91), 
ist  der  herzog  von  Kärnten  (Bernhard  1202  —  56). 
Aber  dass  er  sich  längere  zeit  hinter  einander  an  dessen 
hofe  aufgehalten  habe,  ist  aus  den  beiden  auf  ihn  be- 
züglichen Strophen  (75,  91.  101)  nicht  zu  schliessen. 

Neben  dem  Wiener  ist  es  der  glänzendste  unter 
den  deutschen  höfen  dieser  zeit,  der  des  landgrafen 
Hermann  von  Thüringen,  an  welchem  Walther  am 
meisten  verweilt  zu  haben  scheint.  Wir  haben  darüber 
ausser  seinen  eigenen  gedichten  das  zeugnis  Wolframs 
von  Eschenbach.  Dieser  beschwert  sich  in  seinem 
Parzival  über  die  vielen  unwürdigen  unter  dem  hof- 
gesinde  Hermanns  und  fährt  dann  fort  (297,  24):  des 
muoz  her  Walther  singen  'giioten  tac,  hoese  unde  guot'; 
offenbar  der  anfang  eines  verlorenen  liedes,  das  Walther 
am  Thüringer  hofe  vorgetragen  hat.  Die  zeit,  in 
welcher  Wolfram  diese  anspielung  machte,  lässt  sich 
ungefähr  danach  bestimmen,  dass  er  an  einer  späteren 
stelle  (379,  17)  von  den  noch  sichtbaren  spuren  der 
Verwüstung  des  Erfurter  Weingartens  spricht.  Diese 
Verwüstung    war    offenbar    die    folge    der    kämpfe    des 


12 

Jahres  1203,  in  welchem  Erfurt  durch  Philipp  ein- 
genommen wurde,  der  dann  darin  von  den  anhängern 
Ottos  belagert  wurde. ')  Da  demnach  diese  stelle  nicht 
lange  nach  der  belagerung  gedichtet  ist,  so  ist  auch  die 
frühere  spätestens  nicht  lange  nach  derselben  entstanden, 
vielleicht  sogar  noch  etwas  eher.  Da  wir  nun  Walther 
im  nov.  1203  in  Oestreich  finden,  so  ist  sehr  wahr- 
scheinlich, dass  er  schon  vorher  einmal  am  Thüringer 
hofe  verweilt  hat.  2)  Dass  er  mehrmals  dort  war,  geht 
aus  75,  84  klar  hervor.  Nach  dem  ersten,  vielleicht 
nur  kurzen,  chronologisch  nicht  genauer  bestimmbaren 
aufenthalte  scheint  die  Schilderung  des  hofes  entworfen 
zu  sein,  die  68,  49  gegeben  wird.  Bei  einem  späteren 
aufenthalte  bezeichnet  sich  der  dichter  als  ingesinde 
des  landgrafen  (75,  81j;  das  deutet  auf  längeres  ver- 
weilen. Nach  Eisenach  weisen  noch  die  Spottgedichte 
auf  Gerhard  Atze  (71,  66.  72,  1).  Walthers  freund- 
schaftliche beziehung  zu  Hermann  zeigt  die  fürbitte,  die 
er  im  jähre  1212  für  ihn  bei  Otto  einlegt  (74,  29). 

Engere  beziehungen  hat  Walther  auch  zu  dem 
Schwiegersohne  Hermanns,  dem  markgrafen  Dietrich  IV. 
von  Meissen  (1195 — 1220),  gehabt.  Im  Interesse  des- 
selben wirkt  er  bei  Otto  IV.  nach  dessen  rückkehr  aus 
Italien  (73,  10).  Vielleicht  hat  er  sich  unmittelbar 
vorher  an  Dietrichs  hofe  aufgehalten.  Dieser  bringt 
ihm  ein  problematisches  geschenk  aus  Franken  (70^,  1), 
vielleicht  bei  der  rückkehr  nach  hause,  wo  er  Walther 
gelassen  hatte;  notwendig  ist  das  aber  nicht  aus  den 
Worten  zu  schliessen.  Später  beschwert  sich  Walther 
über  die  Undankbarkeit  des  Meissners  74,  1 — 28.  Auf 
aufenthalt  in  Meissen  deutet  die  erwähnung  des  klosters 
Tolerlü  (55,  35). 

Die  beziehung  zu  dem  grafen  von  Katzenellen- 
bogen (78,  1.  9)  setzt  man  gewöhnlich  in  die  zeit  nach 
der  belehnung  Walthers,  aber  ohne  zureichenden  grund. 

')  Burdach,  Walther  s.  60  nimmt  beziehung  auf  die 
kämpfe  des  Jahres  1204  an.  Es  lässt  sich  abernicht nachweisen, 
dass  Erfurt  unter  denselben  derart  gelitten  hätte  wie  1203. 
'")  Vgl.  WackerneU,  Germania  XXII,  280. 


13 

Die  alt,  wie  sich  dieser  um  des  grafen  gunst  bemüht, 
weist  eher  auf  eine  zeit,  wo  er  derselben  noch  recht 
bedtirftig  war.  Es  ist  daher  auch  nicht  ganz  sicher, 
dass  Diether  II.  gemeint  ist  und  nicht  vielmehr  etwa 
sein  Vorgänger  Diether  I.  Wann  Walther  den  77,  1 
erwähnten  abstecher  nach  Tegernsee  gemacht  hat,  lässt 
sich  nicht  bestimmen.  Die  beziehung  zu  dem  herzog 
Ludwig  von  Baiern,  die  man  nach  70*^,  3  angenommen 
hat,  ist  höchst  problematisch. 

Indem  Walther  das  lehen  von  Friedrich  erhielt, 
übernahm  er  damit  wol,  wenn  auch  nur  stillschweigend, 
die  Verpflichtung  fortan  in  dessen  interesse  tätig  zu  sein. 
Dazu  war  zunächst  durch  den  beabsichtigten  kreuzzug 
veranlassung  gegeben.  Friedrich  hatte  bei  seiner  krönung 
zu  Aachen  am  25.  juli  1215  das  kreuz  genommen. 
Nach  widerholtem  aufschub  des  termins  brach  er  im 
angust  1220  nach  Italien  auf,  zunächst  zur  kaiser- 
krönung,  die  am  22.  nov.  durch  papst  Honorins  voll- 
zogen wurde.  Der  kreuzzug  sollte  sich  ursprünglich 
gleich  daran  anschliessen,  wurde  aber  weiterhin  zu 
widerholten  malen  aufgeschoben.  Wahrscheinlich  kurz 
vorher,  ehe  Friedrich  nach  Italien  aufbrach,  ist  str.  76,  61 
gedichtet  gegen  die  gegner  des  königs,  durch  die  ihm 
mannigfache  hemmnisse  in  den  weg  gelegt  wurden. 
Vielleicht  wurde  sie  auf  dem  hoftage  zu  Frankfurt  im 
april  1220  vorgetragen.  Erst  nach  der  kaiserkrönung 
sind  73,  49  und  61  gedichtet.  Wenigstens  werden  sie 
mit  grösserer  Wahrscheinlichkeit  auf  Friedrich  als  auf 
Otto  bezogen.  Auch  78,  17  ff.  weist  in  die  zeit  des 
bevorstehenden  kreuzzuges,  ohne  dass  sich  eine  nähere 
bestimmung  geben  liesse. 

Dass  sich  Walther  während  des  kaisers  abwesenheit 
in  Italien  eifiig  um  die  politischen  angelegenheiten 
kümmerte,  kann  wol  aus  79,  9  ff.  gefolgert  werden.  Er 
pflegte  danach  die  hoftage  zu  besuchen.  Vom  kaiser 
wird  er  geehrt  durch  Übersendung  eines  geschenkes, 
welches  allgemeinen  neid  erregt  (79,  1).  In  einem 
nahen  Verhältnis  steht  er  zu  erzbischof  Engelbert  von 
Köln,  der  von  Friedrich  vor  seinem  abgange  als  vormund 


14 

seines  sohnes  Heinrich  und  Joiter  der  regierung  in 
Dentscliland  bestellt  war.  i)  Die  rücksichtslose  ge- 
rechligkeitspflege,  durch  welche  derselbe  die  Ordnung 
aufrecht  erhielt,  zog  ihm  viele  feinde  zu.  Diesen  an- 
feindungen  gegenüber  preist  ihn  Walther  in  str.  79,  17. 
Nach  70,  25  ff.  hat  er  von  ihm  einen  schwierigen  auf- 
trag  erhalten,  dem  er  sich  bei  aller  kunst,  über  die  er 
verfügt,  nicht  gewachsen  fühlt.  Worin  derselbe  bestand, 
ist  nicht  ersichtlich.  Nach  der  ermordung  Engelberts 
durch  seinen  neffen  Friedrich  von  Altena-Isenburg  und 
dessen  helfershelfer  (7.  nov.  1225)  widmet  ihm  Walther 
einen  nachruf  mit  starken  Verwünschungen  des  mörders 
(79,  33). 

Die  letzten  datierbaren  dichtungen  Walthers  be- 
schäftigen sich  wider  mit  dem  kreuzzuge.  Als  Friedrich 
im  jähre  1227  ernstliche  anstalten  zur  Sammlung  eines 
kreuzheeres  macht,  unterstützt  er  ihn.  Er  ermahnt  den 
landgrafen  Ludwig  von  Thüringen,  der  dem  kaiser  das 
beer  aas  Deutschland  zuführen  sollte,  zur  eile  (79,  41). 
Ludwig  zog  am  24.  juni  von  Eisenach  aus  und  langte 
im  juli  bei  dem  kaiser  an.  Der  bann,  den  Gregorius  IX. 
am  29.  sept.  über  Friedrich  aussprach,  gab  dem  dichter 
von  neuem  gelegenheit  im  interesse  des  letzteren  gegen 
die  kurie  zu  wirken.  Er  ermahnt  ihn  den  kreuzzug 
schleunigst  auszuführen  und  sich  durch  nichts  iire 
machen  zu  lassen  (79,  57),  fordert  die  räche  gottes 
heraus  gegen  die  christlichen  gegner  Friedrichs,  die  ihn 
jetzt  hindern  wollen  dem  heiligen  lande  zu  hilfe  zu 
kommen  (79,  49),  klagt  wider  wie  früher  über  das  ver- 
derben, welches  der  weltliche  besitz  über  die  kirche 
gebracht  hat  (79,  65),  nnd  bedroht  die  geistlichkeit  mit 
angriffen  auf  das  kirchengut  (70,  73).  Während  in 
diesen  gedichten  mehr  die  politische  Parteinahme  in  den 


*)  A.  Daffis  in  seiner  schrift  'Zur  lebensgeschichte 
Walthers  von  der  Vogelweide  (Berlin  1854)'  hat  die  be- 
hauptung  aufgestellt,  dass  Walther  dem  erzbischof  als  er- 
zieher  des  jungen  Heinrich  beigegeben  gewesen  sei,  vgl.  anm. 
zu  84,  1  ff.  So  viel  beistimmung  auch  diese  ansieht  gefunden 
hat,  so  entbehrt  sie  doch  jedes  festen  anhalts. 


15 

Vordergrund  tritt,  zeigen  andere  die  tiefe  religiöse 
erregung  Walthers,  die  ihm  den  kreuzzug  in  dieser 
Periode  zur  wichtigsten  herzensangelegenheit  machte. 
Die  religiös -weltschmerzliche  Stimmung,  die  auch  in 
anderen  dichtungen  Walthers  aus  seinen  letzten  lebens- 
jahren  widerliehrt  (vgl.  die  töne  91.  92.  93),  erscheint 
in  Verbindung  mit  der  kreuzzugsbegeisterung  in  den 
liedern  80  und  81.  Ein  drittes  lied  (82)  ist  direkt 
zur  anfeueruug  der  pilger  gedichtet,  ein  viertes  (83) 
ist  ausdruck  der  freude  bei  der  ankunft  im  heiligen 
lande.  Trotzdem  hat  Lachmann  und  andere  nach  ihm 
nicht  zugeben  wollen,  dass  Walther  an  dem  kreuzzuge 
teil  genommen  habe.  Sie  halten  also  die  in  dem  letzten 
liede  vorausgesetzte  Situation  für  eine  fingierte.  So 
wenig  aber  eine  solche  Aktion  durchaus  undenkbar  sein 
mag,  so  sind  doch  anderseits  die  gründe,  die  man 
angibt,  weshalb  Walther  den  kreuzzug  nicht  mitgemacht 
haben  könne,  nicht  stichhaltig.  Er  wird  erst  l'J28  zu- 
zusammen  mit  dem  kaiser  die  fahrt  angetreten  haben. 
Bei  dem  heere,  welches  im  sept.  1227  hinüber  fuhr, 
kann  er  sich  nicht  befunden  haben,  da  er  nach  der 
bannung  Friedrichs  noch  in  Deutschland  weilte. 

Dass  Walther  den  kreuzzug  nicht  lange  überlebt 
hat,  ist  wahrscheinlich.  In  eine  spätere  zeit  weist  keine 
sichere  Spur  mehr  in  seinen  gedichten  (vgl.  zu  71,  27. 
85,  1).  Nach  angaben,  die  zwar  der  zeit  seines  todes 
schon  einigermassen  fern  stehen,  aber  doch  ziemlich 
glaubwürdig  sind,  ist  er  zu  Würzburg  im  kreuzgang  des 
Neumünsters  begraben.  -)  In  dem  sogenanten  manuale 
des  Michael  de  Leone,  welches  im  jähre  1354  in  Würz- 
bnrg  zusammengestellt  ist,  findet  sich  folgende  notiz. 

De  milite  walthero.  dicto  von  der  vogelweide  se- 
pulto  in  ambitu  novimon.  h>  h>  {wohl  aufzulösen  novi- 
monasterii  herbipolensis)  in  suo  epytafio  sculpti  erant 
iati  versus  subscripti. 


')  Vgl.  zum  folgenden  Oberthür,  Die  minne-  und  meister- 
sänger aus  Franken  s.  30.  Reuss,  Walther  von  der  Vogel- 
weide, eine  biographische  skizze,  Würzburg  1843.  Pfeiffer, 
Germania  V,  10.    Jetzt  besonders  Zarncke,  PBB  VII,  582. 


16 

Pascna  qui  uolucrum  .  viuus  walthere  fniati. 

Qoi  flos  eloquij  .  qui  Palladis  os.  obiisti. 

Ergo  quod  anreolam  probitas  taa  possit  (l.  poscit)  habere. 

Qui  legit  .  hie  .  dicat  .  deus  istius  miserere. 

Die  gleiche  notiz  mit  unwesentlichen  abweichnngen  findet 
sich  in  der  grossen  samraelhandschrift  des  Michael  Leone, 
die  um  die  nämliche  zeit  entstanden  ist.  Dieselbe  hand- 
schrift  enthält  auch  eine  deutsche  notiz:  Herr  WaltJier 
von  der  vogelweide  begraben  ze  Wimeburg,  zu  dem  Nuwe- 
munster  in  dem  grasehove.  Spätere  überliefemngen  sind 
ganz  sagenhafter  natur.  In  Würzburg  existierte  im 
jähre  1323,  wie  urkundlich  nachgewiesen  ist,  eine  curia 
dicta  zu  der  Vogelwaide.  Aber  eine  beziehung  derselben 
zu  unserem  dichter  ist  nicht  erweislich. 

2.    Walthers  Stellung 
in  der  gescliichte  der  deutschen  lyrik. 

Die  deutsche  kunstlyrik  des  12.  und  13.  jahrh.  hat 
drei  verschiedene  ausgangspunkte.  Drei  verschiedene 
richtungen  gehen  zunächst  selbständig  neben  einander 
her,  jede  durch  einen  besonderen  stand  vertreten.  Die 
geistlichen  versuchen  sich  in  nachbildnngen  der  la- 
teinischen hymnen  und  Sequenzen.  Die  gewerbsmässigen 
Sänger,  die  spielleute  bilden  eine  wesentlich  lehrhafte 
lyrik  aus.  Moralische  betrachtungen,  vielfach  an  volks- 
tümliche Sprichwörter  angelehnt,  mitunter  in  das  gewand 
der  fabel  oder  parabel  eingekleidet,  bilden  den  haupt- 
stoff  ihrer  dichtungen;  daneben  reflexionen  über  ihre 
persönlichen  Verhältnisse  und  lob-  und  scheltlieder  der 
grossen.  Die  ritter  endlich  bilden  eine  den  von  Süd- 
frankreich ausgegangenen  eigentümlichen  idealen  ihres 
Standes  entsprechende  liebeslyrik  aus.  Sie  lehnen  sich 
dabei  in  form  und  Inhalt  zunächst  an  die  heimische 
lyrik  des  volkes  an,  weiterhin  aber  an  die  kunstlyrik  der 
Provenzalen  und  Nordfranzosen.  Von  diesen  entlehnten 
sie  wahrscheinlich  auch  die  gattung  des  kreuzliedes. 

Als  Walther  zuerst  auftrat,  bestand  noch  ein 
scharfer  gegensatz  zwischen  ritterlicher  und  spiel- 
männischer  dichtung.     Zu  der  Verschiedenheit  der  Stoffe 


17 

waren  allmählich  auch  bedeutende  formale  Verschieden- 
heiten hinzugekommen.  Ein  charakteristischer  unter- 
schied bestand  auch  darin,  dass  für  die  didaktische 
lyrik  der  spielleute  die  früher  allgemein  übliche  ein- 
strophigkeit  der  gedichte  meist  festgehalten,  für  die 
minnelyrik  der  ritter  mehrstrophigkeit  die  regel  ge- 
worden war.  Simrock  hat  für  die  beiden  gattun2,en  die 
bezeichnungen  spruch  und  lied  eingeführt,  wobei  ihm 
einstrophigkeit  als  wesentliches  erkennnngszeicben  für 
den  ersteren,  mehrstrophigkeit  für  das  letztere  gilt.  Der 
bequemlichkeit  halber  wollen  wir  uns  auch  dieser  be- 
zeichnungen bedienen,  es  mnss  aber  bemerkt  werden, 
dass  sie  willkürlich  gewählt  sind  und  nicht  der  termino- 
logie  der  dichter  selbst  entsprechen,  bei  denen  vielmehr 
liet  die  bedeutung  Strophe  hat.  Und  ferner  darf  man 
sich  nicht  zu  der  ansieht  verleiten  lassen,  dass  der 
Spruch  im  Simrockschen  sinne  nur  gesprochen,  nicht 
gesungen  sei.  Auch  die  behauptuug,  dass  der  spruch 
im  gegensatz  zum  liede  ohne  begleitung  eines  Saiten- 
instrumentes vorgetragen  sei,  ist  aus  der  luft  gegriffen. 
Die  Stellung  der  ritterlichen  dichter  zum  publikum 
war  eine  ganz  andere  als  die  der  spielleute.  Der  minne- 
sang  wurde  ursprünglich  nicht  berufsmässig  und  für 
lohn  ausgeübt.  Die  meisten  minnesinger,  auch  die  des 
dreizehnten  Jahrhunderts,  waren  dilettanten,  zum  teil 
aus  den  vornehmsten  kreisen.  Doch  war  man  bereits 
vor  Walther  auch  zu  einer  berufsmässigen  ausübung 
übergegangen.  Reinmar  war  in  dieser  wie  in  anderen 
beziehungen  der  Vorgänger  Walthers.  Es  ist  sehr  wahr- 
scheinlich, dass  er  seine  aufnähme  an  den  östreichischen 
hof  seiner  liederdichtung  verdankte,  also  gewissermassen 
dafür  besoldet  ward.  Als  folge  einer  solchen  Stellung 
dürfen  wir  eine  gewisse  annähernng  an  dte  poesie  der 
spielleute  betrachten.  In  die  minnelieder  mischen  sich 
reflexionen  über  die  allgemeinen  und  des  dichters  per- 
sönliche angelegenheiten,  jedoch  beschränkt  auf  die 
Verhältnisse  des  höfischen  gesellschaftskreises,  der  das 
publikum  des  dichters  bildet  und  seine  Stellung  zu 
demselben. 

Walth.  V.  d.  Vogelweide.    5.  aufl.  2 


18 

Die  bedeutung  Walthers  beruht  nun  zu  einem  guten 
teile  eben  darauf,  dass  er  die  kluft  zwischen  ritterlicher 
und  spielmännischer  dichtung  überbrückt  hat,  indem  er, 
ausgehend  von  dem  Standpunkte,  auf  welchen  Reinmar 
die  erstere  gestellt  hatte,  auch  das  Stoffgebiet  und  die 
formen  der  letzteren  für  sich  erobert  hat.  Und  da  sich 
damit  auch  Stoffe  und  formen  der  geistlichen  dichtung 
vereinigen,  so  fliessen  in  Walther  überhaupt  alle  früher 
getrennten  richtungen  der  kunstlyrik  zusammen.  Sie 
bleiben  dabei  auch  nicht  unvermittelt  in  seiner  person 
nebeneinander  stehen,  sondern  durchdringen  sich  gegen- 
seitig. Dabei  verwischen  sich  auch  die  grenzlinien 
zwischen  lied  und  spruch. 

Walthers  liederdichtung  hat  sich  zuerst  wahrschein- 
lich ziemlich  eng  an  die  höfische  kunstweise  Reinmars 
angeschlossen,  i)  Es  war  das  früher  nicht  die  herr- 
schende ansieht.  Vielmehr  begegnete  man  gewöhnlich 
der  entgegengesetzten,  dass  Walther  von  einer  volks- 
mässigeren  weise  ausgegangen  sei.  Die  entscheidung 
über  diese  frage  hängt  zusammen  mit  der  über  die 
frage  nach  den  realen  Verhältnissen,  die  den  rainne- 
liedern  Walthers  zu  gründe  liegen.  Den  hauptanhalts- 
punkt  dazu  geben  die  lieder  12  und  16.  Das  erstere, 
an  ein  mädchen  niederen  Standes  gerichtet,  preist  die 
liebe,  die  keine  rücksicht  auf  rang  und  Schönheit  nimmt. 
Das  letztere  zeigt  den  dichter  in  begriff,  sich  einer  vor- 
nehmen dame  zu  widmen.  Hier  wird  die  niedere  minne, 
der  er  früher  gehuldigt,  verworfen  und  die  hohe  als  das 
walire  ideal  hingestellt.  Man  hat  danach  versucht, 
die  gesamten  minnelieder  Walthers  auf  diese  beiden  Ver- 
hältnisse zu  beziehen  und  sie  in  zwei  gruppen  zu  ver- 
teilen,    eine    ältere,     lieder    der    niederen,    und    eine 


1)  Diese  ansieht  wird  vertreten  von  Burdach  in  seinem 
buche  „Reinmar  der  alte  und  Walther  von  der  Vogelweide" 
(Leipzig  1880).  Die  eigentümliche  art,  wie  der  verf.  den  ent- 
wicklungsgang  Walthers  auffasst,  ist  sehr  beachtenswert,  wenn 
dabei  auch  nicht  selten  über  das  ziel  hinausgeschossen  ist. 
Vgl.  dazu  Paul,  PBB  VIII,  171.  Burdach  ib.  461.  Paul 
ib.  471.    Burdach,  AfdA  VIII,  370.    Paul,  PBB  IX,  147. 


19 

jüngere,  lieder  der  hohen  minne.  *)  Andere  lassen  auf 
das  zweite  Verhältnis  noch  ein  drittes  folgen.  2)  Uns 
scheint  es  ein  vergebliches  beginnen,  die  zahl  der  minne- 
verhältnisse  Walthers  zu  bestimmen  oder  gar  die  lieder 
unter  die  einzelnen  Verhältnisse  zu  verteilen.  Da  Walther 
den  minnesang  berufsmässig  und  bis  in  seine  späten 
lebensjahre  hinein  betrieb,  so  ist  es  überhaupt  zweifel- 
haft, ob  allen  seinen  liedern  reale  Verhältnisse  zu  gründe 
liegen.  An  der  tatsache,  dass  Walther  einmal  in  seinem 
leben  von  der  niederen  minne  zur  hohen  überging,  ist 
allerdings  nicht  zu  rütteln.  Aber  daraus  folgt  weder, 
dass  das  neue  Verhältnis  das  letzte,  noch  dass  das 
frühere  Verhältnis  das  erste  gewesen  ist,  das  Walther 
in  seinen  liedern  besungen  hat.  Es  steht  nichts  im 
wege  anzunehmen,  dass  der  niederen  minne  schon  ein 
Verhältnis  zu  einer  adeligen  dame  vorangegangen  ist,  in 
das  Walther  nach  der  heiTSchenden  ritterlichen  sitte, 
vielleicht  ohne  tiefere  neigung,  vielleicht  nur  um  einen 
gegenständ  für  seine  poesie  zu  haben,  getreten  sein  mag. 
Wir  können  diese  annähme  nicht  gut  entbehren,  weil  es 
nach  dem  ganzen  Charakter  der  wenigen  lieder  Walthers, 
die  auf  niedere  minne  deuten  und  ein  volkstümlicheres 
gepräge  tragen,  nicht  denkbar  ist,  dass  diese  seine  ersten 
versuche  sein  sollten. 

Wir  betrachten  demnach  diejenigen  lieder  Walthers 
als  die  ältesten,  welche  sich  am  wenigsten  von  der 
manier  Reinmars  entfernen.  Der  in  der  schule  des 
letzteren  gewonnene  grundcharakter  bleibt  zwar  auch 
den  meisten  späteren  minneliedern,  wird  aber  durch 
anderweitige  einfiüsse  und  durch  die  eigene  originale 
Schöpfungskraft  wesentlich  modifiziert,  und  manches  tritt 
ganz  aus  dem  rahmen  der  älteren  ritterlichen  kunst- 
dichtung  heraus.  Von  höfischen  dichtem,  die  wesentlich 
anderer  natur  waren  als  Reinmar,   haben  Heinrich  von 


')  Weiske,  Weimarer  Jahrb.  1,  357.  Rieger,  Leben 
Walthers  57.  Wackernagel  and  Rieger  in  ihrer  ausgäbe. 
■■')  Wilmanns,  der  einen  östreichischen  und  einen  thüringischen 
minnedienst  unterscheidet;  Simrock,  der  auf  die  hohe  eine 
gemässe  rainne  folgen  lässt. 


20 

Morungen ')  und  Wolfram  von  Eschenbach  einigen  einflnss 
auf  ihn  gehabt.  Wie  mit  dem  letzteren  am  thüringischen 
hofe,  80  mag  er  vielleicht  mit  dem  ersteren  am  meiss- 
nischen  in  persönliche  bertihrung  gekommen  sein.  Einfluss 
der  lyrik  des  Volkes 2)  zeigt  sich  besonders  in  13.  14. 
40.  54.  Bedeutender  noch  wird  die  Wirkung  gewesen 
sein,  welche  die  beschäftigung  mit  der  Spruchdichtung, 
wie  er  sie  in  der  schule  der  spielleute  erlernt  hatte, 
auf  seinen  minnesang  gehabt  hat.  Betrachtungen  über 
die  zustände  in  der  höfischen  gesellschaft  drängen  sich 
bei  Walther  viel  mehr  in  den  Vordergrund  als  bei 
Reinmar. 

In  der  Spruchdichtung  hat  Walther  das  ganze  bis 
dahin  bearbeitete  gebiet  umspannt.  Er  hat  insbesondere 
eine  gattung,  wozu  vor  ihm  wahrscheinlich  nur  erst 
schwache  ausätze  gemacht  waren,  die  politische  dichtung 
in  grossartigster  und  nach  ihm  nicht  wieder  erreichter 
weise  ausgebildet.  Wir  dürfen  Walthers  politische 
Sprüche  nicht  als  blosse  äusserungen  seiner  privat- 
meinung  betrachten.  Sie  haben  vielmehr  einen  gewissen 
offiziellen  Charakter,  vertreten  das  Interesse  und  den 
Standpunkt  eines  fürsten  oder  einer  politischen  partei, 
sind  vielleicht  von  daher  ihrem  Inhalte  nach  geradezu 
eingegeben.  Sie  spielen  in  den  politischen  kämpfen 
der  zeit  eine  ähnliche  rolle  wie  heutzutage  die  leit- 
artikel  der  parteizeitungen.  Für  die  gewalt,  mit  der 
sie  wirkten,  gibt  uns  der  ausspruch  eines  gegners  das 
beste  Zeugnis,  vgl.  zu  75,  51. 

Des  religiösen  dementes  hatten  sich  die  spielleute 
nach  dem  muster  der  geistlichen  schon  vor  Walther 
bemächtigt,  die  ritter  wenigstens  in  der  gattung  der 
kreuzlieder.  Indessen  lässt  sich  wol  behaupten,  dass 
Walther  neben  Wolfram  von  Eschenbach  epochemachend 
für  die  ausbreitung  der  religiösen  dichtung  unter  dem 
laienstande  geworden  ist.     Wir  würden  in  seinen  dich- 


1)  Vgl.  Werner  AfdA  VIT,  125 ff.,  wo  aber  auch  manches 
ungehörige  beigebracht  wird.  V  Dieser  einfluss  wird  besonders 
von  Burdach  betont  und  jedenfalls  zu  hoch  angeschlagen. 


21 

tungen  nicht  das  universelle  bild  der  mittelalterlichen 
anschanungen  haben,  wie  es  uns  jetzt  vorliegt,  wenn 
nicht  auch  diese  Seite  darin  reichlich  vertreten  wäre. 
Während  aber  bei  Wolfram  religion  und  weltleben  sich 
friedfertig  miteinander  vertragen,  erscheint  bei  Walther 
der  gegensatz  beider,  wie  er  für  mittelalterliches  leben 
und  mittelalterliche  dichtung  so  charakteristisch  ist,  in 
seiner  ganzen  Schroffheit.  Sie  liegen  mehr  nach-  als 
nebeneinander.  Auf  unbefangene,  sorglose  hingebung 
an  die  freude  der  weit  folgt  allmähliche  abkehrung 
unter  erschütternden  Seelenkämpfen,  i) 

Es  kann  hier  nicht  unsere  aufgäbe  sein,  eine  voll- 
ständige Charakteristik  von  Walthers  eigenart  und  den 
mittein  seiner  darstellung  zu  entwerfen.  2)  Ich  hebe 
nur  als  besonders  charakteristische  momente  hervor  die 
neigung  zum  humor,  die  sinnliche  kraft  des  ausdrucks, 
die  Vorliebe  für  Personifikation  und  allegorie,  die  geist- 
reiche Zuspitzung  der  gedanken,  die  meisterhafte  be- 
herrschung  der  metrischen  form. 

Welche  anerkennung  Walther  bei  seinen  Zeit- 
genossen fand,  zeigt  eine  stelle  im  Tristan  Gottfrieds 
von  Strassburg.  Dieser  kommt  auf  die  minnesinger  zu 
sprechen,  die  er  als  nachtigallen  bezeichnet,  und  wirft 
die  frage  auf,  wer  ihre  anführerin  sein  soll,  seitdem 
die   von  Hagenau    verstummt   ist.     Er   fährt  dann  fort: 

')  Kaum  noch  erwähnt  zu  werden  braucht  die  annähme 
von  W.  Grimm,  dass  Walther  auch  der  Verfasser  der  unter 
dem  namen  Freidanks  überlieferten  Bescheidenheit  sei.  Vgl. 
dairegen  Pfeiffer,  Zur  deutschen  litterat Urgeschichte  s.  37 
(wider  abgedruckt  in  Freie  Forschung,  s.  163).  ^)  Die  schrift 
von  Wigand,  Der  stil  Walthers  von  der  Vogelweide  (Marburg 
1879)  genügt  nicht  den  an  eine  solche  arbeit  zu  stellenden 
forderungen.  Ueber  mehrere  punkte  handelt  Burdach,  Reinmar 
und  Walther.  Einen  ausführlichen  abschnitt  über  Walthers 
Stil  enthält  die  zweite  au.sgabe  von  Wilmauns,  die  dann  in  die 
durch  V.  Michels  veröffentlichte  Neubearbeitung  von  Walthers 
Leben  übergegangen  ist.  Vgl.  noch  E.  Hamann,  Der  humor 
Walthers  von  der  Vogelweide,  diss.  Rostock  1889.  H.  Wood, 
Unconventional  uses  of  natural  imagery  in  the  poems  of  W. 
V.  d.  V.  (American  Journ.  of.  Philol.  XI,  200).  E.  Gärtner, 
Die  epitheta  bei  W.  v.  d.  V.    diss.  Kiel,  1911. 


22 

wer  leitet  nu  die  lieben  schar?  (4794) 

wer  wiset  diz  gesinde? 

ich  wsene  ich  si  wol  vinde 

diu  die  baniere  vüeren  sol: 

ir  raeisterinne  kan  ez  wol, 

diu  von  der  Vogelweide. 

hei  wie  diu  über  beide 

mit  hoher  .stimme  schellet! 

waz  Wunders  si  gestellet! 

wie  spaehe  si  organieret! 

wie  si  ir  sanc  wandelieret, 

ich  meine  ab  in  dem  döne 

da  her  von  Zitherone, 

da  diu  gotinne  Minne 

geblutet  üfe  und  inne. 

diu  ist  da  ze  hove  kameraerin. 

diu  sol  ir  leitserinne  sin. 

diu  wiset  si  ze  wünsche  wol. 

diu  weiz  wol  wä  si  suochen  sol 

der  minnen  melodie. 

Walther  wird  also  hier  als  der  erste  lebende  sänger 
hingestellt,  wiewohl  ausschliesslich  auf  seinen  rainnesang 
rticksicht  genommen  wird.  Walthers  schüler,  Ulrich 
von  Singenberg,    hat   ihm  folgenden  nachruf  gewidmet: 

Uns  ist  unsers  sauges  meister  an  die  vart, 

den  man  e  von  der  Vogelweide  nande, 

Diu  uns  nach  im  allen  ist  vil  unerspart. 

nu  waz  frumt  swaz  er  e  der  weite  erkande? 

Sin  höher  sin  ist  worden  kranc. 

nu  wünschen  irae  dur  sinen  werden  hövescheu  saue, 

sit  dem  sin  fröude  si  ze  wege, 

daz  sin  der  süeze  vater  nach  genäden  pflege. 

Mit  andern  verstorbenen  dichtem  zusammen  wird  er 
gepriesen  von  dem  Marner  und  von  Reinmar  von  Brennen- 
berg, die  ihn  ausdrücklich  als  ihren  meister  bezeichnen, 
von  Rubin,  Hermann  dem  Damen,  Hugo  von  Trimberg 
(Jier  Walther  von  der  Vogelweide,  stver  des  vergoeze, 
tcete  mir  leide). ^)  Fraueulob  nennt  ihn  mit  Reinmar 
und  Wolfram.  Er  gehört  nach  der  sage  zu  den  Sängern, 
die  am  Wartburgkrieg  teilnehmen.  Sein  name  lebt  in 
der    tradition    der    meistersinger    fort.      Zahlreich    sind 


»)  Vgl.  V.  d.  Hagen,  Minnesinger  IV,  184  ff.  871  ff. 


23 

die  nachabmungen  seiner  gedichte  und  eatlehnungen 
aus  denselben  bei  den  lyrischen  und  didaktischen  dichtem 
des  dreizehnten  Jahrhunderts.  Die  von  ihm  hergestellte 
Vermittlung  zwischen  ritterdichtung  und  Spielmanns- 
dichtung ist  von  bleibender  Wirkung  gewesen.  Es  folgt 
auf  ihn  eine  anzahl  ritterlicher  dichter,  die  sich  mit 
Spruchdichtung  befassen,  und  eine  noch  grössere  zahl 
bürgerlicher  dichter,  die  neben  dem  spruch  den  minne- 
sang  pflegen. 

3.   Die  Überlieferung  und  kritisclie  beliandlung 
der  gedichte  Walthers. 

Die  lieder  Walthers  i)  sind  wie  die  der  übrigen 
minnesinger  in  der  regel  zuerst  einzeln  oder  in  kleinen 
grnppen  von  gleicher  strophenform  und  melodie^)  ver- 
breitet, einerseits  durch  mündliche  Überlieferung,  ander- 
seits durch  aufzeichnung  auf  einzelne  blätter,  die  neben 
dem  text  auch  die  melodie  zu  enthalten  pflegten.  Es 
haben  sich  dann  Sammler  gefunden,  welche  eine  anzahl 
von  liedern  teils  des  gleichen,  teils  verschiedener  Ver- 
fasser in  ein  liederbuch  vereinigten.  Aus  diesen  lieder- 
büchern  endlich  sind  gegen  ende  des  dreizehnten  und 
im  vierzehnten  Jahrhundert  grössere  Sammlungen  ent- 
standen. Von  diesen  sind  uns  mehrere  erhalten,  während 
die  einzelaufzeichnungen  und  die  kleineren  liederbücher 
verloren  gegangen  sind,  und  sind  nun  die  hauptquellen 
für  unsere  kenntnis  Walthers  wie  der  übrigen  minne- 
singer. Die  drei  wichtigsten  sind  die  Heidelberger 
handschrift  n.  357  (A  nach  Lachmanns  bezeichnung), 
die  Weingartener,  jetzt  Stuttgarter  (B),  die  Heidelberger, 
früher  Pariser,  auch  als  Manessische  bezeichnet,  die 
umfänglichste  unter  allen  (C).  In  geringerem  masse 
kommt  in  betracht  die  Weimarer  handschrift  (F)  und 
in  noch  geringerem  die  Heidelberger  n.  350  (D).  Eine 
sehr  reichhaltige  Zusammenstellung  Waltherscher  lieder 
enthält   ferner    eine  grosse  Sammelhandschrift,    die  sich 

')  Vgl.  zum  folgenden  Wilmanns  ZfdA  XIII,  217.  2)  Die 
mittelhochdeutsche  bezeichnung  dafür  ist  dön  oder  icise. 


24 

nicht  bloss  auf  lieder  beschränkt,  nämlich  die  schon  oben 
erwähnte  Würzburger  (jetzt  Münchener)  hs.  des  Michael 
Leone  (E).  Ausserdem  sind  eine  anzahl  lieder  hie  und 
da  zerstreut  überliefert.  Ich  verweise  dafür  auf.  das 
vollständige  Verzeichnis  in  Lachmanns  ausgäbe,  i) 

Bei  solcher  art  der  Überlieferung  musste  die 
reinheit  und  Vollständigkeit  des  textes  erheblich  leiden. 
Dass  wir  manchen  verlust  zu  beklagen  haben,  macht 
schon  der  Umstand  wahrscheinlich,  dass  unter  den 
wenigen  auf  uns  gekommenen  Zitierungen  Waltherscher 
gedichte  eine  ein  verlorenes  lied  trifft  (Parz.  297,  24, 
vgl.  oben  s.  10).  Unter  den  überlieferten  liedern  sind 
mehrere  fragmentarisch,  vgl.  namentlich  53,  25.  41.  105. 
Wenn  Walther  von  manchen  diensten  spricht,  die  er 
dem  Meissner  erwiesen  habe  (74,  15),  so  wird  man 
daraus  zu  schliessen  haben,  dass  er  noch  andere  Sprüche 
in  dessen  Interesse  gedichtet  hat  als  73, 1.  Ferner  aber 
konnte  manches  von  seinem  eigentum  auf  fremden  namen 
und  umgekehrt  manches  fremde  auf  den  seinigen  über- 
tragen werden.  So  gibt  es  eine  nicht  ganz  kleine  zahl 
von  Strophen,  um  deren  Verfasserschaft  sich  nach  den 
verschiedenen  Überlieferungen  mit  dem  namen  Walthere 


')  Eine  bereicherung  des  handschriftlichen  materials 
brachten:  Wolfenbüttler  bruchstücke  der  gedichte  Walthers 
von  der  Vogelweide,  aufgefunden  von  G.  Mlcbsack,  zum  druck 
befördert  von  F.  Zarncke  (Ber.  der  sächs.  gesellsch.  d.  wiss., 
phil.-hist.  classe  1883),  mit  U  bezeichnet,  0.  v.  Heinemann, 
ZfdA  32,  87  (mit  W  bezeichnet).  Dazu  kommt  jetzt  ein 
pergamentdoppelblatt,  das  wir  mit  0  bezeichnen,  veröffentlicht 
von  Jostes,  ZfdA  53,  348.  Es  enthält  nr.  83,  eine  anzahl 
Strophen  des  tones  76  (lOH)  und  den  Anfang  von  70  b.  Der 
ertrag  für  die  texlkritik  ist  nicht  erheblich.  Wichtiger 
sind  vielleicht  die  beigefügten  melodien,  deren  wert  aber 
verschieden  beurteilt  wird,  vgl.  E..  Molitor,  Sammelbände  der 
internationalen  Musikgesellschaft  XII,  s.  475,  R.  Wustmann 
ib.  XIII,  s.  247,  R.  Molitor  ib.  XIII,  s.  506.  Ferner  enthält  ein  aus 
Heiligenstadt  stammendes  pergamentblatt,  das  von  Degerin, 
ZfdA  53,  337  veröffentlicht  ist,  und  das  wir  mit  R  bezeichnen, 
ausser  dem  brucbstück  eines  sonst  unbekannten  Spruches  76, 
31  ff.,  76,  Iff.  und  den  anfang  von  76,  71.  Die  R  und  0 
gemeinsame  Strophe  zeigt  starke  Übereinstimmung  in  den 
lesarten. 


25 

der  einee  anderen  dichters  streitet.  So  der  name  Rein- 
mars: 102.  103,  Hartmanns  von  Aue:  3,  Leutolds  von 
Seven:  25.  28.  41,  Ulrichs  von  Singenberg:  106,  51. 
Weitere  fälle  der  art  sind  von  Lachmann  in  der  ein- 
leitung  zu  seiner  ausgäbe  s.  XI  angegeben.  Andere 
Strophen  sind  zwar  nur  unter  Walthers  namen,  aber 
auch  nur  in  einer  einzigen  handschrift  überliefert,  und 
auch  bei  diesen  fehlt  eine  ausreichende  äussere  be- 
glaubigung  für  ihre  echtheit.  Trotz  anwendung  aller 
hilfsmittel  der  kritik  ist  nicht  immer  eine  sichere  ent- 
scheidung  zu  treffen,  und  es  bleibt  eine  beträchtliche 
masse  von  Strophen,  die  mit  voller  bestimmtheit  dem 
dichter  weder  zu-  noch  abgesprochen  werden  können, 
wenn  auch  die  Wahrscheinlichkeit  der  echtheit  oder  un- 
echtheit  eine  mannigfach  abgestufte  ist.  Wie  wir  uns 
in  dieser  hinsieht  vielfach  bescheiden  müssen,  so  sind 
wir  auch  nicht  im  stände,  den  text  durchgängig  von  den 
mannigfachen  verderbungen  zu  reinigen,  denen  derselbe 
im  laufe  der  Zeit  ausgesetzt  gewesen  ist,  und  ihn  in 
seiner  ursprünglichen  gestalt  wider  herzustellen.  Wo 
uns  nicht  wenigstens  mehrere  von  einander  unabhängige 
Überlieferungen  vorliegen,  bewegen  wir  uns  auf  einem 
sehr  unsicheren  boden.  Besondere  Schwierigkeiten  macht 
es  auch,  die  ursprüngliche  reihenfolge  der  Strophen  her- 
zustellen, indem  die  handschriften  mitunter  sehr  von 
einander  abweichen.')  Es  hängt  das  damit  zusammen, 
dass  der  gedankenzusammenhang  zwischen  den  Strophen 
oft  nur  ein  loser  ist,  so  dass  auch  eine  sichere  ent- 
scheidung  über  Zusammengehörigkeit  oder  nichtZusammen- 
gehörigkeit nicht  immer  möglich  ist. 

In  der  neuzeit  ist,  von  einigen  früheren  flüchtigen 
erwähnungen  abgesehen,  Bodmer  der  erste  gewesen,  der 
die  gedichte  Walthers  wieder  aus  der  Vergessenheit 
hervorgezogen  hat.  In  seinen  1748  erschienenen  Proben 
der  alten  schwäbischen  poesie  wurden  auch  gedichte 
Walthers  mitgeteilt,  und  in  seiner  1758/9  erschienenen 
Sammlung  von  minnesingern  der  ganze  Inhalt  der  Pariser 


»)  Darüber  handelt  Wilmanns,  ZfdA  Xin,  229. 


2tj 

liederhandscbrift.  Nachdem  dann  Gleim  (1773.  9)  und 
einige  mitglieder  des  Hainbundes,  später  Tieck  (1803) 
sich  in  der  erneuerung  mehrerer  lieder  Walthers  ver- 
sucht hatten  und  Uhlands  Schrift  über  ihn  (1822)  ein 
anschauliches  bild  geliefert  hatte,  erschien  im  jähre 
1827  die  erste  kritische  ausgäbe  von  K.  Lachmann,  die 
grundlage  für  alle  späteren  ausgaben  und  noch  immer 
die  einzige,  die  den  vollständigen  kritischen  aj^arat 
bietet.  Die  zweite  ausgäbe  (1843)  hat  im  text  wenige 
Veränderungen  erfahren,  mehr  in  den  anmerkungen, 
namentlich  Zusätze.  Die  dritte  (1853)  und  vierte  (1864), 
die  von  Haupt  besorgt  sind,  und  die  fünfte  (1875),  die 
von  Müllenhoff  besorgt  ist,  lassen  Lachmanns  arbeit 
unangetastet,  geben  aber  einige  wertvolle  zusätze  und 
berichtigungen,  die  sechste  (1891)  ist  unverändert.  In 
der  siebenten,  besorgt  von  Carl  von  Kraus  (1907),  sind 
die  Varianten  einer  durchgängigen  revision  unterzogen, 
einige  druckfehler  im  text  berichtigt  und  auf  grund  des 
neuen  materiales  auch  einige  änderungen  im  texte  vor- 
genommen. Ausserdem  sind  bis  jetzt  folgende  ausgaben 
erschienen:  von  v.  d.  Hagen  in  seinen  Minnesingern 
(Leipzig  1838)  I,  222 ff.;  von  Wackernagel  und  Rieger 
(Giessen  1862);  von  Pfeiffer,  (Leipzig  1864,  siebente 
aufläge,  besorgt  von  Herm.  Michel  1911)  mit  erläuterndem 
kommentar  für  weitere  kreise;  von  Wilmanns  (Halle  1869) 
mit  kommentar  für  studierende,  zweite  vollständig  um- 
gearbeitete ausgäbe  (1883),  dritte  ausgäbe  (1912),  text- 
ausgabe  (Halle  1886),  zweite  ausgäbe  (1905);  von 
Simrock  (Bonn  1870)  mit  einleitenden  Vorbemerkungen 
und  einigen  erläuterungen;  von  Bartsch  (Leipzig  1875. 
•U906),  Schulausgabe  mit  Wörterbuch;  von  Pf  äff  in 
Kürschners  National -litteratur  8,  2 2.  Von  auswählen 
sind  zu  nennen  Bartsch,  Deutsche  liederdichter  des 
zwölften  bis  vierzehnten  Jahrhunderts,  Leipzig  1864, 
zweite  aufläge,  Stuttgart  1879,  dritte  1894,  vierte, 
Berlin  1901  nr.  XXI;  Bechstein,  Walthers  v.  d.  Vogel- 
weide und  seiner  schüler  ausgewählte  gedichte,  Stutt- 
gart 1879.  2  1893.  An  Lachmanns  ausgäbe  schliesst 
sich  an  das  Glossarium  zu  den  gedichten  Walthers  v.  d. 


27 

Vogelweide  von  Hornig,  Quedlinburg  1844.  Eine  voll- 
ständige Übersetzung  hat  zuerst  Simrock  geliefert,  Berlin 
1833,  siebente  ausgäbe  Leipzig  1883,  durchgesehen  von 
Morgenstern,  Berlin  1906.  Die  erste  aufläge  enthält 
wertvolle  erläuterungen  von  Wackernagel,  die  später 
nicht  wider  abgedruckt  sind.  Andere  Übersetzungen 
sind  die  von  Koch  (1848),  Weiske  (1852),  Pannier 
(1876),  Schroeter  (1881),  Samhaber  (1882),  Kleber 
(1899),  Zoozmann  (1907).  Eine  gut  lesbare  auswahl 
bietet  Eigenbrodt  (Halle  1898). 

Von  abhandlungen,  die  sich  mit  kritik  und  erklärung 
der  gedichte  Walthers  beschäftigen,  sind  noch  zu  er- 
wähnen: PfeLffer,  Germania  V,  21;  Bartsch  ib.  VI,  187; 
Paul,  PBB  II,  550.  VIII,  192;  Fasching,  Germania  XXII, 
429.  XXIII,  34  (zu  den  religiösen  dichtungen);  Lucae, 
ZfdA  XXXin,  254;  Hildebrand,  ib.  XXXVIH,  1;  Mettin, 
PBB.  XVIII,  536  (ziemlich  wertlos);  Schönbach,  ZfdA 
39,  337  und  Beiträge  zur  erklärung  altd.  dichtwerke  II, 
Wien  1902  (=^  Sitzungsberichte  der  Wiener  akad., 
philos.-historische  klasse  145,  IX);  Wallner,  ZfdA  39, 184. 
429.  40,  335  und  PBB  33,  1.  35,  191.  43,  178  (meist 
verfehlt);  Bech,  AfdA  22,  128;  Rieger,  ZfdA  46,  381. 
47,  56;  Frantzen  im  Album  Kern  309  (nicht  über- 
zeugend); Herrn.  Möller,  AfdA  36,  197;  Starr  Willard 
Cutting,  Modern  Philology  12,  101;  Braune,  PBB  40,  216. 
345.  41,  189.  42,  123;  H.  Fischer,  Germ.-Rom.  Monats- 
schrift 7,  157;  Jellinek,  PBB  43,  1;  Singer,  ibid.  44,  451. 
Man  vgl.  auch  die  rezensionen  von  Bartsch  in  den 
Jahrbüchern  f.  phil.  und  paed.,  zweite  abteilung,  jahrg. 
1869,  s.  407  und  von  Hildebrand,  ib.  1870,  s.  73.') 
Auf  anderes  wird  in  den  anraerkungen  verwiesen,  über 
die  nachwirkung  Walthers  handelt  Hugo  Roesing,  Die 
nachwirkung  Walthers  v.  d.  Vogelweide  auf  die  lyrische 
und  didaktische  poesie  des  mittelalters.  Diss.  Strass- 
burg  1911. 


')  Auf  eine  anzahl  stellen  wird  auch  bezug  genommen 
in  der  abhaudlung  von  Wolfram,  Kreuzpredigt  und  kreuzlied, 
ZfdA  XXX,  89. 


28 

Eine  orientiernng  über  die  bis  dahin  erschienene  bereits 
ziemlich  beträchtliche  literatur  gibt  die  schrift  von  Leo,  Die 
gesamte  literatur  Walthers  von  der  Vogel  weide,  Wien  1880. 

Es  erübrigt  noch  die  grundsätze  darzulegen,  die  bei 
der  anordnung  der  gedichte  in  unserer  ausgäbe  befolgt 
sind.  Ich  habe  wie  die  handschriften  und  die  bis- 
herigen ausgaben  die  Strophen  des  gleichen  tones  bei 
einander  gelassen.  Dadurch  ist  eine  konsequente  an- 
ordnung nach  sachlichen  gesichtspunkten  von  selbst 
ausgeschlossen.  Doch  ist  eine  solche  soweit  angestrebt, 
als  sie  nicht  durch  die  Ordnung  nach  tönen  und  durch 
die  natur  der  gedichte  selbst  unmöglich  gemacht  wird. 
Ich  habe  zunächst  die  ganze  masse  unter  zwei  haupt- 
abteilungen  gebracht,  welche  den  Stoffen  nach  einiger- 
massen  dem  früheren  gegensatz  zwischen  ritterlicher 
und  spielmännischer  dichtung  entsprechen.  Die  erste 
umfasst  die  minnelieder,  die  naturlieder  und  diejenigen 
lieder,  die  sich  mit  den  Verhältnissen  der  höfischen 
geselligkeit  beschäftigen.  Voran  stehen  die  reinen 
minnelieder,  und  zwar  kommen  zuerst  diejenigen,  die 
ihrem  Charakter  nach  den  Reinmarischen  am  nächsten 
verwandt  sind,  dann  die  auf  niedere  minne,  dann  die 
übrigen  auf  hohe  minne  bezüglichen.  Es  folgen  dann 
diejenigen  töne,  in  denen  der  minnesang  mit  reflexionen 
über  die  gesellschaftlichen  Verhältnisse  untermischt  ist; 
endlich  diejenigen,  die  gar  keine  beziehung  auf  ein 
minneverhältnis  enthalten.  Die  zweite  hauptabteilung 
umfasst  die  gedichte,  die  sich  mit  moral,  religion, 
politik  und  persönlichen  angelegenheiten  des  dichters 
beschäftigen,  sämtliche  Sprüche  im  Simrockschen  sinne, 
aber  auch  eine  anzahl  lieder  und  den  leich.  Hier  stehen 
diejenigen  töne  voran,  in  denen  sich  Strophen  finden, 
die  mit  einiger  Sicherheit  datierbar  sind,  und  zwar  in 
der  reihenfolge,  wie  die  vermutlich  ältesten  datierbaren 
Strophen  der  einzelnen  töne  chronologisch  auf  einander 
folgen.  Ebenso  sind  dann  innerhalb  jedes  tones  die 
datierbaren  Strophen  vorangestellt,  soweit  wie  möglich 
in  chronologischer  folge.  Hoffentlich  wird  man  diese 
weise  der  anordnung  einigermassen  rationell  finden. 


1  (L.  91  17). 

Junger  man,  wis  hohes  muotes 
durch  diu  reinen  wol  gemuoten  wip. 
Fröuwe  dich  libes  unde  guotes, 
unde  wirde  dinen  jungen  lip. 

Ganzer  fröude  hast  da  niht,  5 

so  man  die  werdekeit  von  wibe  an  dir  niht  siht. 

Er  hat  rehter  fröude  kleine, 
der  sie  von  guoten  wiben  niht  ennimt, 
Offenbare,  stille  und  eine, 

und  als  ez  der  mäze  danne  zimt.  10 

Dar  an  gedenke,  junger  man, 
und  wirp  nach  herzeliebe:  da  gewinnest  an. 

Ob  dus  danne  niht  erwirbest, 
du  mnost  doch  iemer  deste  tiurre  sin. 
Dazt  an  fröuden  niht  verdirbest,  15 

daz  kumt  allez  von  der  frouwen  din. 
Du  wirst  also  wol  gemuot, 
daz  du  den  andern  wol  behagest,  swie  si  dir  tuot. 

Ist  aber  daz  dir  wol  gelinget, 
so  daz  ein  guot  wip  din  genäde  hat,  20 

Hei  waz  dir  danne  fröuden  bringet, 
so  si  sunder  wer  vor  dir  gestät: 
Halsen,  triuten,  bi  gelegen. 
von  80  rdhter  herzeliebe  mnost  du  fröuden  pflegen. 

Sich,  nu  hab  ich  dich  geleret  25 

des  ich  selbe  leider  nie  gepflac. 


1  Iff.  Die  echtheit  dieses  und  des  folgenden  liedes,  die 
beide  nur  in  C  tiberliefert  sind,  ist  mehrfach  angezweifelt. 
Doch  wird  ihr  geringer  poetischer  wert  eher  daraus  zu  er- 
klären sein,  dass  sie  zu  den  ersten  versuchen  Walthers  gehören. 


30  1  27  —  2  32 

Ungelücke  mir  verkeret 

daz  ein  sselic  man  volenden  mac. 

Doch  tuot  mir  der  gedinge  wol 

und  der  wille,  den  ich  hän,  deichznoch  erwerben  sol.   30 

2  (L.  112  35). 

Frouwe,  vernemt  durch  got  mir  ditze  maere: 

ich  bin  ein  böte  und  sol  in  sagen, 

Ir  sült  wenden  einem  ritter  swaere, 

die  er  lange  hat  getragen. 

Daz  sol  ich  iu  künden  so:  5 

ob  ir  in  weit  fröuden  riehen, 

sicherlichen 

des  wirt  manic  herze  fro. 

Frouwe,  enlät  iuch  des  so  niht  verdriezen, 
ir  engebt  im  höhen  muot.  10 

Des  mügt  ir  und  alle  die  wol  geniezen, 
den  ouch  fröude  sanfte  taot. 
Da  von  wirt  sin  sin  bereit, 
ob  ir  in  ze  fröuden  bringet, 

daz  er  singet  15 

iuwer  ere  und  werdekeit. 

Fronwe,  sendet  im  ein  höhgemüete, 
Sit  an  iu  sin  fröude  stät. 
Er  mac  wol  geniezen  iuwer  güete, 
Sit  diu  tugent  und  ere  hat.  20 

Frouwe,  gebt  im  hohen  muot. 
weit  ir,  sin  truren  ist  verkeret, 
daz  in  leret 
daz  er  daz  beste  gerne  toot. 

'Ja  möhte  ich  michs  an  in  niht  wol  geläzen,  25 

daz  er  wol  behuote  sich. 
Krumbe  wege  die  gent  bl  allen  sträzen 
da  vor  got  behüete  mich. 
Ich  wil  nach  dem  rehten  varn, 

ze  leide  im  der  mich  anders  lere.  30 

swar  ich  kere, 
da  müeze  mich  doch  got  bewarn.' 


3  1  —  3  30  31 

8  (1— 16=MF  214  34.   17— 32=L.  s.  217.   33— 40=L.  120  16). 

Dir  hat  enboten,  frouwe  guot, 

sin  dienest  der  dir  es  wol  gan, 

Ein  ritter  der  vil  gerne  tuot 

daz  beste  daz  sin  herze  kan. 

Der  wil  dnrch  dinen  willen  disen  sumer  sin  5 

vil  hohes  muotes  verre  üf  die  genäde  din. 

daz  solt  du  minnecliche  enpfän,         daz  ich  mit  gnoten 

so  bin  ich  willekomen  dar.  [mseren  var: 

'Du  solt  im,  böte,  min  dienest  sagen: 
swaz  ime  ze  liebe  müge  geschehen,  10 

Daz  möhte  niemen  baz  behagen, 
der  in  so  selten  habe  gesehen. 
Und  bite  in  daz  er  wende  sinen  stolzen  lip 
da  man  im  löne:  ich  bin  im  ein  vil  vremedez  wip 
zenpfänne  sus  getane  rede.  swes  er  ouch  anders 

danne  gert,     15 
daz  tuon  ich,  wan  des  ist  er  wert.' 

Min  erste  rede  dies  ie  vernam, 

die  enpfienc  si  deiz  mich  dühte  guot, 

ünz  si  mich  nähen  zir  gewan; 

zehant  bestuonts  ein  ander  muot.  20 

Swie  gerne  ich  wolte,  ich  enmac  von  ir  niht  kernen: 

diu  gröze  liebe  hat  so  vaste  zuo  genomen, 

daz  si  mich  niht  enlsezet  fri:      ich  muoz  ir  eigen  iemer 

nu  enruoche,  est  doch  der  wille  min.     [sin. 

Swer  gibt  daz  minne  Sünde  si  25 

der  sol  sich  e  bedenken  wol. 

Ir  wont  vil  manic  ere  bi, 

der  man  durch  reht  geniezen  sol. 

Und  volget  michel  stsete  und  dar  zuo  saelikeit. 

daz  iemer  iemen  missetuot,  daz  ist  ir  leit.  30 


3  1  ff.  Die  fünf  Strophen  dieses  tones  sind  in  E  unter 
Walthers  namen  überliefert,  die  vierte  auch  in  s,  die  fünfte 
auch  in  C.  Die  drei  ersten  stehen  in  AC  unter  Hartmann 
von  Aue.  Ueber  die  gründe  für  Walthers  autorschaft  vgl. 
Beiträge  II,  173.    Auf  3  25  bezieht  sich  47  21. 


32  8  81-4  24 

die  valschen  minne  meine  ich  niht;       diu  möhte  unminne 

beizen  baz. 
der  wil  ich  iemer  sin  gehaz. 

Sit  deich  ir  eigenllchen  sol, 

die  wile  ich  lebe,  sin  undertän, 

Und  si  mir  mac  gebüezen  wol  35 

den  kumber  den  ich  durch  sie  hän 

Geliten  nu  lange  und  iemer  also  llden  mnoz, 

dez  mich  enmac  getroesten  nieman,  si  entuoz, 

so    sol    si    nemen    den   dienest   min,         und  bewar  dar 

under  mich, 
dazs  an  mir  ouch  niht  versüme  sich.  40 

4  (L.  113  31). 

'Mir  tuot  einer  slahte  wille 

sanfte,  und  ist  mir  doch  dar  under  w6: 

Ich  minne  einen  ritter  stille; 

dem  enmag  ich  niht  versagen  me 

Des  er  mich  gebeten  hat:  5 

tuon  ichs  niht,  mich  dunket  daz  miu  niemer  werde  rät. 

Dicke  dunke  ich  mich  so  staete 
mines  willen:  so  mir  daz  geschiht, 
Swie  vil  er  mich  denne  bsete, 

al  die  wlle  so  enhulfe  ez  niht.  10 

leze  hän  ich  den  gedanc: 
waz  hilfet  daz?  der  muot  ist  küme  eines  tages  lanc. 

Wold  er  mich  vermiden  mere! 
ja  versuochet  er  mich  alze  vil. 

Ouwe  des  fürht  ich  vil  sere,  15 

daz  ich  müeze  volgen  swes  er  wil. 
Gerne  het  ichz  nu  getan, 
wan  deichz  im  muoz  versagen  und  wlbes  ere  sol  begän. 

In  getar  vor  tüsent  sorgen, 
die  mich  tougen  in  dem  herzen  min  20 

twingent  äbent  unde  morgen, 
leider  niht  getuon  des  willen  sin. 
Daz  ichs  iemer  einen  tac 
sol  g;efristen,  deist  ein  klage  diu  mir  ie  bi  dem  herzen  lac. 


4  25  —  5  30 


33 


Sit  daz  im  die  besten  jähen  25 

daz  er  also  schone  künne  leben, 
So  hän  ich  ouch  im  vil  nähen 
mime  herzen  eine  stat  gegeben, 
Da  noch  nieman  in  getrat, 
sie  hänt  daz  spil  verlorn,  er  eine  tuot  in  allen  mat.'       30 

6  (L.  71  35). 
Mich  hat  ein  wunneclicher  wän 
und  ouch  ein  lieber  friundes  trost 
in  senelichen  knmber  bräht: 
Sol  der  mit  frönde  an  mir  zergän, 
so  enwirde  ichs  anders  niht  erlöst,  .   5 

ezn  kome  alz  ich  mirz  hän  gedäht 
Umb  ir  vil  minneclichen  lip, 
diu  mir  enfremedet  alliu  wip, 
wan  deichs  alle  durch  sie  eren  muoz. 


jo  enger  ichs  anders  lönes  niht 
Mit  valscheloser  güete  lebt 
ein  man  der  mir  wol  iemer  mac 
gebieten  s'naz  er  .  .  wil. 
Sin  stsete  mir  mit  fröude  gebt, 
wan  ich  sin  vil  schone  enpflac: 
daz  kumt  von  grozer  liebe  vil. 
Mir  ist  an  ime,  des  muoz  ich  jehen, 
ein  schoenez  wibes  heil  geschehen, 
diu  sselde  wirt  uns  beiden  schin. 
sin  tugent  hat  ime  die  besten  stat 

Die  mine  fröude  hat  ein  wip 
gemachet  stsete  und  endelös 
von  schulden  al  die  wile  ich  lebe. 
Genäde  suoche  ich  an  ir  lip: 
enpfähe  ich  wunnecllchen  tröst, 
der  mac  wol  heizen  friundes  gebe. 
Ein  mannes  heil  mir  da  geschach, 
da  si  mit  rehten  triuwen  sprach, 
ich  müese  ir  herzen  nähe  sin. 
nu  endarf  es  nieman  wunder  nemen 

Walth.  V.  d.  Vogelweide.    *.  aufl. 


von  ir  dekeiner,  wan 
[ir  gruoz.  10 


15 


erworben  in  dem 
[herzen  miu.       '20 


ii> 


ob  äne  sorge  lebet 
[daz  min.     30 

3 


34  6  1—38 

6  (L.  95  17). 
Waz  ich  doch  gegen  der  schocnen  zit 
gedinges  unde  wänes  hän  verlorn! 
Swaz  kumbers  an  dem  winter  lit, 
den  wände  ich  ie  des  sumers  hän  verhorn. 
Sus  sazte  ich  allez  bezzernnge  für:  5 

swie  vil  ich  trostes  ie  verlür, 
60  hat  ich  doch  ze  fröuden  wän. 
dar  under  misselanc  mir  ie: 
in  vant  so  stsete  fröude  nie, 
sin  wolte  mich  e  ich  sie  län.  10 

Muoz  ich  nu  sin  nach  wäne  frö, 
son  heize  ich  niht  ze  rehte  ein  sselic  man. 
Dem  ez  sin  saelde  flieget  so, 
daz  im  sin  herzeliep  wol  guotes  gan. 
Hat  ouch  der  selbe  fröuderichen  sin,  15 

des  ich  nu  leider  äne  bin, 
son  spotte  er  niht  dar  umbe  min, 
ob  im  sin  liep  iht  liebes  tuot: 
ich  wa»re  ouch  gerne  höhgemuot, 
möht  ez  mit  liebes  hulden  sin.  20 

Er  sselic  man,  si  sselic  wip, 
der  herze  ein  ander  sint  mit  triuwen  bi! 
Ich  wil  daz  daz  ir  beider  lip 
getiuret  und  in  hoher  wirde  si, 

Vil  sivlic  sin  ir  jär  und  al  ir  zit!  25 

er  ist  ouch  sselic  sunder  strit, 
der  nirat  ir  tugende  rehte  war, 
so  daz  ez  in  sin  herze  get. 
ein  ssolic  wip,  diu  sich  verstet, 
diu  sende  ouch  guoten  willen  dar.  30 

Sich  waenet  maneger  w^ol  begen 
so  daz  er  guoten  wiben  niht  enlebe: 
Der  töre  kan  sich  niht  versten 
waz,  ez  fröude  und  ganzer  wirde  gebe. 
Dem  lihtgemuoten  dem  ist  iemer  wol  35 

mit  liliten  dingen,  als  ez  sol; 
swer  Avirde  und  fröude  erwerben  wil, 
der  diene  guotes  wibes  gruoz. 


6  39—7  23  35 

swen  si  mit  willen  grüezen  muoz, 

der  hat  mit  fröuden  wirde  vil.  40 

Ja  heiTe,  wes  gedenket  der 
dem  ungedienet  ie  vil  wol  gelanc? 
Ez  si  ein  si,  ez  si  ein  er, 
swer  also  minnen  kan,  der  habe  undanc, 
Und  da  bi  guoten  dienest  übersiht.  45 

ein  saelic  wip  diu  tuot  des  niht; 
diu  merket  gnotes  mannes  site; 
da  scheidet  si  die  bcesen  von. 
so  ist  ein  tumbiu  so  gewon 
daz  ir  ein  tnmber  volget  mite.  50 

7  (L.  96  29). 

Staete  ist  ein  angest  und  ein  not; 
in  weiz  niht  ob  si  ere  si: 
si  git  michel  ungemach. 
Sit  daz  diu  Liebe  mir  gebot 

daz  ich  Stjete  waere  bi,  '  5 

waz  mir  leides  sit  geschach! 
Lät  mich  ledic,  liebe  min  fro  Staete. 
wan  ob  ich  sis  iemer  bsete, 
so  ist  si  staeter  vil  dann  ich, 

ich  muoz  von  miner  staete  sin  verlorn,  diu  Liebe 

en  underwinde  ir  sich.     10 

Wer  sol  dem  des  wizzen  danc, 
dem  von  staete  liep  geschiht, 
nimt  der  staete  gerne  war? 
Dem  an  staete  nie  gelanc, 

ob  man  den  in  staete  siht,  15 

seht,  des  staete  ist  lüter  gar. 
Also  habe  ich  staete  her  gerungen: 
nochn  ist  mir  leider  niht  gelungen, 
daz  wende,  saelic  frouwe  min, 

daz  ich  der  valschen  ungetriuwen  spot  von  m^ner 

staete  iht  müeze  sin.       20 

ilet  ich  niht  miner  fröuden  teil 
an  dich,  herzeliep,  geleit, 
so  möht  es  wol  werden  rät. 

3* 


36  7  24-8  18 

Sit  nn  min  frönde  und  al  mtn  heil, 

dar  zuo  al  min  werdekeit  25 

niht  wan  an  dir  einer  stät, 

Sült  ich  danne  min  herze  von  dir  scheiden, 

80  müest  ich  mir  selben  leiden: 

daz  wsere  mir  niht  guot  getan. 

doch  solt  du  gedenken,  saelic  wip,       daz  ich  nu  lange 

kumber  hän.  30 

Frouwe,  ich  weiz  wol  dlnen  rauot: 
daz  du  gerne  stsete  bist, 
daz  hab  ich  befunden  wol. 
Ja  hat  dich  vil  wol  behuot 

der  vil  reine  wibes  list  35 

der  guotiu  wip  behüeten  sol. 
Alsus  fröut  mich  din  saelde  und  ouch  din  ere, 
und  enhän  niht  fröude  mere. 
nu  sprich,  bin  ich  dar  an  gewert? 
du  solt  mich,  frouwe,  des  geniezen  län,          daz  ich  so 

rehte  hän  gegert.  40 

8  (L.  13  33). 
Maneger  fraget  waz  ich  klage, 
unde  gibt  des  einen  daz  ez  iht  von  herzen  g6. 
Der  verliuset  sine  tage: 

wand  im  wart  von  rehter  liebe  nie  weder  wol  noch  we: 
Des  ist  sin  geloube  kranc.  5 

swer  gedachte       waz  diu  minne  braehte, 
der  vertrüege  minen  sanc. 

Minne  ist  ein  gemeinez  wort, 
und  doch  ungemeine  mit  den  werken:  dest  also. 
Minne  ist  aller  tugende  ein  hört:  10 

4ne  minne  wirdet  niemer  herze  rehte  fr6. 
Sit  ich  den  gelouben  hän, 
frouwe  Minne,       fröut  ouch  mir  die  sinne, 
mich  müet,  sol  min  trost  zergän. 

Min  gedinge  ist,  der  ich  bin  15 

holt  mit  rehten  Iriuwen,  dazs  ouch  mir  daz  selbe  si. 
Triuget  dar  an  mich  min  sin, 
eo  ist  minem  wäne  leider  lützel  fröuden  bl. 


8  19—9  20  37 

Neinä  herre!  sist  so  guot, 

swenne  ir  gtiete       erkennet  min  gemüete,  20 

daz  si  mir  daz  beste  tuot. 

Wiste  si  den  willen  min, 
liebes  unde  guotes  des  wurd  ich  von  ir  gewert. 
Wie  möht  aber  daz  nu  sin, 

Sit  man  valscher  minne  mit  so  süezen  worten  gert,     25 
daz  ein  wip  niht  wizzen  mac 
wer  si  meine?       disiu  not  alleine 
tuot  mir  manegen  swseren  tac. 

Der  diu  wip  alrerst  betrouc, 
der  hat  beide  an  mannen  und  an  wiben  missevam.   30 
In  weiz  waz  diu  liebe  touc, 

Sit  sich  friunt  gein  friunde  niht  vor  valsche  kan  bewavn. 
Frouwe,  daz  ir  sselic  sit! 

lät  mit  hulden       mich  den  gruoz  verschulden, 
der  an  friundes  herzen  lit.  35 

9  (L.  120  25). 

Weder  ist  ez  übel,  oder  ist  ez  guot, 
daz  ich  min  leit  verhelen  kan? 
Man  siht  mich  dicke  wol  gemuot: 
so  trüret  manic  ander  man, 

Der  minen  schaden  halben  nie  gewan:  5 

so  gebäre  ich  dem  geliche 
als  ich  si  .  .  fröndenriche. 
nn  müeze  ez  got  gefüegen  s6 
daz  ich  noch  von  wären  schulden  werde  fro. 

Wie  kumet  daz  ich  so  manegem  man  10 

von  siner  not  geholfen  hän, 
Und  ich  mich  selben  niht  enkan 
getrcesten,  mich  entriege  ein  wän? 
Ich  minne  ein  wip,  diust  guot  und  wol  getan: 
diu  lät  mich  aller  rede  beginnen.  15 

ich  kan  aber  endes  niht  gewinnen, 
dar  nmbe  wsere  ich  nu  verzaget, 
wan  dazs  ein  wenic  lachet  so  si  mir  versaget. 

Si  sehe  dazs  innen  sich  bewar 
(si  schinet  üzen  fröudenrich),  20 


38  9  21—10  12 

Dazs  an  den  siten  iht  irre  var: 

80  wart  nie  wip  so  minneclich: 

Sost  eht  ir  lop  vil  frouwen  lobes  entwich; 

ist  nfich  ir  wirde  gefurrieret 

diu  schoene  diu  sie  üzen  zieret,  25 

kan  ich  ir  denne  gedienen  iht, 

des  wirt  bi  solhen  eren  ungelönet  niht. 

Swie  noch  min  fröude  an  zwivel  stät, 
den  mir  diu  guote  mac  vil  avoI 

Gebäezen,  ob  sis  willen  hat,  30 

son  ruoche  eht  waz  ich  knmbers  dol. 
Si  fraget  des  mich  nieman  fragen  sol, 
wie  lange  ich  welle  an  ir  beliben: 
sist  iemer  mer  vor  allen  wiben 

ein  wernder  tröst  ze  fröuden  mir.  35 

nu  mtieze  mir  geschehen  als  ich  geloube  an  ir. 

Genuoge  kunnen  deste  baz 
gereden  daz  si  bi  liebe  sint: 
Swie  dicke  ich  ir  noch  bi  gesaz, 

80  wesse  ich  minner  danne  ein  kint;  40 

Ich  wart  an  allen  minen  sinnen  blint. 
,  des  wser  ich  anderswä  betoeret: 
si  ist  ein  wip  diu  niht  gehoeret, 
und  guoten  willen  kan  ersehen, 
den  hau  ich,  so  mir  iemer  müeze  liep  geschehen.      45 

10  (L.  115  6). 

Herre  got,  gesegene  mich  vor  sorgen, 
daz  ich  vil  wunnecliche  lebe! 
Wil  mir  ieman  sine  fröude  borgen, 
daz  i'm  ein  ander  wider  gebe? 

Die  vind  ich  vil  schiere  ich  weiz  wol  wä;  5 

wan  ich  liez  ir  wunder  da; 
der  ich  vil  wol  mit  sinnen 
getrüwe  ein  teil  gewinnen. 

AI  min  fröude  lit  an  einem  wibe: 
der  herze  ist  ganzer  tugende  vol,  10 

Und  ist  80  geschaffen  an  ir  libe 
daz  man  ir  gerne  dienen  sol. 


10  13-12  4  39 

Ich  erwirbe  ein  lachen  wol  von  ir. 

des  muoz  si  gestaten  mir. 

wie  mac  siz  behüeten?  1^ 

ich  fröuwe  mich  nach  ir  güeten. 

Als  ich  under  wilen  zir  gesitze. 
80  si  mich  mit  ir  reden  lät, 
So  benimt  si  mir  so  gar  die  witze, 
daz  mir  der  lip  alnmbe  gät. 

Swenne  ich  iezuo  wunder  rede  kan,  20 

gesihet  si  mich  einest  an, 
so  hän  ichs  vergezzen. 
Vraz  wolde  ich  dar  gesezzen? 

11  (L.  100  3). 

Ich  gesprach  nie  wol  von  gnoten  wiben, 

was  mir  leit,  ichn  wurde  fro. 

Sende  sorge  künde  ich  nie  vertriben 

minneclicher  danne  also. 

Wol  mich,  daz  ich  in  hohen  muot  •'> 

mit  minem  lobe  gemachen  kan,    und  mir  daz  sanfte  tuotl 

Ouwe  wolte  ein  saelic  wip  aleine, 
80  getrürte  ich  niemer  tac, 
Der  ich  diene,  und  hilfet  mich  vil  kleine 
Bwaz  ich  sie  geloben  mac.  1^ 

Daz  ist  ir  liep  und  tuot  ir  wol: 
wan  si  vergizzet  iemer  min,       so  man  mir  danken  sol. 

Frömdiu  wip  diu  dankent  mir  vil  schone, 
dazs  iemer  saelic  müezen  sin! 

Daz  ist  wider  miner  frouwen  löne  ,15 

mir  ein  kleinez  denkelin. 
Si  habe  den  willen  den  si  habe, 

min  Wille  ist  guot,  und  klage  diu  werc,        get  mir  an 

den  iht  abe. 

12  (L.  49  25). 
Herzeliebez  frouwelin, 

got  gebe  dir  hiute  und  iemer  guot. 
Kunde  ich  baz  gedenken  din, 
des  hete  ich  willeclichen  muot. 


40  12  5-13  8 

Waz  sol  ich  dir  sagen  me,  5 

Avan    daz   dir   nieman   holder  ist  dann  ich?    da  von  ist 

mir  vil  Ave. 

Sie  verwlzent  mir  daz  ich 
80  nider  wende  minen  sanc. 
Daz  sie  niht  versinnent  sich 

waz  liebe  si,  des  haben  undanc!  10 

Sie  getraf  diu  liebe  nie. 

die  da  nach  dem  guote  und  nach  der  schoene  minnent, 

we  wie  minnent  die? 

Bi  der  schoene  ist  dicke  haz: 
zer  schoene  niemen  si  ze  gäch. 

Liebe  tuot  dem  herzen  baz:  15 

der  liebe  get  diu  schoene  nach. 
Liebe  machet  schoene  wip: 
desn    mac    diu   schoene  niht  getuon,   sin  machet  niemer 

Ich  vertrage  als  ich  vertruoc  [lieben  llp. 

und  als  ich  iemer  wil  vertragen.  20 

Du  bist  schoene  und  hast  genuoc: 
waz  mtigen  sie  mir  da  von  gesagen? 
Swaz  sie  sagen,  ich  bin  dir  holt, 
und  nxme  din  glesin  vingerlin  für  einer  küneginne  golt. 

Hast  du  triuwe  und  staetekeit,  25 

BÖ  bin  ich  des  an  angest  gar, 
Daz  mir  iemer  herzeleit 
mit  dinem  willen  widervar. 
Hast  aber  du  der  zweier  niht, 

son    müezest   du    mir  niemer  werden,     onwe  danne,  ob 

daz  geschiht!  30 

13  (L.  74  20). 

'Nemt,  frouwe,  disen  kränz:' 

also  sprach  ich  zeiner  wol  getanen  maget; 

'So  zieret  ir  den  tanz 

mit  den  schcenen  bluomen,  als  irs  üffe  traget. 

Het  ich  vil  edele  gesteine,  5 

daz  mües  üf  iuwer  honbet, 

obe  ir  mirs  geloubet. 

set  mine  triuwe,  daz  ichz  meine. 


13  9  —  14  2  41 

[Frouwe,]  ir  sit  so  wol  getan, 
daz  ich  in  min  schapel  gerne  geben  wil,  10 

So  ichz  aller  beste  hän. 
wizer  unde  röter  bluomen  weiz  ich  vil; 
Die  Stent  niht  verre  in  jener  heide, 
da  sie  schone  entspringent 

und  diu  vogelin  singent:  15 

da  süle  wir  sie  brechen  beide.' 

Si  nam  daz  ich  ir  bot, 
einem  kinde  vil  gelich  daz  ere  hat. 
Ir  Wangen  wurden  rot, 

same  diu  rose,  da  si  bi  der  liljen  stät.  20 

Do  erschampten  sich  ir  liebten  ougen: 
doch  neic  si  mir  vil  schöne, 
daz  wart  mir  ze  löne: 
wart  mtrs  iht  mer,  daz  trage  ich  tougen. 

Mich  dühte  daz  mir  nie  25 

lieber  wurde,  danne  mir  ze  muote  was. 
Die  bluomen  vielen  ie 

von  den  boumen  bi  uns  nider  an  daz  gras. 
Seht,  dö  muost  ich  von  fröuden  lachen, 
do  ich  so  wunnecliche  30 

was  in  troume  riche, 
dö  tagete  ez  unde  muose  ich  wachen. 

Mir  ist  von  ir  geschehen, 
daz  ich  disen  sumer  allen  meiden  muoz 
Vast  und  er  dougen  sehen:  35 

lihte  wirt  mir  miniu:  so  ist  mir  sorgen  buoz. 
Waz  obe  si  get  an  disem  tanze? 
frouwe,  durch  iuwer  güete 
rucket  üf  die  hüete. 
ouwe  gesaehe  ichs  under  kränze!  40 

14  (L.  39  11). 
'Linder  der  linden 

an  der  heide, 


14  Iff.  Vgl.  Schade,  Wissenschaftl.  monatsbl.  111,107. 
Saran,  Beitr.  zur  gesch.  d.  deutschen  spräche  24,  83  (über  den 
Rhythmus). 


4ii  14  3  —  15  2 

da  unser  zweier  bette  was, 

Da'  müget  ir  vinden 

schöne  beide  5 

gebrochen  bluomen  unde  gras. 

Vor  dem  walde  in  einem  tal, 

tandaradei, 

schöne  sanc  diu  nahtegal. 

Ich  kam  gegangen  10 

zuo  der  ouwe: 

dö  was  min  friedel  komen  e. 
Da'  wart  ich  empfangen, 
here  frouwe, 

daz  ich  bin  saelic  iemer  me.  15 

Küster  mich?     wol  tüsentstunt: 
tandaradei, 

seht  wie  rot  mir  ist  der  munt. 

Dö  het  er  gemachet 
also  riebe  20 

von  bluomen  eine  bettestat. 
Des  wirt  noch  gelachet 
innecliche, 

kumt  iemen  an  daz  selbe  pfat. 

Bi  den  rosen  er  wol  mac,  25 

tandaradei, 

merken  wä  mirz  houbet  lac. 

Daz  er  bi  mir  Isege, 
wessez  iemen 

(nu  enwelle  got!),  so  schämt  ich  mich.  30 

Wes  er  mit  mir  pflaege, 
niemer  niemen 

bevinde  daz,  wan  er  nnd  ich, 
Und  ein  kleinez  vogelin: 
tandaradei,  35 

daz  mac  wol  getriuwe  sin.' 

15  (L.  45  37). 
So  die  bluomen  üz  dem  grase  dringent, 
same  si  lachen  gegen  der  spilden  sunnen. 


15  3  —  16  4  43 

in  einem  meien  an  dem  morgen  fruo, 
Und  diu  kleinen  vogelin  wol  singent 
in  ir  besten  wise  die  si  kunnen,  5 

waz  wnnne  mac  sich  da  genozen  zuo? 
Ez  ist  wol  halp  ein  himelriche. 
snln  wir  sprechen  waz  sich  deme  geliche, 
8Ö  sage  ich  waz  mir  dicke  baz 

in    minen    ougen    hat    getan,  und  taete  ouch  noch, 

gesajhe  ich  daz.  10 

Swä  ein  edeliu  frouwe  schcene  reine, 
wol  gekleidet  unde  wol  gebunden, 
durch  kurzewile  zuo  vil  liuten  gät, 
Hovelichen  hohgemuot,  niht  eine, 

umbe  sehende  ein  wenic  under  stunden,  15 

alsam  der  snnne  gegen  den  Sternen  stät,  — 
Der  meie  bringe  uns  al  sin  wunder, 
waz  ist  da  so  wunnecHches  under, 
als  ir  vil  minneclicher  lip? 

wir   läzen   alle   bluomon   stän         und   kapfen    an    daz 

werde  wip.  20 

Nu  wol  dan,  weit  ir  die  wärheit  schouwen! 
gen  wir  zuo  des  meien  hochgezite! 
der  ist  mit  aller  siner  krefte  komen. 
Seht  an  in  und  seht  an  werde  frouwen, 
wederz  ir  daz  ander  überstrite;  25 

daz  bezzer  spil,  ob  ich  daz  hau  genomen. 
Ouwe  der  mich  da  welen  hieze, 
deich  daz  eine  durch  daz  ander  lieze, 
wie  rehte  schiere  ich  danne  kür! 

her  Meie,  ir  müeset  merze  sin,  e  ich  min  frouwen 

da  verlür.  30 

16  (L.  46  32). 
Aller  werdekeit  ein  füegaerinne, 
daz  Sit  ir  zewäre,  frouwe  Mäze. 
er  saelic  man,  der  iuwer  lere  hat! 
Der  endarf  sich  iuwer  niender  inne 


16  1  ff.    Dieser  ton  unterscheidet  sich  von  dem  vorher- 
gehenden nur  in  der  drittletzten  zeile. 


44  16  5  —  17  19 

weder  ze  hove  schämen  noch  an  der  sträze.  5 

durch  daz  so  siioche  ich,  frouwe,  iuwern  rät, 
Daz  ir  mich  ebene  werben  leret. 
wirbe  ich  nidere,  wirbe  ich  höhe,  ich  bin  verseret. 
ich  was  vil  nach  ze  nidere  tot, 

nu   bin  ich  aber   ze   höhe   siech:       unmäze  enlät  mich 

äne  not.  10 

Niderin  minne  heizet  diu  so  swachet 
daz  der  lip  nach  kranker  liebe  ringet: 
diu  minne  tuot  unlobeliche  we. 
Höhiu  minne  heizet  diu  daz  machet 
daz  der  muot  nach  werder  liebe  üf  swinget:  15 

diu  winket  mir  nu,  daz  ich  mit  ir  ge. 
Nun  weiz  ich  wes  diu  Mäze  beitet. 
kumet  diu  herzeliebe,  so  bin  ich  verleitet: 
min  ougen  hänt  ein  wip  ersehen, 

swie  minneclich  ir  rede  si,       mir  mae  wol  schade  von 

ir  geschehen.  20 

17  (L.  109  1). 

Ganzer  fröuden  wart  mir  nie  so  wol  ze  muote: 
mirst  geboten,  daz  ich  singen  muoz. 
Saelic  si  diu  mir  daz  wol  verste  ze  guote! 
mich  mant  singen  ir  vil  werder  gruoz. 
Diu  min  iemer  hat  gewalt,  5 

diu  mac  mir  wol  trüren  wenden 
unde  senden       fröude  manicvalt. 

Git  daz  got  daz  mir  noch  wol  an  ir  gelinget, 
seht,  so  waere  ich  iemer  mere  frö, 
Diu  mir  beide  herze  und  lip  zu  fröuden  twinget.       10 
mich  betwanc  nie  me  kein  wip  also. 
Ez  was  mir  gar  unbekant 
daz  diu  Minne  twingen  solde 
swie  si  wolde,       unz  ichz  an  ir  bevant. 

Süeze  Minne,  sit  nach  diner  süezen  lere  15 

mich  ein  wip  also  betwungen  hat, 
Bite  sie  dazs  ir  wiplich  güete  gegen  mir  kere: 
so  mac  miner  sorge  werden  rät. 
Durch  ir  lichten  ougen  schin 


17  20  —  19  4  45 

wart  ich  also  wol  enpfangen,  20 

gar  zerg;angeii       was  daz  trüren  min. 

Mich  fröut  iemer  daz  ich  also  guotem  wibe 
dienen  sei  üf  minneclichen  danc. 
Mit  dem  tröste  ich  dicke  trüren  mir  vertrlbe, 
unde  wirt  min  nngemtiete  kranc.  25 

Endet  sich  min  ungemach, 
80  weiz  ich  von  wärheit  danne 
daz  nie  manne       an  liebe  baz  geschach. 

Minne,  wunder  kan  din  gtiete  liebe  machen, 
und  din  twingen  swenden  fi-önden  vil.  30 

Wan  du  lerest  leide  üz  spilnden  ougen  lachen, 
swä  du  meren  wilt  din  wunderspil: 
Du  kanst  fröudenrichen  muot 
80  verworrenliche  verkeren, 
daz  din  seren       sanfte  unsanfte  tuet.  35 

18  (L.  110  13). 

Wol  mich  der  stunde,  daz  ich  sie  erkande, 

diu  mir  den  lip  und  den  muot  hat  betwungen, 

Sit  deich  die  sinne  so  gar  an  sie  wände, 

des  si  mich  hat  mir  ir  güete  verdrungen. 

Daz  ich  gescheiden  von  ir  niht  enkan,  5 

daz  hat  ir  schoene  und  ir  güete  gemachet, 

und  ir  roter  munt  der  s6  lieplichen  lachet. 

Ich  hän  den  muot  und  die  sinne  gewendet 
an  die  reinen,  die  lieben,  die  guoten. 
Daz  müez  uns  beiden  wol  werden  volendet,  10 

swes  ich  getar  an  ir  hulde  gemuoten. 
Swaz  ich  fröuden  zer  werlde  ie  gewan, 
daz  hat  ir  schoene  und  ir  güete  gemachet, 
und  ir  röter  munt,  der  so  lieplichen  lachet. 

19  (L.  118  24). 
Ich  bin  nu  so  rehte  frö, 

daz  ich  vil  schiere  wunder  tuon  beginne. 

Lihte  ez  sich  gefüeget  so 

daz  ich  erwirbe  miner  frouwen  minne. 


46  19  5-20  17 

Seht  so  stigent  mir  die  sinne  5 

höher  danne  der  sunnen  schin.    genäde,  ein  küniginne! 

Ich  ensach  die  guoten  nie 
so  dicke,  daz  ich  daz  .  .  verbsere, 
Mirne  spilten  dougen  ie. 

der  kalte  winter  was  mir  gar  unmjBre.  10 

Ander  liute  dühte  er  swaere: 
mir   was  die  wile  als  ez  enmitten  in  dem  meien  wjere. 

Disen  wunneclichen  sanc 
hän  ich  gesungen  miner  frouwen  ze  eren. 
Des  sei  si  mir  wizzen  danc:  15 

durch  sie  so  wil  ich  iemer  fröude  meren. 
Wol  mac  si  min  herze  seren: 
waz  danne,  ob  si  mir  leide  tuot?  si  mag  ez  wol  verkßren. 

Daz  enkunde  nieman  mir 
geraten  daz  ich  schiede  von  dem  wäne.  20 

Kert  ich  minen  muot  von  ir, 
wä  funde  ich  denne  ein  also  wol  getane, 
Diu  so  wsere  valsches  äne? 
sist  schoener  und  baz  gelobet  denne  Elene  und  Dijäne, 

20  (L.  92  9). 

Ein  niuwer  sumer,  ein  niuwe  zit, 
ein  guot  gedinge,  ein  lieber  wän, 
diu  liebent  mir  en  widerstiit, 
daz  ich  noch  tröst  ze  fröuden  hän. 
Noch  fröuwet  mich  ein  anderz  baz  5 

dan  aller  vogeline  sanc: 
swä  man  noch  wibes  güete  maz, 
da  wart  ir  ie  der  habedanc. 
Daz  meine  ich  an  die  frouwen  min: 
da  muoz  noch  mere  tröstes  sin.  10 

sist  schoener  danne  ein  schoene  wip: 
diu  schoene  machet  lieber  lip. 

Ich  weiz  wol  daz  diu  liebe  mac 
ein  schoene  wip  gemachen  wol: 

iedoch  swelch  wip  ie  tugende  pflac,  15 

daz  ist  diu  der  man  wünschen  sei. 
Diu  liebe  stet  der  schoene  bi 


20  18  —  21  6  47 

baz  danne  gesteine  dem  golde  tuot: 

nu  jehet  waz  danne  bezzer  si, 

hänt  dise  beide  rehten  muot.  20 

Sie  hcehent  mannes  werdekeit: 

swer  ouch  die  süezen  arebeit 

durch  sie  ze  rehte  kan  getragen, 

der  mac  von  herzeliebe  sagen. 

Der  blic  gefrönt  ein  herze  gar,  25 

den  minnecliche  ein  wip  an  siht: 
wie  weit  ir  danne  daz  der  var, 
dem  ander  liep  von  in  geschiht? 
Der  ist  eht  maneger  fröuden  rieh, 
so  jenes  fröude  gar  zergät.  30 

waz  ist  den  fröuden  ouch  gellch, 
da  liebez  herze  in  triuwen  stät, 
In  schoene,  in  kiusche,  in  reinen  siten? 
swelch  saelic  man  daz  hat  erstriten, 
ob  er  daz  vor  den  fremden  lobet,  35 

so  wizzet  daz  er  niht  entobet. 

Waz  sol  ein  man  der  niht  engert 
gewerbes  umb  ein  reine  wip? 
si  läze  in  iemer  ungewert, 

ez  tinret  doch  wol  sinen  lip.  40 

Er  tuo  durch  einer  wiUen  so 
daz  er  den  andern  wol  behage: 
so  tuot  in  ouch  diu  eine  fro, 
ob  im  diu  ander  gar  versage. 

Dar  an  gedenke  ein  saelic  man:  45 

da  lit  vil  sselde  und  eren  an. 
swer  guotes  wibes  minne  hat, 
der  schämt  sich  aller  missetät. 

21  (L.  93  20). 
Waz  hat  diu  werlt  ze  gebenne 
liebers  danne  ein  wip, 

daz  ein  sende  herze  baz  gefrönwen  müge? 

Waz  stiaret  baz  ze  lebenne 

danne  ir  werder  lip?  5 

ich  enweiz  niht  daz  ze  fröuden  hoher  tüge, 


48  21  7  —  22  12 

Denne  swä  ein  wip  von  herzen  meinet 

den  der  ir  wol  lebt  ze  lobe. 

da  ist  ganzer  tröst  mit  frönden  underleinet: 

disen  dingen  hat  diu  werlt  niht  dinges  obe.  10 

Min  frouwe  ist  zwir  beslozzen, 
der  ich  liebe  trage, 

dort  verklüset,  hie  verhöret  da  ich  bin. 
Des  einen  hat  verdrozzen 

mich  nu  manege  tage:  lf> 

so  git  mir  daz  ander  senelichen  sin. 
Solt  ich  pflegen  der  zweier  slüzzel  huote, 
dort  ir  libes,  hie  ir  tugent, 
disiu  Wirtschaft  na^me  mich  üz  sendem  muote, 
und  nsem  iemer  von  ir  schoene  niuwe  jugent.  20 

Wsenet  Huote  scheiden 
von  der  lieben  mich, 

die  ich  mit  stseten  triuwen  her  gemeinet  hän? 
Solhe  liebe  leiden, 

des  verzihe  sich:  25 

ich  diene  iemer  üf  den  minnecllchen  wän. 
Mac  diu  Huote  mich  ir  libes  pfenden, 
da  habe  ich  ein  troesten  bl: 
sin  kan  niemer  von  ir  liebe  mich  gewenden. 
twinget  si  daz  eine,  so  ist  daz  ander  fri.  30 

22  (L.  112  17). 
Ir  vil  minneclichen  ougenblicke 
rtierent  mich  alhie,  swann  ich  sie  sihe, 
In  min  herze,  ouwe  sold  ich  sie  dicke 
sehen,  der  ich  mich  für  eigen  gihe! 
Eigenlieben  diene  ich  ir:  5 

daz  sol  si  -vil  wol  gelouben  mir. 

Ich  trage  in  minem  herzen  eine  swsere 
von  ir  der  ich  läzen  niht  enmac, 
Bl  der  ich  vil  gerne  tougen  waere 
beide  naht  und  ouch  den  liebten  tac.  10 

Des  enmac  nu  niht  gesin, 
ez  enweUe  diu  liebe  frouwe  min. 


22  13  —  23  30  49 

Sol  ich  miner  triuwe  alsus  entgelten, 
so  ensol  niemer  man  getrüwen  ir. 

Si  vertrüege  michels  baz  ein  schelten  15 

danne  ein  loben,  daz  geloubet  mir. 
We  war  umbe  tuot  si  daz, 
der  min  herze  treit  vil  kleinen  haz? 

23  (L.  99  6). 

Snmer  nnde  winter  beide  sint 
guotes  mannes  trost,  der  trostes  gert: 
Er  ist  rehter  fröude  gar  ein  kint, 
der  ir  niht  von  wibe  wirt  gewert. 
Da  von  sol  man  wizzen  daz,  5 

daz  man  elliu  wip  sol  eren,  und  iedoch  die  besten  baz. 

Sit  daz  nieman  äne  fröude  touc, 
so  wolte  ouch  ich  vil  gerne  fröude  hän 
Von  der  mir  min  herze  nie  gelouc, 
ezn  sagte  mir  ir  güete  ie  sunder  wän.  10 

Swenn  ez  diu  ougen  sante  dar, 
seht,  so  brähtens  im  diu  msere,  daz  ez  fuor  in  sprängen 

In  weiz  niht  wol  wiez  dar  umbe  si:  [gar. 

sin  gesach  min  ouge  lange  nie : 

Sint  ir  mines  herzen  ougen  bi,  15 

so  daz  ich  äne  ougen  sihe  sie? 
Da  ist  doch  ein  wunder  an  geschehen: 
wer  gap   im  daz   sunder  ougen,  deiz  sie  zaller  zit  mac 

Welt  ir  wizzen  waz  diu  ougen  sin  [sehen? 

da  mite  ich  sie  sihe  durch  elliu  laut?  20 

Ez  sint  die  gedanke  des  herzen   min: 
da  mite  sihe  ich  durch  müre  und  ouch  durch  want. 
Nu  hüeten  swie  sie  dunke  guot : 

80   sehent  sie   doch   mit  vollen   ougen  herze  wille  und 

al  der  muot. 

Wirde  ich  iemer  ein  so  sselic  man,  25 

daz  si  mich  an  ougen  sehen  sol  ? 
Siht  si  mich  in  ir  gedanken  an, 
so  vergütet  si  mir  mine  wol. 
Minen  willen  gelte  mir, 
sende  mir  ir  guotcn  willen:  minen  den  habe  iemer  ir.     30 

Waltb    V.  ü.  Vog'elweide.    5.  uufl.  4 


50  24  1  —  32 

24  (L.  50  19). 

Bin  ich  dir  unmaere, 
des  enweiz  ich  niht :  ich  minne  dich. 
Einez  ist  mir  swsere, 
du  sihst  bi  mir  hin  und  über  mich. 
Daz  solt  du  vermiden.  5 

ine  mac  niht  erliden 
solhe  liebe  an  grozen  schaden : 
hilf  mir  tragen,  ich  hän  ze  vil  geladen. 

Sol  daz  sin  din  huote, 
daz  din  ouge  an  mich  so  selten  siht?  10 

Tuost  du  mir  daz  ze  guote, 
söne  wize  ich  dir  dar  umbe  niht. 
So  mit  mir  daz  houbet, 
daz  sl  dir  erloubet, 

und  sich  nider  an  minen  fuoz,  15 

so  du  baz  enmügest:  daz  si  din  gruoz. 

Swanne  ichs  alle  schouwe, 
die  mir  suln  von  schulden  wol  behagen, 
So  bist  duz  min  frouwe: 

daz  mac  ich  wol  äne  rtiemen  sagen.  20 

Edel  unde  riche 
sint  sie  sumeliche 
dar  zuo  tragent  sie  hohen  muot: 
lihte  sint  sie  bezzer,  du  bist  guot. 

Frouwe  des  versinne  25 

dich  ob  ich  dir  zihte  maere  si. 
Eines  friundes  minne 
diu  ist  niht,  da  ensi  ein  ander  bi. 
Minne  entouc  niht  eine, 

sl  sol  sin  gemeine,  30 

so  gemeine  daz  si  ge 
durch  zwei  herze  und  durch  dekeinez  me. 


24  16.  Hierauf  folgt  in  E  folgende  Strophe:  Sie  heginnent 
alle  miner  frauwen  (lies  frouwe,  niiner)  fuezze  nemen  war 
mitten  in  dem  schatte  so  sich  frauwe  auch  under  vrilen  dar 
ümme  die  merkere  la  dir  sin  umm,ere  den  griffe  ich  wol  naher 
baz      daz  versueclie  alrerst  so  denrie  daz. 


25  1  —  38  51 

25  (L.  51  13). 

Müget  ir  schouwen  waz  dem   meien 
Wunders  ist  beschert? 
Seht  an  pfaffen,  seht  an  leien, 
wie  daz  allez  vert. 

Groz  ist  sin  gewalt:  5 

ine  weiz  obe  er  zouber  kunne: 
swar  er  vert  in  siner  wunne, 
dän  ist  nieman  alt. 

Uns  wil  schiere  wol  gelingen, 
wir  suln  sin  gemeit,  10 

Tanzen  lachen  unde  singen 
äne  dörperheit. 
We  wer  waere  unfrö? 
Sit  din  vogelin  also  schöne 

schallent  mit  ir  besten  döne,  15 

tuon  wir  ouch  also! 

Wol  dir,  meie,  wie  du  scheidest 
allez  äne  haz! 

Wie  wol  du  die  bonme   kleidest, 

und  die  beide  baz!  20 

Diu  hat  varwe  me. 
'du  bist  kurzer,  ich  bin  langer,' 
also  stritents  üf  dem  anger, 
bluomen  unde  kle. 

Roter  munt,  wie  du  dich  swachest!  25 

lä  din  lachen  sin. 

Scham  dich  daz  du  mich  an  lachest 
nach  dem  schaden  min. 
Ist  daz  wol  getan? 

ouwe  so  verlorner  stunde,  30 

sol  von  minneclichem  munde 
solch  unminne  ergän! 

Daz  mich,  frouwe,  an  fröuden  irret, 
daz  ist  iuwer  lip. 

An  iu  einer  ez  mir  wirret,  35 

ungensedic  wip. 
Wä  nemt  ir  den  muot? 
ir  Sit  doch  genäden  riche: 


52  25  39  —  26  25 

tuot  ir  mir  ungnaedecliche, 

so  Sit  ir  niht  guot.  40 

Scheidet,  frouwe,  mich  von  sorgen, 
liebet  mir  die  zit: 
Oder  ich  muoz  an  fröuden  borgen, 
daz  ir  sselic  sit! 

Müget  ir  umbe  sehen?  45 

sich  fröut  al  diu  werlt  gemeine: 
möhte  mir  von  iu  ein  kleine 
fröudelin  geschehen! 

26  (L.  52  23). 

Min  frouwe  ist  ein  ungenaedic  wip, 

daz  si  wider  mich  als  übele  tuot. 

Ja  bräht  ich  doch  einen  jungen  lip 

in  ir  dienest  unde  hohen  muot. 

Ouwe  do  was  mir  so  wol:  5 

wiest  daz  nu  verdorben! 

waz  hän  ich  erworben? 

anders  niht  wan  kumber  den  ich  dol. 

Ouwe  miner  wunneclichen  tage! 
waz  ich  der  an  ir  versümet  hän!  10 

Daz  ist  iemer  mines  herzen  klage, 
süln  diu  lieben  jär  also  zergän. 
Manege  sorge  und  arebeit 
die  klage  ich  vil  kleine: 

raine  zit  aleine,  15 

hab  ich  die  verlorn,  daz  ist  mir  leit. 

In  ^esach  nie  houbet  baz  gezogen: 
in  ir  herze  künde  ich  nie  gesehen, 
le  dar  under  bin  ich  gar  betrogen: 
daz  ist  an  den  triuwen  mir  geschehen.  20 

Möhte  ich  ir  die  Sternen  gar, 
mänen  unde  sunnen 
zeigen  hän  gewunnen, 
daz  waer  ir,  so  ich  iemer  wol  gevar. 

Ich  gesach  nie  sus  getane  site,  25 


26  25.    Statt  dieser  und  der  folgendeu  stropbe  bat  E: 


26  26  —  27  12  53 

dazs  ir  besten  friunden  wsere  gram. 

Swer  ir  vient  ist,  dem  wil  si  mite 

rünen;  daz  guot  ende  nie  genam. 

Ich  weiz  wol  wiez  ende  ergät: 

vint  und  friunt  gemeine,  30 

der  gestets  aleine, 

so  si  mich  und  jene  unrehte  hat, 

Miner  frouwen  darf  niht  wesen  leit, 
daz  ich  rite  und  frage  in  frömediu  laut 
Von  den  wlben  die  mit  werdekeit  35 

lebent  (der  ist  vil  manegin  mir  erkant) 
Und  die  schcene  sint  da  zuo: 
doch  ist  ir  deheine, 
weder  groz  noch  kleine, 
der  versagen  mir  iemer  we  getuo.  40 

27  (L.  53  25). 

Si  wunderwol  gemachet  wip, 

daz  mir  noch  werde  ir  habedanc! 

Ich  setze  ir  minneclichen  lip 

vil  werde  in  minen  hohen  sanc. 

Gern  ich  in  allen  dienen  sol:  5 

doch  hän  ich  mir  dise  üz  erkorn. 

ein  ander  weiz  die  sinen  wol: 

die  lobe  er  äne  minen  zom; 

hab  ime  wis  unde  wort 

mit  mir  gemeine:  lobe  ich  hie,  so  lobe  er  dort.          10 

Ir  houbet  ist  so  wunnenrich, 
als  ez  min  himel  welle  sin. 


Si  hat  mir  bescJieiden  vil  manigen  tac  wide  versumet  mir  vil 
schone  leben  als  ich  sie  {ichs  Lachm.)  nu  niht  mer  geliden  mac 
so  wil  ich  ir  auch  eine  {ein  ende  Haupt)  gehen  tuot  si  mir 
gnade  [da  nachgetragen]  so  diene  ich  ir  mit  eren  sol  aber  ich 
mich  Teeren  von  ir  gar  so  tantze  ich  aber  anderswar.  Maniger 
claget  sin  frautve  spreclie  nein  so  clage  ich  daz  mine  spricht  ia 
aller  worte  kan  si  nur  (niu-an  Lachm.)  ein  daz  hoer  ich  vil 
selten  anderswa  ichn  weiz  ob  sie  spotte  min  sie  versaget  mir 
nimmer  sie  gelobet  mir  immer  gern  unde  ia  daz  muoz  un- 
selic  sin.  27  1  ff.  Vgl.  Pfeiffer,  Germania  II,  470. 


54  27  13  —  50 

Wem  solde  ez  anders  sin  gelich? 

ez  hat  joch  himelischen  schin. 

Da  liuhtent  zwene  Sternen  abe:  15 

da  müeze  ich  mich  noch  inne  ersehen, 

daz  si  mirs  also  nähen  habe! 

so  mac  ein  wunder  wol  geschehen: 

ich  junge,  und  tuot  si  daz, 

und  wirt  mir  gernden  siechen  seneder   sühte  baz.       20 

Got  häte  ir  wengel  höhen  fliz: 
er  streich  so  tiure  varwe  dar, 
So  reine  rot,  so  reine  wiz, 
hie  roeseloht,  dort  liljenvar. 

Ob  ichz  vor  Sünden  tar  gesagen,  25 

so  Sffihe  ichs  iemer  gerner  an 
dan  himel  oder  himelwagen. 
ouwe  waz  lob  ich  tumber  man? 
mach  ich  sie  mir  ze  her, 
vil  lihte  wirt  mins  mundes  lop  mins  herzen  ser.         30 

Si  hat  ein  küssen,  daz  ist  rot: 
gewunne  ich  daz  für  minen  munt. 
So  stüende  ich  üf  üz  dirre  not 
und  waere  ouch  iemer  me  gesunt. 

Dem  si  daz  an  sin  wengel  legt,  35 

der  wont  da  gerne  nähe  bi: 
ez  smecket,  so  manz  iender  regt, 
alsam  ez  allez  balsme  sl. 
das  sol  si  lihen  mir: 
swie  dicke  so  siz  wider  wil,  so  gibe  ichz  ir.  40 

Ir  kel,  ir  hende,  ietweder  fuoz, 
daz  ist  ze  wünsche  wol  getan. 
Ob  ich  da  enzwischen  loben  muoz, 
so  wffine  ich  me  beschouwet  hän. 

Ich  hete  ungerne  'decke  bloz!'  45 

gernefet,  do  ich  sie  nacket  sach. 
si  sach  min  niht,  do  si  mich  schoz, 
daz  mich  noch  sticht  als  ez  do  stach, 
ich  lobe  die  reinen  stat 
da  diu  vil  minnecliche  üz  einem  bade  trat.  50 


28  1-3S  ^^ 

28  (L.  85  34). 
Frouwe,  enlät  iuch  niht  verdriezen 
miner  rede,  ob  si  gefüege  si. 
Höhte  ichs  wider  iuch  geniezen, 
so  wser  ich  den  besten  gerne  bi. 

Wizzet  daz  ir  schoene  Sit:  5 

hat  ir,  als  ich  mich  verwsene, 
güete  bi  der  wolgetsene, 
waz  danne  an  iu  einer  eren  lit! 
'Ich  wil  iu  ze  redenne  gunnen 
(sprechet  swaz  ir  weit),  ob  ich  niht  tobe.  10 

Daz  hat  ir  mir  an  gewunnen 
mit  dem  iuwern  minneclichen  lobe, 
lehn  weiz  obe  ich  schcene  bin, 
gerne  hete  ich  wibes  güete. 

leret  mich  wiech  die  behüete:  15 

schcener  lip  entouc  niht  äne  sin.' 

Frouwe,  daz  wil  ich  iuch  leren, 
wie  ein  wip  der  werlte  leben  sol: 
Guote  liute  sult  ir  eren, 

minnecliche  an  sehen  und  grüezen  wol;  20 

Eime  sult  ir  iuwern  lip 
geben  für  eigen,  nemet  den  sinen. 
frouwe,  woltet  ir  den  minen, 
den  gjßb  ich  umb  ein  so  schcene  wip. 

'Beide  schouwen  unde  grüezen,  25 

swaz  ich  mich  dar  an  versümet  hän, 
Daz  wil  ich  vil  gerne  büezen. 
ir  hat  hoveliche  an  mir  getan. 
Tnot  durch  minen  willen  me: 

Sit  niht  wan  mtn  redegeselle.  30 

in  weiz  nieman  dem  ich  welle 
nemen  den  lip:  ez  tsete  im  lihte  we.' 

Frouwe,  lät  michz  also  wägen 
(ich  bin  dicke  komen  üz  groezer  not) 
Unde  läts  iuch  niht  betragen:  35 

stirbe  aber  ich,  so  bin  ich  sanfte  tot, 
'Herre,  ich  wil  noch  langer  leben, 
lihte  ist  iu  der  lip  unmsere; 


56  28  39  -  29  35 

waz  bedörfte  ich  solher  swsere, 

solt  ich  minen  lip  umb  iuwern  geben  V  40 

29  (L.  115  30). 
Mich  nimt  iemer  wnnder  waz  ein  wip 
an  mir  habe  ersehen, 
Dazs  ir  zouber  leit  an  ralnen  lip. 
waz  ist  ir  geschehen? 

Si  hat  doch  ouch  ougen:  5 

wie  kumt  dazs  als  übel  gesiht? 
ich  bin  aller  manne  schoenst  niht; 
daz  ist  äne  lougen. 

Habe  ir  ieman  iht  von  mir  gelogen, 
so  beschouwe  mich  baz.  10 

Sist  an  miner  schoene  gar  betrogen, 
wils  anders  niht  wan  daz. 
Wie  stät  mir  min  houbet! 
dazn  ist  niht  ze  wol  getan. 

sie  betriuget  lihte  ein  tumber  wän,  15 

ob  siz  niht  geloubet. 

Da  si  wont,  da  wonent  wol  tüsent  man 
die  vil  schoener  sint. 
Wan  daz  ich  ein  lützel  fuoge  kan, 
80  ist  min  schoene  ein  wint.  20 

Fuoge  hän  ich  kleine: 
doch  ist  si  gemeine  wol, 
....  80  daz  si  vil  liuten  sol 
iemer  sin  gemeine. 

Wil  si  fuoge  für  die  schoene  neraen,  25 

so  ist  si  wol  gemuot. 
Kan  si  daz,  s6  muoz  ir  wol  gezemen 
swaz  si  mir  getuot. 
So  wil  ich  mich  neigen, 

und  tuon  allez  daz  si  wil.  30 

waz  bedarf  si  denne  zoubers  vil? 
ich  bin  doch  ir  eigen. 

Lät  iu  sagen  wiez  umbe  ir  zouber  stät, 
des  si  wunder  treit. 
Sist  ein  wip  diu  schoene  und  ere  hat,  35 


29  86  —  30  22  57 

da  bi  liep  und  leit. 

Dazs  iht  anders  kunne, 

daz  sol  man  gar  übergeben; 

wan  daz  mir  ir  wunneclichez  leben 

machet  sorge  und  wunne.  40 

30  (L.  69  1). 
Saget  mir  ieman,  waz  ist  minne? 

weiz  ich  des  ein  teil,  so  wist  ichs  gerne  me. 
Der  sich  baz  denn  ich  versinne, 
der  berihte  mich  durch  waz  si  tuot  so  we. 
Minne  ist  minne,  tuot  si  wol:  5 

tuot  si  we,  80  anheizet  si  niht  rehte  minne.     sus  enweiz 
ich  wie  si  danne  heizen  sol. 

Obe  ich  rehte  raten  kunne 
waz  diu  minne  si,  so  sprechet  denne  ja. 
Minne  ist  zweier  herzen  wunne: 

teilent  sie  geliche,  sost  diu  minne  da:  10 

Sol  aber  ungeteilet  sin, 

80   enkans    ein  herze  alleine  niht  enthalten,   ouwe  wol- 
dest  du  mir  helfen,  frouwe  min! 

Frouwe,  ich  trage  ein  teil  ze  swaere: 
wellest  du  mir  helfen,  so  hilf  an  der  zit. 
Si  aber  ich  dir  gar  unmaere,  15 

daz  sprich  endeliche:  so  läz  ich  den  strit, 
Unde  wirde  ein  ledic  man. 

du  solt  aber  einez  rehte  wizzen,  daz  dich  Kitzel  ieman 
baz  dann  ich  geloben  kan. 

Kan  min  frouwe  süeze  siuren? 
waenet  si  daz  ich  ir  liep  gebe  umbe  leit?  20 

Sol  ich  sie  dar  umbe  tiuren, 
daz  siz  wider  kere  an  mine  unwerdekeit? 


3018.  Hier  folgt  in  EF :  Ich  mU  also  singen  immer  daz 
sie  denne  sprechent  er  gesanc  nie  baz  des  gedankest  du  mir 
nimmer  daz  verwizze  ich  dir  alrest  so  (fenlt  F)  denne  daz 
tceistu  wes  sie  wünschent  dir  daz  sie  selig  sie  von  der  man 
tms  sust  (uns  so  schone  E)  singet  sich  frauwe  den  gemeinen 
wünsch  hast  auch  von  mir. 


58  30  23  —  31  27 

So  kund  ich  unrehte  spehen. 

w6  waz  sprich  ich  örenlöser  ougen  äneV  den  diu  minne 
blendet,  wie  mac  der  gesehen? 

31  (L.  40  19). 
Ich  hän  ir  so  wol  gesprochen, 
daz  sie  maneger  in  der  werlte  lobet: 
Hat  si  daz  an  mir  gerochen, 
ouwe  danne,  so  hän  ich  getobet, 

Daz  ich  die  getiuret  hän  5 

und  mit  lobe  gekrcenet, 
diu  mich  wider  hoenet. 
frouwe  Minne,  daz  si  iu  getan. 

Frouwe  Minne,  ich  klage  iu  mere: 
rihtet  mir  und  rihtet  über  mich.  10 

Der  ie  streit  umb  iuwer  ere 
wider  nnstiete  liute,  daz  was  ich. 
In  den  dingen  bin  ich  wunt. 
ir  hat  mich  geschozzen, 

und  gät  si  genozzen:  15 

ir  ist  sanfte,  und  ich  aber  ungesunt. 

Frouwe,  lät  mich  des  geniezen: 
ich  weiz  wol,  ir  habet  sträle  me: 
Müget  irs  in  ir  herze  schiezen, 

daz  ir  werde  mir  geliche  we:  20 

Müget  ir,  edeliu  ktinegin, 
iuwer  wunden  teilen 
oder  die  mine  heilenV 
sol  ich  eine  alsus  verdorben  sin? 

Ich  bin  iuwer,  frouwe  Minne:  25 

schiezet  dar  da  man  iu  widerste. 
Helfet  daz  ich  sie  gewinne. 


31  24  Hier  folgt  iu  E,  teilweise  auch  in  U  erhalten: 
Frauwe  minne  ir  siUt  mir  loyien  baz  denne  einem  andern 
man  unde  sült  min  schonen  {ir  mir  schonen  U)  baz  u-onde 
(lies  wände)  ich  ü  baz  gedienet  han  (baz  als  ich  iv  gedienen 
kan  U)  waz  sol  {sold  Ü)  üch  der  nüwe  site  daz  ir  managen 
eret  Qieret  U)  der  üch  hin  (f.  U)  wider  uneret  da  verderbet 
ir  die  besten  mite. 


31  28  —  32  L'O  59 

neinä  frouwe,  daz  sis  iht  enge! 

Lät  mich  iu  daz  ende  sagen : 

und  engets  uns  beiden,  30 

wir  zwei  sin  gescheiden. 

wer  solt  iu  danne  iemer  iht  geklagenV 

32  (L.  65  33). 
In  einem  zwivellichen  wän 

was  ich  gesezzen,  und  gedähte, 

Ich  wolte  von  ir  dienste  gän; 

wan  daz  ein  tröst  mich  wider  brähte. 

Trost  mag  ez  rehte  niht  geheizen,  onwe  des!  5 

ez  ist  vil  küme  ein  kleinez  trcestelin, 

so  kleine,  swenne  ichz  iu  gesage,  ir  spottet  min. 

doch  fröut  sich  lützel  ieman,  er  enwizze  wes. 

Mich  hat  ein  halm  gemachet  fro: 
er  gibt,  ich  sül  genäde  vinden.  10 

Ich  maz  daz  selbe  kleine  strö, 
als  ich  hie  vor  gesach  von  kinden. 
Nu  beeret  unde  merket  ob  siz  denne  tuo. 
'si  tuot,  si  entuot,  si  tuot,  si  entuot,  si  tuot.' 
swie  dicke  ich  also  maz,  so  was  ie  'z  ende  guot.       15 
daz  troestet  mich:  da  beeret  ouch  geloube  zuo. 

Swie  liep  si  mir  von  herzen  si, 
so  mac  ich  doch  wol  erliden 
Daz  ich  ir  si  zem  besten  bi: 
ich  darf  ir  werben  da  niht  niden,  20 


32  1.  Vor  dieser  atrophe  steht  in  F  die  folgende  iu 
gleichem  tone :  Do  got  geschuff  so  schöne  ein  weyp  da  geschuff 
er  ir  so  schöne  synne  das  fuan  sie  lobet  für  mangen  leyp  ir 
schone  ist  auch  tumb  dorimie  wie  sol  ich  die  erwerben  die  so 
rehte  selig  ist  mit  meiner  selde  erwirbe  ich  lützel  dann  (da 
Lachmann)  ich  wil  mich  rechte  an  ir  gnade  lan  {läzen  Lachm.) 
ia  das  ist  mein  ennde  rat  und  auch  mein  ende  list.  32 17.  Der 
text  dieser  nur  in  C  überlieferten  Strophe  scheint  verderbt. 
Sie  ist  noch  nicht  befriedigend  erklärt.  Vgl.  WaUner,  PBB 
33,  204.  Der  Vorschlag  von  Sievers  (ib.  35, 191)  z.  19  zu  lesen 
daz  ich  ie  s/  den  besten  bi  verstösst  gegen  den  Sprachgebrauch, 
da  statt  ie  vielmehr  iemer  stehen  müsste. 


öO  32  21  -  34  8 

lehn  mac,  als  ich  erkenne,  des  gelonben  niht 
dazs  ienaan  sanfte  in  zwivel  bringen  müge. 
mirst  liep  daz  die  getrogenen  wizzen  waz  sie  trüge, 
und  alze  lanc  dazs  iemer  rüemic  man  gesiht. 

33  (L.  70  1). 
Daz  ich  dich  so  selten  grtleze, 
frouwe,  daz  ist  äne  alle  missetät. 
Ich  wil  daz  wol  zürnen  müeze 
liep  mit  liebe,  swä  ez  von  friundes  herzen  gät. 
Niene  trüre  du,  wis  fro:  5 

sanfte  zürnen,  sere  süenen,   deist  der  minnen  reht:    diu 

In  gesach  nie  tage  suchen  [herzeliebe  wil  also, 

so  die  mine  tuont.     ich  warte  in  allez  nach. 
Wesse  ich  war  sie  wolten  strichen! 
mich  nimt  iemer  wunder  wes  in  si  so  gäch.  10 

...  sie  mügen  zuo  deme 

komen    der   ir  niht   so    schone   pfliget:    so  läzen  denne 

schinen  ob  si  wizzen  weme. 

Du  solt  eine  rede  vermiden, 
frouwe;  daz  gezimt  den  dinen  güeten  wol; 
Spraechest  duz,  ich  woldez  niden,  15 

daz  die  boesen  sprechent,  so  man  Ionen  sol, 
'Hete  er  saelde,  ich  taete  im  guot.' 
er    ist    selbe   unsaelic,    swer   daz    gerne    sprichet    unde 

niemer  diu  geliche  tuot. 

34  (L.  70  22). 
Genäde,  frouwe!  also  bescheidenliche 
lä  mich  dir  einer  iemer  leben, 
Ob  ich  daz  breche,  daz  ich  fürder  striche, 
wan  einez  soltu  mir  vergeben: 

Daz  mahtu  mir  ze  kurzer  wile  erlouben  gerne,  5 

die  wile  unz  ich  din  beiten  sol. 
ich  nenne  ez  niht,  ich  meine  jenz,  du  weist  ez  wol. 
ich  sage  dir  wes  ich  angest  hau:        da  fürhte  ich  daz 

ichz  widerlerne. 

34  1.  3.     Die  beiden  zeilen  haben  einen  fuss  weniger 
als  die  entsprechenden  in  den  übrigen  Strophen. 


34  9  —  35  10  61 

'Gewinne  ich  iemer  liep,  daz  wil  ich  haben  eine: 
min  friunt  der  minnet  andriu  wip.  10 

An  allen  guoten  dingen  hän  ich  wol  gemeine, 
wan  da  man  teilet  friundes  lip. 
So  ich  in  under  wilen  gerne  bi  mir  saehe, 
so  ist  er  von  mir  anderswä. 

Sit  er  da  also  gerne  si,  so  sl  onch  da.  15 

ez  tuot  so  manegem  wibe  we,         daz  mir  da  von  niht 

wol  geschaehe.' 

Si  sselic  wip,  si  zürnet  wider  mich  ze  sßre, 
daz  ich  mich  friunde  an  manege  stat. 
Si  engehiez  mich  nie  geleben  nach  ir  Ißre, 
swie  jämerliche  ich  sies  gebat.  20 

Waz  hilf  et  mich  daz  ich  sie  minne  vor  in  allen? 
si  swiget  iemer  als  ich  klage, 
wil  si  daz  ich  andern  wlben  widersage, 
so  läze  ir  mine  rede ein  wenic  baz  gevallen. 

'Ich  wil  dir  jehen  daz  du  min  dicke  sere  bsete,     25 
und  nam  ich  des  vil  kleine  war. 
Do  wisse  ich  wol  daz  du  allenthalben  also  taste: 
des  wart  ich  dir  so  fremede  gar. 
Der  min  ze  frinnde  ger,  wil  er  mich  gewinnen, 
der  läze  alsolhe  unstaetekeit.  30 

gemeine  liep  daz  dunket  mich  gemeinez  leit: 
nu  sage,  weist  du  anders  iht?  da  von  tar  ich  dich 

niht  geminnen.' 

35  (L.  72  31). 
Lange  swigen  des  hat  ich  gedäht: 
nu  muoz  ich  singen  aber  als  6. 

Dar  zuo  hänt  mich  gnote  liute  bräht: 
die  mügen  mir  wol  gebieten  me. 

Ich  sei  singen  unde  sagen,  5 

und  swes  sie  gern,  daz  sol  ich  tuon:  so  snln  sie  minen 

kumber  klagen. 
Hoeret  wunder,  wie  mir  ist  geschehen 
von  min  selbes  arebeit: 
Mich  enwil  ein  wip  niht  an  gesehen; 
die  bräht  ich  in  die  werdekeit,  10 


62  35  11— 36  lü 

Daz  ir  muot  so  höhe  stät. 

Jon  weiz  si  niht,  swenn  ich  min  singen  läze,  daz  ir  lop 

Herze,  waz  si  flüeche  liden  sei,  [zergät. 

swenn  ich  nu  läze  minen  sanc! 

Alle  die  nu  lobent,  daz  weiz  ich  wol,  15 

die  scheltent  danne  an  minen  danc. 
Tüsent  herzen  wurden  fro 
von  ir  genäden,  dins  engeltent,  scheide  ich  mich  von  ir 

Do  mich  dühte  daz  si  wsere  guot,  [also, 

wer  was  ir  bezzer  do  dann  ich?  20 

Dest  ein  ende:  swaz  si  mir  getuot, 
so  mac  si  wol  verwsenen  sich: 
Nimet  si  mich  von  dirre  not, 
ir  leben  hat  mines  lebennes  ere:  sterbet  si  mich,  so  ist 

Sol  ich  in  ir  dienste  werden  alt,  [^i  tot.      25 

die  wile  junget  si  niht  vil. 
So  ist  min  här  vil  lihte  also  gestalt, 
dazs  einen  jungen  danne  wil. 
So  helfe  iu  guot,  her  junger  man, 
so  rechet  mich  und  get  ir  alten  hüt  mit  sumerlaten  an.     30 

36  (L.  88  9). 

Friuntlichen  lac 

ein  riter  vil  gemeit 

an  einer  frouwen  arme.         er  kos  den  morgen  lieht. 

do  er  in  durch  diu  wölken         so  verre  schinen  sach, 

Diu  frouwe  in  leide  sprach  '  5 

'we  geschehe  dir,  tac, 

daz  du  mich  last  bi  liebe         langer  bliben  niht. 

daz  sie  da  heizent  minne,         deist  niewan  senede  leit.' 

'Friundinne  min, 
du  solt  diu  trüren  län.  10 

ich  wil  mich  von  dir  scheiden:        daz  ist  uns  beiden  guot. 
ez  hat  der  morgensterne         gemachet  hinne  lieht.' 
'Min  friur.t,  nu  tuo  des  niht, 
Ifi  die  rede  sin, 

duz  du  mir  ilit  so  sere         beswserest  minen  muot.     15 
war  gähest  also  balde?         ez  ist  niht  wol  getan.' 


36  17  —  bi  f*'i 

'Frouwe,  nu  daz  si: 
ich  wil  beliben  baz. 

nu  rede  in  kurzen  ziten         allez  daz  du  wil, 
daz  wir  unser  huote         triegen  aber  als  e.'  20 

'Min  friunt,  daz  tuot  mir  we. 
e  ich  dir  aber  bi 

gelige,  miner  swaere         derst  leider  alze  vil. 
nu  mit  mich  niht  ze  lange:         vil  liep  ist  mir  daz.' 

'Daz  muoz  also  geschehen 
daz  ich  es  niene  mac. 

sol  ich  dich,  frouwe,  miden         eines  tages  lanc, 
so  enkumt  min  herze         doch  niemer  von  dir.' 
'Min  friunt,  nu  folge  mir: 

du  solt  mich  schiere  sehen.  30 

ob  du  mir  sist  mit  triuwen         stsete  sunder  wanc. 
ouwe  der  ougenweide!         nu  kius  ich  den  tac' 

'Waz  helfent  bluomen  rot, 
Sit  ich  nu  hinnen  sol? 

vil  liebiu  friundinne,         die  sint  unmsere  mir,  35 

reht  als  den  vogelinen  die  winterkalten  tage.' 

'Friunt,  dest  ouch  min  klage 
und  mir  ein  wernde  not. 

Jon  weiz  ich  niht  ein  ende,       wie  lange  ich  din  enbir. 
nu  lige  cht  eine  wile:       son  getsete  du  nie  so  wol.'     40 

'Frouwe,  es  ist  zit: 
gebiut  mir,  lä  mich  varn. 

ja  tuon  ichz  durch  din  ere,         daz  ich  von  hinnen  ger. 
der  wahtaere  diu  tageliet         so  lüte  erhaben  hat.' 
'Friunt,  wie  wirt  es  rät?  45 

da  läze  ich  dir  den  strit. 

onwe  des  urloubes,         des  ich  dich  hinnen  wer! 
von  dem  ich  habe  die  sele,         der  müeze  dich  bewarn.' 

Der  riter  dannen  schiet: 
do  sente  sich  sin  lip,  50 

und  liez  ouch  sere  weinde         die  schoenen  frouwen  guot. 
doch  galt  er  ir  mit  triuwen         dazs  ime  vil  nähe  lac. 
Si  sprach  'swer  ie  gepflac 
ze  singenne  tageliet 


64  36  55  -  37  26 

mir,  der  wil  wider  morgen         beswaeren  minen  muot.     55 
nu  lige  ich  liebes  eine         reht  als  ein  senede  wip.' 

37  (L.  57  23). 
Minne  diu  hat  einen  site: 
daz  si  den  vermiden  wolde! 
daz  gezaeme  ir  baz. 
Da  beswaert  si  manegen  mite, 

den  si  niht  beswaeren  solde:  5 

we  wie  zimt  ir  daz? 
Ir  sint  vier  unt  zwenzec  jär 

vil  lieber  danne  ir  vierzec  sin,  und  stellet  sich  vil 

übel,  sihts  iender  gräwez  h&r. 

Minne  was  min  frouwe  so  gar, 
deich  wol  wiste  al  ir  tougen.  10 

nu  ist  mir  so  geschehen. 
Kumt  ein  junger  ieze  dar, 
so  wird  ich  mit  twerhen  ougen 
schilhend  an  gesehen. 

Armez  wip,  wes  müet  si  sich?  15 

weizgot  wan  daz  si  liste  pfliget  und  tören  triuget, 

sist  doch  elter  vil  dann  ich. 

Minne  hat  sich  an  genomen 
daz  si  get  mit  tören  umbe 
springende  als  ein  kint. 

War  sint  alle  ir  witze  komen?  20 

wes  gedenket  si  vil  tumbe? 
sist  joch  gar  ze  blint. 
Dazs  ir  rüschen  nienen  lät, 

und  füere  als  ein  bescheiden  wip!         si  stözet  sich,  daz 
ez  mir  an  min  herze  gät. 

Minne  sol  daz  nemen  für  guot,  25 

under  wüen  so  si  ringet, 

37  1.  E  eröffnet  dieses  lied  mit  folgender  Strophe :  Ich 
han  ir  gedienet  hö  Lachm.J  daz  (diu  Lachm.)  do  heizet  frauwe 
mirme  daz  iz  \mac  Lachm.]  immer  clage  [wiser  man  si  wiget 
unhö  und  Lachm.]  der  gauch  ist  guoter  sinne  daz  mich  der 
sol  vertage  der  mm  tore  solte  sin  da  wir  zwene  werben  ümme 
ein  ding     daz  dinc  tuot  fürder  nimmer  miiez  es  werden  min. 


37  27  —  38  27  65 

daz  ich  sitzen  ge. 
Ich  hau  also  hohen  muot 
als  einer  der  vil  hohe  springet: 

we  waz  wil  sis  me?  30 

Anders  diene  ich  swaz  ich  mac. 

si  besüoche  wä  die  sehse  sin:  von  mir  häts  in  der 

Wochen  ie  den  sibenden  tac. 

38  (L.  63  32). 

'S  wie  wol  der  heide  ir  manicvaltiu  varwe  stät, 
so  wil  ich  doch  dem  walde  jehen 
Daz  er  vil  mere  wunneclicher  dinge  hat: 
noch  ist  dem  velde  baz  geschehen. 
So  wol  dir,  sumer,  sus  getaner  arebeit!  5 

sumer,  daz  ich  iemer  lobe  dine  tage, 
trost,  s6  troeste  ouch  mine  klage. 

ich  sage  dir  waz  mir  wirret:  der  mir  ist  liep,  dem 

bin  ich  leit.' 
Ich  mac  der  guoten  niht  vergezzen  noch  ensol, 
diu  mir  so  vil  gedanke  nimet.  10 

Die  wile  ich  singen  wil,  so  vinde  ich  iemer  wol 
ein  niuwe  lop  daz  ir  gezimet. 
Nu  habe  ir  diz  verguot  (so  lobe  ich  danne  me): 
ez  tuot  in  den  ougen  wol  daz  man  sie  siht: 
und  daz  man  ir  vil  tugende  gibt,  15 

daz  tuot  wol  in  den  oren.     so  wol  ir  des!  so  wo  mir,  we! 

Sie  frägent  unde  frägent  aber  alze  vil 
von  miner  frouwen,  wer  si  si. 
Daz  müet  mich  so  daz  ichs  in  allen  nennen  wil: 
so  laut  sie  mich  doch  danne  fri.  20 

Genäde  und  Ungenäde,  dise  zwene  namen 
hat  min  frouwe  beide  und  sint  ungelich: 
der  eine  ist  arm,  der  ander  rieh. 

der  mich  des  riehen  irre,       der  müeze  sich  des  armen 

schämen. 
Die  schamelosen,  liezen  sie  mich  äne  not,  25 

so  enhaete  ich  weder  haz  noch  nit. 
Nu  muoz  ich  von  in  gän,  also  diu  zuht  gebot. 

Walth.  V.  d.  Vogelweide.    6.  aufl.  5 


6«  38  28  —  39  32 

ich  lA.ze  in  laster  uride  atrit. 

1)6  zuht  gebieten  raolite,  seht,  dö  schuof  siz  so: 

tösent  werten  einem  ungefftegen  man,  30 

unz  er  schone  sich  versan; 

und  muose  sich  versinnen:       so  vil  was  der  gefüegen  do. 

39  (L.  119  17). 
Got  gebe  ir  iemer  gnoten  tac 
und  läze  mich  sie  noch  gesehen, 
Diech  minne  und  niht  erwerben  mac. 
mich  mtiet  daz  ich  sie  beere  jehen, 
Wie  holt  si  mir  entriuwen  wsere,  5 

und  saget  mir  ein  ander  maere, 
des  min  herze  inneclichen  kumber  lidet  iemer  sit: 
onwe  wie  süeze  ein  arebeit! 
ich  hän  ein  senfte  unsenftekeit. 

'Got  hat  vil  wol  ze  mir  getan,  10 

Sit  ich  mit  sorgen  minnen  sol, 
Daz  ich  mich  underwunden  hän 
dem  alle  liute  aprechent  wol. 
Im  wart  von  mir  in  allen  gäben 

ein  küssen  und  ein  umbevähen:  15 

seht,  do  schoz  mir  in  min  herze  daz  mir  iemer  nähe  lit, 
unz  ich  getuon  des  er  mich  bat. 
ich  tsetez,  wurde  mirs  diu  stat.' 

Ich  wsere  dicke  gerne  fro, 
wan  daz  ich  niht  gesellen  hän.  20 

Nu  sie  alle  trürent  so, 
wie  möhte  ichz  eine  denne  län? 
Ich  mtiese  ir  vingerzeigen  liden, 
ichn  wolte  fröude  durch  sie  mfden. 
sus  behalte  ich  wol  ir  hulde,  daz  siez  läzen  äne  nit.      25 
wan  ich  gelache  niemer  niht 
da  ez  ir  dekeiner  siht. 

Es  tuot  mir  inneclichen  we, 
als  ich  gedenke  wes  man  pflac 

In  der  weiite  wilent  e.  30 

ouwe  deich  niht  vergezzen  mac 
Wie  rehte  fro  die  liute  wären! 


39  33  —  41  17  67 

dö  künde  ein  s»lic  man  gebären, 
und  spilte  im  sin  herze  gein  der  wunneclichen  zit. 
sol  daz  nimmer  mer  geschehen,  35 

80  müet  mich  daz  ichz  hän  gesehen. 

40  (L.  112  3). 

Mtieste  ich  noch  geleben  daz  ich  die  rosen 

mit  der  minneclichen  solde  lesen, 

So  wold  ich  mich  so  mit  ir  erkosen, 

daz  wir  iemer  friunde  müesten  wesen. 

Wurde  mir  ein  kus  noch  zeiner  stunde  5 

von  ir  roten  munde, 

80  waer  ich  an  fi-öuden  wol  genesen. 

Waz  sol  lieblich  sprechen?  waz  sol  singen? 
waz  sol  wibes  schcene?  waz  sol  guot? 
Sit  man  nieman  siht  nach  fröuden  ringen,  10 

Sit  man  übel  äne  vorhte  tuot, 
Sit  man  trinwe  milte  zuht  und  ere 
wil  verpflegen  so  sere, 
so  verzagt  an  fröuden  maneges  muot. 

41  (L.  110  27). 
Wer  kan  nu  ze  danke  singen? 
dirre  ist  trüric,  der  ist  fro: 

Wer  kan  daz  zesamene  bringen? 

dirre  ist  sus  und  der  ist  so, 

Sie  verirrent  mich  5 

und  versüment  sich: 

wess  ich  waz  sie  wolten,  daz  sung  ich. 

Fröude  und  sorge  erkenne  ich  beide: 
da  von  singe  ich  swaz  ich  sol. 

Mir  ist  liebe,  mir  ist  leide.  10 

sumerwunne  tuot  mir  wol; 
Swaz  ich  leides  hän, 
daz  tuot  zwivelwän, 
wiez  mir  umb  die  lieben  sül  ergän. 

Wol  iu  kleinen  vogelinen!  15 

iuwer  wunneclicher  sanc 
Der  verschallet  gar  den  minen. 


68  41  18  —  42  32 

al  diu  werlt  diu  seit  iu  danc. 
Also  danken  ir 

42  (L.  42  15). 
Wil  aber  iemen  wesen  frö, 
daz  wir  iemer  in  den  sorgen  niht  enlebenV 
We  wie  tuont  die  jungen  so, 
die  von  fröuden  selten  in  den  lüften  sweben? 
lehn  weiz  anders  weme  ichz  wizen  sol,  5 

wan  den  riehen  wize  ichz  und  den  jungen, 
die  sint  unbetwungen: 
des  stät  in  trüren  übel  und  stüende  in  fröude  wol. 

Wie  fro  sselde  kleiden  kan, 
daz  si  mir  glt  kumber  unde  hohen  muot!  10 

So  gits  einem  riehen  man 
ungemüete:  ouwe  waz  sol  dem  selben  guotV 
Min  frou  Saelde,  wie  si  min  vergaz, 
daz  si  mir  sin  guot  ze  minem  muote 
niene  schriet,  si  vil  guote!  15 

min  kumber  stüende  im  dort  bi  sinen  sorgen  baz. 

Swer  verholne  swaere  trage, 
der  gedenke  an  guotiu  wip:  er  wirt  erlöst; 
Und  gedenke  an  liehte  tage. 

die  gedanke  wären  ie  min  bester  tröst.  20 

Gegen  den  vinstern  tagen  lide  ich  not, 
wan  daz  ich  mich  rihte  nach  der  beide, 
diu  sich  schämt  ir  leide: 
80  si  den  walt  siht  gruonen,  so  wirts  iemer  röt. 

Frouwe,  als  ich  gedenke  an  dich,  25 

waz  din  reiner  lip  erweiter  tugende  pfliget, 
S6  lä  stän!  du  rüerest  mich 
mitten  an  daz  herze,  da  diu  liebe  liget. 
Lieb  und  lieber  des  enmein  ich  niht: 
du  bist  [mir]  aller  liebest,  daz  ich  meine.  30 

du  bist  mir  aleine 
vor  al  der  werlte,  frouwe,  swaz  so  mirgeschiht. 

42  30  ff.  wiU  Braune  (PBB  41,  191)  mit  U(E)  lesen: 
ez  ist  allerliehest,  daz  ich  meine.  Du  bist  mir  aüeine  vor 
aUem  liehe,  frouwe,  swaz  joch  mir  geschiht. 


43  1  —  44  U  69 

43  (L.  117  29). 
Nu  sing  ich  als  ich  e  sanc, 

'wil  aber  iemen  wesen  fro? 

Daz  die  riehen  haben  undanc, 

und  die  jungen  haben  also!' 

Wist  ich  waz  in  würre  (daz  möhten  sie  mir  gerne       5 

so  hülfe  ich  ir  schaden  klagen.  [sagen), 

Swä  so  liep  bi  liebe  lit 
gar  vor  allen  sorgen  fri, 
Ich  wil  daz  diu  winterzit 

den  zwein  wol  erteilet  si.  10 

Snmer  unde  winter,  der  zweier  eren  ist  so  vil, 
daz  ich  beide  loben  wil. 

Hat  der  winter  kurzen  tac, 
so  hat  er  die  langen  naht, 

Daz  sich  liep  bi  liebe  mac  15 

wol  erholn,  daz  e  da  vaht. 

Waz  hän  ich  geredet?  ouwe  ja  het  ich  baz  geswigen. 
sol  ich  iemer  so  geligen? 

44  (L.  97  34) 

Ez  waere  uns  allen         einer  hande   saelden  not: 

daz  man  rehter  fröude  schöne  pflsege  als  e. 

Ein  missevallen         daz  ist  miner  fröuden  tot, 

daz  den  jungen  fröude  tuot  so  rehte  we. 

War  zuo  sol  ir  junger  lip,  5 

da  mite  sie  fröude  solten  minnen? 

hei  wolten  sie  ze  fröuden  sinnen, 

junge  man,  des  hülfen  noch   diu  wip! 

Nu  bin  ich  iedoch         frö  und  muoz  bi  fröuden  sin 
durch  die  lieben,  swiez  dar  under  mir  ergät.  10 

Min  schin  ist  hie  noch:         so  ist  bl  ir  daz  herze  min, 
daz  man  mich  vil  ofte  sinnelösen  hat. 
Hei  solten  sie  zesamene  komen, 
min  lip,  min  herze,  ir  beider  sinne, 


•  43  1  if.  Das  versmass  ist  das  gleiche  wie  in  59.  Ich  habe 
beide  lieder  in  ihrer  Stellung  nur  belassen,  um  die  reihenfolge 
gegen  die  erste  aufläge  nicht  zu  verändern. 


70  44  15  -  45  10 

daz  sie  des  wol  wurden  inne,  15 

die  mir  dicke  fröude  hänt  benomen! 

Vor  den  merkaeren         kan  nu  nieman  liep  geschehen: 
wan  ir  huote  twinget  manegen  werden  lip. 
Daz  muoz  beswsDren        mich:  swenn  ich  sie  solte  sehen, 
so  muoz  ich  sie  miden,  sie  vil  sa3lic  wip.  20 

Doch  mtieze  ich  noch  die  zit  geleben, 
daz  ich  sie  willic  eine  vinde, 
so  daz  diu  huote  uns  beiden  swinde; 
da  mite  wurde  mir  liebes  vil  gegeben. 

Vil  maneger  fraget       mich  der  lieben,  wer  si  sl,     25 
der  ich  diene  und  allez  her  gedienet  hän. 
So  des  betraget       mich,  so  spriche  ich  'ir  sint  dri, 
den  ich  diene:  so  hab  ich  zer  vierden  wän.' 
Doch  weiz  siz  aleine  wol, 

diu  mich  hat  sus  zuo  zir  geteilet.  30 

diu  guote  wundet  unde  heilet, 
der  ich  vor  in  allen  dienen  sol. 

Nu,  frouwe  Minne,         kum  sie  minneclichen  an, 
diu  mich  twinget  und  also  betwungen  hat. 
Brinc  sie  des  inne,       daz  werdiu  minne  twingen  kan.     35 
waz  ob  minneclichiu  liebe  ouch  sie  bestätV 
So  möhtes  ouch  gelouben  mir 
daz  ich  sie  gar  von  herzen  meine, 
nu,  Minne,  bewaere  irz  und  bescheine, 
daz  ich  iemer  gerne  diene  dir.  40 

45  (L.  54  37). 
Ich  freudehelfeloser  man, 
war  umbe  mach  ich  manegen  frö, 
Der  mir  es  niht  gedanken  kan? 
ouwe  wie  tuont  die  friunde  so? 

Ja  friunt!  waz  ich  von  friunden  sage!  5 

het  ich  dekeinen,  der  vernseme  ouch  mine  klage, 
nun  hän  ich  friunt,  nun  hän  ich  rät: 
nu  tuo  mir  swie  du  wellest,  minneclichiu  Minne,        sft 

nieman  min  genäde  hat. 
Vil  minneclichiu  Minne,  ich  hän 
von  dir  verloren  minen  sin.  10 


45  11  —  40  71 

Du  wilt  gewaltecllchen  gän 
in  minem  herzen  uz  und  in. 
Wie  künde  ich  äne  sin  genesen? 
du  wonest  an  siner  stat,  da'r  inne  solte  wesen: 
du  sendest  in  du  weist  wol  war,  15 

dan  mac  er  leider  niht  erwerben,  frouwe  Minne:     ouwe 
Genäde,  frouwe  Minne!  ich  wil     [du  soltest  selbe  dar, 
dir  umbe  dise  boteschaft 
Gefüegen  dines  willen  vil: 

wis  wider  mich  nu  tugenthaft.  20 

Ir  herze  ist  rehter  fröuden  vol, 
mit  lüterllcher  reinekeit  gezieret  wol: 
erdringest  du  da  dine  stat, 
so  lä  mich  in,  daz  wir  sie  mit  ein  ander  sprechen,     mir 

missegie,  do  ichs  eine  bat. 
Gensedeclichiu  Minne,  lä:  25 

war  umbe  tuost  du  mir  so  we? 
Du  twingest  hie,  nu  twinc  ouch  da, 
versuoche  wer  dir  widerste. 
Nu  wil  ich  schouAven,  ob  du  iht  tügest. 
dun  darft  niht  jehen  daz  du  in  ir  herze'n  mügest:     30 
ezn  wart  nie  slöz  so  manicvalt, 
daz    vor    dir    gestüende,    diebe    meisterinne,         tuo  üf! 

sist  wider  dich  ze  halt. 

Frö  Sselde  teilet  umbe  sich, 
und  keret  mir  den  rugge  zuo. 

Da  enkan  si  niht  erbarmen  sich:  35 

in  weiz  waz  ich  dar  umbe  tuo. 
Si  stet  ungerne  gegen  mir: 

louf  ich  hin  umbe,  ich  bin  doch  iemer  hinder  ir: 
sin  ruochet  mich  niht  an  gesehen. 
ich  wolte    daz    ir    ougen   an  ir  nacke  stüenden:  so 

müest  ez  an  ir  danc  geschehen.       40 

Wer  gap  dir,  Minne,  den  gewalt, 

daz  du  doch  so  gewaltic  bist? 

Du  twingest  beide  junc  und  alt: 

da  für  kau  nieman  keinen  list. 

Nu  lob  ich  got,  Sit  diniu  bant  45 


72  45  46  —  46  24 

mich  snlen  twingen,  deich  so  rehte  hän  erkant 
wä  dienest  werdellchen  Ht. 

da  von  enkume  ich  niemer.         gnäde,  frou  küneginne! 
lä  mich  dir  leben  mine  ztt. 

46  (L.  8.  184.  5.  61  33). 
Ich  wil  nu  mere  üf  ir  genäde  wesen  frö, 
80  verre  als  ich  .  .  .  immer  mac. 
lehn  weiz  ob  allen  liuten  .  .  sl  also: 
nach  eime  guoten  kumet  mir  ein  so  boeser  tac, 
Daz  ich  ze  fröuden  niht  enkan.  5 

so    get   ez    an    ein    scheiden:    des    pflac   ich  von  kinde 

gerner  denne  ie  man. 
in  ruoche  wer  min  drumbe  lachet: 
zewäre  wünschen  unde  wsenen  daz  hat  mich  dicke 

frö  gemachet. 

Ich  wünsche  mir  so  werde  daz  ich  noch  gelige 
bi  ir  so  nähen  deich  mich  in  ir  ouge  ersehe,  10 

Und  ich  ir  also  vollecllchen  an  gesige, 
swes  ich  sie  denne  frage  daz  si  mirs  verjehe. 
So  spriche  ich  'wildus  iemer  me 

beginnen,    du  vil    sselic  wip,    daz  du  mir  aber  .  .  tuost 
so  lachet  si  vil  minnecliche.  [s6  we?'          15 

wie   nu?   swenn   ich    mir   s6  gedenke,  bin  ich  von 

wünschen  denne  nicht  riche? 

Min  Ungemach  daz  ich  durch  sie  erliten  hän, 
swenn  ich  mit  senenden  sorgen  also  sere  ranc, 
Sol  mich  daz  also  kleine  wider  sie  vervän, 
hän  ich  getrüret  äne  Ion  und  äne  danc,  20 

So  wil  ich  mich  gehaben  baz. 
waz  ob  ir  denne  lieber  ist  min  fröude  dan  min  trOren? 

ich  wünsche  ouch  daz. 
und  eint  ir  denne  beide  unmaere, 

80  spilte  ich  doch  des  einen  gerner       dan  jenes  daz  gar 
verloren  wsere. 

46  1  ff.  Die  ersten  drei  Strophen  und  die  letzte  sind  nur 
in  E  überliefert,  weshalb  eine  einigermassen  sichere  herstellung 
des  textes  nicht  möglich  ist.  In  der  vierten  bereut  der  dichter 
die  in  der  zweiten  ausgesprochenen  phantasieen,  da  sie  anstoss 
erregt  hatten. 


46  25  —  47  15  73 

Mir  ist  min  erre  rede  enmittenzwei  geslagen:  25 

daz  eine  halbe  teil  ist  mir  verboten  gar: 

Daz  müezen  ander  liute  singen  unde  sagen. 

ich  sol  aber  iemer  miner  zühte  nemen  war 

Und  wunneclicher  mäze  pflegen. 

nmb   einez,    daz    sie    heizent    ere,    läze    ich    vil   dinges 

under  wegen:  30 

mac  ich  des  niht  me  geniezen, 
stet  ez  als  übel  üf  der  sträze,         so  wil  ich  mine  tür 

besliezen. 

Ouwe  daz  mir  s6  maneger  missebieten  sol! 

daz  klage  ich  hiute  und  iemer  rehter  hövescheit. 

Ir  ist  doch  lützel,  den  ir  schapel  ste  s6  wol,  35 

ichn  funde  in  doch  ein  hertze  werendez  (?)  leit, 

Und  wsere  et  von  in  anderswä; 

wan   daz  ich  gerne  bi  in  bin;    daz  ist  der  schade:   ich 

bin  et  gerne  da. 
des  muoz  ich  missebieten  liden. 
iedoch  swer  sine  zuht  behielte,    dem  stüende  ein  schapel 

wol  von  siden.  40 

47  (L.  44  11.  s.  171.  2) 
Min  frouwe  ist  underwilent  hie; 
so  guot  ist  si,  als  ich  des  wsene,  wol; 
Wan  ich  geschiet  von  ir  noch  nie. 
ist  daz  ein  minne  dandern  suochen  sol, 
So  wirt  si  vil  dicke  eilende  5 

mit  gedanken  als  ich  bin. 
min  lip  ist  hie,  so  wont  bi  ir  min  sin: 
der  wil  von  ir  niht,  dest  ein  ende, 
nu  wolt  ich  daz  er  ir  nseme  guote  war 
und  min  dar  under  niht  vefgaeze.     was  hilfet,  tuon  ich 
dougen  zuo?    so  sehent  sie  durch  min  herze  dar.     10 

Ich  lepte  wol  und  äne  nit, 

wan  durch  der  lügenaere  werdekeit. 

Daz  wirt  ein  langer  wernder  strit: 

ir  liep  muoz  iemer  sin  miu  herzeleit. 

Ez  erbarmet  mich  vil  sere,  15 


74  47  IG  — 48  4 

dazs  als  offenliche  gänt 
und  niemen  guoten  unverworren  länt. 
unstaete,  schände,  Sünde,  unere, 
die  rätent  sie  swä  man  sie  hoeren  wil. 
ouwe  daz  man  sie  niht  vermidet!     daz  wirt  noch  maneger 
frouwen  schade    und  hat  verderbet  heiTen  vil.     20 

Noch  dulte  ich  tougenlichen  haz 
von  einem  worte  daz  ich  wilent  sprach. 
Waz  mac  ichs,  zürnents  umbe  dazV 
ich  wil  jehen  des  ich  wilent  jach. 
Ich  sanc  von  der  rehten  minne,  25 

daz  si  waere  Sünden  fri. 
der  valschen  der  gedähte  ich  ouch  da  bi, 
und  rieten  .  .  mine  sinne 
daz  ich  sie  hieze  unminne.     daz  tet  ich. 
nu  vehent  mich  ir  undertäne.    als  helfe  iu  got,  werde  ich 
vertriben,  ir  frouwen,  so  behaltet  mich.  30 

Mac  ieman  deste  wiser  sin, 
daz  er  an  siner  rede  vil  liute  hat, 
Daz  ist  an  mir  kleine  schin. 
ez  gät  diu  werlt  wol  halbe  an  minen  rät. 
Und  bin  ich  iedoch  verirret,  35 

daz  ich  lützel  hie  zuo  kan. 
Ez  mac  wol  helfen  einem  andern  man, 
ich  merke  wol  daz  ez  mir  wirret, 
und  wil  die  friunt  nu  baz  erkennen  me 
die  guote  maere  niht  verkerent.    wil  ieman  loser  mit  mir 
reden,    ichn  mac,  mir  tuot  daz  honbet  we.  40 

48  (L.  73  23). 
Die  mir  in  dem  winter  fröude  hänt  benomen, 
sie  heizen  wip,  sie  heizen  man, 
Disiu  sumerzit  diu  müez  in  baz  bekomen. 
ouwe  daz  ich  niht  fluochen  kan! 


47  21.  Diese  und  die  folgende  atrophe  sind  nur  in  E 
überliefert,  daher  die  textherstellung  misslich.  Es  findet  eine 
rückbeziehung  auf  3  25  statt. 


48  5  —  49  2  75 

Leider  ich  enkan  niht  mere  5 

wan  daz  übel  wort  'unsselic'.  neinä!  daz  waer  alze  sere. 

Zwene  herzeliche  flüeche  kan  ich  ouch: 
die  flnochent  nach  dem  willen  min. 
Hiure  müezens  beide  esel  und  den  gouch 
gehoeren  e  si  enbizzen  sin.  10 

We  in  denne,  den  vil  armen! 

wesse  ich  obe  siez  noch  gerüwe,  ich  wolde  mich  durch 

got  erbarmen. 

Man  sol  sin  gedultic  wider  ungedult: 
daz  ist  den  schamelösen  leit. 

Swen  die  boesen  hazzent  äne  sine  schult,  15 

daz  kumt  von  siner  frümekeit. 
Troestet  mich  diu  guote  alleine, 
diu  mich  wol  getrcesten  mac,  so  gsebe  ich  umbe  ir  niden 

Ich  wil  al  der  werlte  sweren  umb  ir  lip:     [kleine. 
den  eit  sol  si  wol  vernemen:  20 

Si  mir  ieman  lieber,  maget  oder  wip, 
diu  helle  müeze  mir  gezemen. 
Hat  si  nu  deheine  triuwe, 
so  getrüwet  si  dem  eide  und  entstet  mins  herzen  riuwe. 

Herren  unde  friunt,  nu  helfet  an  der  zit:  25 

daz  ist  ein  ende,  ez  ist  also: 
In  behalde  minen  minneclichen  strit, 
ja  enwirde  ich  niemer  rehte  fro. 
Mines  herzen  tiefiu  wunde 

diu  muoz  iemer  offen  sten,  si  enküsse  mich  mit  friundes 
mines  herzen  tiefiu  wunde  [munde.     30 

diu   muoz   iemer  offen  sten,    si  enheiles  üf  und  üz  von 
mines  herzen  tiefiu  wunde  [gründe. 

diu  muoz  iemer  offen  sten,  sin  werde  heil  von  Hiltegunde. 

49  (L.  62  6). 
Ob  ich  mich  selben  rüemen  sol, 

80  bin  ich  des  ein  hübescher  man, 


48  34.  Hiltegund  ist  nicht  der  wirkliche  name  der  ge- 
liebten, sondern  der  dichter  gibt  ihr  den  namen  mit  rücksicht 
auf  seinen  eigenen,  indem  er  auf  das  Verhältnis  zwischen 
Walther  und  Hiltegund  in  der  deutschen  heldensage  anspielt. 


76  49  3-40 

Daz  ich  so  mange  unfuoge  dol, 

so  wol  als  ichz  gerechen  kan. 

Ein  klösensere,  ob  erz  vertrüege?  ich  waene,  er  nein.     5 

hset  er  die  State  als  ich  sie  hän, 

bestüende  in  danne  ein  zörnelln, 

ez  wurde  unsanfter  widertän. 

wie  sanfte  ichz  also  läze  sin! 

daz  und  ouch  me  vertrage  ich  doch  durch  eteswaz.     10 

Frouwe,  ir  habt  mir  geseit  also, 
swer  mir  beswa^re  mlnen  muot, 
Daz  ich  den  mache  wider  frö: 
er  schäme  sich  lihte  und  werde  gnot. 
Diu  lere,  ob  si  mit  triuwen  si,  daz  schine  an  iu.       15 
ich  fröuwe  iuch,  ir  beswajret  mich: 
des  schämt  iuch,  ob  ichz  reden  getar, 
lät  iuwer  wort  niht  velschen  sich, 
und  werdet  guot:  so  habt  ir  war: 
vil  guot  Sit  ir,   wan  daz  ich  guot  von  güete  wil.       20 

Frouwe,  ir  sIt  schcene  und  sit  ouch  wert: 
den  zwein  stet  wol  genäde  bi. 
Waz  schadet  iu  daz  man  iuwer  gert? 
joch  sint  iedoch  gedanke  fri. 

Wän  unde  wünsch  daz  wolde  ich  allez  ledic  län:       25 
höveschent  mine  sinne  dar, 
waz  mag  ichs,  gebents  iu  minen  sanc? 
des  nement  ir  lihte  niender  war: 
so  hän  ichs  doch  vil  höhen  danc. 
treit  iuch  min  lop  ze  hove,  daz  ist  min  werdekeit.       30 

Frouwe,  ir  habet  ein  werdez  tach 
an  iuch  geslouft,  den  reinen  lip. 
Wan  ich  nie  bezzer  kleit  gesach. 
ir  Sit  ein  wol  bekleidet  wip. 

Sin  unde  sselde  sint  gesteppet  wol  dar  in.  35 

getragene  wät  ich  nie  genam: 
dise  na?m  ich  als  gerne  ich  lebe, 
der  keiser  wurde  ir  spileman, 
umb  also  wunnecliche  gebe, 
da,  keiser,  spil!  nein,  herre  keiser,  anderswä!  40 


50  1  —  51  12  77 

50  (L.  63  8). 
Die  verzagten  aller  guoten  dinge 
wsenent  daz  ich  mit  in  si  verzaget: 
Ich  hän  tröst  daz  mir  noch  fröade  bringe 
der  ich  minen  knmber  hän  geklaget. 
Obe  mir  liep  von  der  geschiht,  5 

so  enruoche  ich  wes  ein  boeser  gibt. 

Nit  den  wil  ich  iemer  gerne  liden. 
frouwe,  da  solt  du  mir  helfen  zuo, 
Daz  sie  mich  von  schulden  müezen  niden, 
so  min  liep  in  herzeleide  tuo.  10 

Schaffe  daz  ich  frö  geste: 
so  ist  mir  wol,  und  ist  in  iemer  we. 

Fi'iundin  unde  frouwen  in  einer  wsete 
wolte  ich  an  iu  einer  gerne  sehen, 
Ob  ez  mir  so  rehte  sanfte  taete  15 

alse  mir  min  herze  hat  verjehen. 
Friundin  dast  ein  süezez  wort: 
doch  so  tiuret  frouwe  unz  an  daz  ort. 

Frouwe,  ich  wil  mit  hohen  liuten  schallen, 
werdent  diu  zwei  wort  mit  willen  mir:  20 

So  läz  ouch  dir  zwei  von  mir  gevallen, 
dazs  ein  keiser  küme  gaebe  dir. 
Friunt  und  geselle  diu  sint  din: 
80  si  friundin  unde  frouwe  min. 

61  (L.  58  21). 
Die  zwivelaere  sprechent,  ez  si  allez  tot, 
ezn  lebe  nu  nieman  der  iht  singe. 
Nu  mtigen  sie  doch  bedenken  die  gemeinen  not, 
wie  al  diu  werlt  mit  sorgen  ringe. 
Kumpt  sanges  tac,  man  beeret  singen  unde  sagen:       5 
man  kan  noch  wunder. 

ich  horte  ein  kleine  vogelin  daz  selbe  klagen: 
daz  tet  sich  under: 
'ich  singe  niht,  ez  welle  tagen'. 

Die  losen  scheltent  guoten  wiben  minen  sanc.        10 
und  jehent  daz  ich^ir  übel  gedenke. 
Sie  pflihten  alle  wider  mich  und  haben  danc: 


78  51  18  -  nO 

er  si  ein  zage,  der  da  wenke. 

....  swer  tiuschen  wlben  ie  gespraeche  baz! 

wan  daz  ich  scheide  15 

die  guoten  von  den  boesen.     seht,  daz  ist  ir  haz. 

lobt  ich  sie  beide 

geliche  wol,  wie  stüende  daz? 

Ich  bin  iu  eines  dinges  holt,  haz  unde  nit, 
so  man  iuch  üz  ze  boten  sendet,  20 

Daz  ir  so  gerne  bi  den  biderben  .  .  sit, 
und  daz  ir  iuwern  herren  schendet. 
Ir  spehaere,  so  ir  niemen  Staaten  müget  erspehen, 
den  ir  verkeret, 

s6  hebt  iuch  heim  in  iuwer  hüs;  ez  mnoz  geschehen,     25 
daz  ir  uneret 
verlogenen  munt  und  twerhez  sehen. 

Der  also  guotes  wibes  gert  als  ich  da  ger, 

wie  vil  der  tugende  haben  solte! 

Nun  hän  ich  leider  niht  da  mite  ich  sie  gewer,         30 

wan  obs  ein  lützel  von  mir  wolte. 

Zwo  tugende  hän  ich,  der  sie  wilent  nämen  war, 

schäm  unde  triuwe. 

die  schadent  nu  beide  sere.     schaden  nu  also  dar! 

ich  bin  niht  niuwe:  35 

dem  ich  da  gan,  dem  gan  ich  gar. 

Ich  wände  daz  si  waere  missewende  fri: 
nu  sagent  sie  mir  ein  ander  maere, 
Sie  jehent  daz  niht  lebendes  äne  wandel  si: 
so  ist  ouch  min  frouwe  wandelbaere.  40 

lehn  kan  aber  niht  erdenken  waz  ir  misseste, 
wan  ein  vil  kleine: 

si  schadet  ir  vinden  niht,  und  tuot  ir  friunden  we. 
lät  si  daz  eine, 
swie  vil  ich  snoche,  ichn  vindes  me.  45 

Ich  hän  iu  gar  gesaget  waz  ir  missestät: 
zwei  Wandel  hän  ich  iu  genennet. 
Nu  snlt  ir  ouch  vernemen  waz  si  tagende  hat: 
der  sint  ouch  zwo,  daz  irs  erkennet. 
Ich  seit  iu  gerne  tüsent:  im  ist  niht  me  da,  50 


51  51  —  52  33  79 

wan  schoene  und  ere, 

die  hat  si  beide  vollecliche.     'hat  si?'  ja. 

'waz  wil  si  mere? 

hiest  wol  gelobt:  lobe  anderswä.' 

52  (L.  56  14). 
Ir  sult  sprechen  willekomen: 

der  iu  msere  bringet,  daz  bin  ich. 

Allez  daz  ir  habt  vernomen, 

daz  ist  gar  ein  wint:  nu  fraget  mich. 

Ich  wil  aber  miete:  5 

wirt  min  Ion  iht  guot, 

ich  sage  iu  vil  lihte  daz  iu  sanfte  tuot. 

seht  waz  man  mir  eren  biete. 

Ich  wil  tiuschen  frouwen  sagen 
solhiu  msere  daz  sie  deste  baz  10 

AI  der  werlte  snln  behagen: 
äne  groze  miete  tuon  ich  daz. 
Waz  wold  ich  ze  lone? 
sie  sint  mir  ze  her: 

so  bin  ich  gefüege,  und  bite  sie  nihtes  mer  15 

wan  daz  sie  mich  grtiezen  schone. 

Ich  hän  lande  vil  gesehen 
unde  nam  der  besten  gerne  war: 
Übel  müeze  mir  geschehen, 

künde  ich  ie  min  herze  bringen  dar,  20 

Daz  im  wol  gevallen 
wolde  fremeder  site. 

nu  waz  hülfe  mich,  ob  ich  unrehte  strite? 
tiuschiu  zuht  gät  vor  in  allen. 

Von  der  Elbe  unz  an  den  RIn  25 

und  her  wider  unz  an  Ungerlant 
So  mügen  wol  die  besten  sin, 
die  ich  in  der  werlte  hän  erkant. 
Kan  ich  rehte  schouwen 

guot  geläz  unt  lip,  30 

sem  mir  got,  so  swüere  ich  wol  daz  hie  diu  wip 
bezzer  sint  danne  ander  frouwen. 

Tiusche  man  sint  wol  gezogen. 


80  52  34  -  53  17 

rehte  als  engel  sint  diu  wip  getan. 

Swer  sie  schildet,  derst  betrogen:  35 

ich  enkan  sin  anders  niht  verstän. 

Tngent  und  reine  minne, 

swer  die  suochen  wil, 

der  sol  komen  in  unser  lant:  da  ist  wunne  vil: 

lange  müeze  ich  leben  dar  inne!  40 

Der  ich  vil  gedienet  hän 

und  ieraer  mere  gerne  dienen  wil, 

Diust  von  mir  vil  nnerlän: 

iedoch  so  tuot  si  leides  mir  so  vil. 

Si  kan  mir  verseren  45 

herze  und  den  muot. 

nu  vergebez  ir  got  dazs  an  mir  missetuot. 

her  nach  mac  si  sichs  bekeren. 

53  (L.  60  34). 
Ich  wil  nu  teilen,  e  ich  var, 
min  varnde  guot  und  eigens  vil, 
Daz  iemen  dürfe  striten  dar, 
wan  den  ichz  hie  bescheiden  wil. 

AI  min  ungelücke  wil  ich  schaffen  jenen  5 

die  sich  hazzes  und  nides  gerne  wenen, 
dar  zuo  min  nnsaelikeit. 
mine  swaere 
haben  die  lügenaere. 

min  unsinnen  10 

schaff  ich  den  die  mit  valsche  minnen, 
den  frouwen  nach  herzeliebe  senendiu  leit. 

Nu  bitet,  lät  mich  wider  komen. 
ich  weiz  der  wibe  willen  wol: 

Ich  hän  ein  maere  von  in  vernomen,  15 

da  mite  ich  manege  erwerben  sol. 
Ich  wil  lip  und  ere  und  al  min  heil  verswern: 


53  1  ff.  Wir  werden  uns  diese  beiden  Strophen  so  vor- 
getragen denken  müssen,  dass  sich  der  dichter,  nachdem  er 
mit  der  ersten  fertig  ist,  zum  Weggang  wendet,  dann  aber 
wieder  umkehrt  und  von  neuem  beginnt.  Ein  lied  in  dem 
gleichen  tone  siehe  unter  95. 


53  18  —  54  10  81 

wie  künde  sich  deheiniu  danne  min  erwern? 

nein  ich  weizgot,  swaz  ich  sage. 

got  der  solte  20 

rihten,  obe  er  wolte, 

die  so  swüeren, 

daz  in  diu  ougen  üz  gefüeren 

und  sich  doch  einest  stiezen  in  dem  tage. 

Mir  ist  liep  daz  si  mich  klage  25 

ze  mäze  als  ez  ir  schone  ste; 

Ob  man  ir  maere  von  mir  sage, 

daz  ir  da  von  sl  sanfte  we. 

Si  sei  iemer  mere  durch  den  willen  min 

nngefüege  swaere  und  fröude  läzen  sin:  30 

daz  stet  senenden  frouwen  wol, 

als  ichz  meine. 

dar  ahtent  jene  vil  kleine, 

die  sich  des  flizent 

daz  sie  den  munt  so  sere  bizent  35 


54  (L.  39  1). 

Uns  hat  der  winter  geschat  über  al: 

heide  unde  walt  diu  sint  beidiu  nu  val, 

da  manic  stimme  vil  suoze  inne  hal. 

ssehe  ich  die  megde  an  der  sträze  den  bal 

werfen!  so  kaeme  uns  der  vögele  schal.  5 

Möhte  ich  versläfen  des  winteres  zit! 
wache  ich  die  wile,  s6  hän  ich  sin  nit, 
daz  sin  gewalt  ist  so  breit  und  so  wit. 
weizgot  er  lät  doch  dem  meien  den  strit: 
s6  lise  ich  bluomen  da  rife  nu  lit.  10 


54  1.  E  lässt  die  folgenden  beiden  Strophen  vorangehen: 
Wölt  der  winter  schier  zer  gan  so  liez  ich  alle  min  sorge  die  ich 
han  anders  hat  er  mir  niht  getan  wenne  daz  er  lenget  den 
liehen  wan  mir  sol  ein  fravide  mitten  in  dem  meyen  enstan. 
Ich  wünsche  daz  der  winter  zerge  wenne  er  en  hat  fratide  niht 
me  wenne  kalten  ivint  und  dor  zuo  regen  unde  sne  daztuotden 
äugen  unsanfte  we  selic  si  gruene  laup  unde  cle.  Auf  54  10 
folgt  dann :  Swaz  mir  nu  unrret  des  wirt  allez  rat    svne  mir  der 

Walter  v.  d,  Vogelweide.    5.  aufl.  ß 


82  55  1  "  32 

5o  (L.  75  25). 
Diu  werlt  was  gelf,  rot  unde  blä, 
grüen  in  dem  walde  und  andei'swä: 
die  kleinen  vögele  sungen  da. 
nu  schriet  aber  diu  nebelkrä. 

pfligt  si  iht  ander  varweV  ja:  5 

Bist  worden  bleich  und   übergrä. 
des  rimpfet  sich  vil  manic  brä. 

Ich  saz  üf  eime  grüenen  le: 
da  ensprungen  bluomen  unde  kle 

zwischen  mir  und  eime  se.  10 

der  ougenweide  ist  da  niht  me. 
da  wir  schapel  brächen  e, 
da  lit  nu  rife  und  ouch  der  sne. 
daz  tuet  den  vogelinen  we. 

Die  toren  sprechent  'sniä  sni',  15 

die  armen  liute  'ouwe  ouwi'. 
des  bin  ich  swiere  alsam  ein  bli. 
der  wintersorge  hän  ich  dri: 
swaz  der  und  der  andern  si, 

der  wurde  ich  alse  schiere  fri,  20 

waer  uns  der  sumer  nähe  bi. 

ß  danne  ich  lange  lebt  also, 
den  krebz  wolt  ich  e  ezzen  ro. 
sumer,  mache  uns  aber  frö. 

du  ziertest  anger  unde  16.  25 

mit  den  bluomen  spilte  ich  do, 
min  herze  swebte  in  sunnen  ho: 
daz  jaget  der  winter  in  ein  stro. 

Ich  bin  verlegen  als  fisaü: 
min  sieht  här  ist  mir  worden  rü.  30 

stiezer  sumer,  wä  bist  du? 
ja  saehe  ich  gerne  veltgebü. 


muot  bi  der  erden  nu  stat  noch  Tcummet  die  zit  daz  er  in  die 
sunnen  gat  tuot  man  daz  man  mir  gelobet  hat  oive  wie  hohe 
denne  'min  hertze  stat.  55  1.  Ueber  dies  lied  vgl.  Bechstein, 
Germ.  XV,  434.  Giske,  Zschr.  f.  deutsche  Phil.  XV,  66.  Horne- 
mann,  Germ.  XXIX,  42.  55  32.  Vgl.  E.  Schröder,  ZfdA 

46,  90  (schwerlich  richtig). 


55  33  —  57  11  -  83 

e  daz  ich  lange  in  solher  drü 

beklemmet  wsere  als  ich  bin  nu, 

ich  wurde  e  münech  ze  Toberlü.  35 

56  (L.  114  23). 
Der  rife  tet  den  kleinen  vogelen  we, 
daz  sie  niht  ensnngen. 

Nu  hoer  ichs  aber  wunneclich  als  e, 

nu  ist  diu  beide  entsprungen. 

Da  sach  ich  bluomen  striten  wider  den  kle,  5 

weder  ir  lenger  waere. 

miner  frouwen  seit  ich  disiu  msere. 

Uns  hat  der  winter  kalt  und  ander  not 
vil  getan  ze  leide. 

Ich  wände  daz  ich  iemer  bluomen  rot  10 

gessehe  an  grüener  beide. 
Ja  schatte  ez  guoten  liuten,  waere  ich  tot, 
die  nach  fröuden  rungen 
und  die  gerne  tanzten  unde  Sprüngen. 

Versümde  ich  disen  wunneclichen  tac,  15 

80  wser  ich  verwäzen 
Und  waere  mir  ein  ewecllcher  slac. 
dennoch  müese  ich  läzen 
AI  mine  fröude  der  ich  wilent  pflac. 
got  gesegen  iuch  alle:  20 

wünschet  noch  daz  mir  ein  heil  gevalle. 

57  (L.  94  11). 
Do  der  sumer  komen  was 

und  die  bluomen  durch  daz  gras 

wunneclichen  Sprüngen, 

aldä  die  vögele  sungen, 

dö  kom  ich  gegangen  5 

an  einen  anger  langen, 

da  ein  lüter  brunne  entspranc: 

vor  dem  walde  was  sin  ganc, 

da  diu  nahtegale  sanc. 

Bi  dem  brunnen  stuont  ein  boum:  10 

da  gesach  ich  einen  troum. 


84  57  12  —  58  3 

ich  was  von  der  sunnen 

gegangen  zuo  dem  brunnen, 

daz  diu  linde  ma^re 

mir  ktielen  schaten  bajre.  15 

bl  dem  brunnen  ich  gesaz, 

miner  sorge  ich  gar  vergaz, 

schiere  entslief  ich  umbe  daz. 

Do  bedühte  mich  zehant 
wie  mir  dienten  älliu  laut,  20 

wie  min  sele  wsere 
ze  himel  äne  swsere, 
und  der  lip  solte 
gebären  swie  er  wolte. 

däne  was  mir  niht  ze  we.  25 

got  der  Waldes,  swiez  erge: 
schcener  troum  enwart  nie  me. 

Gerne  sliefe  ich  iemer  da, 
wan  ein  unsseligiu  krä 

diu  hegende  schrien.  30 

daz  alle  krä  gedien 
als  ich  in  des  gunne! 
si  nam  mir  michel  wunne. 
von  ir  schrienne  ich  erschrac. 

wan  daz  da  niht  steines  lac,  35 

so  wser  ez  ir  suontac. 

Wan  ein  wunderaltez  wip 
diu  getroste  mir  den  llp. 
die  begond  ich  eiden. 

nu  hat  si  mir  bescheiden  40 

waz  der  troum   bediute. 
daz  merket,  lieben  liute: 
zwene  und  einer  daz  sint  drl; 
dannoch  seite  si  mir  da  bi 
daz  min  düme  ein  vinger  si.  45 

58  (L.  43  9). 
Ich  hoere  iu  so  vil  [der]  tugende  jehen, 
daz  iu  min  dienest  iemer  ist  bereit. 
Enhset  ich  iuwer  niht  gesehen, 


58  4  —  59  4  85 

daz  schatte  mir  an  miner  werdekeit. 

Nu  wil  ich  [iemer]  deste  tiurre  sin,  5 

und  bite  iuch,  frouwe,        daz  ir  iueh  underwindet  min. 

ich  lebete  gerne,  künde  ich  leben: 

min  wille  ist  goot,  nu  bin  ich  tump:        nu  sult  ir  mir 

'Kund  ich  die  mäze  als  ich  enkan,     [die  mäze  geben, 
so  wsere  ich  zer  werlte  ein  sselic  wip.  10 

Ir  tuot  als  ein  wol  redender  man, 
daz  ir  so  hohe  tiuret  miuen  lip. 
Ich  bin  noch  tumber  danne  ir  sit. 
waz  dar  umbe?     doch  wil  ich  scheiden  disen  strit. 
tuot  ir  alrerst  des  ich  iuch  bite,  15 

und  saget  mir  der  manne  muot:      so  lere  ich  iuch  der 

Wir  wellen  daz  diu  staetekeit  [wibe  site.' 

in  guoten  wiben  gar  ein  kröne  si. 
Kunnet  ir  mit  zühten  sin  gemeit, 

80  stet  diu  lilje  wol  der  rosen  bi.  20 

Nu  merket  wie  der  linden  ste 
der  vögele  singen,     dar  under  bluomen  unde  kle: 
noch  baz  stet  wiben  werder  gruoz. 
ir  minneclicher  redender  munt      der  machet  daz  man'n 

küssen  muoz. 

'Ich  sage  iu  wer  uns  wol  behaget:  25 

der  beide  erkennet  übel  unde  guot 
Und  ie  daz  beste  von  uns  saget, 
dem  sin  wir  holt,  ob  erz  mit  triuwen  tuot. 
Kan  er  ze  rehte  ouch  wesen  fro 

und  sin  gemüete       ze  mäze  tragen  nider  und  hö,      30 
der  mac  erwerben  swes  er  gert: 

welch  wip  verseit  im  einen  vaden?  guot  man  ist 

guoter  siden  wert.' 

59  (L.  118  12). 
Wer  gesach  ie  bezzer  jär? 
wer  gesach  ie  schcener  wip? 
Daz  entroestet  niht  ein  här 
einen  unsaeligen  lip. 


59  1.    S.  zu  43  1. 


86  59  5  —  60  27 

Wizzet,  swera  der  anegenget  an  dem  morgen  fruo,       5 
deme  get  ungelücke  zuo. 

Ich  wil  einer  helfen  klagen, 
der  ouch  froude  zseme  wol, 
Daz  in  also  valschen  tagen 

schoene  tugent  Verliesen  sol.  10 

Hie  vor  wser  ein  land  gefrönt  umb  ein  so  schoene  wip: 
waz  sol  der  nu  schoener  llp? 

60  (L.  121  33). 
Die  grisen  w ölten  michs  überkomen, 
diu  werlt  gestüende  trüreclicher  nie 
Und  hete  an  fröuden  abe  genomen. 
doch  streit  ich  zornecliche  wider  sie, 
Sie  möhtens  wol  gedagen,  5 

ez  wurde  niemer  war. 
mir  was  ir  rede  swär. 
sus  streit  ich  mit  den  alten: 
die  hänt  den  strit  behalten 
nn  lenger  denne  ein  jär.  10 

Min  ouge  michel  wunder  siht, 
die  ez  vil  wirs  verdienen  kunnen  denn  ich, 
Daz  den  so  schoene  heil  geschiht. 
ouwe  Werlt,  wie  kumt  ez  urabe  dich! 
Ist  got  solch  ebensere?  15 

er  git  dem  einen  sin, 
dem  andern  gewin: 
so  waene  ich  also  maere 
ein  richer  töre  wsere 
so  rieh  ich  armer  bin.  20 

Hie  vor,  dös  alle  wären  fro, 
do  wolte  nieman  hoeren  mine  klage: 
Nu  ist  sumelichen  so 

daz  sie  mir  wol  gelouben  swaz  ich  in  sage. 
Nu  müeze  got  erwenden  25 

unser  arebeit, 
und  gebe  uns  sselekeit, 

60  5  gedagen  ist  eine  Verderbnis:   es  wird  ein  reim  auf 
alten  verlangt. 


60  28  —  6134:  87 

daz  wir  die  sorge  swenden. 

ouwe  möht  ichz  verenden! 

ich  hän  ein  sunder  leit.  30 

61  (L.  90  15). 
Ane  liep  so  manic  leit, 
wer  möhte  daz  erliden  iemer  me? 
Waer  ez  niht  unhövescheit, 
80  wolt  ich  schrien  'se,  gelücke,  se!' 
Gelücke  daz  enhoeret  niht  5 

und  selten  ieman  gerne  siht, 
swer  triuwe  hat. 
ist  ez  also,  wie  sol  min  [danne]  iemer  werden  rät? 

We  wie  jämerlich  gewin 
tegelich  vor  minen  ougen  vert!  10 

Deich  so  gar  ertoeret  bin 
mit  miner  zuht,  und  mir  daz  nieman  wert! 
Mit  den  getriuwen  alten  siten 
ist  man  nu  zer  werlte  versniten, 

er  unde  guot  15 

hat  nu  lützel  ieman  wan  der  tibele  tuot. 

Daz  die  man  als  tibele  tuont, 
dast  gar  der  wibe  schult:  dest  leider  so. 
Hie  vor,  do  ir  muot  üf  ere  stuont, 
dö  was  diu  werlt  üf  ir  genäde  fro.  20 

Hei  wie  wol  man  in  do   sprach, 
do  man  die  fuoge  an  in  gesach! 
nu  siht  man  wol 
daz  man  ir  minne  mit  unfuoge  erwerben  sol. 

Lät  mich  zuo  den  frouwen  gän:  25 

80  ist  daz  min  aller  meiste  klage, 
So  ich  ie  mere  zühte  hän, 
so  ich  ie  minre  werdekeit  bejage. 
Sie  swachent  wol  gezogenen  lip, 

ezn  8i  ein  wol  bescheiden  wip:  30 

der  meine  ich  niht: 
diu  schämt  sich  des,  swä  iemer  wibes  schäme  geschiht. 

Keiniu  wip  und  guote  man, 
swaz  der  lebe,  die  müezen  sselic  sin. 


88  61  35  —  62  31 

Swaz  ich  den  gedienen  kan,  35 

daz  tuon  ich,  daz  sie  gedenken  min. 

Hie  mite  so  künd  ich  in  daz: 

diu  werlt  enste  danne  schiere  baz, 

BÖ  wil  ich  leben 

so  ich  beste  mac  und  minen  sanc  üf  geben.  40 

62  (L.  44  35). 
Die  herren  jehent,  man  sülz  den  frouwen 
wizen  daz  diu  werlt  so  ste. 
sie  sehent  niht  froelich  üf  als  e, 
sie  wellent  alze  nider  schouwen. 

Ich  habe  ouch  die  rede  gehceret:  5 

sie  sprechent,  daz  in  ■?.'  ude  stoeret, 
sie  sin  me  dan  halbe  verzaget 
Beidiu  libes  unde  guotes, 
niemen  helfe  in  hohes  muotes. 
wer  sol  rihten?  hiest  geklaget.  10 

Ein  frouwe  wil  ze  schedeliche 
schimpfen,  ich  habe  üz  gelobet, 
si  tumbet,  obe  si  niht  entobet. 
Jon  wart  ich  lobes  noch  nie  s6  riebe. 
Törst  ich  vor  den  wandelbseren, 
so  lobte  ich  die  ze  lobenne  wseren. 
des  enhaben  deheinen  muot, 
lehn  gelobe  sie  niemer  alle, 
swiez  den  losen  missevalle, 
siene  werden  alle  guot.  20 

Ich  weiz  sie  diu  daz  nit  ennidet, 
daz  man  nennet  reiniu  wlp. 
s6  rehte  reine  sost  ir  lip, 
daz  si  der  guoten  lop  wol  lidet. 

Er  engap  ir  niht  ze  kleine,  25 

der  sie  geschuof,  schcene  unde  reine, 
der  diu  zwei  zesamne  sloz. 
Wie  gefnoge  er  künde  sliezen! 
er  solt  iemer  bilde  giezen, 
der  daz  selbe  bilde  göz.  30 

Sich  krenkent  frouwen  unde  pfaifen, 


62  32  -  63  26  89 

daz  sie  sich  niht  scheiden  länt. 

die  den  verschampten  bi  gestänt, 

die  wellent  lihte  ouch  mit  in  schaffen. 

35 

we  daz  zwen  als  edele  namen 

Mit  den  schamelosen  werbent! 

sicherliche  sie  verderbent, 

siene  wellens  sich  erschamen.  40 

63  (L.  47  36). 

Hie  vor,  do  man  so  rehte  minneclichen  warp, 
do  wären  mine  Sprüche  fröuden  riche : 
Sit  daz  diu  minnecliche  minne  also  verdarp, 
Sit  sanc  ouch  ich  ein  teil  unminnecliche. 
lemer  als  ez  danne  stät,  5 

also  sol  man  danne  singen, 
swenne  unfuoge  nu  zergät, 
80  sing  aber  von  höfschen  dingen, 
noch  kumpt  fröude  und  sanges  tac: 
wol  im,  ders  erbeiten  mac!  10 

derz  gelouben  wolte, 

so  erkande  ich  wol  die  fuoge,         wenn  unde  wie  man 

singen  solte. 

Zwo  fuoge  hän  ich  doch,  swie  ungefüege  ich  si, 
der  hän  ich  mich  von  kinde  h^  vereinet: 
Ich  bin  den  fron  bescheidenlicher  fröude  bi,  15 

und  lache  ungerne  swä  man  bi  mir  weinet. 
Durch  die  liute  bin  ich  fro, 
durch  die  liute  wil  ich  sorgen: 
ist  mir  anders  danne  also, 

waz  dar  umbe?  ich  wil  doch  borgen.  20 

swie  sie  sint  so  wil  ich  sin, 
daz  sie  niht  verdrieze  min. 
manegem  ist  unmsere 

swaz  einem  andern  werre:       der  si  ouch  bi  den  liuten 

swaere. 

Ich  sage  iu  waz  uns  den  gemeinen  schaden  tuot:        25 
diu  wip  gelfchent  uns  ein  teil  ze   sere. 


90  63  27  —  60 

Daz  wir  in  also  liep  sfn  übel  alse  guot, 
seht,  daz  geliehen  nimet  uns  fröude  und  ere. 
Schieden  uns  diu  wip  als  e, 

daz  sie  sich  ouch  liezen  scheiden,  30 

daz  gefrumte  uns  iemer  me, 
mannen  unde  wiben,  beiden, 
waz  stet  übel,  waz  stet  wol, 
Sit  man  uns  niht  scheiden  sol? 

edeliu  wip,  gedenket  35 

daz  ouch  die  man  waz  kunnen :     gelichents  iuch,  ir  Sit 

gekrenket. 

Wip  muoz  iemer  sin  der  wlbe  höchste  name, 

und  tiuret  baz  dan  frouwe,  als  ichz  erkenne. 

Swä  nn  deheiniu  si  diu  sich  ir  wipheit  schäme, 

diu  merke  disen  sanc  und  kiese  denne.  40 

Under  frouwen  sint  unwip, 

under  wiben  sint  sie  tiure. 

wibes  name  und  wlbes  lip 

die  sint  beide  vil  gehiure. 

swiez  umb  alle  frouwen  var,  45 

wip  sint  alle  frouwen  gar. 

zwivellop  daz  hoenet, 

als  under  wllen  frouwe:     wip  dest  ein  name  ders  alle 

krcenet. 
Ich  sanc  hie  vor  den  frouwen  umbe  ir  blözen  gruoz: 
den  nam  ich  wider  mime  lobe  ze  löne.  50 

Swä  ich  des  geltes  nu  vergebene  warten  muoz, 
da  lobe  ein  ander,  den  sie  grüezen  schone. 
Swä  ich  niht  verdienen  kan 
einen  gruoz  mit  mime  sänge, 

dar  ker  ich  vil  herscher  man  55 

minen  nac  oder  ein  min  wange. 
daz  kit  'mir  ist  umbe  dich 
rehte  als  dir  ist  umbe  mich.' 
ich  wil  min  lop  keren 
an  wip    die   kunnen   danken:         waz  hän  ich  von  den 

tiberheren?  60 


64  1-38  91 

64  (L.  4t  13). 
Ich  bin  als  unschedeliche  frö, 
daz  man  mir  wol  ze  lebenne  gan. 
Tougenliche  stät  min  herze  ho: 
waz  touc  zer  werlte  ein  rüemic  man? 
We  den  selben  die  so  manegen  schoenen  lip  5 

habent  ze  boesen  mseren  bräht! 
wol  mich,  daz  ichs  hän  gedäht! 
ir  sult  sie  miden,  guotiu  wip. 

Ich  wil  guotes  mannes  werdekeit 
vil  gerne  höeren  unde  sagen.  10 

Swer  mir  anders  tuot,  daz  ist  mir  lelt: 
ich  wilz  ouch  allez  niht  vertragen. 
Rüemsere  nnde  lügensere,  swä  die  sin, 
den  verbiute  ich  minen  sanc, 

und  ist  äne  minen  danc,  15 

obs  also  vil  geniezen  min. 

Maneger  trüret,  dem  doch  liep  geschiht: 
ich  hän  aber  iemer  hohen  muot. 
Und  enhabe  doch  herzeliebes   niht. 
daz  ist  mir  also  lihte  guot.  20 

Herzeliebes,  swaz  ich  des  noch  ie  gesach, 
da  was  herzeleide  bi. 
liezen  mich  gedanke  fri, 
son  wiste  ich  niht  umb  ungemach. 

Als  ich  mit  gedanken  irre  var,  25 

so  wil  mir  maneger  sprechen  zuo : 
So  swig  ich  und  läze  in  reden  dar. 
waz  wil  er  anders  daz  ich  tuo? 
Hete  ich  ougen  oder  oren  danne  da, 
So  kund  ich  die  rede  verstän:  30 

swenn  ich  ir  beider  niht  enhän, 
son  kan  ich  nein,  son  kan  ich  ja. 

Ich  bin  einer  der  nie  halben  tac 
mit  ganzen  fröaden  hat  vertriben. 

Swaz  ich  fröuden  ie  da  her  gepflac,  35 

der  bin  ich  eine  hie  beliben. 
Nieman  kan  hie  fröude  vinden,  si  zerge 
sam  der  liehten  blnomen  schin: 


92  64  39  —  65  IG 

da  von  sol  daz  herze  min 

niht  senen  nach  valschen  fröuden  me.  40 

65  (L.  111  22). 
Ein  man  verblutet  äne  pfliht 
ein  spil,  d6s  im  nieman  wol  gevolgen  mac. 
Er  gihet,  swenne  ein  wip  ersiht 
sin  ouge,  daz  si  si  sin  österlicher  tac. 
Wie  waere  uns  andern  liuten  so  geschehen  5 

selten  wir  im  alle  siues  willen  jehen? 
ich  bin  der  imez  versprechen  muoz: 
bezzer  wsere  miner  frouwen  senfter  gruoz. 
deist  mates  buoz. 

'Ich  bin  ein  wip  da  her  gewesen  10 

so  stsßte  an  eren  und  ouch  also  wol  gemuot: 
Ich  trüwe  ouch  noch  vil  wol  genesen, 
daz  mir  mit  solhem  steine  nieman  [keinen]  schaden  tuot. 
Swer  küssen  hie  ze  mir  gewinnen  wil, 
der  werbe  ez  mit  fuoge  und  ander  spil.  15 

ist  daz  ez  im  wirt  iesä, 


65  1.  Parodie  zweier  Strophen  Eeinmars.  1  (MF  159, 1) 
Ich  wirhe  umb  allez  daz  ein  man  ze  werltJ teilen  fröuden  iemer 
haben  sol.  daz  ist  ein  wip  der  ich  enkan  nach  ir  vil 
grözen  werdekeit  gesprechen  tvol.  lob  ich  si  so  man  ander 
frouwen  tuot,  dazn  nimet  eht  disiu  von  mir  niht  für  guot. 
doch  swer  ich  des,  sist  an  der  stat  dazs  üz  iviplichen 
tugenden  nie  fuoz  getrat.  daz  ist  in  mat.  2  (MF  159,  37) 
Und  ist  daz  mirs  min  scelde  gan  deich  ab  ir  wol  redendem 
munde  ein  küssen  mac  versteln,  git  got  daz  ich  ez  bringe  dan, 
so  wil  ichz  tougeiüiclie  tragen  und  iemer  Jieln.  und  ist  daz  siz 
für  gröze  swcere  hat  und  vehet  mich  durch  mine  missetät. 
waz  tuon  ich  danne,  unsodic  man  ?  da  hebe  ichz  üf  und  legez 
hin  wider  da  ichz  da  nam,  als  ich  wol  kan.  Ausserdem 
bezieht  sich  Walther  auf  ein  anderes  lied  Eeinmars,  in  welchem 
die  zeile  vorkommt  (MF  170,  19)  si  ist  min  österlicher  tac. 
Er  scheint  die  äusserungen  Reinmars  nicht  genau  im  gedächtnis 
gehabt  zu  haben,  denn  die  parodie  passt  nicht  recht.  Vielleicht 
ist  in  z.  4  zu  lesen  daz  daz  si  sin  österlicher  tac.  Als  er- 
widerung  ßeinmars  auf  Walthers  angriff  ist  vielleicht  zu  fassen 
MF  197,  3:  Waz  unmäze  ist  daz,  ob  ich  des  hän  gesworn,  daz 
si  mir  lieber  si  dan  elliu  wip? 


65  17  —  66  30  93 

er  muoz  sin  iemer  sin  min  diep,  und  habe  imz  da 
und  anderswä.' 

66  (L.  64  30). 
Ouwe,  hovelichez  singen, 

daz  dich  ungefüege  dcene 

Selten  ie  ze  hove  verdringen! 

daz  die  schiere  got  gehoene! 

Ouwe  daz  din  wirde  also  geliget!  5 

des  sint  alle  dine  friunde  unfro. 

daz  muoz  eht  also  sin:  nu  si  also: 

fro  Unfuoge,  ir  habt  gesiget. 

Der  uns  fröude  wider  brajhte 
diu  reht  und  gefüege  waere,  10 

Hei  wie  wol  man  des  gedsehte 
8wä  man  von  im  seite  msere! 
Ez  wser  ein  vil  hovelicher  muot, 
des  ich  iemer  gerne  wünschen  sol. 
frouwen  unde  herren  zseme  es  wol.  15 

ouwe  daz  ez  nieman  tuot! 

Die  daz  rehte  singen   stoerent, 
der  ist  ungeliche  mere 
Danne  die  ez  gerne  hoerent. 

doch  volg  ich  der  alten  lere:  20 

Ich  enwil  niht  werben  zuo  der  mül, 
da  der  stein  so  riuschend  umbe  gät 
und  daz  rat  so  manege  unwfse  hat. 
merket  wer  da  harpfen  stil. 

Die  so  frevellichen  schallent,  25 

der  muoz  ich  vor  zorne  lachen, 
Dazs  in  selben  wol  gevallent 
mit  als  ungefüegen  Sachen. 
Die  tuont  sam  die  frösche  in  eime  se, 
den  ir  schrien  also  wohl  behaget,  30 


66  1  ff.  Unter  den  ungevüegen  dornen,  gegen  welche  sich 
dies  lied  wendet,  werden  trotz  Lachmanns  Widerspruch  die 
tanzweisen  Neidhards  von  Reuental  zu  verstehen  sein,  die 
eine  kunstmässige,  zum  teil  parodierende  nachbildung  der 
bäurischen  tanzheder  wajen. 


94  66  31      67  3 

daz  diu  nahtegal  dfi  von  verzaget, 
80  si  gerne  sunge  nie. 

Swer  Unfuoge  swlgen  hieze, 
waz  man  noch  von  fröuden  sunge ! 
Und  sie  ab  den  bürgen  stieze,  35 

daz  si  da  die  frön  niht  twunge. 
Wurden  ir  die  grozen  höve  benomen, 
daz  wxT  allez  nach  dem  willen  min. 
bi  den  gebüren  lieze  ich  sie  wol  sin: 
dannen  ists  ouch  her  bekomen.  40 

67  (L.  8  4). 

Ich  horte  diu  wazzer  diezen 
und  sach  die  vische  fliezen; 
ich  sach  swaz  in  der  werlte  was, 

67  1  ff.  Der  sprach  ist  gedichtet,  nachdem  Philipp  voii 
Schwaben  als  kandidat  für  die  deutsche  königskrone  aufgetreten 
war,  aber  vor  seiner  krönung.  Am  15.  februar  1198  erklärte 
sich  derselbe  in  Nordhausen  zur  annähme  einer  wähl  bereit 
(Winkelmann,  Philipp  von  Schwaben  und  Otto  der  IV,  I,  66),  am 
8.  märz  ward  er  zu  Mühlhausen  gewählt  (ib.  69),  am  8.  September 
zu  Mainz  gekrönt.  Genauer  setzt  Burdach  (Walther  217) 
den  Spruch  in  die  letzten  tage  des  juni,  dagegen  Wilmanns 
(ZfdA  45,  427)  noch  vor  die  wähl  Philipps.  Die  armen  Jcünege 
in  z.  23  hat  man  früher  immer  auf  die  gegenkandidaten  bezogen, 
von  denen  sich  keiner  in  bezug  auf  reichtum  mit  Philipp  messen 
konnte  (vgl.  Winkelmann  I,  50  und  66  anm.  1).  Dabei  macht  es 
allerdings  eine  Schwierigkeit,  dass  dieselben  (Berthold  von 
Zähringeu,  Bernhard  von  Sachsen,  Otto  von  Poitou),  nach 
einander,  nicht  gleichzeitig  aufgestellt  sind.  Eine  andere  deutung 
ist  vorgebracht  von  Eoe^he,  ZfdA  44, 116  und  von  Burdach, 
der  dieselbe  in  der  zweiten  Untersuchung  seines  Walther- 
buches sehr  eingehend  zu  begründen  versucht.  Beide  nehmen 
an,  dass  unter  den  armen  königen  wie  in  lateinischen  quellen 
unter  reguli  die  als  dem  kaiser  untergeordnet  gedachten 
dem  reiche  benachbarten  könige  zu  verstehen  seien.  Gegen 
diese  von  vielen  beifällig  aufgenommene  ansieht  spricht  aber, 
dass  eine  solche  hineinziehung  des  ausländes  im  vorhergehenden 
auf  keine  weise  vorbereitet  ist,  und  namentlich  der  deutliche 
gegensatz  zwischen  Fhüippe  setze  en  iceisen  üf  und  heiz  si£ 
treten  hituler  sich,  wodurch  letzteres  als  ein  zurücktreten  von 
dem  anpruch  auf  die  kröne  gekennzeichnet  ist,  so  dass  es 
sehr  begreiflich  ist,  dass  früher  niemand  auf  eine  andere  auf- 
fassung  gekommen  ist  (vgl.  auch  Symons,  Album-Kern  183). 


67  4  -  30  95 

velt  walt  loup  rnr  iinde  gras, 

swaz  kriuchet  unde  fliuget  5 

und  bein  zer  erde  biuget. 

daz  sach  ich,  unde  sage  in  daz: 

der  deheinez  lebet  äne  haz. 

daz  wilt  und  daz  gewürme 

die  stritent  starke  stürme,  10 

sam  tuont  die  vogel  under  in; 

wan  daz  sie  habent  einen  sin : 

si  diuhten  sich  ze  nihte, 

si  enschüefen  starc  gerihte. 

sie  kiesent  künege  unde  reht.  15 

sie  setzent  herren  unde  kneht. 

so  we  dir,  tiuschiu  zunge, 

wie  stet  din  ordenunge, 

daz  nu  diu  mugge  ir  künec  hat, 

und  daz  din  ere  also  zergät!  20 

bekerä  dich,  bekere. 

die  cirken  sint  ze  here, 

die  armen  künege  dringent  dich; 

Philippe  setze  en  weisen  üf,       und  heiz  sie  treten  hinder 

Ich  sach  mit  minen  ougen  [sich.  25 

manne  und  wibe  tougen, 

daz  ich  gehörte  und  gesach 

swaz  iemen  tet,  swaz  iemen  sprach. 

ze  Rome  horte  ich  liegen, 

zwene  künege  triegen.  30 

Die  cirken  (cirkel)  in  22  sind  bisher  als  die  stirnreife  der 
deutschen  fürsten  gefasst,  so  auch  noch  von  Burdach  a.  a.  o. 
Dagegen  bezieht  sie  derselbe  in  den  Sitz.-ber.  der  Berliner 
akad.  1902,  s.  897  auf  die  krönen  der  ausländischen  könige, 
indem  er  behauptet,  dass  die  reichsfürsten  um  diese  zeit  noch 
keine  stirnreife  getragen  hätten.  Gegen  diese  behauptung  vgl. 
Dieterich,  Lit.-bl.  1903,  279. 

25  ff.  Das  gedieht  ist  einige  zeit  nach  dem  banne  des 
papstesinnocenz  III.  über  Philipp  entstanden,  der  am  29.  Juni  1201 
durch  den  kardinal  Guido  von  Präneste  zu  Köln  verkündet 
wurde  (vgl.  0.  Abel  in  der  ZfdA  IX,  138  ff).  Es  gibt  eine 
kurze  Übersicht  über  den  gang  des  kampfes  zwischen  Otto 
und  Philipp,  die  mit  den  beiden  königen  in  z.  30  gemeint  sind 
(anders  Abel,  der  darunter  Philipp  und  Friedrich  versteht). 


9ö  67  31  —  55 

da  von  huop  ßich  der  meiste  strit 

der  6  was  oder  iemer  sit, 

do  sich  begunden  zweien 

pfaffen  unde  leien. 

daz  was  ein  not  vor  aller  not:  35 

llp  unde  sele  lac  da  tot. 

die  pfaffen  striten  sere; 

doch  wart  der  leien  mere. 

diu  swert  leiten  sie  dernider, 

und  griffen  zuo  der  stole  wider:  40 

sie  bienen  die  sie  wolten, 

und  niht  den  sie  selten. 

do  störte  man  diu  goteshüs. 

ich  horte  verre  in  einer  klüs 

vil  michel  ungebaere  :  45 

da  weinte  ein  klosenaere, 

er  klagete  gote  siniu  leit: 

'ouwe    der    bähest    ist    ze    junc:  hilf,    herre,  dlner 

Ich  saz  Üf  eime   steine,  [kristenheit.' 

und  dahte  bein  mit  beine;  50 

dar  üf  satzt  ich  den  ellenbogen; 

ich  hete  in  mine  haut  gesmogen 

daz  kinne  und  ein  min  wange. 

do  dähte  ich  mir  vil  ange, 

wie  man  zer  werlte  solte  leben:  55 


41.  die  sie  wolten  Philipp  und  seine  anhänget,  42.  den  sie 
solten  Otto.  46.  Der  Hösencei-e  erscheint  noch  75  40  und  79  73  als 
Vertreter  der  schlichten  frömmigkeit,  die  von  der  geistlichkeit 
verlangt,  dass  sie  lediglich  auf  das  geistige  wohl  der  kirche 
bedacht  sei  und  sich  nicht  in  weltliche  angelegenheiten  ein- 
mische. Es  ist  dabei  gewiss  an  keine  bestimmte  persönlichkeit 
zu  denken  wie  von  J.  Grimm  und  von  Opel  in  seiner  schritt 
Mm  guoter  klösencere  (Halle  1860)  angenommen  ist.  Verfehlt 
ist  auch  H.  Domanig,  Der  Klösencere  Walthers  von  der  Vogel- 
weide, Paderborn  1889  (vgl.  Behaghel,  Germania  XXXV,  199). 
S.  jetzt  auch  Schönbach,  Erklärung  altd.  dichter,  s.  3.  49  ff.  Die 
Schilderung  der  zustände  passt  nicht  bloss  auf  die  zeit  kurz 
nach  dem  Tode  Heinrichs  VI.,  in  die  man  den  spruch  gewöhnlich 
setzt,  sondern  eben  so  gut  auf  die  spätere  des  kampfes  zwischen 
Philipp  und  Otto.  In  der  im  anfang  geschilderten  Stellung  ist 
Walther  in  der  Pariser  und  Weingartner  handschrift  abgebildet. 


67  56  —  68  15  97 

deheinen  rät  kond  ich  gegeben, 
wie  man  drin  dinc  erwürbe, 
der  deheinez  niht  verdürbe. 
diu  zwei  sint  ere  nnd  varnde  guot, 
der  ietwederz  dem  andern  schaden  tnot,  60 

daz  dritte  ist  gotes  hulde,       «i 
der  zweier  Überguide, 
die  wolte  ich  gerne  in  einen  schrin. 
ja  leider  desn  mac  niht  gesin, 

daz  guot  und  wertlich  ere  65 

und  gotes  hulde  mere 
zesamene  in  ein  herze  komen. 
stig  unde  wege  sint  in  benomen: 
untriuwe  ist  in  der  säze, 

gewalt  vert  üf  der  sträze;  70 

fride  unde  reht  sint  sere  wunt. 

diu  driu  enhabent  geleites  niht,  diu  zwei  enwerden 

[e  gesunt. 

68  (L.  18  29). 

Diu  kröne  ist  elter  danne  der  ktinec  Philippes  si; 

da  müget  ir  alle  schouwen  wol  ein  wunder  bi, 

wies  ime  der  smit  so  ebene  habe  gemachet. 

Sin  keiserlichez  houbet  zimt  ir  also  wol, 

daz  sie  ze  rehte  nieman  guoter  scheiden  sol.  5 

ir  dewederz  da  daz  ander  niht  enswachet 

Sie  lachent  beide  ein  ander  an, 

daz  edel  gesteine  wider  den  jungen  stiezen  man. 

die  ougenweide  sehent  die  fürsten  gerne. 

swer  nu  des  riches  irre  ge,  10 

der  schouwe  wem  der  weise  ob  sime  nacke  ste: 

der  stein  ist  aller  fürsten  leitesterne. 

Do  Friderich  üz  Osterriehe  also  gewarp, 

daz  er  an  der  sele  genas  und  im  der  lip  erstarp, 

dö  fuort  er  mine  kranechen  trite  in  derde.  15 

68  1  ff.  bezieht  sich  höchst  wahrscheinlich  auf  die  erste 
krönung  Philipps  (zweifelhaft  ob  15.  august  oder  8.  sept.  1198). 
Die  Schilderung  deutet  auf  anwesenheit  Walthers.  13.  Fried- 
rich starb  am  15.  oder  16.  april  iu  Palästina. 

Walth.  V.  d.  Vuyelweido.    5.  aufl.  7 


9B  68  16-  38 

Do  gieng  ich  slichend  als  ein  pfäwe  swar  ich  gie, 

daz  houbet  hanht  ich  nider  unz  üf  miniu  knie: 

nu  rihte  ich  ez  üf  nach  vollem  werde. 

Ich  bin  wol  ze  finie  komen, 

mich  hat  daz  riche  und  ouch  diu  kröne  an  sich        20 

wol  üf,  swer  tanzen  welle  nach  der  gigen!     [genoraen. 

mir  ist  miner  swsere  buoz: 

erste  wil  ich  ebene  setzen  minen  fuoz 

und  wider  in  ein  hohgemtiete  stigen. 

Ez  gienc  eins  tages  als  unser  herre  wart  gebom        25 

von  einer  maget  dier  im  ze  muoter  häte  erkorn, 

ze  Megdeburc  der  künec  Philippes  schöne. 

Da  gienc  eins  keisers  bruoder  und  eins  keisers  kint 

in  einer  wät,  swic  doch  die  namen  drige  sint: 

er  truoc  des  riches  zepter  und  die  kröne.  30 

Er  trat  vil  lise,  im  was  niht  gäch: 

im  sleich  ein  höhgeborniu  küneginne  nach, 

rös  äne  dorn,  ein  tübe  sunder  gallen. 

diu  zuht  was  niener  anderswä: 

die  Düringe  und  die  Sahsen  dienden  also  da,  35 

daz  ez  den  wisen  muoste  wol  gevallen. 

Philippes  künec,  die  nähe  spehenden  zihent  dich, 
dun  slst  niht  dankes  milte:  des  bedunket  mich 


20.  daz  rtche  und  oiieh  diu  h-öne]  gemeint  ist  könig  Philipp. 
25  ff.  bezieht  sich  auf  die  Weihnachtsfeier  im  jähre  1199,  vgl. 
Winkelmanu  I,  148.  29.  Die  drei  namen  sind  künec,  keisers 
hruoder,  keisers  kint.  33.  Attribute,  die  sonst  der  Jungfrau 
Maria  gegeben  werden,  legt  der  dichter  hier  der  gemahlin 
Philipps  bei,  weil  sie  in  Deutschland  den  namen  Maria  führte, 
was  sich  anderweitig  erst  seit  dem  Jahre  1208  nachweisen  lässt. 
Sie  war  die  tochter  des  byzantinischen  kaisers  Isaak,  und  ihr 
eigentlicher  name  war  Irene.  87  ff.  An  freigebigkeit  Hess  es 
Philipp  nach  den  sonstigen  Zeugnissen,  die  wir  darüber  haben, 
nicht  fehlen.  Wenn  es  Walther  hier  und  70  a  1  noch  nötig  findet, 
ihn  dazu  zu  ermahnen,  so  rauss  er  starke  anspräche  gestellt 
haben.  Er  vertritt  dabei  die  allgemeinen  anschaunngen  der 
dichter  des  mittelalters ,  für  die  masslose  freigebigkeit  zum 
idealbilde  eines  fürsten  gehört.  Uebrigens  ist  der  rat  beide 
mal  ganz  allgemein  gehalten,  und  nirgends  angedeutet,  dass 
Walther  für  sich  selbst  oder  für  einen  bestimmten  fürsten 
grössere  freigebigkeit  beansprucht. 


68  39  —  69  2  99 

wie  du  da  mite  verliesest  michels  mere. 

Du  möhtest  gerner  danke s  geben  tüsent  pfunt,  40 

dan  drizec  tüsent  äne  danc.     dir  ist  niht  kunt 

wie  man  mit  gäbe  erwirbet  pris  und  ere. 

Denk  an  den  muten  Salatin: 

der  jach  daz  küneges  hende  dürkel  solten  sin: 

so  wurden  sie  erforht  und  ouch  geminnet.  45 

gedenke  an  den  von  Engellant, 

wie  tiure  man  den  löste  durch  sine  muten  haut. 

ein  schade  ist  guot,  der  zwene  frumen  gewinnet. 

Der  in  den  oren  siech  von  ungesühte  si, 

daz  ist  min  rät,  der  läz  den  hof  ze  Düringen  fri:     50 

wan  kumet  er  dar,  deswär  er  wirt  ertoeret. 

Ich  hän  gedrungen  unz  ich  niht  me  dringen  mac. 

ein  schar  vert  üz,  diu  ander  in,  naht  unde  tac. 

groz  wunder  ist  daz  iemen  da  gehceret. 

Der  lantgräve  ist  so  gemuot  55 

daz  er  mit  stolzen  helden  sine  habe  vertuet, 

der  iegeslicher  wol  ein  kempfe  wsere. 

mir  ist  sin  höhiu  fuore  wol  kunt: 

und  gulte  ein  fuoder  guotes  wines  tüsent  pfunt, 

da  stüende  doch  niemer  ritters  becher  laere.  60 

69  (L.  20  16. 148). 
Ob  ieman  spreche,  der  nu  lebe, 
daz  er  gessehe  ie  grcezer  gebe, 

46.  Richard  Löwenherz  ist  gemeint,  der  für  ein  lösegeld 
von  150000  mark  aus  der  gefangen  Schaft  Heinrichs  VI  befreit 
wurde.  Er  war  das  ideal  der  spielleute  seiner  zeit.  Roger 
von  Hoveden  sagt  von  ihm:  de  regno  Francorum  cantores  et 
joculatores  mwieribus  allexerat,  ut  de  illo  canerent  inplateis; 
etjam  dicehatur  ubique,  quod  non  erat  talis  in  orhe.  49  ff.  Vgl. 
Einl.  8. 11.  Von  einer  klage  des  dichters.  dass  sein  anklopfen 
am  thüringischen  hofe  nichts  helfe  (vgl.  Lachmann,  anm.)  steht 
nichts  in  der  Strophe.  52.  Ueber  das  dringen  bei  hofe  vgl. 
R.  Hildebrand ,  Germania  X ,  143.  69  1  ff.  Zu  diesem  tone 
vgl.  Roethe,  ZfdA  57, 130,  dessen  willkürlichen  textänderungeu 
ich  nicht  folgen  kann.  Die  erste  Strophe  bezieht  sich  auf  ein 
grosses  fest  in  Wien,  vielleicht  den  ritterschlag  Leopolds  VII 
(28.  mai  1200),  wozu  der  ausdruck  den  jungen  fUrsten  am  besten 
passt;  Leopold  war  damals  24  jähre  alt.    Ausserdem  kann  aber 


100  69  3  —  30 

als  wir  ze  Wiene  haben  durch  ere  empfangen? 

Man  sach  den  jnngen  fürsten  geben, 

als  er  niht  langer  wolte  leben:  5 

da  wart  mit  guote  wunders  vil  begangen. 

Man  gap  da  niht  bi  drizec  pfunden, 

wan  Silber,  als  ez  waere  funden, . 

gab  man  hin  und  riche  wät. 

ouch  hiez  der  fürste  durch  der  geraden  hulde  10 

die  malhen  von  den  stellen  laeren. 

ors,  als  ob  ez  lember  waeren, 

vil  maneger  dan  gefüeret  hat. 

ezngalt  da  nieman  siner  alten  schulde: 

daz  was  ein  minnecllcher  rät.  15 

Mir  ist  verspart  der  sselden  tor; 

da  sten  ich  als  ein  weise  vor: 

mich  hilfet  niht  swaz  ich  dar  an  geklopfe. 

Wie  möht  ein  wunder  groezer  sin? 

ez  regent  bedenthalben  min,  20 

daz  mir  des  alles  niht  enwirt  ein  tropfe. 

Des   fürsten  milte  üz  Osterriche 

fröut  dem  süezen  regen  gellche 

beidiu  Mute  unt  ouch  daz  laut. 

er  ist  ein  schoene  wol  gezieret  beide,  25 

dar  abe  man  bluomcn  brichet  wunder. 

und  brauche  mir  ein  blat  dar  under 

sin  vil  milte  richiu  haut, 

80  möhte  ich  loben  die  süezen  ougenweide. 

hie  bi  si  er  an  mich  gemant.  30 


auch  die  vennählungsfeier  Leopolds  im  november  1203  in  be- 
tracht  kommen,  um  welche  zeit  sich  Walther  nach  ausweis  der 
reiserechnungen  Wolfgers  sicher  in  Oestreich  aufhielt.  Anderer 
ansieht  sind  Simrock  und  Nagele  (Germ  XXIV,  162). 

11.  Vgl.  Bech,  Germ.  32,  117  und  Wallner,  ZfdA  39,  429. 
Anders   H.  Fischer,    ZfdA  49,  157.  14.    Walther   spielt 

hier  wol  auf  sein  eigenes  früheres  vergehen  gegen  den  herzog 
an,  vgl.  einl.  s.  4.  16  ff.  Diese  und  die  folgende  strophe  sind 
nicht  datierbar.  Schwerlich  aber  sind  sie  verfasst,  bevor 
Walther  überhaupt  von  Wien  geschieden  war,  eher  bei  einem 
späteren  besuche  und  zwar  beide  wol  nicht  bei  dem  gleichen. 


69  3L  — 47  101 

Der  hof  ze  Wiene  sprach  ze  mir: 

'Walther,  ich  solte  lieben  dir, 

nii  leide  ich  dir:  daz  müeze  got  erbarmen. 

Min  wirde  diu  was  wilent  groz: 

do  lebte  niender  min  genoz,  35 

wan  künec  Artüses  hof:  so  we  mir  armen! 

Wä  nu  ritter  unde  frouwen, 

die  man  bi  mir  solte  schouwen? 

seht  wie  jämerlich  ich  ste. 

min  dach  ist  fül,  so  risent  mine  wende.  40 

mich  enminnet  nieman  leider. 

golt  Silber  ros  und  dar  zuo  kleider 

diu  gab  ich,  unde  hat  ouch  m^: 

nun  hab  ich  weder  schappel  noch  gebende 

noch  frouwen  zeinem  tanze,  ouwe!'  .  45 

Künc  Constantin  der  gap  so  vil, 
als  ich  ez  iu  bescheiden  wil, 


4:6  ff.  gehört  wahrscheinlich  in  des  jähr  1213.  Der  pfaff'en 
wal  z.  hl  ist  die  wähl  Friedrichs  II,  die  am  5.  dec.  1212  zu  Frank- 
furt stattfand,  nachdem  sie  bereits  auf  einer  Versammlung  zu 
Nürnberg  im  sept.  1211  beschlossen  war.  Hierzu  war  die  an- 
regung  durch  ein  manifest  des  papstes  gegeben  (vgl.  Winkel- 
mann II,  255).  Friedrich  wird  von  seinen  gegnern  als  pfaffen- 
könig  (rex  presbyterorum)  verspottet,  und  bezeichnet  sich  selbst 
als  könig  von  gottes  und  des  papstes  gnaden.  Lachmann 
bezieht  in  den  späteren  ausgaben  dei-  pfaffen  wal  auf  die  wähl 
Ottos  IV  (vgl.  auch  Burdach,  s.  48),  an  der  aber  der  papst  gar  nicht 
beteiligt  war,  Wilmanns  auf  die  entscheidung  des  papstes  zu 
gunsten  Ottos  IV  im  jähre  1201,  die  aber  doch  nicht  als  eine 
wähl  bezeichnet  werden  kann.  —  Haupt  vergleicht  eine  rand- 
bemerkuDg  in  einer  Wiener  handschrift  von  einer  band  des 
13.  jahrh.:  Legitur,  quod  eo  die,  quo  a  Constantino  dotata  est 
ecclesia,  audita  est  vox  angelica,  dicens  'hodie  infusum  est 
venenum  in  ecclesia,  quia  major  est  dignitate  et  minor  religione'. 
Eine  im  wesentliche  übereinstimmende  stelle  aus  der  Summa 
de  vitiis  et  virtutibus  des  Wilhelm  Peraldus  führt  Schönbach 
(Beitr.  s.  22)  an.  Vgl.  ferner  Hermann  v.  Fritzlar  (Pfeiffer, 
Mystiker  I,  48) :  dö  wart  ein  stimme  gehört  über  allez  Home,  die 
»prach:  hüte  ist  die  galle  und  die  vergiß  gegozzen  in  die  lieiligen 
kristenheit,  und  wjzzet,  daz  diz  ist  noch  ein  wurzele  und  ein, 
grundfestene  alles  kriges  zwischen  den  bebisten  und  den  keisem. 
Die  Schenkung  Constantins  wird  auch  79  69  als  unheilvoll  be- 


102  69  48  -  73 

dem  stuol  ze  Röme,  sper  kriuz  unde  kröne. 

Zehant  der  engel  lüte  schre 

'ouwe,  ouwe,  zem  dritten  we!  50 

c  stuont  diu  kristenheit  mit  zühten  schöne: 

Der  ist  ein  gift  nu  gevallen, 

ir  honec  ist  worden  zeiner  gallen. 

daz  wirt  der  "werlt  her  nach  vil  leit.' 

alle  forsten  lebent  nu  mit  eren,  55 

wan  der  hoehste  ist  geswachet: 

daz  hat  der  pfaifen  wal  gemachet. 

daz  sl  dir,  süezer  got,  gekleit. 

die  pfaffen  wellent  leien  reht  verkeren. 

der  engel  hat  uns  war  geseit.  60 

Nu  wachet!  uns  get  zuo  der  tac, 

gein  dem  wol  äugest  haben  mac 

ein  ieglich  kristen,  Juden  unde  beiden. 

Wir  hau  der  zeichen  vil  gesehen, 

dar  an  wir  sine  kunft  wol  spehen,  65 

als  uns  diu  schrift  mit  wärheit  hat  bescheiden. 

Diu  sunne  hat  ir  schin  verkeret. 

untriuwe  ir  sämen  üz  gereret 

allenthalben  zuo  den  wegen; 

der  vater  bi  dem  kinde  untriuwe  vindet,  70 

der  bruoder  sinem  bruoder  liuget; 

geistlich  orden  in  kappen  triuget, 

die  uns  ze  himel  selten  stegen; 

zeichnet.  Man  vgl.  die  plane  auf  die  kirchengüter,  welche  (Jem 
kaiser  Otto  IV  zugeschrieben  wurden  (Winkelmann  II,  293). 
61  ff.  Über  die  datierung  vgl  Zarncke,  PBB  VII,  597. 
Zarncke  bestimmt  die  Sonnenfinsternis,  auf  die  z.  67  angespielt 
wird,  nach  astronomischen  berechnungeu  als  die  vom  27.  nov. 
1201.  Es  sind  dabei  aber  nur  die  Verfinsterungen  bis  zum 
jähre  1207  in  betracht  gezogen.  Die  möglichkeit,  dass  der 
Spruch  einer  späteren  zeit  angehört,  darf  nicht  ohne  weiteres 
von  der  band  gewiesen  werden.  Burdach  (s.  48)  sucht  spezielle 
beziehvingen,  ohne  .dass  seineu  ausführungen  Überzeugungs- 
kraft innewohnt.  Überhaupt  enthält  der  sprach  keine  an- 
spielung  auf  bestimmte  einzelne  Vorgänge,  auch  keine  politische 
Parteinahme,  z.  75  nimmt  die  mahnnng  von  z.  61  wieder  auf: 
man  soll  nicht  länger  zögern,  sich  auf  den  jüngsten  tag  vor- 
zubereiten. 


69  71  — 107  103 

gewalt  get  üf,  reht  vor  gerihte  swindet. 

wol  üf!  hie  ist  ze  vil  gelegen.  75 

Ich  hoere  des  die  wisen  jehen, 

daz  ein  gerihte  sül  geschehen, 

daz  nie  deheinez  me  wart  also  strenge. 

der  riht^ere  sprichet  sä  zehant 

•gilt  äne  borg  und  äne  pfant.'  80 

da  wirt  des  mannes  rät  vil  kurz  und  enge. 

Daz  hilf  mir,  frouwe,  hie  besorgen, 

Sit  daz  dort  nieman  wil  borgen, 

durch  die  hcehsten  fröude  din, 

die  dir  der  heilige  engel  ze  oren  brähte,  85 

dö  er  dir  ze  tragenne  künde 

da  von  sich  din  fröude  erzunde 

und  unser  werndez  heil  sol  sin. 

der  dir  der  fröude  von  alrerste  gedähte, 

des  trost  si  an  dem  ende  min.  90 

So  we  dir,  Werlt,  wie  übel  du  stest! 

waz  dii^ge  du  alzan  hegest, 

diu  von  dir  sint  ze  lidenne  ungenaeme! 

Du  bist  vil  nach  gar  äne  schäm. 

got  weiz  wol,  ich  bin  dir  gram:  95 

din  art  ist  elliu  worden  widerzaeme. 

Waz  eren  hast  uns  her  behalten? 

nieman  siht  dich  fröuden  walten, 

als  man  ir  doch  wilent  pfiac. 

we  dir,  wes  habent  diu  milten  herze  engolten?         100 

für  diu  lobt  man  die  argen  riehen. 

Werlt  du  stest  so  lasterlichen, 

daz  ichz  niht  betiuten  mac. 

triuwe  und  wärheit  sint  vil  gar  bescholten: 

daz  ist  ouch  aller  eren  slac.  105 

Ez  troumte,  des  ist  manic  jär, 
ze  Babilöne,  daz  ist  war, 


76 ff.  ist  nur  in  r  überliefert,   daher  die  echtheit  nicht 
zweifellos.  106.    Gemeint  ist  der  träum    Nebukadnezars, 

Daniel  cap.  2. 


104  69  108—142 

dem  künege,  ez  wurde  boeser  in  den  riehen. 

Die  nu  ze  vollen  boese  sint, 

gewinnen!  die  noch  boeser  kint,  110 

ja  herre  got,  wem  sol  ich  diu  geliehen? 

Der  tievel  waere  mir  niht  so  smaehe, 

quaeme  er  dar  da  ich  in  saehe, 

sam  des  boesen  boeser  barn. 

von  ddr  geburt  enkumt  uns  frum  noch  ere.  115 

die  sich  selben  so  verswachent 

und  ir  bösen  boeser  machent, 

an  erben  müezen  sie  vervarn. 

daz  tugendeloser  herren  werde  iht  mßre, 

daz  solt  du,  herre  got,  bewarn.  120 

Die  veter  habent  ir  kint  erzogen, 

dar  ane  sie  bede  sint  betrogen: 

sie  brechent  dicke  Salomones  lere. 

Der  sprichet,  swer  den  besemen  spar, 

daz  der  den  sun  versüme  gar:  125 

des  sint  sie  ungebachen  und  an  ere. 

Hie  vor  dö  was  diu  werlt  so  schoene, 

nu  ist  8i  worden  also  hoene. 

des  enwas  niht  wilent  e. 

die  jungen  habent  die  alten  so  verdrungen.  130 

nu  spottet  also  dar  der  alten! 

ez  wirt  iu  selben  noch  behalten: 

beitet  unz  iuwer  jugent  zerge: 

swaz  ir  nu  tuot,  daz  rechent  iuwer  jungen. 

daz  weiz  ich  wol,  und  weiz  noch  me.  135 

Wer  zieret  nu  der  eren  sal? 

der  jungen  ritter  zuht  ist  smal: 

so  pflegent  die  knehte  gar  unhtibescher  dinge 

Mit  Worten  und  mit  werken  ouch. 

swer  ztihte  hat,  der  ist  ir  gouch.  140 

nemt  war  wie  gar  unfuoge  für  sich  dringe. 

Hie  vor  do  berte  man  die  jungen. 


123.  Sprüche  Salomonis  13,  24.        126.  Vgl.  Lucae  ZfdA 
30,  351 ;  Wallner  und  Schröder,  ib.  39, 184. 


69  143  —  180  105 

die  da  pflägen  frecher  zungen: 

nu  ist  ez  ir  werdekeit. 

sie  schallent  unde  scheltent  reine  frouwen.  145 

we  ir  hiuten  und  ir  hären, 

die  niht  kunnen  fro  gebären 

sunder  wibe  herzeleit! 

da  mac  man  sünde  bi  der  schände  schouwen, 

die  maneger  üf  sich  selben  leit.  150 

Swer  äne  vorhte,  herre  got, 

wil  sprechen  diniu  zehen  gebot, 

und  "brichet  diu,  daz  ist  niht  rehtiu  minne. 

Dich  heizet  vater  menege  vil: 

swer  min  ze  bruoder  niht  enwil,  155 

der  spricht  diu  starken  wort  üz  krankem  sinne. 

Wir  wahsen  üz  gelichem  dinge: 

spise  frumet  uns,  diu  wirt  ringe, 

so  si  durch  den  munt  gevert. 

wer  kan  den  herren  von  dem  knehte  scheiden,         160 

swa  er  ir  geljeine  blozez  funde, 

het  er  ir  joch  lebender  künde, 

so  gewürme  daz  fleisch  verzertV 

im  dienent  kristen  Juden  unde  beiden, 

der  elliu  lebendiu  wunder  nert.  165 

Swer  houbetsünde  unt  schände  tuot 

mit  siner  wizzende  umbe  guot, 

sol  man  den  für  einen  wisen  nennen? 

Swer  guot  von  disen  beiden  hat, 

swerz  an  im  weiz  unt  sichs  verstät,  170 

der  sol  in  zeinem  toren  baz  erkennen. 

Der  wise  minnet  niht  so  sere, 

alsam  die  gutes  hulde  und  ere: 

sin  selbes  lip,  wip  unde  kint, 

diu  lät  er  e  er  disiu  zwei  Verliese.  175 

er  töre,  er  dunket  mich  niht  wise, 

und  ouch  der  sfn  ere  prise: 

ich  waen  sie  beide  toren  sint. 

er  gouch,  swer  für  diu  zwei  ein  anderz  kiese! 

der  ist  an  rehten  witzen  blint.  180 


10<J  69  181-2U 

June  man,  in  swelher  ahte  du  bist, 

ich  wil  dich  leren  einen  list: 

du  lä  dir  niht  ze  we  sin  nach  dem  guote, 

La  dirz  ouch  niht  zunmiere  sin. 

und  volgest  du  der  lere  min,  185 

so  wis  gewis,  ez  frumt  dir  an  dem  muote. 

Die  rede  wil  ich  dir  baz  bescheiden. 

und  last  du  dirz  ze  sere  leiden, 

zergät  ez  so  ist  din  fröude  tot: 

wilt  aber  du  daz  guot  ze  sere  minnen,  190 

du  mäht  Verliesen  sele  und  ere. 

da  von  so  volge  miner  lere, 

leg  üf  die  wäge  ein  rehtez  16t, 

und  wig  ouch  dar  mit  allen  dinen  sinnen, 

also  diu  mäze  uns  ie  gebot.  195 

Waz  Wunders  in  der  werlte  vert! 

wie  manic  gäbe  uns  ist  beschert 

von  dem  der  uns  üz  nihte  hat  gemachet! 

Dem  einen  git  er  schcenen  sin, 

dem  andern  guot  unt  den  gewin,  200 

daz  er  sich  mit  sin  selbes  guote  swachet. 

Armen  man  mit  guoten  sinnen 

sol  man  für  den  riehen  minnen, 

ob  er  eren  niht  engert. 

ja  enist  ez  niht  wan  gotes  hulde  und  ere,  205 

dar  nach  diu  werlt  so  sere  vihtet: 

swer  sich  ze  guote  also  verpflihtet 

daz  er  der  beider  wirt  entwert, 

dern  habe  ouch  hie  noch  dort  niht  lönes  mere, 

wan  sl  eht  guotes  hie  gewert.  210 

Mit  saelden  müeze  ich  hiute  üf  sten, 
got  herre,  in  diner  huote  gen 
und  riten,  swar  ich  in  dem  lande  köre. 
Krist  herre,  läz  an  mir  werden  schin 

211  ff.  ist  eine  kunstmässige  nachbildung  der  volkstüm- 
lichen gattung  der  reisesegen,  vgl.  Denkmäler  deutscher  poesie 
und  prosa,  herausg.  von  Müllenhoff  und  Scherer  IV,  8  und 
XL VII,  3  nebst  den  anmerkungen  dazu. 


69  215  — 70  a  16  107 

die  grözen  kraft  der  güete  din,  215 

und  pflic  min  wol  durch  diner  muoter  ere. 

Als  ir  der  heilig  engel  pflsege, 

unt  din,  do  du  in  der  krippen  laege, 

junger  mensch  und  alter  got, 

demüetic  vor  dem  esel  und  vor  dem   rinde  220 

(und  doch  mit  sseldenricher  huote 

pflac  din  Gabriel  der  guote 

wol  mit  triuwen  sunder  spot), 

als  pflig  ouch  min,  daz  an  mir  iht  erwinde 

daz  din  vil  götelich  gebot.  225 

70  a  (L.14  36). 
Philippe,  künec  here, 

sie  gebent  dir  alle  heiles  wort 

und  wolden  liep  nach  leide. 

Nu  hast  du  guot  und  ere; 

daz  ist  wol  zweier  künege  hört :  5 

die  gip  der  Milte  beide. 

Diu  Milte  lonet  same  diu  sät, 

diu  wunnecliche  wider  gät 

dar  nach  man  sie  geworfen  hat: 

wirf  von  dir  miltecliche.  10 

swelch  künec  der  Milte  geben  kan, 

si  git  im  daz  er  nie  gewan. 

wie  Alexander  sich  versan! 

der  gap  und  gap,  und  gap  sim  elliu  riche. 

Wir  suln  den  kochen  raten,  15 

Sit  ez  in  also  höhe  ste. 


70  a  15  ff.  Auf  diesen  spruch  spielt  Wolfram  im  Willehalm 
286,  10  an:  her  Vogelweid  von  braten  sanc:  dirre  brüte  tcas 
die  unde  lanc:  ez  hete  sin  frouwe  dran  genuoc,  der  er  so  holdez 
herze  ie  truoc.  Von  den  meisten  heransgebem  wird  er  auf 
Philipp  bezogen,  passt  aber  besser  auf  Otto.  Die  erzählung  von 
den  kochen  hat  Koberstein  auf  die  eroberung  von  Konstantinopel 
durch  die  Lateiner  bezogen,  Zarncke  (PBBVII,  592)  auf  die 
der  eroberung  unmittelbar  vorhergehenden  ereignisse.  Aber 
damit  ist  nicht  erklärt,  wie  Walther  zu  dem  gleichnis  von  dem 


108  70=' 17-42 

daz  sie  sich  niht  versümen, 

Daz  sie  der  ftirsten  braten 

sniden  groezer  baz  dan  e, 

doch  dicker  eines  dümen.  20 

Ze  Kriechen  wart  ein  spiz  versniten; 

daz  tet  ein  hant  mit  argen  siten : 

sin  möhte  ez  niemer  hän  vermiten: 

der  brate  was  ze  dünne. 

des  muose  der  herre  für  die  tür:  25 

die  fürsten  säzen  ander  kür. 

der  nu  daz  rlche  also  verlür, 

dem  stüende  baz  daz  er  nie  spiz  gewünne. 

Waz  eren  hat  frö  Bone, 

daz  man  so  von  ir  singen  sol?  30 

si  rehtiu  vastenkiuwe! 

Sist  vor  und  nach  der  nöne 

fül  und  ist  der  wibel  vol 

wan  erste  in  der  niuwe. 

Ein  halm  ist  kreftec  unde  guot:  35 

waz  er  uns  allen  liebes  tuet! 

er  fröut  vil  manegem  sinen  muot: 

wie  danne  umb  sinen  sämen? 

von  grase  wirdet  halm  ze  stro, 

er  machet  manic  herze  frö,  40 

er  ist  guot  nider  unde  ho. 

frou  Bone  —  set  liberä  nos  ä  mälo,  amen. 


braten  gekommen  ist.  Es  ist  daher  wol  doch  eher  ein  sagen- 
hafter bericht  anzunehmen,  in  dem  das,  was  Walther  als  parabel 
verwendet,  als  wirkliches  factum  erzählt  war. 

29  ff.  Lachmann  bemerkt  hierzu:  'ich  glaube,  ein  tadler, 
vielleicht  der  dichter,  den  das  nächstfolgende  gesetz  (70  b  15) 
derb  abfertigt,  hatte  Walthers  lied  vom  halmmessen  (32)  ver- 
höhnt; etwa  in  dem  sinne,  herrn  Walthers  halm  sei  keiner 
höhnen  wert,  die  man  dagegen  schon  eher  besingen  könnte, 
„was",  sagt  der  dichter,  „ist  an  der  bohne  zu  loben?  sie  ist 
fastenspeise,  vor  und  nach  himmelfahrt  (nö^ie)  faul,  und  von 
anfang  voU  würmer;  dagegen  halm,  körn  und  stroh  gut  und 
erfreulich  und  zu  jeder  zeit  brauchbar:  aber  vor  der  bohne 
muss  man  ein  paternoster  beten,  um  ihrer  los  zu  werden."' 
So  wenig  befriedigend  diese  deutung  ist,  so  ist  doch  bisher 
noch  nichts  besseres  aufgestellt. 


70''  1—20  109 

70  b  (L.  18  1). 
Mir  hat  ein  liet  von  Franken 
der  stolze  Missensere  bräht: 
daz  vert  von  Lndewige. 
lehn  kan  ims  niht  gedanken 

so  wol  als  er  min  hat  gedäht,  5 

wan  daz  ich  tiefe  nige. 
Kund  ich  swaz  ieman  guotes  kan, 
daz  teilte  ich  mit  dem  werden  man, 
der  mir  so  höher  eren  gan, 

got  müeze  ouch  im  die  sinen  iemer  meren.  10 

zuo  flieze  im  aller  saelden  fluz, 
niht  wildes  mide  sinen  schuz, 
sins  hundes  louf,  sins  homes  duz 
erhelle  im  und  erschelle  im  wol  nach  eren. 

Her  Wicman,  ist  daz  ere,  15 

daz  man  die  meister  irren  sei 

80  meisterlicher  sprüche? 

Latz  iu  geschehen  niht  m^re: 

für  war  ich  iu  daz  rate  wol. 

waz  obe  her  Walther  krüche?  20 


70  b  weicht  in  der  zehnten  zeile  von  70*  ab,  die  erste 
Strophe  allerdings  nur  in  der  einen,  aber,  wie  es  scheint,  besseren 
Überlieferung.  70  b  1  ff.  Die  veranlassung  dieses  Spruches  bleibt 
uns  unverständlich.  Der  Missencere  ist  markgraf  Dietrich  von 
Meissen  (vgl.  einl.  s.  12);  dass  mit  Ludwig  der  herzog  von  Baiern 
gemeint  sei,  ist  eine  durch  nichts  als  die  Übereinstimmung 
des  namens  zu  begründende  annähme.  Die  gäbe,  welche  der 
Meissner  mitgebracht  hat,  heisst  in  C  liet,  in  A  lieht.  Gegen  die 
letztere  von  allen  anderen  berausgebern  aufgenommene  lesart 
ist  zu  bemerken,  dass  lieht  nicht  die  jetzt  in  Norddeutschland 
übliche  Bedeutung  ,,kerze"  hat,  sondern  nur  ein  brennendes  Hebt 
bezeichnen  kann.  Für  liet  tritt  jetzt  auch  Saran  (PBB  27,  202) 
ein  und  vermutet,  dass  damit  die  folgende  Strophe  gemeint  sei, 
die  im  Interesse  Waltbers  von  Ludwig  oder  in  dessen  auftrage 
verfasst  sei.  Wackernagels  deutung  (vgl.  zu  79  1)  ist  unan- 
nehmbar. Es  ist  wol  der  Meissner,  nicht  Ludwig,  dem  das 
lob  gilt.  15.  Ueber  die  person  des  Wicman  (so  nennt  ihn 
A,  C  hat  dafür  Volcnant)  wissen  wir  nichts.  Die  echtheit  der 
Strophe  ist  nicht  ohne  grund  angezweifelt.  Vgl.  die  anmerkung 
zum  vorhergehenden  sprach.  Ueber  den  sprach  vgl.  noch 
H.  Fischer,  ZfdA  49,  154. 


110  70  •>  21  —  71  24 

Er  soltz  doch  iemer  hän  vor  iu, 

also  der  weize  vor  der  spriu. 

singt  ir  einz,  er  singet  driu, 

daz  geli'chet  sich  rehte  also  ars  und  mäne. 

her  Walther  singet  swaz  er   wil,  25 

des  kurzen  und  des  langen  vil: 

8U8  meret  er  der  werlte  spil: 

so  jaget  ir  alse  ein  leithunt  nach  wäne. 

71  (L.  82  11). 
Ouwe  daz  wfsheit  unde  jugent, 
des  mannes  schcene  noch  sin  tugent 
niht  erben  sol,  so  ie  der  lip  erstirbet! 
Daz  mac  wol  klagen  ein  wiser  man, 
der  sich  des  schaden  versinnen   kan,  5 

Reimär,  waz  guoter  kunst  an  dir  verdirbet. 
Du  solt  von  schulden  iemer  des  geniezen, 
daz  dich  des  tages  wolte  nie  verdriezen, 

dun  spraechest  ie  den  frouwen  wol 

des  süln  sie  iemer  danken  diner  zungen.  10 

und  betest  niht  wan  eine  rede  gesungen, 

'so  wol  dir,  wip,  wie  reine   ein  nam!',  du  betest  an  ir 

lobe  also  gestriten 
daz  elliu  wip  dir  iemer  me  genaden  sollen  biten. 

Deswär,  Reimär,  du  riuwest  mich 
michels  harter  danne  ich  dich,  15 

ob  du  lebtest  und  ich  wser  erstorben. 
Ich  wilz  bi  minen  triuwen  sagen, 
dich  selben  wolt  ich  lützel  klagen: 
ich  klage  din  edelen  kunst,  daz  sist  verdorben. 
Du  kündest  al  der  werlte  fröude  meren,  20 

so  duz  ze  guoten  dingen  wollest  keren. 
mich  riuwet  din  wol  redender  munt  und  dm  vil  stiezer 
daz  die  verdorben  sint  bi  minen   ziten.  [sanc, 

daz  du  niht  eine  wile  mohtest  biten! 

71  1  ff.  Klagelied  um  Reinmar,  der,  wenn  wir  ihn  mit  der 
uachtigall  von  Hagenau  identificieren  dürfen  (vgl.  einl.  s.  4),  etwa 
zwischen  1205  und  1214  gestorben  sein  muss.  12.  Die  citierte 
stroplie  steht  in  Minnesangs  frühling  165, 28.  Die  zeile  ist  zu  lang. 


7125  —  56  111 

80  leiste  ich  dir  geselleschaft:  min  singen  ist  niht  lanc.    25 
dm  sele  müeze  vvol  gevarn,   und  habe  din  zunge  danc. 

Swä  der  hohe  nider  gät 

und  ouch  der  nider  an  höhen  rät 

gezucket  wirt,  da  ist  der  hof  verirret. 

Wie  sol  ein  unbescheiden  man  30 

bescheiden  des  er  niht  enkan? 

sol  er  mir  büezen  des  mir  niht  enwirret? 

Des  Stent  die  hohen  vor  den  kemenäten: 

so  suln  die  nidern  umb  daz  riche  raten. 

swä  den  gebrichet  an  der  kunst,  seht,  da  tuont  sie     35 

wan  daz  siez  umbe  werfent  an  ein  triegen:       [niht  me 

daz  lerent  sie  die  fürsten  unde  liegen. 

die  selben  brechent  uns  diu  reht  und  stoerent  unser  e. 

nu  sehet  wie  diu  kröne  lige  und  wie  diu  kirche  ste. 

Ich  muoz  verdienen  swachen  haz:  40 

ich  wil  die  hen'en  leren  daz, 

wies  iegeslichen  rät  wol  mügen  erkennen. 

Der  guoten  rsete  der  sint  dri: 

dri  ander  boese  Stent  da  bi 

zer  linken  hant.     lät  iu  die  sehse  nennen.  45 

Frnm  unde  gotes  hulde  und  werltlich  ere, 

daz  sint  die  guoten:  wol  im  der  sie  lere! 

den  möhte  ein  keiser  nemen  wol  an  smen  hoehsten  rät. 

die  andern  heizent  schade  sünde  und  schände. 

da  erkenne  sie  bi  der  sie  e  niht  erkande.  50 

man   beeret  an   der  rede  wol  wiez  umb  daz  herze  stät. 

daz  anegenge  ist  selten  guot,  daz  bcesez  ende  hat. 

Dri  sorge  habe  ich  mir  genomen : 

möht  ich  der  einer  zende  komcn, 

80  wsere  wol  getan  ze  minen  dingen.  55 

ledoch  swaz  mir  da  von  geschiht, 

27  ff.  Die  Verhältnisse  auf  welche  in  diesem  Spruche  au- 
gespielt wird,  lassen  sich  nicht  mit  Sicherheit  bestimmen.  Rieger 
(Leben  Walthers  s.  45  ff.)  bezieht  ihn  auf  die  regierung  könig 
Heinrichs  und  setzt  ihn  zwischen  sommer  1229  und  sept.  1230. 


112 


71  57  —  72  6 


in  scheid  ir  von  ein  ander  niht: 

mir  mag  an  allen  drin  noch  wol  gelingen. 

Gotes  hulde  und  miner  frouwen  minne, 

dar  umbe  sorge  ich,  wie  ich  die  gewinne:  60 

daz  dritte  hat  sich  min  erwert  unrehte  manegen  tac, 

daz  ist  der  wunnecliche  hof  ze  Wiene: 

in  gehirme  niemer  unz  ich  den  verdiene, 

Sit  er  so  maneger  tugende  mit  so  staeter  triuwe  pflac. 

man  sach  Liupoltes  hant  da  geben,   daz   si   des   niht 

erschrac.  65 

Rit  ze  hove,  Dietrich, 
'herre,  in  mac'     waz  irret  dich? 
'in  hän  niht  rosses  daz  ich  dar  gerite.' 
Ich  lihe  dir  einz,  und  wilt  du  daz. 
'herre,  gerite  al  deste  baz.'  70 

nu  stant  also  noch  eine  wile,  bite. 
Weder  ritest  gerner  eine  guldin  katzen, 
oder  einen  wunderlichen  Gerhart  Atzen? 
'semir  got,  und  aeze  ez  höu,  ez  war  ein  frömdez  pfert. 
im  gent  diu  ougen  umbe  als  einem  äffen,  75 

er  ist  als  ein  guggaldei   geschaffen, 
den  selben  Atzen  gebet  mir  her:  so  bin  ich  wol  gewert.' 
nu   krümbe   diu  bein,   rit  selbe  her  hein,  sit  du  Atzen 

hast  gegert. 

72  (L.  103  13). 
Mir  hat  her  Gerhart  Atze  ein  pfert 
erschozzen  zisenache. 
daz  klage  ich  dem  den  er  bestät: 
derst  unser  beider  voget. 

Ez  was  wol  drier  marke  wert.  5 

nu  hoeret  frömde  Sache, 


66  ff.  bezieht  sich  auf  deuselbeu  Vorfall  wie  72  1  ff.  Ger- 
hardus  et  frater  ejus  Heinricus  cognomine  Atzo  erscheinen  als 
zeugen  in  einer  Urkunde  des  landgrafen  Hermann  vom  jähre  1196. 
Die  seltsame  entschuldigung,  welche  der  dichter  72  9  dem  Atze 
boshafterweise  in  den  mund  legt,  ist  wol  dadurch  veranlasst, 
dass  ihm  entweder  wirklich  ein  finger  von  einem  rosse  ab- 
gebissen war,  oder  dass  ihm  wenigstens  ein  finger  fehlte. 


727-41  113 

Sit  daz  ez  an  ein  gelten  gät, 

wä  mite  er  mich  nu  zöget. 

Er  seit  von  grözer  swaere, 

wie  min  pfert  msere  10 

dem  rosse  sippe  waere, 

daz  im  den  vinger  abe 

gebizzen  hat  ze  schänden. 

ich  swer  mit  beiden  banden, 

daz  sie  sich  niht  erkanden.  15 

ist  ieman  der  mir  stabe? 

Swä  guoter  hande  wnrzen  sint 

in  einem  gröenen  garten 

bekliben,  die  sol  ein  wiser  man 

niht  läzen  unbehuot.  20 

Er  sol  in  spilen  vor  als  ein  kint, 

mit  ougenweide  zarten. 

da  lit  gelnst  des  herzen  an, 

imd  git  ouch  höhen  muot. 

Si  boese  unkrüt  dar  under,  25 

daz  breche  er  üz  besunder 

(lät  erz,  daz  ist  ein  wunder), 

und  merke  ob  sich  ein  dorn 

mit  kündekeit  dar  breite, 

daz  er  den  fnrder  leite  30 

von  siner  arebeite: 

sist  anders  gar  verlorn. 

Uns  irret  eii^er  hande  di^t: 

der  uns  die  ftirder  taete, 

so  möhte  ein  wol  gezogener  man  35 

ze  hove  haben  die  stat. 

Die  läzent  sin  ze  Spruche  niet: 

ir  drfizzel  derst  so  draete, 

kund  er  swaz  ieman  guotes  kan, 

daz  hülfe  niht  ein  blat.  40 

Ich  und  ein  ander  tore 


72  41  ff.  nicht  recht  verständlich  und  wol  verderbt 
Walth.  V.  d.  Vogelweide.    5.  aufl.  3 


1 14  72  42  -  73  21 

wir  doenen  in  sin  öre, 

daz  nie  kein  münch  ze  köre 

so  sere  me   geschrei. 

gefüeges  mannes  doenen  45 

daz  sol  man  wol  beschcenen: 

müet  des  mannes  hcenen,  — 

hie  get  diu  rede  enzwei. 

73  (L.  11 6). 

Her  keiser,  sit  ir  willekomen. 

der  küneges  name  ist  in  benomen: 

des  schinet  iuwer  kröne  ob  allen  krönen. 

lur  hant  ist  krefte  und  guotes  vol: 

ir  wellet  übel  oder  wol,  5 

so  mac  si  beidiu  rechen  unde  lönen. 

Dar  züo  sag  ich  iu  msere: 

die  fürsten  sint  iu  undertän, 

sie  habent  mit  zühten  iuwer  kunft  arbeitet. 

und  ie  der  Missensere  10 

derst  iemer  iuwer  äne  wän: 

von  gote  wurde  ein  engel  e  verleitet. 

Got  git  ze  künege  swen  er  wil: 

dar  umbe  wundert  mich  niht  vil: 

uns  leien  wundert  umb  der  pf äffen  lere.  15 

Sie  lerten  uns  bi  kurzen  tagen: 

daz  wellents  uns  nu  widersagen. 

nu  tuonz  durch  got  und  durch  ir  selber  ere, 

Und  sagen  uns  bi  ir  triuwen, 

an  welher  rede  wir  sin  betrogen;  20 

volrecken  uns  die  einen  wol  von  gründe, 

73  1  ff.  Zur  begrüssung  Ottos  IV  bei  seiner  rückkehr  aus 
Italien  im  frühjahr  1212  gedichtet,  vielleicht  auf  dem  hoftage 
zu  Frankfurt  vorgetragen,  wo  auch  Dietrich  von  Meissen  erschien 
und  sich  dem  kaiser  am  20.  märz  durch  einen  vertrag  ver- 
pflichtete, nachdem  er  vorher  gegen  ihn  konspiriert  hatte.  Er 
fiel  schon  im  folgenden  jähre  wider  von  Otto  ab.  16  bezieht 
sich  auf  die  frühere  anerkeunung  und  nachherige  Verwerfung 
Ottos. 


73  22-51  115 

die  alten  ode  die  niu\7en. 

uns  dunket  einez  si  gelogen. 

zwo  Zangen  stänt  unebne  in  einem  munde. 

Her  habest,  ich  mac  wol  genesen:  25 

wan  ich  wil  iu  gehörsam  wesen. 

wir  horten  iuch  der  kristenheit  gebieten 

Wes  wir  dem  keiser  solten  pflegen, 

do  ir  im  gäbet  den  gotes  segen, 

daz  wir  in  herren  hiezen  und  vor  im  knieten.  30 

Ouch  sult  ir  niht  vergezzen, 

ir  sprächet  'swer  dich  segene,  der  si 

gesegnet:  swer  dir  fluoche,  der  si  verfluochet 

mit  fluoche  völmezzen.' 

durch  got  bedenket  iuch  da  bi,  35 

ob  ir  der  pfaffen  ere  iht  geruochet. 

Do  gotes  sun  hien  erde  gie, 

do  versnobten  in  die  Juden  ie: 

sam  tätens  eines  tages  mit  dirre  frage. 

Sie  frägeten  obe  ir  friez  leben  40 

dem  riebe  iht  zinses  solte  geben. 

do  brach  er  in  die  huote  und  al  ir  läge. 

Er  iesch  ein  münizisen, 

er  sprach  'wes  bilde  ist  hinne  ergraben?' 

'des  keisers',  sprächen  do  die  merksere.  45 

do  riet  er  den  unwisen 

daz  sie  den  keiser  liezen  haben 

sin  keisers  reht,  und  got  swaz  gotes  waere. 

Her  keiser,  ich  bin  frönebote 

und  bringe  iu  boteschaft  von  gote.  50 

ir  habt  die  erde,  er  hat  daz  himelriche. 


49  ff.  Unter  dem  kaiser,  der  in  dieser  und  der  folgenden 
Strophe  angeredet  wird,  hat  Uhland,  wie  ich  glaube,  mit  recht 
Friedrich  U  verstanden ,  indem  er  in  z.  68  den  adler  auf  das 
Wappen  des  reiches,  den  löwen  auf  das  der  Hohenstaufen 
bezieht.  Lachmann  dagegen  und  die  anderen  herausgeber  sind 
der  ansieht,  dass  Otto  gemeint  sei,  der  einen  halben  adler  und 
drei  halbe  löwen  im  wappen  führte  (vgl.  Winkelmann  II,  498). 


116  73  52  —  74  10 

Er  hiez  iu  klagen  (ir  alt  sin  voget): 

in  sines  sunes  lande  broget 

diu  heidenschaft  in  beiden  lasterliche. 

Ir  müget  im  gerne  rihten:  55 

sin  8un  der  ist  geheizen  Krist, 

er  hiez  iu  sagen  wie  erz  verschulden  welle. 

nu  lät  in  zuo  iu  pflihten. 

er  rihtet  iu  da  er  voget  ist, 

klagt  ir  joch  über  den  tievel  üz  der  helle.  60 

Her  keiser,  swenne  ir  Tiuschen  fride 

gemachet  staete  bi  der  wide, 

so  bietent  iu  die  fremeden  zungen  ere. 

Die  sult  ir  nemen  an  arbeit 

und  stienen  al  die  kristenheit:  65 

daz  tiuret  iuch,  und  mtiet  die  beiden  sere. 

Ir  tragt  zwei  keisers  eilen, 

des  aren  tugent,  des  lewen  kraft: 

die  sint  des  herzeichen  an  dem  schilte. 

die  zwene  hergesellen,  70 

wan  woltens  an  die  heidenschaft! 

waz  widerstüende  ir  manheit  und  ir  milteV 


74  (L.  105  13). 
Der  Missensere  solde 
mir  wandeln  ob  er  wolde. 
min  dienest  läz  ich  allez  varn, 
Niewan  min  lop  aleine. 

deich  in  mit  lobe  iht  meine,  5 

daz  kan  ich  schone  wol  bewam. 
Lobe  ich  in,  so  lobe  er  mich: 
des  andern  alles  des  wil  ich 
in  minnecliche  erläzen. 
sin  lop  daz  muoz  ouch  mir  gezemen,  10 


69.  Schröder  (ZfdÄ  45,  439)  will  lesen:  die  sint  des 
Herren  zeielien.  74  1  ff.  Vgl.  einl.  s.  12.  Der  markgraf  muss 
sich  nach  z.  7  ff.  tadelnd  über  walther  ausgesprochen  haben. 


74  11-32  117 

oder  ich  Avil  minz  her  wider  nemen 
ze  hove  und  an  der  sträzen, 
so  ich  nu  genuoge 
gewarte  siner  fuoge. 

Ich  hän  dem  Missensere  15 

gefüeget  manec  msere 

baz  danne  er  nu  gedenke  min. 

Waz  sol  diu  rede  beschcenet? 

möht  ich  in  hän  gekroenet, 

diu  kröne  waere  hiute  sin.  20 

Het  er  mir  dö  gelonet  baz, 

ich  diente  im  aber  eteswaz. 

noch  kan  ich  schaden  vertriben. 

er  ist  aber  so  gefüege  niht, 

daz  er  mir  biete  wandeis  iht.  25 

da  läzen  wirz  beliben. 

wan  vil  verdirbet 

des  man  niht  enwirbet. 

Nu  sol  der  keiser  here 

für  brechen  durch  sin  ere  30 

des  lantgräven  missetät. 

Wand  er  was  doch  zewäre 


15.  Von  diensten,  die  Walther  dem  Meissner  erwiesen  hat, 
ist  ausser  der  hochtönenden  Versicherung  von  dessen  treue, 
die  er  dem  kaiser  Otto  entgegenbrachte  (73 10),  nichts  bekannt. 
19. 20.  Wol  keine  anspielung  auf  eine  bestimmte  kröne,  die  für 
den  Meissner  zu  erwerben  Walther  sich  bemüht  hätte,  sondern 
nur  ein  ausdruck  dafür,  dass  er  bereit  gewesen  wäre  ihm  das 
grösste  zu  verschaffen,  wenn  es  in  seinen  kräften  gestanden  hätte. 
27.  Ein  Sprichwort.  29  ff.  Diese  fürbitte  für  den  landgrafen 
Hermann  kann  nicht  gut  in  eine  andere  zeit  fallen,  als  in  das 
jähr  1212,  wo  derselbe,  von  den  meisten  übrigen  Parteigenossen, 
die  mit  ihm  im  jähre  zuvor  die  wähl  Friedrichs  beschlossen 
hatten,  im  stich  gelassen,  von  Otto  hart  bedrängt  wurde.  Auf- 
fallend ist  nur,  dass  sonst  keine  spur  davon  vorhanden  ist, 
dass  der  landgraf  die  gnade  des  kaisers  nachgesucht  hätte. 
Im  gegenteil  gab  er  in  dem  schlimmsten  momente  seinem  in 
Weissensee  eingeschlossenen  beere  ausdrücklich  die  Weisung 
im  widerstände  zu  verharren,  vgl.  Winkelmann  II,  308. 


118  74  33  —  75  14 

Bin  vient  offenbare. 

die  zagen  truogeu  stillen  rät: 

Sie  swuoren  hie,  sie  swuoren  dort,  35 

und  pruoften  ungetriuwen  mort. 

von  Rome  fuor  ir  scheiden. 

ir  diufe  enmohte  sich  nicht  verheln, 

si  begouden  under  zwischen  stein 

und  alle  ein  ander  melden.  40 

seht,  diep  stal  diebe, 

dro  tete  liebe. 

75  (L.  31  13). 
Der  stuol  ze  Rome  ist  allererst  berihtet  rehte 
als  hie  vor  bi  einem  zouberaere  Gerbrehte. 
Der  selbe  gap  ze  valle  niwan  sin  eines  leben: 
80  hat  sich  dirre  und  al  die  kristenheit  ze  valle  geben. 
Alle  Zungen  suln  ze  gote  schrien  wäfen  5 

und  rüefen  ime,  wie  lange  er  welle  släfen. 
sie  widerwürkent  siniu  werk  und  felschent  siniu  wort, 
sin  kameraere  stilt  im  sinen  himelhort, 
sin  süensere  mordet  hie  und  roubet  dort, 
sin  hirte  ist  zeinem  wolve  im  worden  under  sinen     10 

Schafen. 

Wir  klagen  alle  und  wizzen  doch  niht  waz  uns  wirret^ 
daz  uns  der  habest  unser  vater  alsus  hat  verirret. 
Nu  gät  er  uns  doch  harte  vaterlichen  vor: 
wir  volgen  im  nach  und  komen  niemer  fuoz  üz  sinem  spor. 


34.  Mit  deu  zagen  müssen  die  mitverschworeneu  des 
landgrafen  gemeint  sem,  die  sich  dem  kaiser  bei  seiner  rück- 
kehr  aus  Italien  zum  schein  unterwarfen,  um  bei  günstiger 
gelegenheit  wider  von  ihm  abzufallen,  wie  z.  b.  Dietrich  von 
Meissen.  Doch  sind  die  folgenden  zeilen  nicht  ganz  klar 
und  am  schluss  auch  die  textherstellung  sehr  wenig  sicher. 
37.  Von  Eom  aus  wurden  sie  veranlasst,  sich  unzufrieden  mit 
Ottos   regierung  zu   erklären  (?)  42.   Die  drohung  Ottos 

brachte  sie  zum  gehorsam  zurück  (?)  75  1  —  80.  Vgl.  einl. 

s.  8.  2.    Gemeint   ist    Gerbert ,    als   papst   Sylvester  II 

(999  —  1003),  der  in  folge  seiner  naturwissenschaftlichen  Studien 
in  den  ruf  gekommen  war,  Zauberei  zu  treiben. 


75  15-44  119 

Nu  merke,  werlt,  waz  mir  dar  ane  missevalle:  15 

gitset  er,  sie  gitsent  mit  im  alle; 
liuget  er,  sie  liegent  alle  mit  im  sine  lüge; 
und  triuget  er,  sie  triegent  mit  im  sine  trüge, 
nu  merket  wer  mir  daz  verkeren  müge: 
BUS  wirt  der  junge  Judas  mit  dem  alten  dort  ze        20 

schalle. 

Diu  kristenheit  gelepte  nie  so  gar  nach  wäne. 
die  sie  da  leren  sollen,  die  eint  guoter  sinne  äne. 
Es  waere  ze  vil,  und  taet  ein  tumber  leie  daz. 
sie  sündent  äne  vorhte:  dar  umb  ist  in  got  gehaz. 
Sie  Wisent  uns  zem  himel,  und  varent  sie  zer  helle.     25 
sie  sprechent,  swer  ir  worten  volgen  welle 
und  niht  ir  werken,  der  si  an  allen  zwivel  dort  genesen, 
die  pfaffen  sollen  kiuscher  dan  die  leien  wesen: 
an  weihen  buochen  haut  sie  daz  erlesen, 
daz  sich  so  maneger  flizet  wa  er  ein  schcenez  wip    30 

vervelle? 

Swelch  herze  sich  bi  disen  ziten  niht  verkeret, 
Sit  daz  der  bähest  selbe  dort  den  ungelouben  meret. 
Da  wont  ein  sselic  goist  und  gotes  minne  bi. 
nu  seht  ir  waz  der  pf äffen  werc  und  waz  ir  lere  si. 
E  daz  was  ir  lere  bi  den  werken  reine:  35 

nu  sint  sie  aber  anders  so  gemeine, 
daz  wirs  unrehte  würken  sehen,  unrehte  beeren  sagen, 
die  uns  guoter  lere  bilde  solden  tragen, 
des  mügen  wir  tumbe  leien  wol  verzagen, 
ich  wsen  aber  min  guoter  klösenaere  klage  und  40 

sere  weine. 

Ir  bischofe  und  ir  edeln  pfaffen  ir  sit  verleitet. 

seht  wie  iuch  der  bähest  mit  des  tievels  stricken  seilet. 

Saget  ir  uns  daz  er  sant  Peters  slüzzel  habe, 

so  saget  war  umbe  er  sine  lere  von  den  buochen  schabe. 


40.  Vgl.  zu  67  46.  41.  42.  Wallner  und  Schönbach 

wollen  lesen  verteilet  .  .  seilet. 


120  7545-ft4 

Dax  Huui  gotcs  gtbe  dd  koole  oder  yerkonfe,  45 

dax  wart  «■•  rerbotM  bf  der  tovfe, 

na  l£r  eis  ia  tfn  awarMK  l»aoeli,  das  ine  der  htüembr 

bit  gegebon,  and  ilz  im  les  et  flma  rAr: 

ir  kardenile,  ir  decket  iawem  kdr: 

alter  fitae  der  ttH  iBd»  eiaer  fbdoi  tronfe.    50 


AU  wie  kriateaUeke  ■•  der  bäb«8t  lachet, 

•weime  er  tfaea  Walkea  iot  ^ieh  hknz  aiid  gonaeket:' 

(Dax  er  di  feit,  dea  Kdt  O'  oieaia'  kta  gediUit) 

er  gibt  *idi  kia  swte  Alaum  aader  dae  kitoe  tnftkt, 

Dax  siex  fidbe  aftai  atenva  «ade  waatea,  55 

ie  dar  aado'  fiOlai  wir  die  kaatea: 

iek  kias  aa  arfa^  atoe  goaeat,  ir  gvoi  iat  aüea  aifa: 

ir  tiaaclwz  aObo'  rot  ia  arfan  wdadMB  adote. 

ir  fiMÜem  etiH  kieaer  aad  triakeft  wfa, 

aade  lit  die  tiatadbea Taatea.'    60 

Sagt  aa,  ber  Sioe»  bit  iaeb  der  bibeat  ber  geaeadet, 
dax  ir  ia  ifdMt  nd  aaa  Tfatadhea  enaei  aade  awoidet? 
Sweaa  iai  dia  rolle  mSae  kmat  xe  Latoia, 
ad  taot  er  eiaea  aigea  hgt,  ah  er  i  UA  gflUtit: 


4&  MeA  aicbt 
ZtifkYI,36;  Waüacr,  ZüX»,4aO; 
lldy  240.  49.  SO,  Der  iaAut  wiü  wel  angca:  tb  Baal  iit 
|Wt  gCMfgt  wlOffcad  die  kifdie  ia  IVatiddaad  TefBachKarigt 
Mt,  h\9.  Im  Jahre  1213  hatte  Taaowat  ciae  Terofiaaag 
fritawa,  woaach  ia  jeder  kinbe  ciae  bichee  (traaeaa  eoaeatai) 
■a^gfrtfllt  werfca  aallte,  aai  hciMge  flir  ica  heahriAtigtea 
krabaagr  aafmBfbaifa.  Ite  iat  der  «foe  ia  dicaai  aad  deai 
f^eadea  qpwdbe.  Walder  wir!  wegea  fieaer  rcrii^^ng 
der  ■Wrbtfa  dea  fapeCca  getaddt  Toa  Tbwaeaa  Toa  Zidam 
ia  aaaeaiWciaebca  gM(11163E  Vgj  trapaifia  Ifuwiehat 

tpmdt  JUirA  riittn  hdktit  wuot,  dtu  i€T  b&bttt  woU  wtH 
fttuüftctn  §tui€  vfiflfla  4te  wHkftffifT  $dirtnt  hwt  er  o^uAt 
aEfla  rat  wtiitf     tr  mit  ruu  wvft  fttfro^hert  wktf     Sm  ruHe 

wm  ImOL  —  «NM  trmit  iktmt  wum  'betöret,  ätu  rie 
habest  fAerhraret  g&te»  wti  de»  bäbtte»  gduH.  .  .  .  nodr 
et  ut  mir  leü  wmb  im,  er  kät  erzeiget  zmkt  und  »im  an 
wentt§er  rirter  rede  fuot. 


75  Ü5  -  yv  1  2  1 

Yst  seit  uns  danne  wie  daz  riche  stß  verwarren,  65 

unz  iu  erfüllent  aber  alle  pfarren. 

ich  wa:n  des  Silbers  wenic  knmet  ze  helfe  in  gotes  lant: 

grözen  hört  zerteilet  selten  pf äffen  hant. 

her  Stoc,  ir  slt  üf  schaden  her  gesant, 

daz  ir  fiz  tiuschen  linten  suochet  toerinne  unde  narren.     70 

'Sit  willekomen,  her  wirt,'  dem  gruoze  muoz  ich  swigen: 
'slt  willekomen,  her  gast,'  so  mnoz  ich  sprechen  oder  nigen. 
Wirt  unde  heim  sint  zwene  unschamellche  namen: 
gast  unde  hereberge  muoz  man  sich  vil  dicke  schämen. 
Noch  mtlez  ich  geleben  daz  ich  den  gast  ouch  grüeze,    75 
sft  daz  er  mir  dem  wirte  danken  mUeze. 
'sit  hinaht  hie,  sit  morgen  dort,'  waz  gougelfuore  ist  daz: 
'ich  bin  heime'  oder  'ich  wil  heim'  daz  trcestet  baz. 
gast  unde  schäch  kumt  selten  äne  haz: 
herre    büezet    mir    des  gaste»,    daz    iu    got   des      80 

Schaches  büeze. 

Ich   bin  des  railtf;n  lantgräven  ingesinde. 

ez  ist  min  sitc  daz  man  mich  iemer  bt  den  tinrsten  vinde. 

Die  andern  ftirsten  alle  sint  vil  milte,  iedoch 

so  stajteclichen  niht,  er  was  ez  e  und  ist  ez  noch. 

Da  von  kan  er  baz  danne  sie  dermite  gebären:         85 

er  enwil  dekeiner  lüne  vären. 

swer  hiure  schallet  und  ist  hin  ze  järe  boese  als  S, 

des  lop  gruonct  unde  valwet  so  der  kl6. 

der  Dürng<;  bluome  schinet  durch  den  snß: 

sumer  und  winter  blUet  sin  lop  als  in  den  ersten  jären.     90 

Ich  \Ai\  des  Kemdseres  gäbe  dicke  empfangen: 

wil   fr  Hiircli  firi   vermissen  bieten  mir  alsß  diu  wangen? 

71  ff.  Vjjl.  »^iIll.  M.  H.  77.  Für  ditleHunf^  goydfuore 

tritt  ein  Wallrif;r,  l'Hli  '.','),  104.  91  ff.  Vgl.  einl.  h.  11.  Der 
li^rzoff  Hcheint  «ifili  nnfntHiidlich  getjen  Walther  benommen  za 
lialjcn.  Darauf  gibt  ihm  dieHer  auf  eine  feine  weiwe  zu  ver- 
.Htehen,  (la«H  nicht  lU-.r  hf;rzo(f  urHftche  habe  auf  ihn,  vielmehr 
'T  auf  den  herzoj^  bfiHc,  zu  nein;  er  wolle  ch  aber  nicht  Übel 
nehmen,  daMH  dieser  nein  verMpreclien  nicht  gebalten  liabe. 


122  75  93—117 

Er  wscnet  lihte  daz  ich  zürue:  nein  ich,  niht. 

im    ist   geschehen    daz   noch    vil    manegem  muten  man 

geschiht. 
Was  mir  lihte  leide,  dö  was  ime  noch  leider.  95 

dö  er  häte  mir  geschaffen  kleider, 
daz  man  mir  niht  engap,  dar  umbe  zürne  er  anderswä. 
ich  weiz  wol,  swer  willecHche  sprichet  ja, 
der  gaebe  ouch  gerne,  nnd  wsere  ez  danne  da. 
dirre   lorn   ist   äne   alle   schulde  weizgot  unser       100 

beider. 

lehn  weiz  wem  ich  geliehen  muoz  die  hovebellen, 
wan   den   miusen,    die   sich   selbe  meldent,  tragent  sie 

schellen. 
Des  leckers  herre  der  miuse  klanc,  kumt  si  üz  ir  klüs, 
so    schrien    wir   vil   lihte    'ein    schale,    ein  schale!  ein 

müs,  ein  müs!' 
Edel  Kerndenaere,  ich  sol  dir  klagen  sere:  105 

milter  fürste,  marteraere  umb  ere, 

ichn  weiz  wer  mir  in  dinem  hove  verkeret  minen  sanc. 
läz  ichz  niht  durch  dich  und  ist  er  niht  ze  kranc, 
ich  swinge  im  also  swinden  widerswanc. 
frage  waz  ich  habe  gesungen,  und  ervar  uns  werz     110 

verkere. 

Die  wile  ich  weiz  dri  hove  so  lobellcher  manne, 

so  ist  min  win  gelesen  und  süset  wol  min  pfanne. 

Der  biderbe  patriarke  missewende  frl, 

der  ist  ir  einer,  so  ist  min  höfscher  tröst  zehant  da  bi, 

Liupolt,  zwir  ein  fürste,  Stir  und  Osterriche.  115 

niemen  lept  den  ich  zuo  deme  geliche: 

Bin  lop  ist  niht  ein  lobelin:  er  mac,  er  hat,  er  tuot. 


■  101  ff.  Dem  herzog  von  Kärnten  ist  über  einen  auf  ihn 
bezüglichen  sprach  Walthers,  vielleicht  den  voranstehenden, 
durch  seine  hofleute  ein  entstellter  bericht  zugekommen. 
Walther  bittet  ihn,  sich  von  dem  richtigen  tatbestande  zu 
überzeugen.  103.  Wie    die   maus   durch   den  klang  der 

schelle,   so   verrät  sich   der   Schmeichler  durch    sein   ewiges 
herr-sagen  (?).         111  fl'.  Vgl.  einl.  s.  10.  11. 


75  118-143  123 

so  ist  sin  veter  als  der  milte  Weif  gemuot: 
des  lop  was  ganz,  ez  ist  nach  tode  gaot. 
mirst  vil    unnöt    daz   ich   durch   handelunge   iht       120 

veiTe  striche. 

In  nomine  dumme  ich  wil  beginnen:  sprechet  amen 
(daz  ist  gnot  für  ungelücke  und  für  des  tievels  sämen), 
Daz  ich  gesingen  mtieze  in  dirre  wise  also, 
swer   höveschen  sanc  und  fröude  stcere,  daz  der  werde 

unfrö. 
Ich  hän  wol  und  hovelichen  her  gesungen:  125 

mit  der  hövescheit  bin  ich  nu  verdrungen, 
daz  die  unhöveschen  nu  ze  hove  gensemer  sint  dann  ich. 
daz  mich  eren  solde,  daz  uneret  mich, 
herzöge  üz  Österriche  fürste  nu  sprich : 
dun  wendest  michs  alleine,  so  verkere  ich  mine       130 

znngen. 

Nu  wil  ich  mich  des  scharpfen  sanges  ouch  genieten: 
da  ich  ie  mit  vorhten  bat,  da  wil  ich  nu  gebieten. 
Ich  sihe  wol  daz  man  herren  guot  und  wibes  gruoz 
gewalteclich  und  ungezogenlich  erwerben  muoz. 
Singe  ich  minen  höveschen  sanc,  so  klagent  siez      135 
deswär  ich  gewinne  ouch  lihte  knollen :  [Stollen. 

Sit    sie    die    schalkheit   wellen,   ich   gemache   in  vollen 
ze  Österriche  lernt  ich  singen  unde  sagen:        [kragen, 
da  wil  ich  mich  allererst  beklagen: 
vind  ich  an  Liupolt  höveschen  tröst,   so  ist  mir       140 

min  muot  entswollen. 

Do  Liupolt  sparte  üf  gotes  vart,  üf  künftige   ere, 
sie  behielten  alle  samt,  sie  volgeten  siner  lere, 
Sie  znhten  üf,  alsam  sie  niht  getörsten  geben. 

118.  der  mute  Weif,  Weif  VI  von  Baiem  (f  1291),  der 
durch  eine  verschwenderische  hofhaltung  zu  iUemmingen 
seine  besitztümer  vergeudete.  121  ff.  Wer  die  gegner  der 

Walther'schen  sangesweiae  sind,  wer  insbesondere  der  z.  135 
genannte  Stolle  ist  lässt  sich  nicht  ermitteln.  141  ff.  Vgl. 

einl.  s.  10. 


124  75  144  —  170 

daz  was  billich :   man   sol  iemer  nach  dem  hove  leben. 
Daz  sin  an  der  milte  niht  überhcehen  wolten,  145 

wol  in  des!  sie  täten  als  sie  solten. 
die  beide  üz  Österriche  beten  ie  gehoveten  muot. 
sie  behielten  dnrch  sin  ere:   daz  was  guot: 
nn  geben  durch  sin  ere,  als  er  nu  tuot. 
sin  leben  nach   dem   hove  nu,   so  ist  jeniu  zuht       150 

beschulten. 

Herzoge  üz  österriche,  lä  mich  bi  den  Muten, 
wünsche    mir   ze  velde,   niht   ze  walde:   ichn    kan  niht 
Sie  sehent  mich  bi  in  gerne,  also  tuon  ich  sie.     [rinten: 
du    wünschest    underwilent    biderbem    man    dun    weist 

joch  wie. 
Wunsches  du  mir  von  in,  so  tuost  du  mir  leide.      155 
vil  saelic  si  der  walt,  dar  zuo  diu  beide! 
diu  müeze  dir  vil  wol  gezemen:  wie  hast  du  nu  getan, 
Sit  ich  dir  an  din  gemach  gewtinschet  hän, 
und  du  mir  an  min  ungemach?  lä  stän: 
wis   du   von   dan,  lä   mich   bl  in:   so  leben  wir       160 

saufte  beide. 

Ich  hän  gemerket  von  der  Seine  unz  an  die  Muore, 
von  dem  Pfade  unz  an  die  Traben  erkenne  ich  al  ir  fuore : 
Diu  meiste  menege  enruochet  wies  erwirbet  guot. 
sol  ichz  also  gewinnen,  so  ganc  släfen,  höher  muot. 
Guot  was  ie  gena?me,  iedoch  so  gie  diu  ere  165 

vor  dem  guote :  nu  ist  daz  guot  so  here, 
daz  ez  gewaltecliche  vor  ir  zuo  den  frouwen  gät, 
mit  den  fürsten  zuo  den  künegen  an  ir  rät. 
so  we  dir  guot!  wie  roemesch  riebe  stät! 
du  enbist  niht  guot:  du  habest  dich  an  die  schände     170 

ein  teil  ze  sere. 


151  ff.  Vgl.  einl.  s.  10.  Der  herzog  hat  Walther  in  den 
wald  gewünscht,  womit  sich  für  den  mittelalterlichen  menschen 
die  Vorstellung  der  harten  arbeit  des  reutens  verknüpft. 
Walther  wünscht  dagegen  den  herzog  auf  die  beide,  wo  er 
zwar  auch  die  gesellschaft  der  menschen  entbehren  muss,  es 
aber  bequem  hat. 


75  171  —  76  18  125 

An  wibe  lobe  stet  wol  daz  man  sie  heize  schoene: 
manne  stet  ez  übel,  ez  ist  ze  wich  und  ofte  hcene. 
Küene  und  milte,  und  daz  er  da  zuo  staete  si, 
80  ist  vil  gar  gelobt:  den  zwein  stet  wol  daz  dritte  bi. 
Wilz  iu  niht  versmähen,  so  wil  ichz  iuch  leren,       175 
wie  wir  loben  suln  und  niht  uneren: 
ir  müezet  in  die  liute  sehen,  weit  ir  erkennen  wol. 
nieman  üzen  nach  der  varwe  loben  sol. 
vil  manic  more  ist  innen  tugende  vol: 
we  wie  wi'z  der  biderben  herze  sint,  der  sie  wil     180 

umbe  keren! 

76  (L.  26  3), 
Ich  hän  hern  Otten  triuwe,  er  welle  mich  noch  riehen: 
wie  nam  aber  er  min  dienest  ie  so  trügelichen? 
oder  waz  bestet  ze  lonne  des  den  künic  FriderichenV 
Min  vorderunge  ist  üf  in  kleiner  danne  ein  bone; 
ezn  81  so  vil,  ob  er  der  alten  Sprüche  wsere  fro:         5 
ein  vater  lerte  wilent  sinen  sun  also 
'sun,  diene  manne  bcesten,  daz  dir  manne  beste  lone.' 
Her  Otte,  ich  binz  der  sun,  ir  sit  der  boeste  man, 
wand  ich  so  rehte  boesen  herren  nie  gewan: 
her  künec,  sit  irz  der  beste,  sit  iu  got  des  lonnes     10 

gan. 

Ich  wolt  hern  Otten  milte  nach  der  lenge  mezzen: 
do  häte  ich  mich  an  der  mäze  ein  teil  vergezzen: 
waer  er  so  milte  so  lanc,  er  hete  tugende  vil  besezzen. 
Vil  schiere  maz  ich  aber  den  lip  nach  einer  ere: 
do  wart  er  vil  gar  ze  kurz  als  ein  verschroten  werc,      15 
miltes  muotes  minre  vil  dan  ein  getwerc, 
und  ist  doch  von  den  jären  daz  er  niht  enwahset  mere. 
Do  ich  dem  künege  brähte  daz  mez,  wie  er  üf  schoz! 


172.  Das  in  AC  übereinstimmend  überlieferte  wich  hat 
man  mit  einem  dialektwort  identifiziert,  das  „üppig",  aber 
auch  „abgeschmackt"  bedeutet.  Wol  begründete  bedenken 
dagegen  erhebt  Wallner,  ZfdA  40,  340.  Lachmann  vermutete 
weich.  76  1  ff.  Vgl.  einl.  s.  8.  11  ff.  Vgl.  die  Schilderungen 
Ottos  und  Friedrichs  bei  Winkelmann  I,  75.  II,  91. 


126  76  19  —  40 

sin  junger  Itp  wart  beide  michel  unde  groz. 
nu  seht  waz  er  noch  wahse:  erst  ieze  über  in  wol     20 

risen  gnoz. 

Herzoge  üz  Osterriche,  ez  ist  in  wol  ergangen 

lind  also  schöne  daz  uns  muoz  nach  iu  belangen. 

Sit    gewis,    swenn   ir   uns    komet,    ir    werdet    hohe    en- 

pfangen, 
Ir  Sit  wol  wert  daz  wir  die  gloggen  gegen  iu  liuten, 
dringen  unde  schouwen  als  ein  wunder  komen  sl.      25 
ir  komet  uns  beide  Sünden  unde  schänden  fri: 
des    snln  wir  man   iuch   loben,    und    die   frouwen   suln 

iuch  triuten. 
Diz  lichte  lop  volfüeget  heime  uns  üf  daz  ort: 
Sit  uns  hie  biderbe  für  daz  ungefüege  wort, 
daz  iemen  spreche,  ir  soldet  sin  beliben  mit  eren      30 

dort. 

Von  Rome  voget,  von  Pulle  künec,  lät  iuch  erbarmen 

daz  man  mich  bi  richer  kunst  lät  alsus  armen. 

gerne  wolde  ich,  möhte  ez  sin,  bi  eigem  fiure  erwärmen. 

Zäi  wiech  danne  sunge  von  den  vogelinen, 

von  der  beide  und  von  den  bluomen,  als  ich  wilent     35 

sanc! 
swelch  schoene  wip  mir  denne  gaebe  ir  habedanc, 
der  liez  ich  liljen  unde  rosen  üz  ir  wengel  schinen. 
Sus  rite  ich  fruo  und  kume  niht  heim:  'gast,  we  dir,  we!' 
so  mac  der  wirt  wol  singen  von  dem  grüenen  kle. 
die  not  bedenket,  milter  künec,  daz  iuwer  not  zerge.     40 


31  ff.  Vgl.  einl.  s.  9.  Diese  Strophe  ist  von  Ulrich  von 
Singenberg  parodiert  (bei  Wackernagel  s.  211) :  Ber  tverlte 
voget,  des  himels  künec,  ich  lobe  iuch  gerne,  daz  ir  mich 
hänt  erläzen  des,  daz  ich  niht  lerne  wie  dirre  und  der  an 
fremder  stat  ze  minem  sänge  scherne.  Min  meister  klaget  so 
sere  von  der  Vogelweide,  in  twinge  daz,  in  twinge  jenz,  daz 
mich  noch  nie  gettcanc.  den  länt  si  bi  so  richer  kirnst  an 
habe  ze  kranc,  daz  ich  mich  küme  v.f  ir  genäde  von  dem 
minen  scheide.  Sus  rite  ich  späte  und  kume  doch  Jieim,  mirst 
niht  ze  we:  da  singe  ich  von  der  heide  und  von  dem  grüenen 
Ue.        daz  stcetent  ir  mir,  milter  got,  daz  ez  mir  iht  zerge! 


76il  — 70  127 

Ich  hän  mia  lehen,  al  diu  werlt,  ich  hän  min  lehen. 

nu  enfürhte  ich  niht  den  hornunc  an  die  zehen 

und  wil  alle  boese  herren  dester  minre  flehen. 

Der  edel  künec,  der  milte  künec  hat  mich  beraten, 

daz  ich  den  sumer  luft  und  in  dem  winter  hitze  hän.     40 

mine  nähgebüren  dunke  ich  verre  baz  getan: 

sie    sehent    mich   niht    mer    an   in   butzen    wiz    als    sie 

wilent  täten. 
Ich  bin  ze  lange  arm  gewesen  an  minen  danc. 
ich  was  so  volle  scheltens  daz  min  äten  stanc: 
daz  hat  der  künec  gemachet  reine,  und  dar  zuo        50 

minen  sanc. 

Der  künec  min  harre  lech  mir  gelt  ze  drizec  marken: 
des  enkan  ich  niht  gesliezen  in  den  arken, 
noch  geschiffen  üf  daz   mer  in   kielen  noch  in  barken. 
Der  name  ist  groz,  der  nuz  ist  aber  in  solher  mäze, 
daz  ich  in  niht  begrifen  mac,  gehoeren  noch  gesehen:     55 
wes  sol  ich  danne  in  arken  oder  in  barken  jehen? 
nu  rate  ein  ieglich  friunt,  ob  ich  ez  halte  oder  ob  ichz 
Der  pf äffen  disputieren  ist  mir  gar  ein  wiht:  [läze. 

sie  prüevent  in  den  arken  niht,  da  ensi  ouch  iht: 
nu  prüeven   hin,   nu  prüeven   her,   son  habe  ich       60 

drinne  niht. 

Ir  fürsten,  die  des  küneges  gerne  waeren  äne, 

die  volgen  mime  rate:  ichn  rate  in  niht  nach  wäne. 

weit  ir,  ich  schicke  in  tüsent  mile  und  dannoch  me  für 

Träne. 
Der  helt  wil  Kristes  reise  varn:  swer  in  des  irret, 
der  hat  wider  got  und  al  die  kristenheit  getan.         65 
ir  vinde,  ir  sult  in  sine  sträze  varen  län: 
waz  ob  er  hie  heime  iu  niemer  mere  niht  gewirret? 
Belibe  er  dort,  des  got  niht  gebe,  so  lachet  ir: 
kom  er  uns  friunden  wider  hein,  so  lachen  wir. 
der  maere  warten  beidenthalp,  und  habet  den  rät       70 

von  mir. 


51  ff.  Vgl.  einl.  s.  9.  61  ff.  Vgl.  einl.  s.  13. 


128  76  71  —  103 

Vil  höhgelobter  got,  wie  selten  ich  dich  prise, 
und  ich  doch  von  dir  beidiu  wort  hän  unde  wise! 
wie  getar  ich  so  gefrevein  under  dime  rIseV 
lehn  tuon  diu  rehten  werc,  ichn   hän  die  wären  minne 
gein  minem  ebenkristen,  herre  vater,  noch  gein  dir:     75 
ir  keinem  wart  ich  nie  so  holt  so  ich  bin  mir. 
got  vater  unde  Sün,  din  geist  berihte  mine  sinne. 
Wie  solt  ich  den  geminnen  der  mir  iibele  tuotV 
ich  muoz  dem  iemer  holder  sin  der  mir  ist  guot. 
vergip  mir  anders  mine  schulde,  wan  ich  hän  noch     80 

den  mnot. 
Er  schale,   in  swelhem  namen  er  sl,  der  dankes  triege 
sinen  herren  unde  im  rate  daz  er  liege! 
erlamen  müez  ime  sin  bein,  swenn  erz  ze  deheime  rate 
Si  aber  er  so  here  daz  er  da  zuo  sitze,  [biege! 

so  wünsche  ich  daz  ime  sin  ungetriuwe  zunge  erlame     85 
die  selben  machent  uns  die  biderben  äne  schäme, 
sol  liegen  witze  sin,  so  pflegent  die  schemelicher  witze. 
Wan  mügens  in  raten  daz  si  läzen  in  ir  kragen 
so  valsch  geheize  oder  nach  geheize  niht  versagen? 
sie  selten  geben  e  dem  lobe  der  kalc  waer  abe  getragen.    90 
Ich  hän  gesehen  in  der  werlte  ein  michel  wunder: 
wserz  üf  dem  mer,  ez  diuhte  ein  seltssene  kunder; 
dez  min  fröude  erschrocken  ist,  min  trüren  worden  munder. 
Daz  glichet  einem  bcesen  man.     swer  nu  des  lachen 
strichet  an  der  triuwen  stein,  der  vindet  kunterfeit.      95 
er  bizet  da  sin  grinen  niht  hat  widerseit. 
[sin  valscheit  tuot  vil  manegem  dicke  leit.] 
zwo  Zungen  habent  kalt  und  warm,  die  ligent  in  sime 
In  sime  süezen  honege  lit  ein  giftic  nagel.         [rächen, 
sin  wolkenlosez  lachen  bringet  scharpfen  hagel.        100 
swä   man   daz    spürt,    ez    kert   sin   haut   und    wirt    ein 

swalwen  zagel. 
Got  weiz  wol,  daz  mfn  lop  waer  iemer  hovestaete, 
da  man  eteswenne  hovelichen  taete 


101.  Noch  nicht  befriedigend  erklärt,  vgl.  Bezzenberger 
Zfdph  VI,  34.  Wackerneil,  ZfdA  26,  295.  Wallner  ib.  40,  335. 
PBB  33, 12. 


76  101-77  10  129 

mit  Worten  oder  mit  werken,  mit  gewizzenem  geraete. 
Mir  grüset,  so  mich  lachent  an  die  lechelsere,  105 

den  diu  zunge  honget  und  daz  herze  gallen  hat. 
friundes  lachen  sol  sin  äne  missetät, 
lüter  als  der  äbentröt,  der  kündet  liebin  maere. 
Nu  tuo  mir  lacheliche,  oder  lache  aber  anderswä. 
swes  munt  mich  triegen  wil,  der  habe  sin  lachen  da:     110 
von  dem  nsem  ich  ein  wärez  nein  für  zwei  gelogenio  ja. 

Sit  got  ein  rehter  rihtsere  heizet  an  den  buochen, 
daz  er  solte  üz  siner  milte  des  geruochen 
daz  er  die  gar  getriuwen  üz  den  valschen  hieze  suochen ! 
Joch  meine  ich  hie:  sie  werdent  dort  vil  gar  ge-     115 

sundert: 
doch  saehe  ich  an  ir  eteslichem  gerne  ein  schänden  mal. 
der  sich  dem  man  wint  üz  der  hant  reht  als  ein  äl, 
onwe  daz  got  niht  zorneclichen  sere  an  deme  wundert! 
Swer  sant  mir  var  von  hüse,  der  var  ouch  mit  mir  hein. 
des  mannes  muot  sol  veste  sin  alsam  ein  stein,  120 
üf  trinwe  sieht  und  eben  als  ein  vil  wol  gemähter  zein. 

77  (L.  104  23). 
Man  Seite  mir  ie  von  Tegerse, 
wie  wol  daz  hüs  mit  eren  ste: 

darnmbe  kerte  ich  mer  dan  eine  mlle  von  der  sträze. 
Ich  bin  ein  wunderlicher  man, 

daz  ich  mit  selben  niht  entstän  5 

und  mich  so  vil  an  frömde  liute  läze. 
Ich  schilte  sie  niht,  wan  got  genäde  uns  beiden, 
ich  nam  da  wazzer: 
also  nazzer 
muost  ich  von  des  münches  tische  scheiden.  10 


77  1.  Vgl.  einl.  s.  12. 13.  3.  Die  Schlusszeilen  der  stellen 
sind  nicht  gleich,  also  in  der  Überlieferung  entstellt.  8.  Es  ist 
das  wasser  zum  waschen  der  bände  nach  der  mahlzeit  gemeiut. 
Walther  will  also  sagen ,  dass  er  sonst  nichts  geschenkt  be- 
kommen hat.  Dass  er  zum  essen  keinen  wein  bekommen  habe, 
ist  nirgends  angedeutet.  Schon  aus  diesem  gründe  wäre  die 
seltsame  deutuug  und  Zeitbestimmung  Burdachs  (s.  76)  haltlos, 
wenn  sie  sich  nicht  auch  sonst  als  unrichtig  erwiesen  hätte. 

Walth.  V.  d.  Vogt'lweide.    6.  aufl.  9 


130  78  1-32 

78  (L.  78  24). 
Ich  bin  dem  Bogensere  holt 
gar  äne  gäbe  und  äne  solt: 
er  ist  milte,  swie  klein  ich  sin  geniuze. 
BÖ  nieze  in  aber  ein  Polän  oder  ein  Riaze: 
daz  ist  allez  äne  minen  haz.  5 

in  bra3hte  ein  meister  baz  ze  maere 
danne  tüsent  snarrenzaere, 
tset  er  den  hovewerden  baz. 

Den  diemant  den  edelen  stein 

gap  mir  der  schoensten  ritter  ein:  10 

äne  bete  wart  mir  diu  gäbe  sine. 

j6  lob  ich  niht  die  schcene  nach  dem'  schine: 

milter  man  ist  schcene  und  wol  gezogen. 

man  sol  die  inre  tugent  üz  keren: 

so  ist  daz  üzer  lop  nach  eren,  15 

sam  des  von  Katzenellenbogen. 

Der  anegenge  nie  gewan 

und  anegenge  machen  kan, 

der  kan  wol  ende  machen  und  an  ende. 

Bit  daz  allez  stet  in  siner  hende,  20 

wer  wsere  danne  lobes  so  wol  wert? 

der  si  der  erste  in  miner  wise: 

sin  lop  get  voi^  allem  prise: 

daz  lop  ist  sselic,  des  er  gert. 

Nu  loben  wir  die  süezen  maget,  25 

der  ir  sun  niemer  niht  versaget, 
si  ist  des  mnoter,  der  von  helle  uns  loste: 
daz  ist  uns  ein  tröst  vor  allem  tröste, 
daz  man  da  ze  himel  ir  willen  tuot. 
nu  dar,  die  alten  mit  den  jungen,  30 

daz  ir  werde  lop  gesungen. 
Bist  guot  ze  lobenne,  si  ist  guot. 


78  1.    Vgl.  einl.  s.  12.  17  ff.    Dies  lied  wird  in  eine 

zeit  gehören,  wo  der  von  Friedrich  gelobte  Kreuzzng  den 
dichter  lebhaft  beschäftigte.  Eine  genauere  datiening  ist 
nicht  möglich. 


78  33  —  61  131 

Ich  solt  iuch  engel  grüezen  ouch, 
wan  daz  ich  bin  niht  gar  ein  gouch: 
waz  habet  ir  der  beiden  noch  zerstceret?  35 

Sit  iuch  nieman  siht  noch  nieman  beeret, 
saget,  waz  habet  ir  noch  dar  zuo  getan? 
möht  ich  got  stille  als  ir  gerechen, 
mit  wem  solt  ich  mich  besprechen? 
ich  wolte  iuch  herren  ruowen  län.  40 

Her  Michael,  her  Gabriel, 
her  tiuvels  vient  Raphahel, 
ir  pfleget  wisheit  sterke  und  arzenle, 
dar  zuo  habet  ir  engelkcere  drie, 

die  mit  willen  leistent  iur  gebot:  45 

weit  ir  min  lop,  so  sit  bescheiden 
und  schadet  allererst  den  beiden: 
lopt  ich  iuch  e,  daz  wsere  ir  spot. 

Swelch  herre  nieman  niht  versaget, 

der  ist  an  gebender  kunst  verschraget!  50 

der  muoz  iemer  nötic  sin  oder  triegen, 

zehen  versagen  sint  bezzer  danne  ein  liegen. 

geheize  minre  unde  grüeze  baz,  ' 

well  er  ze  rehte  umb  ere  sorgen, 

swes  er  niht  mtige  üz  geborgen  55 

noch  selbe  enhabe,  versage  doch  daz. 

Man  hohgemäc,  an  friunden  kranc, 

daz  ist  ein  swacher  habedanc: 

baz  hilfet  .  .  friuntschaft  äne  sippe. 

lä  einen  sin  geborn  von  küneges  rippe:  60 

er  enhabe  friunt,  waz  hilfet  daz? 


42.  tiuvels  vient  heisst  Eaphael  wol  mit  hinblick  auf 
Tobias,  cap.  8,  wo  erzählt  wird,  wie  er  den  teufel  bewältigt, 
der  die  sieben  männer  der  Sara  getötet  hat.  43.  Der  name 
Gabriel  wird  gedeutet  als  „stärke  gottes"  Eaphael  als  „heiluug 
gottes",  Michael  als  „wer  ist  wie  gott?".  Vgl.  Laurin  239 
sente  Michahel  der  icise.  Ein  alter  hymnus  (Mone  1, 814) 
schreibt  dem  von  Michael  geleiteten  engelchore  besondere 
Weisheit  zu. 

9* 


1  32  78  62  -  9G 

mSgschaft  ist  ein  selbwahsen  6re: 
so  muoz  man  friunde  verdienen  sere. 
mäc  hilfst  wol,  friunt  verre  baz. 

Swer  sich  ze  friunde  gewinnen  lät  65 

\md  ouch  da  bi  die  tagende  hat 

daz  er  sich  äne  wanken  lät  behalten, 

des  friundes  mac  man  gerne  schone  walten? 

ich  hau  eteswenue  friunt   erkom 

so  sinewel  an  siner  staete,  70 

swie  gerne  ich  in  behalten  haete, 

daz  ich  in  muoste  hän  verlorn. 

Swer  mir  ist  slipfic  als  eiu  Is 

und  mich  üf  hebt  in  balles  wis, 

sinewell  ich  dem  in  sinen  banden,  75 

daz  sol  zunstffite  nieraan  an  mir  anden, 

Sit  ich  dem  getriuwen  friunde  bin 

einloetic  unde  wol  gevieret. 

swes  muot  mir  ist  so  vech  gezieret, 

nu  sus  nu  so,  dem  walge  ich  hin.  80 

Sich  wolte  ein  ses  gesibent  hän 

üf  einen  höhvertigen  wän: 

siis  strebte  ez  sere  nach  der  tibermäze. 

swer  der  mäze  brechen  wil  ir  sträze, 

dem  gevellet  lihte  ein  enger  pfat.  85 

hohvertic  ses,  nu  stant  gedriet! 

dir  was  zem  sese  ein  velt  gefriet: 

nu  smiuc  dich  an  der  drien  stat. 

Unmäze,  nim  dich  beidiu  an, 

manlichiu  wip,  wipliche  man:  90 

pfafllche  ritter,  ritterliche  pfaffen, 

mit  den  solt  du  dinen  willen  schaffen: 

ich  wil  dir  sie  gar  ze  stiure  geben, 

und  alte  juncherren  für  eigen: 

ich  wil  dir  junge  altherren  zeigen,  95 

daz  sie  dir  twerhes  helfen  leben. 


78  97-128  133 

Wer  sieht  den  lewen?  wer  sieht  den  risen? 

wer  überwindet  jenen  und  disen? 

daz  tuot  jener  der  sich  selben  twinget 

und  alliu  siniu  lit  in  huote  bringet,  100 

üz  der  wilde  in  stseter  zühte  habe. 

geligeniu  zuht  und  schäme  vor  gesten 

mtigen  wol  eine  wile  erglesten: 

der  schin  nimt  dräte  üf  und  abe. 

Wolveile  unwirdet  manegen  lip.  105 

ir  werden  man,  ir  reiniu  wip 

niht  ensit  durch  kranke  miete  veile. 

ez  muoz  sere  sten  an  iuwerm  heile, 

weit  ir  iuch  vergeben  vinden  län. 

zundanke  wolveile  unwirdet  sere:  110 

da  bi  s6  swachet  iuwer  ere, 

und  zluhet  doch  üf  smsehen  wän. 

Swelch  man  wirt  äne  muot  ze  rieh, 

wil  er  ze  sere  striuzen  sich 

üf  sine  richeit,  so  wirt  er  ze  here.  115 

ze  rieh  und  zarm  diu  leschent  beide  sere 

an  sumelichen  liuten  rehten  muot. 

swä  übric  richeit  zühte  slucket 

und  übrie  armuot  sinne  zucket, 

da  dunket  mich  enwederz  guot.  120 

Diu  minne  ist  weder  man  noch  wip, 

si  hat  noch  sele  noch  den  lip, 

si  gelichet  sich  dekeinem  bilde. 

ir  name  ist  kunt,  si  selbe  ist  aber  wilde, 

unde  enkan  doch  nieman  äne  sie  125 

der  gotes  hulden  niht  gewinnen 


si  kam  in  valschez  herze  nie. 


108  ff.  Es  ist  besser,  sich  umsonst  zu  einem  dienste  bereit 
finden  zu  lassen,  als  wider  seine  neigung  um  eines  geringen 
lohnes  willen.  Dabei  leidet  man  an  seiner  ehre  schaden,  und 
es  läuft  doch  bloss  auf  eine  elende  hoffnung  hinaus. 


134  78  129  —  79  10 

Ez  ist  in  unsern  kurzen  tagen 
nach  minne  valsches  vil  geslagen:  130 

swer  aber  ir  insigel  rehte  erkande, 
dem  setze  ich  mine  wärheit  des  ze  pfände, 
wolt  er  ir  geleite  volgen  mite, 
daz  in  unfuoge  niht  erslüege. 

minn  ist  ze  himel  so  gefüege,  135 

daz  ich  sie  dar  geleites  bite. 

79  (L.  10  1.  84  U). 
Von  Röme  keiser  here,  ir  hat  also  getan 
ze  minen  dingen,  daz  ich  iu  muoz  danken  län: 
in  kan  iu  selbe  niht  gedanken  als  ich  willen  hän. 
Ir  hat  iuwer  kerzen  kündeclichen  mir  gesendet. 
diu  hat  unser  här  vil  gar  besenget  an  den  brän,         5 
Unde  hat  ouch  uns  der  ougen  vil  erblendet: 
doch  hänt  sie  mir  des  wizen  alle  vil  gewendet. 
BUS  min  frume  und  iuwer  ere  ir  schilhen  hat  geschendet. 

Sie  frägent  mich  vil  dicke,  waz  ich  habe  gesehen, 
swenn  ich  von  hove  rite,  und  waz  da  si  geschehen.     10 


79  1  ff.  Vgl.  einl.  s.  13.  Die  Tcerze  in  z.  4  ist  vielleicht 
nur  ein  bildlicher  ausdruck  für  das  vom  kaiser  gesandte 
geschenk.  Es  fehlt  aber  au  einer  befriedigenden  erklärung 
dafür,  wie  der  dichter  dazu  gekommen  sein  könnte,  das  bild 
anzuwenden.  Wackernagel  (Baseler  bischofs-  und  dienstmannen- 
recht  s.  26)  nimmt  kerze  im  eigentlichen  sinne  und  leitet  eine 
erklärung  ab  aus  der  Verpflichtung  der  Basler  bischöfe,  zu  licht- 
mess  ihren  in  der  frauenkirche  anwesenden  dienstraannen  kerzen 
zu  geben.  Er  nimmt  an,  dass  auch  für  den  kaiser  eine  ähn- 
liche Verpflichtung  gegeu  seine  dienstmannen  bestanden  habe, 
unter  die  Walther  durch  seine  belehnung  aufgenommen  sei,  und 
dass  die  Übersendung  an  einen  nichtanwesenden  für  eine  be- 
sondere auszeichnung  gegolten  habe.  Das  sind  aber  annahmen, 
die  zu  wenig  fest  begründet  und  kaum  wahrscheinlich  sind. 
Vgl.  dazu  noch  Prosch,  Zfdph  XV,  358.  Koch  weniger 
zulässig  scheint  es  70  b  1  auf  ähnliche  weise  zu  erklären.  Eine 
eigenartige  deutung  mit  mehreren  vorschlagen  zur  textände- 
rung,  aber,  wie  mir  scheint,  ohne  ausreichende  Überzeugungs- 
kraft, bietet  jetzt  Saran,  PBB  27,  199.  9.  Hoftage  zu  Nürn- 
berg, bei  denen  Leopold  von  Oesterreich  anwesend  war,  fanden 
statt  im  märz  1200,  im  februar  1209,  im  mai  1212,  im  Januar 


79  11-32  135 

ich    liuge    ungerne,   und    wil    der   wärheit    halber    niht 

verjehen. 
Ze  Nüerenberc  was  guot  gerihte,  daz  sage  ich  ze  maere. 
umbe  ir  milte  fraget  varndez  volc:  daz  kan  wol  spehen. 
Die  Seiten  mir,  ir  malhen  schieden  danne  Isere: 
unser  heimschen  färsten  sint  so  hovebaere,  15 

daz   Liupolt    ein    müeste    geben,    wan   daz    er    ein  gast 

da  waere. 

Von  Kölne  werder  bischof,  sit  von  schulden  fro. 

ir  hat  dem  riebe  wol  gedienet  und  also 

daz  iuwer  lop  da  enzwischen  stiget  und  sweibet  hö. 

Si  iuwer  werdekeit  dekeinen  bcesen  zagen  swjsre,       20 

ftirsten  meister,  daz  si  iu  als  ein  unnütze  dro. 

Getriuwer  küneges  pflegaere,  ir  sit  hoher  maere, 

keisers  eren  trost  baz  danne  ie  kanzelaere, 

drier  künege  und  einlif  tüsent  megede  kameraere. 

Ich  drabe  da  her  vil  rehte  drier  slahte  sanc,  25 

den  hohen  und  den  nideren  und  den  mittelswanc, 
daz  mir  die  rederichen  iegesliches  sagen  danc. 
Wie  könd  ich  der  drier  einen  nu  ze  danke  gesingen? 
der  höhe  der  ist  mir  ze  starc,  der  nider  gar  ze  kranc, 
Der  mittel  gar  ze  spaehe  an  disen  twerhen  dingen.  30 
nu  hilf  mir,  edeler  küneges  rät,  da  enzwischen  dringen, 
daz  wir  als  e  ein  ungehazzet  liet  zesamene  bringen. 

1217,  ende  okt.  und  anfang  nov.  1219,  im  juni  1224,  im  nov. 
1225.  Da  aber  aus  z.  13  heArorzugehen  scheint,  dass  Walther 
selbst  nicht  auf  freigebigkeit  der  füi-sten  reflektierte,  so  wird 
der  Spruch  nach  seiner  belehnung  faUen.  Man  setzt  ihn 
jetzt  allgemein  in  das  jähr  122-1  ohne  völlig  zureichenden 
grund. 

15.  16.  Diese  zeilen  sind  trotz  allen  auseinandersetzungen 
darüber  (vgl.  ausser  den  ausgaben  GennaniaV,  6 ;  XX,  262 ;  Menzel 
801;  Blätter  f.  d.  bair.  gymn.  XI,  214;  Burdach  s.  22)  noch  nicht 
befriedigend  erklärt.  17  ff.  Vgl.  einl.  s.  13. 14.  Köln  rühmt 
sich  die  gebeine  der  heiligen  drei  könige  zu  verwahren,  sowie 
die  der  11000  Jungfrauen,  die  nach  der  sage  dem  kaiser  Karl  im 
kämpfe  gegen  die  Saracenen  beistanden.  25  ff.  Es  ist  un- 
möglich, sich  von  den  drei  hier  von  Walther  unterschiedenen 
arten  des  gesanges  eine  genauere  Vorstellung  zu  machen. 


136  79  33-64 

Swes  leben  ich  lobe,  des  tot  den  wil  ich  iemer  klagen. 
80  WC  im  der  den  werden  fürsten  habe  erslagen 
von  Kölne!  ouwe  des  daz  in  diu  erde  mac  getragen!  35 
Ine  kan  im  nä.ch  siner  schulde  keine  marter  vinden: 
im  waere  alze  senfte  ein  eichin  wit  umb  einen  kragen, 
In  wil  sin  ouch  niht  brennen  noch  zerliden  noch  schinden 
noch  mit  dem  rade  zerbrechen  noch  ouch  dar  üf  binden: 
ich  warte  allez  ob  diu  helle  in  lebende  welle  slinden.     40 

Swer  an  des  edeln  lantgräven  rate  si, 
durch  sine  hübscheit,  er  si  dienstman  oder  fri, 
der  mane  in  umb  min  leren  so  daz  ich  in   spür  da  bi. 
Min  junger  herre  ist  railte  erkant,  man  seit  mir  er  si  stsete, 
dar  zno  wol  gezogen:  daz  sint  gelobter  tugende  dri.     45 
Ob  er  die  vierden  tugent  willeclichen  taste, 
so  gienge  er  ebene  und  daz  er  selten  missetraete; 
waere    unsümic.         sümunge  schat  dem  snite  und  schat 

der  saete. 

Rieh,  herre,  dich  und  dine  mnoter,  der  mägede  kint, 
an  den  die  iuwers  erbelandes  vinde  sint.  50 

lä  dir  den  kristen  zuo  den  beiden  beide  sin  als  den  wint: 
Du  weist  wol  daz  die  heiden  dich  niht  irrent  alters  eine. 


die  sint  wider  dich  doch  öffentliche  unreine,  55 

dise  unreiner,  diez  mit  in  so  stille  habent  gemeine. 

Bote,  sage  dem  keiser  sines  armen  mannes  rät, 

daz  ich  deheinen  bezzern  weiz  als  ez  nu  stät: 

ob  in  guotes  unde  liute  nieman  erbeiten  lät. 

So  var  er  balde  und  kome  uns  schiere,  läze  sich      60 

niht  teeren: 
irre  ouch  etellchen  der  got  und  in  geirret  hat; 
Die  rehten  pfaffen  warne,  daz  sie  niht  gehoeren 
den  unrehten,  die  daz  riche  waenent  stoeren; 
scheide  sie  von  in,   oder  scheides  alle  von  den  koeren. 


41  ff.  Vgl.  einl.  s.  14.         49  ff.  Vgl.  das  Verzeichnis  der 
Abweichungen  von  Lachmanns  text. 


79  65  —  80  7  137 

Solt  ich  den  pf äffen  raten  an  den  triuwen  min,  65 

s6  spraeche  ir  hant  den  armen  zuo  'se  daz  ist  din'; 
ir  zunge  sunge  nnde  lieze  manegem  man  daz  sin; 
Gedsehten  daz  ouch  sie  durch  got  e  wären  almuosena^re : 
do  gap  in  erste  geltes  teil  der  känic  Constantin. 
Het  er  gewest  daz  da  von  übel  künftic  waere,  70 

so  het  er  wol  underkomen  des  riches  swaere; 
wan  daz  sie  do  wären  kiusche  und  übermttete  laere. 

Min  alter  klosensere,  von  dem  ich  so  sanc, 
do  uns  der  erre  habest  also  sere  twanc, 
der  fürhtet  aber  der  goteshüse,  ir  meister  werden  kranc.  75 
Er  seit,  ob  sie  die  guoten  bannen  und  den  Übeln  singen, 
man   swenke   in  engegene  den  vil  swinden  widerswanc. 
An  pfrüenden  und  an  kirchen  müge  in  misselingen; 
der  si  vil  die  dar  üf  iezuo  haben  gedingen 
dazs  ir  guot  verdienen  umb  daz  riche  in  lichten        80 

ringen. 

Mehtiger  got,  du  bist  so  lanc  und  bist  so  breit, 

gedaehte  wir  da  nach,  daz  wir  unser  arebeit 

vlürn.  dir  sint  beide  ungemezzen  mäht  und  ewekeit. 

Ich  weiz  bl  mir  wol  daz  ein  ander  ouch  dar  umbe  trabtet: 

80  ist  ez,  als  ez  ie  was,  unsem  sinnen  unbereit.         85 

Du  bist  ze  groz,  du  bist  ze  kleine:  ez  ist  ungahtet. 

tumber  gouch,  der  dran  betaget  oder  benahtet! 

wil   er  wizzen   daz   nie  wart  gepredjet  noch  gepfahtetV 

80  (L.  13  5). 

Ouwe  waz  eren  sich  eilendet  von  tiuschen  landen! 

witze  und  manheit,  dar  zuo  silber  und  daz  golt, 

Swer  diu  beidiu  hat,  belibet  der  mit  schänden, 

wie  den  vergät  des  himelischen  keisers  solt! 

Dem  sint  die  engel  noch  die  frouwen  holt.  5 

armman  zuo  der  werlte  und  wider  got, 

wie  der  fürhten  mac  Lr  beider  spot! 

69.  Vgl.  zu  69  46.  73.  Vgl.  zu  67  46.  80  1  ff.  Vgl. 
einl.  8. 15.  Die  zweite  und  vierte  zeile  sind  in  den  beiden 
ersten  Strophen  um  eine  hebung  kürzer  als  in  den  beiden  letzten, 
Lachm.  trennt  die  einzelnen  Strophen  von  einander. 


138  80  8  —  812 

Ouwe  ez  kumt  ein  wint,  daz  wizzet  sicherliche, 
da  von  wir  beeren  beide  singen  unde  sagen: 
Der  sol  mit  grimme  ervaren  älliu  künicriche.  10 

daz  hoere  icli  wall.-ere  unde  pilgerine  klagen: 
Boume,  turne  ligent  vor  im  zerslagen: 
starken  liuten  wset  er  diu  houbet  abe. 
nu  suln  wir  fliehen  hin  ze  gotes  grabe. 

Ouwe  wir  mtiezegen  liute,  wie  sin  wir  versezzen     15 
zwischen   zwein  fröuden  nider  an  die  jämerlichen  stat! 
Aller  arebeite  heten  wir  vergezzen, 
dö  uns  der  kurze  sumer  sin  gesinde  wesen  bat. 
Der  brähte  uns  varnde  bluomen  unde  blat: 
do  tronc  uns  der  kurze  vogelsanc.  20 

wol  im  der  ie  nach  statten  fröuden  ranc! 

Ouwe  der  wise  die  wir  mit  den  grillen  sungen, 
do  wir  uns  selten  warnen  gegen  des  kalten  winters  zit! 
Daz  wir  vil  turaben  mit  der  ämeizen  niht  rungen, 
diu  nu  vil  werdecliche  bi  ir  arebeiten  lit!  25 

Daz  was  ie  der  werlte  strit, 
tören  schulten  ie  der  wisen  rät. 
man  siht  wol  dort  wer  hie  gelogen  hat. 

81  (L.  124  1). 
Ouwe  war  sint  verswunden  alliu  miniu  järV 
ist  mir  min  leben  getroumet,  oder  ist  ez  wärV 


12.  Lachraann  bemerkt,  der  dichter  deute  vielleicht  auf  deu 
grossen  stürm  im  dec.  1227;  aber  es  ist  von  einem  erst  bevor- 
stehenden ,  prophezeiten  stürm  die  rede.  Anzunehmen ,  dass 
Walther  gleichzeitig  auf  den  bann  Gregors  deute,  ist  trotz  der 
bestimmtheit,  mit  der  dies  Lachmann  behauptet,  durch  nichts  in- 
diciert.  26.  Es  fehlt  eine  hebung.  81. 1  ff.  Vgl.  Zarncke,  PBB 
II,  574.  Man  hat  mit  unrecht  die  Situation  so  aufgefasst,  als  ob 
Walther,  nach  längerer  Abwesenheit  in  die  heimat  zurückgekehrt, 
dieselbe  ganz  verändert  finde.  Er  wird  sich  vielmehr  plötzlich 
der  grossen  Veränderungen  bewusst,  die  seit  seiner  Jugend  um 
ihn  her  vor  sich  gegangen  sind.  Über  das  gedieht  hat  auch  Bur- 
dach gehandelt  in  einem  vortrage  vor  der  Berl.  akd.  d.  wissensch., 
im  auszug  mitgeteilt  in  den  Sitzungsberichten  1903,  I,  s.  612 
(fast  durchweg  verfehlt).  Ergebnislos  scheinen  mir  die  ausein- 
andersetzungen  Wallners,  PBB  34,  188.  Über  die  strophenform 
handelt  zuletzt  Plenio,  ib.  42, 255,  schwerlich  richtig. 


813—37  139 

daz  ich  ie  wände  daz  iht  wsere,  was  daz  iht? 

dar  nach  hän  ich  gesläfen  und  enweiz  es  niht. 

nu  bin  ich  erwachet,  und  ist  mir  unbekant  5 

daz  mir  hie  vor  was  kündic  als  min  ander  hant. 

liut  unde  lant,  da  ich  von  kinde  bin  erzogen, 

die  sint  mir  frömde  worden  reht  als  ez  si  gelogen. 

die  mine  gespilen  wären,  die  sint  trsege  und  alt, 

bereitet  ist  daz  velt,  verhouwen  ist  der  walt:  10 

wan  daz  daz  wazzer  fliuzet  als  ez  wilent  floz, 

für  war  ich  wände  min  ungelücke  wurde  groz. 

mich  grüezet  maneger  träge,    der  mich  bekande  e  woL 

diu  werlt  ist  allenthalben  ungenäden  vol. 

als  ich  gedenke  an  manegen  wunneclichen  tac,  15 

die  mir  sint  enpfallen  gar  als  in  daz  mer  ein  slac, 

iemer  mere  ouwe. 

Onwe  wie  jsemerliche  junge  liute  tuont! 
den  vil  unriuwecliche  ir  gemüete  stuont, 
die  kunnen  niuwan  sorgen:  we  wie  tuont  sie  söV       20 
swar  ich  zer  werlte  kere,  da  ist  nieman  fro: 
tanzen,  singen,  daz  zergät  mit  sorgen  gar: 
nie  kristenman  gesach  so  jsemerlichiu  jär, 
nu  merket  wie  den  frouwen  ir  gebende  stät: 
die  stolzen  ritter  tragent  dörpelliche  wät.  25 

uns  sint  unsenfte  brieve  her  von  Rome  komen, 
uns  ist  erloubet  trüren  und  fröude  gar  benomen. 
daz  müet  mich  inneclichen  (wir  lebten  ie  vil  wol), 
daz  ich  nu  für  min  lachen  weinen  kiesen  sol. 
die  wilden  vögele  betrüebet  unser  klage:  30 

waz  Wunders  ist,  ob  ich  davon  verzage? 
waz  spriche  ich  tumber  man  durch  minen  bcesen  zornV 
swer  dirre  wunne  volget,  der  hat  jene  dort  verlorn, 
iemer  mere  ouwe. 

Ouwe  wie  uns  mit  süezen  dingen  ist  vergeben!  35 
ich  sihe  die  [bittern]  gallen  mitten  in  dem  honege  sweben. 
diu  werlt  ist  üzen  schcene,  wiz,  grüen  unde  rot, 

26.  Gewöhnlich  auf  die  bannung  Friedrichs  bezogen. 
Burdach  denkt  wohl  richtiger  an  die  encyclica  vom  1.  Oktober 
1227  an  die  bischöfe  und  die  vom  8.  Oktober  an  die  fürsten. 
31.  Es  fehlt  eine  hebung. 


MO  8138—82  15 

und  innän  swarzer  varwe,  vinster  sam  der  tot. 
swen  si  nu  habe  verleit,  der  schouwe  sinen  tröst: 
er  wirt  mit  swacher  buoze  grozer  sünde  erlost.  40 

dar  an  gedenket,  ritter:  ez  ist  iuwer  dinc. 
ir  traget  die  liebten  helme  nnd  manegen  Herten  rinc, 
dar  zuo  die  vesten  schilde  und  diu  gewihten  swert. 
wolte  got,  wa;r  ich  der  sigentinfte  wert! 
80  wolte  ich  nötic  man  verdienen  riehen  solt.  45 

joch   meine   ich  niht  die  huoben  noch  der  herren  golt: 
ich  wolte  selbe  kröne  ewecllchen  tragen: 
die  möhte  ein  soldensere  mit  sime  sper  bejagen, 
möht  ich  die  lieben  reise  gevaren  über  se, 
80  wolte  ich  denne  singen  'wol',  und  niemer  mere     50 

'ouwe'. 

82  (L.  76  22). 
Vil  süeze  waere  minne, 
berihte  kranke  sinne, 
got,  durch  dfn  anbeginne 
bewar  die  kristenheit. 

Din  kunft  ist  frönebsere  5 

über  al  der  werlte  swaere. 
der  weisen  barmenaere, 
hilf  rechen  disiu  leit. 
Loesaer  üz  den  Sünden, 

wir  gern  zen  swebenden  ünden.  10 

uns  mac  din  geist  enzünden, 
wirt  riuwic  herze  erkant. 
din  bluot  hat  uns  begozzen, 
den  himel  üf  geslozzen. 
nu  loeset  unverdrozzen  15 


82.  Zu  diesem  und  dem  folgenden  liede  vgl.  Block,  Bei- 
träge zur  kritik  und  erklärung  zweier  kreuzlieder  Walthers  v.  d. 
V.  (Programm  des  realgymnasiums  zu  Stralsund,  ostern  1901). 
1.  minne  wird  got  angeredet  nach  1.  Joh.4,8.  16  deus  Caritas  est. 
Speziell  wird  sonst  der  heilige  geist  so  bezeichnet.  3.  an- 
beginne ist  hier  nicht  recht  verständlich.  Die  auf  f  assung  „mensch- 
werdung"  ist  bedenklich.  13.  Vgl.  94  47.  Christus  ist  hier  als 
osterlamm  gefasst,  mit  dessen  blute  nach  alttestamentlicher  sitte 
das  Volk  bespritzt  ward. 


82  16  —  54  141 

daz  herebemde  lant. 

verzinset  llp  und   eigen. 

got  sol  uns  helfe  erzeigen 

üf  den  der  manegen  veigen 

der  sele  hat  gepfant.  20 

Diz  kurze  leben  verswindet, 
der  tot  uns  stindic  vindet: 
swer  sich  ze  gote  gesindet, 
der  mac  der  helle  engän. 

Bi  swsere  ist  gnade  funden:  25 

nu  heilent  Kristes  wunden, 
sin  lant  wirt  schiere  enbunden: 
dest  sicher  sunder  wän. 
Kungln  ob  allen  frouwen, 

lä  wernde  helfe   schouwen.  30 

din  kint  wart  dort  verhouwen, 
sin  menscheit  sich  ergap. 
sin  geist  müez  uns  gefristen, 
daz  wir  die   diot  verlisten. 

der  touf  sie  seit  unkristen:  35 

wan  fürhtent  sie  den  stap 
der  ouch  die  Juden  villet? 
ir  schrien  lüte  erhillet, 
manc  lop  dem  kriuze  erschillet. 
erlcEsen  wir  das  grap!  40 

Diu  menscheit  muoz  verderben, 
suln  wir  den  Ion  erwerben, 
got  wolde  durch  uns  sterben, 
sin  drö  ist  üf  gespart. 

Sin  kriuze  vil  geheret  45 

hat  maneges  heil  gemeret. 
öwer  sich  von  zwivel  keret, 
der  hat  den  geist  bewart. 
Sündic  lip  vergezzen, 

dir  sint  diu  jär  gemezzeu:  50 

der  tot  hat  uns  besezzen 
die  veigen  äne  wer. 
nu  hellet  hin  geliche. 
da  wir  daz  hinaelriche 


142  82  55-83  2 

erwerben  sicherliche  55 

bi  dulteclicher  zer. 

got  wil  mit  beides  banden 

dort  rechen  sinen  anden. 

sieb  schar  von  manegen  landen 

des  beilegeistes  her.  60 

Got,  dine  helfe  uns  sende: 
mit  diner  zesewen  bende 
bewar  uns  an  dem  ende, 
so  uns  der  geist  verlät, 

Vor  bellebeizen  wallen,  65 

daz  wir  dar  in  iht  vallen. 
ez  ist  wol  kunt  uns  allen, 
wie  jämerlicli  ez  stät, 
Daz  bere  laut  vil  reine, 

gar  belfelös  und  eine.  70 

lerusalem,  nu  weine: 
wie  din  vergezzen  ist! 
der  beiden  tiberbere 
bat  dich  verschelket  sere. 

durch  diner  namen  ere  75 

lä  dich  erbarmen,  Krist, 
mit  welber  not  sie  ringen, 
die  dort  den  borgen  dingen, 
dazs  uns  also  betwingen, 
daz  wende  in  kurzer  frist.  80 

83  (L.  14  38). 
Allererst  lebe  ich   mir  werde, 
Sit  min  sündic  onge  siht 


78.  Unverständlich.  83  Iff.  Vgl.  einl.  s.  15.  Wilmanns 
will  nur  die  in  A  überlieferten  Strophen  1—21.29 — 42.  50—56. 
71-77  als  echt  gelten  lassen,  Mettin  (PBB  XVIII, 209)  nur 
1—14.  71—77,  schwerlich  mit  recht.  Block  (vgl.  zu  82) 
scheidet  57 — 70  aus-  N  bietet  sämtliche  Strophen  meines 
textes,  aber  zum  teil  in  unrichtiger  reihenfolge.  Ausserdem 
an  vierter  stelle  eine,  die  in  E  an  zweiter  steht,  diese  lautet: 
Me  danne  tusent  hundert  {hundert  tosent  0)  wwnder  die  von 
{Hie  in  0)  disme  lande  sint  die  kan  ich  ihte  mer  {Da  von 
ich  nicht  0)  bemnder    unde  gehahten  dewne  {Kangesagen  als  0) 


83  3-33  143 

Daz  hßre  lant  und  ouch  die  erde 

der  man  vil  der  eren  gibt. 

Mirst  geschehen  des  ich  ie  bat:  5 

ich  bin  komen  an  die  stat 

da  got  mennischlichen  trat. 

Schceniu  lant  rieh  unde  here, 
swaz  ich  der  noch  hän  gesehen, 

So  bist  duz  ir  aller  ere.  10 

waz  ist  Wunders  hie  geschehen! 
Daz  ein  maget  ein  kint  gebar 
here  über  aller  engel  schar, 
was  daz  niht  ein  wunder  gar? 

Hie  liez  er  sich  reine  toufen,  15 

daz  der  mensche  reine  si. 
Do  liez  er  sich  hie  verkoufen, 
daz  wir  eigen  Avurden  fri. 
Anders  waeren  wir  verlorn. 

wol  dir,  sper  kriuz  unde  dorn!  20 

we  dir,  beiden!  deist  dir  zorn. 

Do  er  sich  wolte  über  uns  erbarmen, 
hie  leit  er  den  grimmen  tot. 
Er  vil  riebe  über  uns  vil  armen, 

daz  wir  kcemen  üz  der  not.  25 

Daz  in  do  des  niht  verdroz, 
dast  ein  wunder  alze  groz, 
aller  wunder  übergnoz. 

Hinnen  fuor  der  sun  zer  helle 
von  dem  grabe,  da'r  inne  lac.  30 

Des  was  ie  der  vater  geselle 
und  der  geist,  den  nieman  mac 
Sunder  scheiden:  est  al  ein. 


ein  deine  (f.  0)  leint  wenne  ein  teil  von  unser  e  stvem  des  nüd 
genuoge  der  ge  zuo  den  iüden  die  sagent  im  (es  0)  me.  F  bietet 
eine  vereinsselte  Strophe  gleichen  tones,  aber  von  ganz  anderem 
Inhalt :  Vrawe  mein  durch  ewer  gute  nue  vernemet  meine  clage 
das  ir  durch  ewer  hochgemut^  nick  enzurnet  was  ich  sage  vil 
leichte  das  ein  tummer  man  misse  redet  als  er  wol  kan  daran 
solt  jr  euch  nicht  leeren  an. 


144  83  34-G6 

sieht  und  ebener  danne  ein  zein, 

alB  er  Abrahame  erschein.  35 

Do  er  den  tievel  do  geschande, 
daz  nie  keiser  baz  gestreit, 
Do  fuor  er  her  wider  ze  lande, 
dö  huop  sich  der  Juden  leit, 

Daz  er  herre  ir  huote  brach,  40 

und  daz  man  in  sit  lebendic  sach, 
den  ir  hant  sluoc  unde  stach. 

Dar  nach  was  er  in  dem  lande 
vierzic  tage:  do  fuor  er  dar 

Dannen  in  sin  vater  sande.  45 

sinen  geist,  der  uns  bewar, 
Den  sant  er  hin  wider  zehant. 
heilic  ist  daz  selbe  laut: 
sin  name  der  ist  vor  gote  erkant. 

In  diz  lant  hat  er  gesprochen  50 

einen  angestlfchen  tac, 
Da  diu  witwe  wirt  gerochen 
und  der  weise  klagen  mac 
Und  der  arme  den  gewalt 

der  da  wirt  mit  ime  gestalt.  55 

wol  im  dort,  der  hie  vergalt! 

Unser  lantrehtaere  tihten 
fristet  da  niemannes  klage; 
Wan  er  wil  zestnnden  rihten, 

so  ez  ist  an  dem  lesten  tage:  60 

Und  swer  deheine  schulde  hie  lät 
nnverebenet,  wie  der  stät 
dort  da  er  pfant  noch  bürgen  hat! 

Ir  enlät  iuch  niht  verdriezen 
daz  ich  noch  gesprochen  hän.  65 

So  wil  ich  die  rede  besliezen 


34.  Vgl.  1.  Mos.  18.  Der  dort  gegebene  bericht  wird  als 
ein  beweis  für  die  dreieinigkeit  aufgefasst,  weil  die  drei  männer 
von  Abraham  zuerst  im  pl.,  dann  im  sing,  angeredet  werden: 
domini  mei,  nunc  inveni  gratiam  in  oculis  Ulis,  ne  quaeso 
praetereas  a  servo  tuo.  50.  Das  jüngste  gericht  findet  nach 
dem  mittelalterlichen  glauben  im  tale  Josaphat  statt  auf  grund 
von  Joel  cap.  3. 


83  67  —  84  13  145 

kurzlich,  und  iuch  wizzen  län: 
Swaz  got  mit  der  werlte  ie 

begie, 

daz  huop  sich  unde  endet  hie.  70 

Kristen  Juden  und  die  heiden 
jehent  daz  diz  ir  erbe  si: 
Got  müez  ez  ze  rehte  scheiden 
durch  die  sine  namen   dri. 

AI  diu  werlt  diu  stritet  her:  75 

wir  sin  an  der  rehten  ger: 
reht  ist  daz  er  uns   gewer. 

84  (L.  101  23). 
Selbwahsen  kint,  du  bist  ze  krump, 
Sit  nieman  dich  gerihten  mac. 

du  bist  dem  besemen  leider  alze  groz, 

den  swerten  alze  kleine. 

nu  släf  unde  habe  gemach.  5 

Ich  hän  mich  selben  des  ze  tump, 

daz  ich  dich  ie  so  hohe  wac. 

ich  bare  din  ungefüege  in  friundes  schöz, 

min  leit  baut  ich  ze  beine, 

mlnen  rugge  ich  nach  dir  brach.  10 

Nu  81   din   schuole   meisterlos    an  miner  stat:    ich  kan 

dir  niht. 
kan   ez   ein   ander  baz,   deist  mir  liep,  swaz  liebes  dir 

da  von  geschiht. 
doch  weiz  ich  wol,  swä  sin  gewalt  ein  ende  hat,       da 

stet  sin  kunst  noch   sunder  obedach. 


84  1.  Diesen  spruch  bezieht  Daffis  auf  den  jungen  könig 
Heinrich  und  basiert  darauf  namentlich  seine  ansieht,  dass 
Walther  dessen  erzieher  gewesen  sei,  vgl.  einl.  s.  14.  anm.  Anders 
Wackernagel  zu  Simrocks  Übersetzung  II,  185  und  Karajan,  Zwei 
gedichte  Walthers  13  ff.  Lachmann  setzt  die  Strophe  in  das  jähr 
1205,  und  Wilraanns  bezieht  sie  in  der  ersten  aufl.  auf  Philipp, 
während  er  in  der  zweiten  sich  der  beziehung  auf  Heinrich  zu- 
neigt. Keine  dieser  Vermutungen  ist  zureichend  begründet. 
13.  Da  findet  seine  kunst  keinen  abschluss,  bleibt  wirkungslos  (?). 
Die  erklärung  und  auch  die  herstellung  des  textes  ist  unsicher. 
Vgl.  Pfeiffer,  Germ.  VI,  365. 

Walth.  V.  d.  Vogrelweide.    5.  aufl.  10 


146  8414  —  85  2 

Ich  was  durch  wunder  tiz  gevarn: 

dö  vant  ich  wunderlichiu  dinc.  15 

ich  vant  die  sttiele  leider  Isere  stän, 

da  wisheit  adel  und  alter 

gewaltecliche  säzen  e. 

Hilf  frouwe  maget,  hilf,  megede  barn, 

den  drin  noch  wider  in  den  rinc,  20 

lä  sie  niht  lange  ir  sedeles  irre  gän. 

ir  kumber  manicvalter 

der  tuot  mir  von  herzen  we. 

Ez  hat  der  tumbe  riche  nu  ir  drfer  stuol,  ir  drier  gruoz. 

onwe  daz  man  dem  einen  an  ir  drier  stat  nu  nfgen  25 


maoz 


des   hinket   reht   und   trüret    zuht   und  siechet  schäme, 
diz  ist  min  klage:  noch  klagte  ich  gerne  m6. 

Diu  Minne  lät  sich  nennen  da 

dar  si  doch  niemer  komen  wil: 

si  ist  dem  toren  in  dem  munde  zam, 

und  in  dem  herzen  wilde.  30 

hüetet  ir  iuch  reinen  wip. 

Vor  kinden  berget  iuwer  ja: 

80  enwirt  ez  niht  ein  kindes  spil. 

Minne  unde  kintheit  sint  ein  ander  gram. 

vil  dicke  in  schoenem  bilde  35 

siht  man  leider  valschen  llp. 

Ir  sult  e  spehen,  war  umbe,  wie,   wenn  unde  wä  reht 

unde  weme 
ir  iuwer  minneclichez   ja  so  teilet  mite  daz  ez  gezeme. 
sich,  Minne,  sich,  swer  also  spehe,  der  si  din  kint,     so 

wIp  80  man:  die  andern  du  vertrip. 

85  (L.  85  25). 
Ich  sach  hie  vor  eteswenne  den  tac, 
daz  unser  lop  was  gemein  allen  zungen. 


14  ff.  Diese  klage  ist  nachgeahmt  vom   Stricker,  Kleine 
gedichte  ed.  Hahn  12  117  ff.  85  1  ff.  Von  Rieger  auf  die 

regierung  Heinrichs  bezogen,  vgl.  zu  71  27. 


85  3  —  87  8  147 

Swä  nns  dehein  lant  iender  nähe  gelac, 

daz  gerte  snone  oder  ez  was  betwangen. 

Richer  got,  wie  wir  nach  eren  do  rnngen!  5 

do  rieten  die  alten,  und  täten  die  jungen. 

nu  krump  die  rlhtaere  sint,  — 

(diz  bispel  ist  ze  merkenne  blint) 

swaz  nu  da  von  geschehe,  meister,  daz  vint. 

86  (L.  104  33). 

Daz  milter  man  gar  wärhaft  si, 

geschiht  daz,  da  ist  wunder  bi. 

der  groze  wille  der  da  ist, 

wie  mac  der  werden  verendet? 

Deswär  da  hoeret  witze  zuo  5 

und  wachen  gegen  dem  morgen  fruo 

und  anders  manec  schoener  list, 

daz  ez  iht  werde  erwendet. 

Der  also  tuot, 

der  sol  den  muot  10 

an  riuwe  selten  keren: 

mit  Witzen  sol  erz  allez  wegen, 

und  läze  got  der  sselden  pflegen. 

s6  sol  man  Stegen 

nach  lange  wernden  eren.  15 

87  (L.  87  1). 

Nieman  kan  mit  gerten 

kindes  zuht  beherten: 

den  man  zeren  bringen  mac, 

dem  ist  ein  wort  als  ein  slac. 

Dem  ist  ein  wort  als  ein  slac,  5 

den  man  zeren  bringen  mac: 

kindes  zuht  beherten 

nieman  kan  mit  gerten. 


7—9.    Der  text  ist  verderbt  und  das  versmass  nicht  in 
Ordnung. 

10* 


148  87  9  —  88  4 

Hüetet  iuwer  znngen: 
daz  zimt  wol  den  jungen.  •  10 

stoz  den  rigel  für  die  tür, 
lä  kein  boese  wort  dar  fär. 
La  kein  boese  wort  dar  für, 
stoz  den  rigel  für  die  tür: 

daz  zimt  wol  den  jungen.  15 

hüetet  iuwer  znngen. 

Hüetet  iuwer  ougen 
offenbare  und  tougen. 
lät  sie  guote  site  spehen 

und  die  bcesen  tibersehen.  20 

Und  die  boesen  übersehen 
lät  sie,  guote  site  spehen. 
offenbare  und  tongen 
hüetet  iuwer  ougen. 

Hüetet  iuwer  oren,  25 

oder  ir  sit  tören. 
lät  ir  bcesiu  wort  dar  in, 
daz  gnneret  iu  den  sin. 
Daz  guneret  iu  den  sin, 

lät  ir  boesiu  wort  dar  in.  30 

oder  ir  sit  toren, 
hüetet  iuwer  oren. 

Hüetet  wol  der  drier 
leider  alze  frier. 

Zungen  ougen  oren  sint  35 

dicke  schalchaft,  zeren  blint. 
Dicke  schalchaft,  zeren  blint 
znngen  ougen  oren  sint. 
leider  alze  frier 
hüetet  wol  der  drier.  40 


88  (L.  102  29). 

Mirst  diu  ere  unmsere, 

da  von  ich  ze  järe  wurde  unwert. 

Und  ich  klagende  wsere 

'we  mir  armen  hiure!  diz  was  vert. 


88  5  —  89  19  149 

Also  hän  ich  mangen  kränz  verborn  5 

und  bluomen  vil  verkom. 

jö  braeche  ich  rosen  wunder,  wan  der  dorn. 

Swer  sich  so  behaltet 
daz  im  nieman  niht  gesprechen  mac, 
Wunuecliche  er  altet.  10 

im  enwirret  niht  ein  halber  tac. 
Des  ist  fro,  swenn  er  ze  tanze  gät, 
swes  herze  üf  ere  stät. 
we  im,  des  sin  geselle  unere  hat! 

Man  sol  iemer  fragen  15 

von  dem  man,  wiez  umb  sin  herze  ste. 
Swen  des  wil  betragen, 
der  enruochet  wie  diu  zit  zerge. 
Maneger  schinet  vor  den  frömden  guot, 
und  hat  doch  valschen  muot.  20 

wol  im  ze  hove,  der  heime  rehte  tuot! 

89  (L.  59  37). 

Wie  sol  man  gewarten  dir, 

Werlt,  wilt  also  winden  dich? 

Wsenest  dich  entwinden  mir? 

nein:  ich  kan  ouch  winden  mich.  5 

Du  wilt  sere  gäben, 

und  ist  vil  unnähen 

daz  ich  dir  noch  sül  versmähen. 

Du  hast  lieber  dinge  vil, 
der  mir  einez  werden  sol. 

Werlt,  wiech  daz  verdienen  wil;  10 

doch  solt  du  gedenken  wol 
obe  ich  ie  getrsete 
fuoz  von  miner  staete, 
Sit  du  mich  dir  dienen  bsete. 

Werlt,  du  ensolt  niht  umbe  daz  15 

zürnen,  ob  ich  lones  man.  « 

Grüeze  mich  ein  wenic  baz, 
sich  mich  minneclichen  an. 
Du  mäht  mich  wol  pfenden 


150  89  20  —  90  7 

und  min  heil  erwenden:  20 

daz  stet,  frouwe,  in  dinen  henden. 

lehn  weiz  wie  din  wille  ste 
wider  mich:  der  mine  ist  guot 
Wider  dich.     Waz  wil  dus  me, 

Werlt,  von  mir,  wan  hohen  muot?  25 

Wilt  du  bezzer  wunne, 
danne  man  dir  gunne 
fröude  und  der  gehelfen  kunne? 

Werlt,  tuo  me  des  ich  dich  bite: 
volge  wiser  Hute  tugent.  30 

Da  verderbest  dich  da  mite, 

wil  du  minnen  toren  jugent.  • 

Bite  die  alten  ere 
daz  sie  wider  kere 
und  aber  din  gesinde  lere.  35 

90  (L.  1 16  33.  117  7). 
Bi  den  liuten  nieman  hat 
hovelichem  trost  denn  ich: 
So  mich  sende  not  bestät, 
80  schine  ich  geil  und  trceste  selben  mich. 
Also  hau  ich  dicke  mich  betrogen  5 

und  durch  die  werlt  manege  fröude  erlogen: 
daz  liegen  was  aber  lobelich. 


85.  E  fügt  noch  zwei  Strophen  hinzu :  Werlt  wie  lange  sol 
ich  gern  du  weist  wol  wes  utide  wa  du  muost  miner  fraude 
enpem  mir  enwerde  huoz  alda  get  heim  hie  ist  gesungen 
wirde  ich  hie  verdrungen  so  heslüzze  ich  mine  zungen.  Ich 
han  ir  (dir  Lachm.j  gedienet  so  werlt  daz  ich  mis  niht  schäme 
stoie  du  mich  mit  lone  macJies  fro  dir  geschiht  vil  lihte  alsame 
ich  wölte  oc  ein  vil  deine  weistu  waz  ich  meine  wider  liebe 
liep  daz  eine.  90  Iff.  Die  Strophen  dieses  tones  stehen  hier 
in  der  handschriftlichen  reihenfolge.  Lachmann  und  die  übrigen 
herausgeber  stellen  die  zweite  strophe  mit  der  vierten  und 
fünften  zu  einem  liede  zusammen.  Veranlassung  dazu  waren 
metrische  unglei«hmässigkeiten,  die  aber  wol  durch  die  Über- 
lieferung verschuldet  sind.  Z.  2  und  16  haben  jetzt  eine  hebung 
zu  wenig.  In  den  beiden  letzten  Strophen  bat  die  vorletzte  zeile 
eine  hebung  mehr  als  in  den  vorangehenden,  wenn  sie  nicht 
mit  zweisilbigem  auftakt  zu  lesen  ist. 


90  8  —  914  151 

Leider  ich  muoz  mich  entwenen 
Maneger  wunne  der  min  ouge  an  sach: 
War  nach  sol  sich  einer  senen,  10 

der  niht  geloubet  waz  hie  vor  geschach? 
Der  weiz  lützel  waz  daz  si,  gemeit. 
deist  senender  muot  mit  gerender  arebeit. 
unsselic  si  daz  ungemach! 

Maneger  wsenet  der  mich  siht,  15 

min  herze  si  an  fröuden  ho. 
Hoher  fröude  hän  ich  niht, 
und  wirt  mir  niemer  wider,  wan  also: 
Werdent  tiusche  liute  wider  gnot, 

und  troestet  si  mich,  diu  mir  leide  tuot,  20 

80  wirde  ich  aber  wider  fro. 

Ich  hän  ir  gedienet  vil, 

der  Werlte,  und  wolte  ir  gerne  dienen  me, 

Wan  dazs  übel  danken  wil, 

und  wsenet  daz  ich  mich  des  niht  verste.  25 

Ich  versten  michs  wol  an  eime  site: 

des  ich  aller  serest  ger,  so  ich  des  bite, 

80  glt  siz  einem  toren  e. 

lehn  weiz  wiechz  erwerben  mac. 
des  man  da  pfligt,   daz  widerstuont  mir  ie:  30 

Wirbe  aber  ich  so  man  e  pflac, 
daz  schadet  mir  lihte:  sus  enweiz  ich  wie. 
Doch  verwaen  ich  mich  der  fuoge  da, 
daz  der  ungefüegen  werben  anderswä 
genaemer  si  dan  wider  sie.  35 

91  (L.  100  24). 

Fro  Werlt,  ir  sult  dem  wirte  sagen 
daz  ich  im  gar  vergolten  habe; 
Min  gröziu  gülte  ist  abe  geslagen; 
daz  er  mich  von  dem  brieve  schabe. 


91  1.  Der  wirt  ist  der  teufel,  der  als  inhaber  der  weit  ge- 
dacht wird,  dem  man  zu  bezahlen  hat,  was  man  darin  geniesst. 


152  91  o  —  92  4 

Swer  ime  iht  sol,  der  mac  wol  sorgen.  5 

e  ich  im  lange  schuldic  wäre,  ich  wolt  e  zeinem  Juden 
er  swiget  unz  an  einen  tac:  [borgen, 

so  wil  er  danne  ein  wette  hän,  so  jener  niht  ver- 

' Walther,  du  zürnest  äne  not:  [gelten  mac. 

du  solt  bl  mir  beliben  hie.  10 

Gedenke  waz  ich  dir  eren  bot, 
waz  ich  dir  dines  willen  lie, 
Als  du  mich  dicke  sere  ba^te. 
mir  was  vil  innecliche  leit  daz  duz  so  selten  taete. 
bedenke  dich:  diu  leben  ist  guot:  15 

so  du  mir  rehte  widersagest,         so  wirst  du  niemer  wol 

Fro  Werlt,  ich  hän  ze  vil  gesogen;     [gemuot.' 
ich  wil  entwonen,  des  ist  zit. 
Din  zart  hat  mich  vil  nach  betrogen, 
wand  er  vil  süezer  fröuden  git.  20 

Do  ich  dich  gesach  reht  under  ougen, 
dö  was  din  schouwen  wunderlich  al  sunder  lougen: 
doch  was  der  schänden  alse  vil, 
do  ich  din  binden  wart  gewar,  daz  ich  dich  iemer 

'Sit  ich  dich  niht  erwenden  mac,     [schelten  wil.     25 
so  tuo  doch  ein  dinc  des  ich  ger: 
Gedenke  an  manegen  liebten  tac, 
und  sich  doch  underwilent  her, 
Niuwan  so  dich  der  zit  betrage.' 

daz  taet  ich  wunderlichen  gerne,  wan   deich  fürhte     30 
vor  der  sich  nieman  kan  bewarn.  [dine  läge, 

got   gebe   iu,   frouwe,    guote  naht:         ich  wil  ze  her- 


berge  vam. 


92  (L.  66  21). 
Ir  reinen  wip,  ir  werden  man, 
ez  stet  also  daz  man  mir  muoz 
er  unde  minnecllchen  gruoz 
noch  volleclicher  bieten  an. 


14.  Diese  zeile  ist  um  eine  hebung  zu  kurz,  z.  22  um  zwei. 
21  ff.  Diese  Vorstellung  von  der  weit  begegnet  auch  sonst, 
besonders  in  der  erzählung  Konrads  von  Würzburg  Der  tcerZfeZön. 
92  1  ff.  Vgl.  einl.  s.  4'. 


92  5  —  36  153 

Des       habet  ir  von  schulden  grcezev  reht  dan  e:         5 

weit  ir  vernemen,  ich  sage  in  wes: 

wol       vierzec  jär  hab  ich  gesungen  oder  me 

von  minnen  und  als  iemen  sol. 

Do  was  ichs  mit  dem  andern  geil: 

nu  enwirt  mirs  niht,  ez  wirt  in  gar.  10 

min  minnesanc  der  diene  iu  dar, 

und  iuwer  hulde  si  min  teil. 

Lät  mich  an  eime  stabe  gän 
und  werben  umbe  werdekeit 

mit  unverzageter  arebeit,  15 

als  ich  von  kinde  habe  getan: 

So       bin  ich  doch,  swie  nider  ich  si,  der  werden  ein, 
genuoc  in  miner  mäze  ho. 

daz       müet  die  nideren.    ob  mich  daz  iht  swache?  nein, 
die  biderben  hänt  mich  deste  baz.  20 

Diu  wernde  wirde  diust  so  guot, 
daz  man  irz  höchste  lop  sol  geben, 
ezn  wart  nie  lobelicher  leben, 
swer  so  dem  ende  rehte  tuot. 


Werlt,  ich  hän  dtnen  Ion  ersehen:  25 

swaz  du  mir  gist,  daz  nimest  du   mir. 

wir  scheiden  alle  bloz  von  dir. 

schäm  dich,  sol  mir  also  geschehen. 

Ich       hän  lip  unde  sele  (des  was  gar  ze  vil) 

gewäget  tüsentstunt  durch  dich.  30 

nu       bin  ich  alt  und  hast  mit  mir  din'  gampelspil: 

und  zürne  ich  daz,  so  kichest  du. 

Nu  lache  uns  eine  wile  noch: 

din  jämertac  wil  schiere  komen, 

und  nimet  dir  swaz  du  uns  hast  benomen,  35 

und  brennet  dich  dar  umbe  iedoch. 


13.  -Gesetzt  auch  ich  ginge  zu  fuss  am  wanderstabe 
(wie  ein  bettler)."  Walther  war  in  Wirklichkeit  auch  in  seiner 
dürftigsten  zeit  immer  zu  pferde,  vgl.  76,  38.  25  ff.  Die 
drei  Strophen  gehören  vielleicht  zu  einem  liede  zusammen. 


154  92  37  —  93  2 

Min  sele  müeze  wol  gevarn! 

ich  hän  zer  werlte  manegen  lip 

gemachet  frö,  man  unde   wip: 

künd  ich  dar  under  mich  bewarn!  40 

Lobe       ich  des  libes  minne,  deist  der  sele  leit: 

si  gibt,  ez  sl  ein  lüge,  ich  tobe. 

der       wären  minne  gibt  si  ganzer  staetekeit, 

wie  gnot  si  si,  wies  iemer  wer. 

Lip,  lä  die  minne  diu  dich  lät,  45 

und  habe  die  staeten  minne   wert: 

mich  dunket,  der  du  hast  gegert, 

diu  sl  niht  visch  unz  an  den  grät. 

Ich  bäte  ein  scboene  bilde  erkorn; 

ouwe  daz  ich  ez  ie   gesach  50 

oder  ie  so  vil  zuoz  ime  gesprach! 

ez  hat  schcen  unde  rede  verlorn. 

Da       wonte  ein  wunder  inne:  daz  fuor  ine  weiz  war: 

da  von  gesweic  daz  bilde  iesä. 

sin       liljerosevarwe  wart  so  karkelvar,  55 

daz  ez  verlos  smac  unde  schin. 

Min  bilde,  ob  ich  bekerkelt  bin 

in  dir,  so  lä  mich  üz  also 

daz  wir  ein  ander  vinden  frö: 

wan  ich  muoz  aber  wider  in.  60 


93  (L.  122  24). 

Ein  meister  las,         troum  unde  Spiegelglas, 
daz  sie  zem  winde         bi  der  staete  sin  gezalt. 


49.  Das   gebilde  ist   der  eigene  leib.  93  1  ff.  Die 

echtheit  dieses  liedes  ist  angezweifelt.  In  dessen  ist  die 
künstlichkeit  der  form  auch  anderen  gedichten  aus  Walthers 
späterer  lebenszeit  eigen,  und  aus  derselben  erklärt  sich 
manches  gesuchte  im  ausdruck.  las  in  z.  1  bedeutet  soviel  als 
„dichtete",  „sagte  in  seinem  gedickte",  indem  die  nicht  sangbaren 
gedichte  gewöhnlich  durch  vorlesen  verbreitet  wurden,  und 
der  dichter  selbst  der  erste  Vorleser  zu  sein  pflegte.  Das 
zitat  bezieht  sich  vielleicht  auf  "Wolframs  Parzival  1,  20  ff. :  sin 


93.3  —  36  155 

Loup  unde  gras,         daz  ie  min  fröude  was, 

swiech  nu  erwinde,         ez  dunket  mich  also  gestalt. 

Dar  zuo  die  bluomen  manicvalt,  5 

diu  beide  rot,  der  grüene  walt. 

der  vögele  sanc  ein  trüric  ende  hat; 

dar  zuo  diu  linde         süeze  und  linde. 

80  we  dir,  Werlt,  wie  dirz  gebende  stät! 

Ein  tumber  wän         den  ich  zer  werlte  hän,  10 

derst  wandelbaere,         wand  er  bcesez  ende  git: 
Ich  solt  in  län         (wan  ich  mich  wol  verstau), 
daz  er  iht  gebsere         miner  sele  grozen  nit. 
Min  armez  leben  in  sorgen  lit: 

der  buoze  waere  michel  zit.  15 

nu  fürhte  ich  siecher  man  den  grimmen  tot, 
daz  er  mit  swsere         an  mir  gebaere. 
vor  vorhten  bleichent  mir  diu  wangen  rot. 

Wie  sol  ein  man         der  niuwan  Sünden  kan, 
....  gedingen        oder  gewinnen  höhen  muot?         20 
Sit  ich  gewan         den  muot  daz  ich  began 
zer  werlte  dingen         merken  übel  unde  guot, 
Do  greif  ich,  als  ein  töre  tuot, 
zer  winstern  haut  reht  in  die  gluot, 
und  merte  ie  dem  tievel  sinen  schal.  25 

des  muoz  ich  ringen         mit  geringen: 
nu  ringe  und  senfte  ouch  Jesus  minen  val. 

Heiliger  Krist,         Sit  du  gewaltic  bist 
der  werlte  gemeine,         die  nach  dir  gebildet  sint, 
Gip  mir  den  list         daz  ich  in  kurzer  frist  30 

alsam  gemeine         dich  sam  diniu  erweiten  kint. 
Ich  was  mit  sehenden  ougen  blint 
und  aller  guoten  dinge  ein  kint, 
swiech  mine  missetät  der  werlte  hal. 
mache  mich  reine,         e  min  unreine  35 

sele  versinke  in  daz  verlorne  tal. 


anderhalp  ame  glase  gelicJiet  (ziuu,  auf  der  rückseite  des  glases 
geglättet,  d.  h.  ein  spiegel)  und  des  Minden  troum,  die  gebent 
antlützes  roum  (Schattenbild),  doch  mac  mit  stcete  niht  gestn 
dirre  trüebe  lihie  schin.  4.  Unverständlich.  23.  Vgl.  Lieb- 
echt, Germania  I,  475. 


156  94  1  —  29 

94  (L.  3  1) 
Got,  diner  Trinitäte, 
die  beslozzen  häte 
din  ftirgedanc  mit  rate, 
der  jehen  wir:  mit  driunge 
diu  drie  ist  ein  einunge.  5 

Ein  got  der  hohe  here 
(sin  ie  selbwesende  ere 
verendet  niemer  mere), 
der  sende  iins  sine  lere. 

ans  hat  verleitet  sere  10 

die  sinne  üf  manege  Sünde 
der  fürste  üz  helle  abgründe. 

Sin  rät  und  broedes  fleisches  gir 
die  hänt  geverret,  herre,  uns  dir. 

Sit  disiu  zwei  dir  sint  ze  halt  15 

und  du  der  beider  hast  gewalt, 
So  tuo  daz  dinem  namen  ze  lobe, 
und  hilf  uns  daz  wir  mit  dir  obe 
geligen,  und  daz  din  kraft  uns  gebe 
BÖ  starke  staete  widerstrebe,  20 

Da  von  din  name  si  geret 
und  ouch  din  lop  gemeret. 
da  von  wirt  er  guneret,         » 
der  uns  da  sünde  leret 

Und  der  uns  üf  unkiusche  jaget,  25 

sin  kraft  von  diner  kraft  verzaget, 
des  si  dir  iemer  lop  gesaget, 
und  ouch  der  reinen  süezen  maget, 
von  der  uns  ist  der  sun  betaget, 


94  1  ff.  Dies  gedieht  ist  der  einzige  leich  Walthers,  d.  h. 
ein  der  form  der  lateinischen  Sequenzen  nachgebildetes  lied, 
aus  ungleichen  Strophen  bestehend,  aber  doch  nicht  ohne  eine 
gewisse  symmetrische  gruppierung.  lieber  den  bau  dieses  leiches 
handelt  Bartsch,  Germania  VI,  187  ff.  Die  richtigkeit  seiner  auf- 
fassung  scheint  mir  aber  nicht  gesichert.  Vgl.  femer  Schade, 
Wissenschaftl.  monatsbl.  III,  29.  Eine  berichtigung  der  Lach- 
mannschen  lesarten  gibt  Zarncke,  PBB  VII,  599.  Sachliche 
anmerkungen  bietet  Fasching,  Germ.  XXII,  436.  XXIII,  34. 


94  30—51  157 

der  ir  ze  kinde  wol  behaget.  30 

Maget  und  muoter,  schouwe         der  kristenheite  not, 
du  blüende  gerte  Arönes,         üf  gender  morgenröt, 
Ezechieles  porte,         diu  nie  wart  üf  getan, 
durch  die  der  künec  herliche       wart  üz  und  in  gelän. 
also  diu  sunne  schinet      durch  ganz  geworhtez  glas,     35 
also  gebar  diu  reine  Krist,       diu  maget  und  muoter  was. 

Ein  bosch  der  bran,       da  nie  niht  an      besenget  noch 

verbrennet  wart: 
breit  unde  ganz       beleip  sin  glänz       vor  fiures  flamme 

unverschart. 
daz   ist  diu  reine         maget  alleine,         diu  mit  maget- 

Kindes  muoter  worden  ist  [lieber  art  40 

an  aller  manne  mitewist, 
wider  menneschlichen  list 
den  wären  Krist 
gebar,  der  uns  bedähte. 

Wol  ir,  daz  si  den  ie  getruoc,  ,  45 

der  unsem  tot  ze  tode  sluoc! 
mit  sinem  bluote  er  ab  uns  twuoc 
den  ungefuoc 
den  Even  schulde  uns  brähte. 

Salomones       hohes  trones       bist  du,  frouwe,  ein  selde 

here  und  ouch  gebietserinne.     50 

balsamite,         margarite,         ob  allen  megeden  bist  du, 

maget,  ein  maget,  ein  küneginne. 


81  ff.  Die  hier  zum  preise  der  Jungfrau  verwendeten  epitheta 
und  vergleichungen  sind  alle  traditionell,  schon  vor  Walther 
in  der  mitteralterlichen  poesie  angewendet.  Darüber  handelt 
W.  Grimm  in  der  vorrede  zu  seiner  ausgäbe  der  goldenen 
schmiede  von  Konrad  von  Würzburg,  vollständiger  A.  Salzer,  Die 
Sinnbilder  und  beiworte  Mariens  (programme  des  gymnasiums 
zu  Seitenstetten),  Linz  1886—1893.  32.  Vgl.  4.  Mos.  17, 8  und 
Hoheslied  6,  9.  33.  Vgl.  Hesekiel  44,  2.  35.  Häufiges  bild 
für  die  unverletzte  Jungfräulichkeit,  vgl.  Grimm  a.  a.  o.  XXXI,  12. 
37.  Vgl.  2.  Mos.  3,  2.  47.   Vgl.  zu  82  13.  50.   Vgl. 

Georg  von  Eeinbot  von  Dume  2706:  höhiu  pfcdz  und  fröne 
hern  Salomones  tröne.  Sonst  wird  Maria  selbst  Salomos  thron 
genannt,  vgl.  1.  (3.)  Kön.  10,  18.  51.  Vgl.  Grimm  XLHI,  2. 
XLI,  15. 


158  94  52  —  87 

gotes  amme,         ez  was  din  wamme         ein  palas  kleine, 
da  daz  reine       lamp  aleine        lac  beslozzen  inne. 

Dem  lamme  ist  gar 
gelich  gevar 

der  megede   schar:  55 

die  nement  sin  war 
und  kerent  swar  ez  keret. 
Daz  lamp  ist  Krist, 
der  war  got  ist, 

da  von  du  bist  60 

nu  alle  frist 
gehoehet  und  geheret. 
Nu  bite  in  daz  er  uns  gewer 
durch  dich  des  unser  dürfte  ger. 

du  sende  uns  trost  von  himel  her:  65 

des  wirt  din  lop  gemeret. 

Du  maget  vil  unbewollen, 
der  Gedeönes  wollen 
gelichest  da  bevollen, 

die  got  begoz  mit  sime  himeltouwe.  70 

Ein  wort  ob  allen  w orten 
entsloz  diner  oren  porten, 
des  süeze  an  allen  orten 
dich  bat  gesüezet,  süeze  himelfrouwe. 

Daz  üz  dem  worte  erwahsen  si,  75 

daz  ist  von  kindes  sinnen  fri. 
ez  wuohs  ze  worte  und  wart  ein  man. 
da  merket  alle  ein  wunder  an: 
ein  got  der  ie  gewesende  wart 

ein  man  nach  menneschlicher  art.  80 

swaz  er  noch  Wunders  ie  begie, 
daz  hat  er  überwundert  hie. 
des  selben  wunderaeres  hüs 
was  einer  reinen  megede  klüs 

wol  vierzic  wochen  und  niht  me  85 

an  alle  stinde  und  äne  we. 

Nu  biten  wir  die  muoter       und  euch  der  muoter  bam, 


52.  Vgl.  Grimm  XXXVI,  30.     53.  Vgl.  Apoc.  14,  4.    68.  Vgl. 
Richter  6,  37. 8. 


94  88  —  124  159 

gi  reine  und  er  vil  guoter,       daz  sie  uns  tuon  bewam. 
wan  äne  sie  kan  niemen       hie  noch  dort  genesen; 
nnd  widerredet  daz  lernen,       der  muoz  ein  töre  wesen.    90 

Wie  mac  des  iemer  werden  rät, 
der  umbe  sine  missetät 
niht  herzelicher  riuwe  hat, 
Sit  got  enheine  sünde  lät, 

Die  niht  geriuwent  zaller  stunt  95 

hin  abe  unz  üf  des  herzen  grünt? 
dem  wisen  ist  daz  allez  kunt, 
daz  niemer  sele  wirt  gesunt, 
diu  mit  der  Sünden  swert  ist  wunt, 
sin  habe  von  gründe  heiles  funt.  100 

Nu  ist  uns  riuwe  tiure: 
sie  sende  unz  got  ze  stiure 
bi  sinem  minnefiure. 
sin  geist  der  vil  gehiure 

Der  kan  wol  herten  herzen  geben  105 

wäre  riuwe  und  lihtez  leben: 
da  wider  solte  niemen  streben. 

Swä  er  die  riuwe  gerne  weiz, 
da  machet  er  die  riuwe  heiz: 

ein  wildez  herze  er  also  zamt,  110 

daz  ez  sich  aller  Sünden  schämt. 

Nu  sende  uns,  vater  unde  sun,  den  rehten  geist  her  abe, 
daz  er  mit  siner  süezen  fiuhte  ein  dürrez  herze  erlabe, 
unkristenlicher  dinge  ist  al  diu  kristenheit  so  vol. 
swä  Kristentuom  ze  siechhüs  lit,    da  tuot  man  im  niht 

wol.  115 

In  dürstet  sere       nach  der  lere       als  er  von  Rome 

was  gewon: 
der  im   die   schancte       und   in  da  trancte       als  e,  da 

Swaz  im  da  leides  ie  gewar,         [wurde  er  vamde  von. 
daz  kam  von  simonie  gar, 

und  ist  er  da  so  friunde  bar,  120 

daz  em  getar 

niht  sinen  schaden  gerüegen. 
Kristentuom  und  kristenheit, 
der  disin  zwei  zesamne  sneit, 


160  94  125  — 162 

geliche  lanc,  geliche  breit,  125 

liep  unde  leit, 

der  wolte  ouch  daz  wir  trüegen 

In  Kriste  kristenlicliez  leben. 
Sit  er  uns  hat  üf  ein  gegeben, 

80  suln  wir  uns  niht  scheiden.  130 

Swelch  kristen  kristentuomes  gibt 
an  Worten  und  an  werken  niht, 
der  ist  wol  halp  ein  beiden. 
Nu  ist  uns  ir  beider  not: 

daz  eine  ist  an  daz  ander  tot:  135 

nu  stiure  uns  got  an  beiden, 

Und  gebe  uns  rät, 
Sit  er  uns  hat 
sin  bantgetät 

geheizen  offenbare.  140 

Nu  senfte  uns,  frouwe,  sinen  zorn, 
barmherzic  muoter  üz  erkorn, 
du  frier  rose  sunder  dorn, 
du  sunnevarwiu  kläre. 

Dich  lobet  der  höhen  engel  schar:  145 

doch  brähten  sie  din  lop  nie  dar 
daz  ez  volendet  wurde  gar, 

Swä  ez  ie  wurde  gesungen 
in  stimmen  oder  von  zungen 

üz  allen  ordenungen  150 

ze  himel  und  üf  der  erde, 
ich  mane  dich,  gotes  werde, 

Wir  biten  umb  unser  sünde  dich, 
daz  du  uns  sist  gensediclich. 

So  daz  din  bete  erklinge  155 

vor  der  barmunge  urspringe. 
so  hän  wir  des  gedinge, 
din  schulde  werde  ringe. 

Da  mite  wir  sere  sin  beladen, 
hilf  uns  daz  wir  sie  abe  gebaden  160 

Mit  staete  wernder  riuwe       umb  unser  missetät, 
die  äne  got  und  äne  dich       nieman  ze  gebenne  hat. 

143.  Vgl.  Grimm  XXXVI,  34;  vgl.  auch  68  38. 


95  1  —  36  161 

Zweifelhaftes  uud  unechtes. 

05  {L.  s.  183). 
Sit  mir  din  niht  m§r  werden  mac, 
wan  daz  ich  küme  dich  ges§, 
So  wünsche  ich  dir  heiles  naht  und  tac, 
und  bin  doch  iemer  an  der  fle, 

Daz  dich  got  vor'valscher  diet  bewar  5 

und  leite  dich  an  aller  engel  schar, 
ouch  bite  ich,  swä  du  mich  ersest, 
daz  du  tougeu 
ein  lützel  mit  den  ougen 

zuo  mir  neiges  10 

und  mir  eine  kleine  liebe  erzeiges: 
so  enruoche  ich,  ob  du  mich  mit  worten  vest. 

*Man  mac  wol  offenbare  sehen 
din  scheiden  an  den  ougen  min: 

Nu  sprich,  wie  waere  mir  geschehen,  15 

het  ich  getan  den  willen  din? 
So  euwurde  ich  niemer  rehte  vro. 
du  enkumest  wider,  ich  wirde  iedoch  also. 
du  bist  mir  ein  fremder  man. 

we  warumbe  '  20 

klage  so  sere  ich  tumbe 
durch  daz  eine, 

daz  wir  ie  warn  mit  rede  gemeine? 
doch  wizze  got  deich  dir  wol  ze  lebenne  gan.' 

Ich  hau  vil  kleine  an  dir  bejaget  25 

wan  under  wilen  einen  gruoz. 
Du  hast  mir  aber  so  wol  versaget 
daz  ich  dir  iemer  dienen  muoz. 
Ob  ich  an  dir  niht  erworben  hän, 

wol  mich!  son  hat  ein  ander  ouch  getan.  30 

also  kaust  du  wesen  gemeit. 

fot  dir  löue 
az  du  mich  Melde  schone, 
wis  gesunde. 

we  daz  ich  dich  also  funde;  35 

nu,  frouwe,  gedenke  an  alle  stsetekeit. 

95  1  ff.  In  E  und  F  überliefert,  in  gleichem  tone  wie  53, 
nur  dass  die  fünfte  zeUe  eine  hebung  weniger  hat,  was  aber 
vielleicht  auf  rechuung  der  Überlieferung  kommt.  Bedenken 
gegen  Walthers  Verfasserschaft  erregen  nur  die  reime  gese  :  fle, 
ersest :  vent ,  von  denen  man  aber  doch  nicht  behaupten  kann, 
dass  sie  ihm  durchaus  nicht  zuzutrauen-  sind.  Beachtenswert 
ist  es,  dass  es  sich  hier  um  einen  abschied  handelt  wie  in  53  1  ff. 
und  wahrscheinlich  auch  ft3  25  ff.  Auch  kommt  diese  art  Zwie- 
gespräch in  der  lyrik  nach  Walther  fast  gar  nicht  mehr  vor. 

Walth.  V.  d.Votfelweide.    5.  Aufl.  H 


162  961  —  9813 

96  (L.  s.  XIII). 

Ja  lige  ich  mit  gedauken      der  alrebesten  bi. 

mirst  leit  daz  ich  sie  ie  gesach,      sol  sie  mir  fremede  sin. 

ichn  mac  ir  uiut  verge^zeu      deheine  zit:  sist  guot; 

und  ist  behuot: 

des  trüret  mir  der  muot.  5 

ir  sult  mir  alle  helfen  klagen     diu  leit  diu  man  mir  an  ir  tuot. 

97  (L.  s.  XIII). 
Herzeliebez  frouwelin, 

tuo  an  mir  din  ere! 

da  von  solt  du  sselic  sin 

hiute  und  immer  mere. 

frouwe,  du  solt  machen  5 

mich  und  manegen  frö, 

daz  wir  dich  an  lachen. 

wol  dir,  und  tuost  also! 

frouwe,  du  solt  tragen 

pfeller  unde  siden,  10 

daz  sie  gar  verzagen, 

jene  die  uns  da  niden: 

und  suln  als  schöne  zieren  dich, 

daz  du  noch  solt  geweren  mich. 

98  (L.  XV 1). 
Ja  waz  wirt  der  kleinen  vogeline? 

der  kalte  sne  ' 

der  tuot  in  we. 

Daz  sint  nu  die  meiste  swaere  mine, 

mir  enfüege  got  5 

sülchen  spot 

Daz  diu  schoene  gnade  an  mir  spsete 
diu  mir  nsehest  minen  arm  vemaete. 

Ouwe  daz  ich  also  rehte  verre 
von  ir  hin  10 

fevaren  bin! 
6  fürhte  ich  sere  daz  ez  mir  gewerre, 
dazs  ein  ander  siht, 


961  ff.  In  A  überliefert.  Strophenform  und  stil  ist  sehr 
altertümlich.  Das  gedieht  mtisste  zu  den  frühsten  versuchen 
Walthers  gehören,  wenn  es  ihm  zukäme.  971  ff.  In  E  über- 
liefert, deutet  auf  ein  ähnliches  Verhältnis  wie  12.  98  Iff.  Dies 
und  die  beiden  folgenden  lieder  sind  in  E  überliefert.  Das 
versmass  scheint  zerrüttet,  da  die  zweite  zeile  der  Stollen 
bald  zwei,  bald  drei  hebungen  hat.  Die  letzte  Strophe  wird 
von  Lachmann  abgetrennt. 


9814  —  99  27  163 

und  ich  nilit. 

Wolte  got,  und  waerens  alle  tören,  15 

die  ir  so  vil  gerilnen  zuo  den  oren! 

Wil  si  wider  si  so  lange  striten 
als  wider  mich, 
daz  lob  ich: 

S6  getuot  siz  noch  in  langen  ziten.  20 

e  denne  ez  erge, 
ich  kam  e. 

Wan  des  einen  fürht  ich  harte  sere: 
kan  ich  vil,  so  kan  si  lihte  mere. 

Tumbe  liute  nement  mich  besunder,  25 

und  frägent  mich  da  bi, 
wer  si  si. 

Rieten  siz.  daz  wjere  ein  michel  wunder; 
wan  daz  nie  geschach 

des  ich  da  jach.  30 

Müget  ir  beeren  gemelichiu  msere? 
gerne  weste  ich  selbe  wer  si  wfere. 

99  (L.  XVI 1). 
Ich  hän  die  zit      wol  gesehen  an  der  linden: 
sist  worden  val: 

Ouwe  j6  lit      al  ir  loup  vor  den  winden 
verre  imme  tal. 

Des  müezen  beide  5 

walt  unde  beide 
werden  ze  leide. 
Swaz  grüenes  was,      daz  blichet  besunder 

Loup  unde  gras,      schcene  bluomen  dar  under  10 


Noch  klag  ich  mere, 
daz  die  vogel  here 
trürent  ze  sere. 

Als  ez  nu  stät,      so  ist  ez  ze  sorgen  15 

sere  gewant. 

Der  Winter  hat      michel  ere  verborgen, 
die  ich  hän  genant. 
Daz  klaget  ich  vil  kleine, 

wolt  ein  wip  aleine.  20 

ouwe  si  vil  reine  I 

Swer  wip  wil  sehen      beide  schcene  unde  wise, 
1er  sol  fragen  dar: 

^ö  muoz  er  jehen      daz  nie  sunne  ze  prise 
stüende  so  gar.  25 

Hört  ir  ie  baz  grüezen 
mit  Worten  so  süezen, 

11* 


164  99  28  —  100  30 

ich  wil  lüge  büezen. 

Da  mac  ein  man      wol  Verliesen  die  sinne 
von  grözer  not.  30 

Lachet  sin  an,      so  ist  ir  munt  und  ir  kinne 
wiz  unde  rot. 
Seht,  disiu  schulde 
machet  deich  dulde 
not  umb  ir  hulde.  35 

Sich,  saelic  wip,      daz  ich  so  lange  mide 
dich,  daz  tuot  mir  we. 
Din  süezer  lip      ist  unsenfte  als  ein  side, 
swarz  als  ein  sue. 

Nach  sülchen  güeten  40 

mac  min  herze  wüeten: 
wie  sei  i'z  behüeten? 

100  (L.  xvn  1). 

Järlanc  sint  die  tage  trüebe, 

lützel  ist  daz  sich  ze  fröuden  üebe. 

Des  sint  löuber  unde  gras 

verdorben,  dar  zuo  bluomen  unde  kl6, 

Daz  der  ougen  wunne  was.  5 

den  vögeln  tuot  der  kalte  rife  we. 

Sumer,  du  hast  manege  güete, 
du  gist  al  der  werlde  höchgemüete. 
Winter,  hast  du  tröstes  iht, 

80  troeste  mich,  daz  ich  gelobe  dich.  10 

Leider,  du  hast  tröstes  niht, 
wan  einen:  des  selben  des  gelüstet  mich. 

Winter  du  hast  lange  nehte. 
der  ist  sselic,  dem  sie  kumen  rehte. 
Der  mit  fröuden  leben  sol  15 

bi dem  sint  si  niht  ze  laue: 

Dem  entsete  niht  s6  wol 

der  blüende  meige  noch  sin  vogelsanc. 

Ligents  an  angest  uude  warme 
si  an  sinem  munde,  er  an  ir  arme,  20 

So  ist  in  liep  der  kurze  tac. 
der  langen  naht  sint  sie.  ich  waene,  frö: 
Lit  man  noch  als  man  dö  lac, 
dö  i's  pflac,  so  ist  ez  noch  also. 

Wol  bedorfte  ich  guoter  sinne:  25 

mich  entrcestet  weder  zit  noch  minne. 
Wä  von  ist  mir  daz  geschehen, 
wan  daz  ich  mich  durch  friunt  versümet  hän? 
Wellen  sie  daz  übersehen, 
daz  stet  in  übel,  und  hän  ich  wol  getan.  30 


1011  —  10213  165 

101  (L.  XVII 31). 
Wie  hän  ich  nnsaelic  man 
zallen  spileu  sus  getan  gevelle, 
Daz  ich  niht  gedienen  kan 
daz  mir  ieman  rehte  Ionen  welle? 

mac  ich  dienen  anderswä,  5 

da  min  dienest  mich  vervä, 
als  ich  bite,  daz  man  spreche  ja? 

Wsere  ich  hi  ir  tüsent  jär, 
so  enkönde  ich  aller  rede  mere, 

Wan  daz  ich  ir  gerne  war  10 

sage  und  liep  hän  ir  lip  und  ir  ere. 
Des  biut  ich  ir  minen  eit: 
wil  sis  groezer  Sicherheit, 
mac  si  sprechen  ja,  ich  bin  bereit. 

Eines  dinges  prise  ich  sie,  15 

daz  si  ist  so  rehte  wol  versunnen, 
Daz  si  gerne  midet  die 
die  so  vil  unnützer  rede  kunnen. 
Wol  mich  dazs  erkennen  kan 

einen  lachenden  man!  20 

daz  sint  «iinc  der  ich  ir  vil  wol  gan. 

Könde  ich  des  geniezen  iht 
dazs  an  mir  gensedecliche  tsete, 
Son  könd  ich  verderben  niht: 

sus  ist  al  min  fröude  gar  unstsete.  25 

Seht  an  disen  grisen  roc: 
ich  gewinne  alsülchen  loc 
und  ein  gräwez  kinne  als  ein  hoc. 

102  (L.  47  16). 
Ich  minne,      sinne      lange  zit. 
versinne      Minne      sich, 
wie  si  schöne      lone      miner  tage, 
So  löne      schöne:      dest  min  strit. 

vil  kleine      meine      mich,  5 

niene  meine      kleine      mine  klage 
Unde  rihte 
solch  unbilde, 
daz  ein  ledic  wip, 

mich  verderbet     .  10 

gar  äne  schulde, 
zir  gesihte 
werde  ich  wilde, 


101 1  ff.  In  E  und  F.  102  1  ff.  In  BC  Walther,  in  A 
Reinmar  zugeschrieben.  Der  anhang  der  Heidelberger  Frei- 
dankhandschrift enthält  eine  Strophe  in  dem  gleichen  tone. 


166  10214  —  103  32 

mich  enbabe  ir  lip 

fröude  enterbet.  15 

noch  ger  ich  hulde. 

waere      msere      staeter  man, 

so  solte,      wolte      si,  mich  an 

eteswenne      denne      ouch  sehen, 

so  ich  gnuoge      fuoge      künde  spehen.  20 

103  (L.  71 19.  MF.  152  25). 
'Ich  hoere  im  maneger  eren  jehen, 
der  mir  ein  teil  gedienet  hat. 
Der  im  in  sin  herze  kau  gesehen, 
an  des  genäde  suoch  ich  rät, 

Daz  er  mirz  rehte  erscheine.  5 

nu  fürht  aber  ich  daz  erz  mit  valsche  meine, 
taet  er  mir  noch  den  willen  schin, 
hset  ich  iht  liebers  danne  den  lip,        des  müeser  herre  siu. " 

Wie  kumt  daz  ich  so  wol  verstän 
ir  rede,  und  si  der  miner  niht,  10 

Und  ich  doch  groze  swaere  hau, 
wan  daz  man  mich  frö  drunder  siht? 
Ein  ander  man  ez  iieze: 
nu  volg  aber  ich,  swie  ich  es  niht  genieze. 
swaz  ich  dar  umbe  swsere  trage, 
da  enspriche  ich  niemer  übel  zuo,        wau  so  vil  daz  ichz  klage. 

Ich  lebte  ie  nach  der  Hute  sage, 

wan  daz  sie  niht  geliche  jehent. 

Als  ich  ein  hohez  herze  trage 

und  sie  mich  wol  gemuoten  sehent,  20 

Daz  hazzet  einer  sere, 

der  ander  gihet,  mir  si  fröude  ein  ere. 

nun  weiz  ich  weme  ich  volgen  sol; 

bete  ich  wisheit  unde  siu,        so  taete  ich  gerne  wol. 

Ist  daz  mich  dienest  helfen  sol,  25 

als  ez  doch  mauegen  hat  getan. 

So  gewinnet  mir  ir  hulde  wol 

ein  wille  den  ich  hiute  hän. 

Der  riet  mir  deich  ir  bsete, 

und  zurude  aber  siz,  daz  ich  ez  dennoch  taete.  30 

nu  wil  ichz  tuon,  swaz  mir  geschiht. 

ein  reine  wise  saelic  wip        läz  ich  so  übte  niht. 


1031  ff.  Teils  Walther,  teils  Reinmar  zugeschrieben. 
Die  bessere  gewähr  ist  für  den  letzteren,  von  dem  noch  eine 
reihe  anderer  Strophen  des  gleichen  tones  erhalten  sind,  vgl. 
PBB  II,  552. 


1041  —  106  2  167 

104  (L.  s.  166). 
Ein  wlp  mit  wibes  güete. 

diu  rehte  in  wibes  sinne  treit  ein  wiplich  hohgemüete. 

diu  wibet  sich  so  schöne  daz  ir  wipheit  sselde  birt. 

AVol  ir  diu  sich  so  wibet, 

daz  si  in  rehter  wibes  tugent  bi  wibes  zuht  belibet.  5 

der  weiz  ich  eine,  diu  des  niemer  fuoz  verstozen  wirt. 

Diu  reine  minnecliche  tuot 

so  rehte  an  allen  dingen,        da  von  ir  staete  wibes  ere  sint 

und  ouch  ir  lip  [behuot 

vor  valsche  gar.  si  ist  so  guot,  10 

daz  ich  sie  nseme,  und  seit  ich  wein  üz  al  der  weite  ein  wip. 

Nu  hoeret,  lät  iuch  wisen, 
wie  sich  ein  sselic  frouwe  sol  für  ander  frouwen  prisen, 
so  daz  ir  lop  bekeret  nach  der  besten  volge  si: 
Si  sol  die  höhfart  miden,  15 

da  mite  ein  saelic  frouwe  mac  ir  wibes  zuht  versniden, 
und  sol  doch  rehtes  hohes  muotes  niemer  werden  fri. 
Si  minne  zuht  und  höhen  mnot, 

si  staete  an  allen  dingen,        bescheidenliche  fro  und  doch 
diemüetec  lip  [dar  under  guot,  20 

da  bi  den  allen  rehte  tuot, 
rein  unde  erbermic  herze  habe,  und  si  nach  wünsche  ein  wip. 

105  (L.  111 12). 
Selpvar  ein  wip, 

an  wize,  an  roete  ganzlicher  stsete, 

ungemälet,  daz  si  niht  gebuggerämet  waere, 

Ich  lobe  ir  lip, 

swie  ich  sie  doch  nie  niht  gebsete.  5 

ja  hoere  ich  gerne  von  ir  guotiu  mare, 

Diu  ir  val  här  üf  gebunden  hat. 

bi  ir  mauegiu  hin  ze  kirchen  gät. 

diu  ir  swarzen  nac  vil  höhe  blecken  lät. 

ich  waene  daz  gebende  uugeliche  stät.  10 

106  (L.  26  13  ff.). 

Durhsüezet  und  geblüemet  sint  die  reinen  frouwen : 
ez  wart  nie  niht  so  wunnecliches  an  ze  schouweu 

1041  ff.  In  a  unter  Waltherschen  liedem.  105  1  ff.  In  C 
unter  Walther,  in  A  unter  Niune,  wol  nur  ein  fragment  mit 
entstelltem  texte.  106  1  ff.  In  gleichem  tone  wie  76,  aber 
durch  die  Überlieferung  nicht  hinlänglich  als  Walthers  eigen- 
tum  gesichert  und  inhaltliche  oder  formelle  bedenken  erregend. 
Die  beiden  ersten  Strophen  sind  in  C,  die  dritte,  vierte  und 
fünfte  in  B  überliefert,  die  sechste  in  C  unter  Walther,  in  A 
unter  dem  truchsesseu  von  St.  Gallen,  die  siebente  nur  in  A 


168  106  3  —  40 

in  lüften  noch  üf  erden  noch  in  allen  grüenen  ouwen. 
Liljen  unde  rosen  bluomen,  swä  die  liuhten 
in  meien  touwen  durh  daz  gras,  und  kleiner  vögele  sanc,     5 
daz  ist  gein  solher  wunnebernden  fröude  kranc, 
swä  man  ein  schoene  frouwen  siht.         daz  kan  trüeben  mnot 
Und  leschet  allez  trüren  an  der  selben  stunt,  [erfiuhten 

80  lieblich  lachet  in  liebe  ir  süezer  röter  munt 
und  sträle  uz  spilnden  ougen  schiezen  in  mannes  herzen     10 

grünt. 

Vil  stieziu  frouwe  hohgelopt  mit  reiner  güete, 
din  kiuscher  lip  git  wunneberndez  höhgemüete, 
din  munt  ist  roeter  danne  ein  liehtiu  rose  in  touwes  fltiete, 
Got  hat  gehoehet  und  geheret  reine  frouwen, 
daz  man  in  wol  sol  sprechen  unde  dienen  zaller  zit.  15 

der  werlde  hört  mit  wnniieclichen  fröuden  lit 
an  in,  ir  lop  ist  lüter  unde  klär,  man  sol  si  schouwen. 
Für  trüren  und  für  ungemüete  ist  niht  so  guot, 
als  an  ze  sehen  ein  schoene  frouwen  wol  gemuot, 
swenne  si  üz  herzen  gründe  ir  friunde  ein  lieblich  20 

lachen  tuot. 

Die  wisen  rätent,  swer  ze  himelriche  welle, 

daz  er  vil  wol  bewarte  und  ouch  bestelle 

den  wec,  daz  iemen  drüße  habe  der  in  her  wider  velle. 

Ein  aehtaere  heizet  mort,  der  schat  der  sträze  sere: 

da  bi  vert  einer  in  starken  bennen,  derst  geheizen  brant :    25 

so  sprechents  einem  wuocher,  der  hat  gar  geschant 

die  selben  sträze.  dannoch  ist  der  wegewerender  mere: 

Nit  unde  haz  die  haut  sich  üf  den  wec  geleit, 

und  diu  verschampte  unmäze  gitekeit. 

dannoch  so  rennet  maneger  für,  des  ich  niht  hän  geseit.     30 

Ich  trunke  gerne  da  man  bi  der  mäze  schenket, 

und  da  der  übermäze  niemen  iht  gedenket, 

Sit  si  den  man  an  libe  an  guot  und  an  den  eren  krenket. 

Si  schat  ouch  an  der  sele,  beere  ich  jehen  die  wisen: 

des  möht  ein  ieglich  man  von  sinem  wirte  wol  enbem.       35 

liez  er  sich  voUecliche  bi  der  mäze  wern, 

so  möhte  ime  gelücke  heil  und  sselde  und  ere  üf  risen. 

Diu  mäze  wart  den  liuten  dar  umb  üf  geleit, 

daz  man  si  ebene  mezze,  ist  mir  geseit: 

DU  hab  er  danc,  ders  ebene  mezze  und  der  si  ebene  treit.    40 

unter  dem  selben,  die  achte  und  die  neunte  nur  in  0.  Die 
in  B  ül)erlieferten  Strophen  zeigen  kleine  abweichungen  im 
versmass,  die  allerdings  vielleicht  auf  recbnung  der  Über- 
lieferung kommen.  Die  in  0  überlieferten  sind  kaum  echt; 
zu  der  dürftigkeit  des  inhalts  kommt  der  anstössige  reim 
in  z.  79  und  die  seltsame  betonung  in  z.  80. 


106  41  — 8i  169 

Er  hat  niht  wol  getrunken,  der  sich  übertrinket. 

wie  zimet  daz  biderbem  man.  daz  ime  diu  zxmge  hinket 

von  wine?  ich  wgene  er  houbetsünde  und  schände  zuo  im 

Im  zaeme  baz,  möht  er  gebrüchen  sine  füeze,  [winket. 

daz  er  äne  helfe  bi  den  liuten  möhte  stän.  45 

swie  sanfte  man  in  triiege,  er  möhte  lieber  gän. 

sus  trinke  ein  iegeslicher  man.  daz  er  den  durst  gebüeze: 

Daz  tuot  er  äne  houbetsünde  und  äne  spot. 

swelch  mau  getrinket  daz  er  sich  noch  got 

erkennet,  so  hat  er  gebrochen  ime  sin  hoch  gebot.  50 

Swer  sich  des  stfeten  frinndes  durch  übermuot  heberet, 
und  er  den  sinen  durch  des  fremeden  ere  uneret, 
der  möhte  ersehen,  wurd  er  von  sinem  hcehern  ouch  geseret, 
Daz  diu  gehalsen  friuntschaft  sich  vil  übte  entrande, 
swenn  er  sich  libes  unde  guotes  solde  umb  in  bewegen.      55 
ich  hän  vereischet,  die  der  wenke  hänt  gepflegen, 
daz  si  der  kumber  wider  üf  die  erborneu  friunde  wände: 
Daz  sol  von  gotes  leben  dicke  noch  geschehen, 
ouch  hörte  ich  ie  mit  volge  des  die  liute  jehen: 
'gewissen  frinnt,  versuochtiu  swert  sol  man  ze  noete  60 

ersehen.  * 

Ich  wil  niht  me  den  ongen  volgen  noch  den  sinnen. 

diu  rieten  mir  an  zwei,  daz  ich  diu  solde  minnen : 

diu  wären  äne  valsch  geworht  beid  uzen  unde  och  innen. 

Da  wart  ein  wenec  in  geleit.  daz  was  niht  stsete; 

des  vielten  sich  ir  egge,  dö  si  solten  hän  gesniten.  65 

und  wsere  eht  niht  wan  daz  alleine  drinne  vermiten, 

so  warens  allenthalben  alse  ganz  an  ir  getsete, 

Daz  sich  ein  iegeslicher  möhte  läzen  dran. 

ouwe  daz  ich  der  trüge  ie  künde  an  in  gewan! 

wie  übele  ich  nu  mir  des  schaden  und  in  des  lasters  gan  I    70 

Swä  nu  ze  hove  dienet  der  herre  sime  knehte 

und  swä  der  valke  vor  dem  raben  stet  ze  rehte, 

da  spürt  man  offenliche  unart,  unadel  und  ungeslehte. 

Du  werdiu  ritterschaft,  din  diuc  stet  jämerliche. 

swä  der  zester  vor  dem  Schilde  hin  ze  hove  vert,  75 

vrou  Ere,  da  sint  iuwer  snellen  sprünge  erwert. 

wol  üf  mit  mir  und  vare  wir  da  heim  in  Österriche, 

Da  vinde  wir  den  (der  0)  fürsten  wert,  der  ist  iu  holt. 

wolt  ir  mich  dar  (da  0)  ze  hove  leiten,  also  ir  sult. 

So  wirt  gehoehet  wol  din  name  von  mir,  werder  Liupolt.    80 

Swelch  man  sich  gerne  vrien  wil  von  boeser  sache, 

dem  rät  ich  daz  er  sine  tngent  wol  bewache 

und  flie  ouch  die  da  sint  gesezzen  (die  g.  syu  0)  nnder  schänden 

Weizgot,  tuot  er  des  niht  so  mac  im  misselingen         [dache. 


170  106  85  —  107  32 

au  eren  nnde  an  werdekeit.  swelch  mau  gerne  §re  lii'it,       85 
der  sol  sich  machen  fri  von  aller  misset ät 

Er  ist  zer  werlde  ein  saelec  man,  den  so  sin  mnot 
getiuret  hat,  daz  er  daz  beste  gerne  tuot 
und  sich  der  schänden  hat  bewegen,  der  mac  wol  heizen     90 

guot. 

107  (L.  36  11). 
Ir  fürsteu  tngendet  iuwer  sinne  mit  reiner  güete, 
Sit  gegen  friunden  scnfte,  gein  vinden  traget  höhgemüete: 
Sterket  reht,  und  danket  gote  der  grözeu  eren, 
daz  manic  mensche  sin  lip  sin  guot  muoz  iu  ze  dienste  k^ren. 
Sit  milte,  fridebaere,  lät  iuch  in  wirde  schouwen:  5 

so  lobent  iuch  die  reinen  süezen  frouwen. 
schäme,  triuwe,  erbermde,  zuht,  die  sult  ir  gerne  tragen: 
minnet  got,  und  rihtet  swaz  die  armen  klagen, 
gloubt  niht  daz  iu  die  lügenasre  sagen, 
und  volget  guotem  rate:  so  müget  ir  in  himele  bouweu.     10 

Mar  ja  klär,  vil  hohgeloptiu  frouwe  süeze, 

hilf  mir  durch  dines  kindes  ere  deich  min  sünde  gebüeze. 

Du  flüetic  fluot  barmunge  tugende  und  aller  güete, 

der  süeze  gotes  geist  üz  dinem  edeln  herzen  blüete: 

Er  ist  diu  kint,  din  vater  unde  diu  schepfaere.  15 

wol  uns  des  daz  du  in  ie  gebaere! 

den  hoehe  tiefe  breite  lenge  umbgrifen  mohte  nie, 

din  kleiner  lip  mit  süezer  kiusche  in  umbevie. 

kein  wunder  mohte  dem  geliehen  ie: 

der  engel  küuiginne,  du  triieg  in  an  alle  swaere.  20 

An  dem  fritage  wurde  wir  vor  der  helle  gefriet 

von  dem  der  sich  drivalteclichen  eine  hat  gedriet. 

Der  engel  Gabriel  Marjä  die  botschaft  kündet, 

da  von  himel  und  erde  mit  grözen  fröuden  wart  enzündet. 

Er  sprach  zuo  ir  ave,  daz  minnecliche  grüezen:  25 

durch  ir  oren  enpfienc  si  den  vil  süezen, 

der  ie  an  anegenge  was  und  muoz  an  ende  sin. 

des  si  dir  lop  und  ere  geseit,    .... 

Marjä  künigin. 

du  gsebe  in  uns  ze  trost,  der  al  der  werlt  mac  swaere  büezeu.    30 

Sündaere  du  solt  an  die  grozen  not  gedenken, 
die  got  durch  uns  leit,  und  solt  din  herze  in  riuwe  senken. 


1071  ff.  Dieser  und  der  folgende  ton  sind  Variationen 
von  75,  109  eine  erweiterung  von  107.  Ueberliefert  sind  diese 
Sprüche  in  C,  109  auch  in  B  nach  anderer  quelle.  Ihre  unecht- 
heit  ist  fast  zweifellos. 


107  33  —  10910  171 

Sin  lip  wart  mit  scharpfen  dornen  gar  verseret: 

dennoch  wart  mannicvalt  sin  marter  an  dem  kriiize  gemeret: 

Man  sluoc  im  drie  negel  dur  hende  und  ouch  diir  füeze.      35 

jämerlichen  weint  Marjä  diu  süeze, 

dö  si  ir  kinde  daz  bluot  üz  beiden  siten  fliezen  sach. 

trüreclichen  Jesus  von  dem  kriuze  sprach 

'muoter,  ja  ist  iuwer  ungemach 

min  ander  tot.    Jöhan,  du  seit  der  lieben  swgere  büezen.'    40 

Der  blinde  sprach  zuo  sinem  knehte  'du  seit  setzen 
daz  sper  au  sin  herze:  ja  wil  ich  die  marter  letzen.' 
Daz  sper  gein  al  der  werlte  herren  wart  geneiget. 
Marjä  vor  dem  kriuze  trürecliche  klage  erzeiget: 
Si  verlos  ir  varwe,  ir  kraft,  in  bitterUchen  noeten,  4:5 

do  si  jsemerlich  ir  [liebez]  kint  sach  t«ten 
und  Longlnus  ein  sper  im  in  sin  reine  siten  stach, 
si  seic  unmehtic  nider,  [daz]  si  [niht]  hörte  noch  ensprach. 
in  dem  jämer  Kriste  sin  herze  brach: 
das  kriuze  begunde  sich  mit  sinem  süezen  bluote  roeten.     50 

108  (L.  37  24). 

Yil  tumbiu  Werlt,  ziuch  dinen  zoum,  wart  umbe  dich. 

wilt  du  län  loufen  dinen  muot.  sin  sprunc  der  vellet  dich. 

Derst  manicvalt  in  dinem  herzen  umbe  hört; 

er  vröut  dich  hie  und  ist  ein  wemdez  leit  der  sele  dort. 

La  rehten  sin  den  boesen  muot  von  dir  vertriben:  5 

du  müine  got.  so  mäht  du  frö  beliben: 

wirp  umbe  lop  mit  rehter  fuoge,  und  wellest  du  genesen: 

den  boesen  rseten  solt  du  gar  unheimlich  wesen: 

geloube  swaz  dir  die  pfaffen  guotes  lesen: 

wilt  diiz  dann  allez  überglUden.  so  sprich  wol  den  wiben.     10 

109  (L.  37  34). 
Genuoge  herren  sint  gelich  den  gougelseren, 
die  beheudecliche  kunnen  triegeu  unde  vaeren. 

Der  sprichet  'sich  her,  waz  ist  under  disem  huote?' 

nu  zucke  in  uf.  da  stet  ein  wilder  valke  in  sinem  muote. 

Zuck  üf  den  huot,  so  stet  ein  stolzer  pfäwe  drunder.  5 

nu  zucke  in  üf,  da  stet  ein  merwunder. 

swie  dicke  daz  geschiht,  so  ist  ez  ze  jungest  niwan  ein  krä. 

friunt,  ich  erkenne  ouch  daz,  hähä  hähä  hähä. 

hab  diu  valschen  gougelbühsen  da: 

waer  ich  dir  ebenstarc,  ich  slüeges  an  daz  houbet  diu.         10 

41.  Der  blinde  ist  der  nachher  genannte  Longinus,  nach 
der  sage  ein  hauptmann,  der  Christi  seite  mit  der  lanze  durch- 
stach und,  indem  das  blut  auf  seine  äugen  tropfte,  sehend  ward. 


172  10911  —  11010 

din  asche  stiubet  in  diu  ono^en  min. 
ich  wil  niht  mfer  din  bläsgeselle  sin, 
dun  wellest  min  baz  hüeten  vor  so  trtigelichem  kunder. 

110  (L.  38  10). 
Er  ist  ein  wol  gefrinnder  man,  also  diu  weit  nu  stat, 
der  under  zwenzic  mägen  einen  guoten  friunt  getriuwen  hat: 
der  hete  man  hie  vor  wol  under  fünfen  funden  dri. 
So  we  dir,  Welt,  du  hast  sn  manegen  wandelbernden  site: 
er  armet  an  der  sele,  der  dir  volget  unz  an  sin  ende  mite,    5 
unt  der  dir  aller  diner  fuore  stät  mit  willen  bi. 
Wir  klagen  alle  daz  die  alten  sterbent  unde  erstorben  sint: 
wir  möhten  balde  klagen  von  schulden  ein  ander  not, 
daz  triuwe  zuht  und  ere  ist  in  der  weite  tot. 
die  liute  läzent  erben,  dise  dri  sint  äne  kint.  10 

110  1  ff.    In  q  unter  Walthers  namen.    In  gleichem  tone 
sind  zwei  sprüche  die  A  unter  reimar  der  videler  bietet. 


Yerzeichniss  der  abweichungen  von 
Lachmanus  texte. 

Im  folgenden  ist  die  vor  dem  Gleichheitszeichen  stehende 
lesart  die  unseres  textes,  die  hinter  dem  gleichheitszeichen 
stehende  die  des  Lachmannschen  textes  nach  der  fünften  aus- 
gäbe. Hinter  jeder  lesart  sind  die  handscbriften  angegeben, 
auf  welchen  sie  beruht.  Wo  keine  handschrift  augegeben  ist, 
beruht  die  lesart  auf  conjectur.  Orthographische  und  dialek- 
tische abweichungen  sind  nicht  berücksichtigt,  abweichungen 
der  interpunktion  nur  dann  angegeben,  wenn  sie  wesentlich 
verschiedenes  Verständnis  bedingen.  Wo  die  von  mir  ge- 
billigte lesart  der  handschriftlichen  Überlieferung  entnommen 
ist,  ist  nicht  angemerkt,  welcher  herausgeber  sie  zuerst  in  den 
text  aufgenommen  hat.  Dagegen  ist  bei  den  aufgenommenen 
conjectuien  ihr  Urheber  genannt,  hoffentlich  überall  richtig. 
Wo  La(chmann)  vor  dem  sfleichheitszeichen  genannt  ist,  findet 
sich  der  besserungsvorschlag  in  seinen  anmerkungen.  Kraus 
bezieht  sich  auf  die  in  der  siebenten  aufläge  von  Lachmanns 
ausgäbe  vorgenommenen  änderungen  des  textes. 

1  2i  s6  rehter  C  =  selber.  30  und  der  wille  C  =  der 
wile.  2  l  mir  C  =  von  mir.  ditze  =  diz  (dis  C,  vielleicht 
disiu).  4  die  er  (dier  Boclmer)  =  der  si  (der  C).  23  daz  = 
daz  ez  C.  2ö  got  =  ,got..  3  9  böte  AE  =  fehlt  MF.  0. 
min  =  minen  ACE.  33  deich  ir  =  daz  ich  CE  {beide  aber 
haben  ir  in  der  folgenden  zeile  vor  sin).  4  lU  so  euhulfe  ez 
ÜELa.  =  daz  enhulfe  (das  enhnlff  in  F)  Kraus.  12  ist  küme 
CLa.  (kume  ist  E)  =  enwert  niht  Kratis  (er  wirt  jP).  13  Wold 
FUKraus  =  Wil  CE.  mere!  Kraus  =  mere,.  14  ja  FU 
Kraus  =  so  CE.  16  müeze  (muze  U)  Kraus  =  muoz  CEF. 
volgen  CEUKraus  =  verjehen  F.  20  tougen  UKraus  = 
twingent  CEF.  21  Twingent  UKraus  =  beide  den  (den 
CEF),  unde  UKraus  =  und  den  CEF  (Pauli -3).  24  ge- 
fristen  CEU  =  fristen  F.  oach  im  La.  (im  CEF)  =  im  mir 
UKraus.  28  mime  (mineme  U)  =  in  mime  CEF.  5  9  deichs 
alle  =  daz  ichs  [alle]  (alle  AC).  13  der  in  AC  fehlen^Je  fuss 
von  La.  ergänzt  durch  ere.  22.  3  endelös  von  schulden  AC 
=  mich  erlöst  von  sorgen.  30  nu  endarf  A  =  sus  darf  C. 
ob   äne  sorge  lebet  daz   =  lebt  äne  sorge  dez  herze   (obe 


174 

äne  sorge  lebet  daz  herze  [de  h^zen  A]ÄC).  6  10  sin  =  si 
C.  16  nu  La.  =  vil  C.  7  40  frouwe  Pf  =  fehlt  C.  8  2  iht 
CLa.  =  niht  Paul  i-3.  4  wart  C  =  wirt.  nie  weder  C 
=  neweder.  29  alrßrst  C  =  von  erst  p.  9  23  Sost  eht  Wa. 
(so  stet  CE)  =  sost.  33  an  F  =  bi  CE.  44  ersehen  F  = 
gesehen  CE.  10  16  nach  CE  =  noch.  23  vergezzeu.  Wa. 
=  vergezzen,.    24  gesezzen  ?  Wa.  =  gesezzen. . 

11  1  nie  C  =  ie.    2  ichn  =  ich  C.    12  wan  ia.  =  aber  C. 

12  8  nider  AE  =  nidere  C.  12  die  da  ACE  =  die  Paul  i-*. 
20  ich  AE  =  ichz  (/"(pM  m  C).      23  na-me  Ci's  =  nim  A. 

13  ia.  ordnet  die  stroplieti  dieses  to)ies  xoiükürlich  zu,  zwei 
liedein:  1—8.  17—24  und  33—40.  9—16.  25—32.  13  13  niht 
E  =  so  AC.  beide,  =  beide  . .  15  diu  vogelin  E  =  die 
vögele  (die  deine  vögele  AC).  singent:  =  singent,.  16  sule 
E  =  suln  AC.  22  doch  E  =  äö  AC.  24  wart  E  =  wirt 
AC.  28  den  boumen  A  =  dem  bourae  C.  14  13  enpfangen, 
=  enpfangen  (ohne  interpunktion).  15  6  genozen  AN  ==  ge- 
liehen BCE.  11  frouwe  schoene  BCE  =  schoene  frowe  J-F 
(vrouwe  N).  24  werde  C  (werden  A)  =  schoene  BCF. 
16  13  minne  AE  =  liebe  BCF.  14  heizet  diu  daz  BCE 
(du  da  B)  =  reizet  unde  ^4.  17  12  Ez  C  =  e.  19  schin 
Kraus  :=  schin,.  Str.  ^9ff.  ist  von  La.  vor  Ib'OesteUt.  31  Wan 
du  Pf.  =  du  C.  leide  (herzeleit  Wa.,  leit  Pf.)  =  liebe  C. 
18  5  gescheiden  von  ir  La.  =  von  ir  gescheiden  C.  19  3  Lihte 
F  =  swenne  CE.  4  minne.  :=  minne,.  5  Seht  so  La.  =  so 
CEF.  7  nie  CE  (fehlt  hier  F)  =  hie.  8  dicke  CE  =  dicke 
nie  F.  daz  CE  =  des  iht  (des  ye  F).  12  ez  F  =  ich  CE. 
16  durch  sie  so  wil  ich  iemer  F  (nur  meine  statt  iemer)  = 
wan  ich  wil  iemer  durch  sie  CE.  18  sie  mag  ez  J'  =  daz 
kan  si  CE.    24  schoener  CE  =  schcene  F.    20  28  in  C  =  ir. 

21  6  ich  enweiz  =  in  weiz  C.  7  denne  swä  La.  =  swenne 
C.  22  8  von  ir  der  ich  (von  ir  die  ich  Pf.)  =  der  ich  von 
ir  C  (nur  mir  für  ir).  11  gesin,  =  gesin:.  12  enwelle  C  = 
enwil.  23  18  deiz  Wa.  =  daz  ez  C.  24  8  hän  BE  =  bin  C. 
10  au  mich  s  (au  minz  E)  =  mich  C.  11  mir  Es  =  fehlt  C. 
25  des  E  (dich  des  s)  =  du  C  (nu  B).  28  diu  ist  niht  (ist 
nicht  s,  die  entouget  niht  B,  entauc  niht  F)  =  diust  niht 
guot  C.  25  14  diu  vogelin  AC  =  die  vögele.  15  schallent 
mit  A  =  singent  in  C.  2b  ff.  von  La.  als  ein  besonderes  Ited 
abgetrennt.  26  Die  reihenfolge  der  drei  ersten  Strophen  nach 
E;  U  hatte  wahrscheinlich  die  gleiche,  da  in  dem  erhaltenen 
fragment  die  zweite  auf  die  erste  folgt;  La.  stellt  mit  C  die 
zweite  hinter  die  dritte  und  trennt  sie  mit  der  vierten  und 
fünften  als  ein  besonderes  lied  ab  (Kraus  hat  diese  trennung 
nicht).  2  daz  si  wider  mich  als  übele  tuot  EU  =  dazs  an  mir 
als  harte  missetuot  C.  3  Ja  U  (io  E)  =  nü  C.  4  dienest 
=  dienst,  unde  E  (vü  vil  U)  =  und  dar  zuo  C.  9  vmnnec- 
lichen  EU  =  wünneclicher  C.  12  süln  diu  lieben  jär  (tage 
E)  also  EU  =  sol  diu  liebe  an  mir  alsus  C.     13  Manege 


175 

sorge  JEU  =  lide  ich  not  C.  36  lebent  (der  —  erkaut)  = 
lebent.  der  —  erkant;.  27  Die  reihenfolge  der  stropJien  nach 
DN,  wonut  auch  C  stimtnt,  nur  dass  sie  Uff.  nach  11  ff. 
setzt;  La.  ord)iet  nach  A:  1.  21.  3t.  41.  11  wid  nimmt  41.  11 
als  parallelsirophen  zu  21.  31.  27  14  joch  Pf.  =  ouch  CN 
(doch  A,  wol  V).  24  hie  —  dort  AN  =  da  —  da  C  (so  — 
30  D).  29  sie  mir  AX  =  mir  si  C  (mirz  D).  31  küssen 
ACBN  =  küssin.  33  üz  A  =  von  ÜN  (abweicheml  D). 
35  Dem  A  =  swä  C  (so  DA')-  sin  .4  =  ir  CDN.  36  der 
wont  da  ^  ^  da  wsere  ich  CD  (wer  ich  ir  danne  N).  nähe 
AC  =  nähen  DX.  38  allez  balsme  A  =  vollez  balsmen  CDX. 
47  min  AX  =  mich  CD.  48  stach.  =  stach,.  49  ich  lobe 
die  reinen  A  (vü  seüich  si  diu  X,  do  wart  ich  so  vro  der 
stunde  unt  der  D)  =  swann  ich  der  lieben  C.  50  da  diu 
vil  minnecliche  üz  einem  AX  (da  di  reine  tueze  uz  einem  D) 
=  gedenke,  das  üz  einem  reinen  C.  28  33.  4.  wägen  (ich  — 
not)  Wa.  =  wägen:  ich  —  not:.  34  groezer  Wa.  =  grozer. 
29  5  doch  ouch  =  ouch  ir  (ouch  CE).  10  baz  CE  =  [baz]. 
11  betrogen.  =  betrogen:.  12  wils  anders  niht  wan  daz 
Benecke  =  si  wil  anders  niht  CE.  13  Wie  Benecke  =  wan 
wie  CE.  22  gemeine  CE  =  genseme.  30  18  rehte  vor  wizzen 
AEF  =  vor  lützel  C. 

31  27  sie  AU  =  sie  CE.  32  5  rehte  niht  La.  =  niht  CF. 
15  ich  BC  =  ichz  F.  also  maz  C-F  =  tete  BC^.  'z  =  daz. 
33  2  daz  ist  äne  alle  (an  aUen  argen  C  ^  gar  an  alle  U)  = 
daz  ist  an  alle  miue  C^E.  5  Xiene  (Nit  en  C^E)  trüre  du, 
wis  frö:  C^EU  =  trüren  unde  wesen  fro,  C.  6  minnen 
C^EU  =  minne  CK  11  .  .  sie  mügen  CELa.  =  si  mugen 
von  mir  komen  UKraus.  12  komen  der  .  .  pfligst  CELa.  = 
der  .  .  pfligt  als  ich  Kraus  nach  U.  wizzen  =  wizen.  14  daz 
gezimt  den  dinen  güeten  (güeten  fehlt  C^)  C^EU  =  des  ge- 
triuwe  ich  dinen  zühten  C^.  15  Sprsechest  C^EU  =  tsetest 
C*.  niden,  =  niden;.  duz  =  düs.  16  daz  die  bcesen  C^EU 
=  als  die  argen  CK  so  C'^EU  —  da  CK  34  1  also  AC  = 
tuo  also,  bescheidenliche  =  bescheidenliche:.  2  leben,  = 
leben:.  3  Obe  AC  =  obe  ab.  5  kurzer  wile  AC  =  kurze- 
wüe.  8  widerlerne  Wa.  =  Avider  lerne.  15  sit  AC  =:  sit 
abe.  also  gerne  Wa.  =  gerne  AC.  18  mich  Munde  Wa.  = 
triunde  AC.  28  des  La.  =  da  von  AC.  35  15  die  .4  =  dies 
(die  si  CE).  17  herzen  AE  =  herze  C.  36  3  lieht.  Wa.  = 
lieht,.  4  sach,  Wa.  =  sach.  .  17  Frouwe  AC  =  Frowe  min. 
daz  si  Pf.  =  sich  C  (feJdt  A).  21  we.  =  we,.  22  e  ich  dir  aber 
bi  A  (e  "ich  dir"  aber  bi  C)  =  e  bi  dir  aber  ich.  23  gelige, 
=  gelige.  .  26  mac.  =  mac,.  27  lanc,  =  lanc:.  40  getaete 
AC  =  t*t.  41  es  =  ez.  56  eine  A  =  äne  C.  37  8  sin  C 
=  sint  E.  31  swaz  C,  swes  E  =  swä.  38  1  Swie  BC  =  Wie 
E.  stät,  =  stät!,  13  verguot  BC  =  für  guot  E.  (so  —  m§): 
Wa.  =:  so  —  me.  22  und  BC  =  .  die  a.  39  4  hcere  CE 
=  hörte.     6  saget  CE  =  sagte.     16  seht  La.  —  fehlt  CE. 


176 

42  Die  reihen  folge  nach  Wa. ;  von  La.  in  zwei  lieder  ge- 
ordnet: 17.  25  und  1.  9;  die  reihenfolge  in  BC:  17.  1.  25.  9; 
in  EU:  1.  9.  25.  17.  42  17  swaere  EU  =  sorge  BC.  21  lide 
EU  =  hän  BC.  23  ir  Wa.  =  vor  JS6'£C/.  43  6  ich  ^  = 
ich  in.  17  geredet  A  =  gesprochen  CE.  geswigen.  =  ge- 
swigen,.  18  geligen?  =  breiigen..  44  7  sinnen,  =  sinnen!. 
8  noch  C  =  iu.  wip!  =  wip.  .  11  bi  vor  ir  C  =  vor  daz 
am  anfang  der  folgenden  Zeile.  12  vil  Wa.  =  fehlt  C. 
14  sinne,  =  sinne!.  16  benomen!  =  benomen.  .  24  wurde 
mir  C  =  mir  wurde.  45  18  künde  A  (niocht  F)  —  sol  C 
(mac  E).  16  niht  erwerben  AF  =  eine  erwerben  niht  (alterseine 
niht  erwerben  C,  niht  erwerben  eine  E).  frouwe  =  fro. 
19  Gevüegen  A  =  noch  fliegen  C  {fehlt  E).  32  tuo  =  tuon 
A  (rüne  E,  slüs  C,  fehlt  F).  35  da  BC  (du  E)  =  ja  (nu  A). 
sich  BCF  =  ich  (mich  A,  dich  E).  48  von  enkume  =  vone 
kume  C  (von  kum  A).     dir  AC  =  der.    46  5  daz  Bf.  =  so  E. 

8  daz  hat  Wa.  =  hat  E.  9  mir  so  La.  =  so  E.  10  deich  mich 
Wa.  =  daz  ich  ii^.  ersehe  Ff.  =  sehe  i\  16  so  Wa.  = 
iiu  so  E.    24  doch  TFo.  =  denne  E.    daz  M^'ijt.  =  daz  do  E. 

25  enmittenzwei  Wa.  =  enmitten  zwei.  37  et  La.  =  er  E. 
38  in  ia.  =  ir  E.  47  3  Wan  ich  geschiet  von  ir  noch  nie  E 
{aber  noch  nie  von  ir)  ^=  von  ir  geschiet  ich  mich  noch  nie  BC. 

9  daz  er  ir  naerae  E  ==  er  tsete  ir  B'\  10  under  E  =  umbe  BC. 
19  rätent  sie  i'J  ;=  rätents  iemer  £C.  man  sie  =  mans.  21  haz 
La.  =  schaden  E.  23  zürneuts  Wa.  =  zürnen  E.  24  des  = 
daz  E.  27  der  gedähte  La.  =  gedaht  E.  35  iedoch  La.  = 
doch  E.  39  me  Wa.  —  ie  mer  me  E.  48  9  esel  =  'esel'. 
den  gouch  A  =  'der  gouch'  C  (t,'auch  E).    19  uinb  C  =  M  A. 

26  also:  =  also..  27  In  behalde  E  =  ich  enbiute  iu  C  (ich 
enbüten  dir  A).  strit,  Wa.  =  strit.  .  49  Strophencrdnung 
nach  Wa.;  bei  La  steht  21  vor  11  nach  BC  und  1  ist  von 
den  übrigen  abgetrennt.  49  9  wie  Wa.  —  swie  BC.  sin! 
Wa.  ==  sin,.  19  war  Wa.  =  war  (war  Kraus).  20  wan  daz 
jB  =  da  von  C.  güete  =  guote.  39  gebe.  Wa.  =  gebe,. 
40  da,  keiser.  spil!  Wa.  =  da  keiser  spil.  .  50  10  so  Wa. 
=  so  daz  BC.     14  iu  BC  =  dir. 

51  21  gerne  BC  =  ungerne.  25  hüs;  —  geschehen  =  hüs 
(—  geschehen).  39  Sie  jehent  (sprecheut  E)  daz  BCE  —  daz  A. 
lebendes  La.  =  lebendiges  ABCE.  43  vinden  BE  =  vinde  A 
(vient  C).  46  waz  BC  =  daz  E.  48.  9  hat:  der  —  zwo  =  bat 
(der  —  zwo).  53  15  ein  F  =  eine  BC.  msere  =  me  BC  (rede 
F).  in  5  =  ir  CF.  54  2  diu  (die  E)  =  fehlt  BC.  beidiu 
=  beide  BCE.  9  doch  B  =  ouch  C  {fehlt  E).  55  19  und 
der  andern  (under  andern  Ä)  =  unt  der  aufjer  (und  ouch  der 
ander  C).  25  ziertest  =  zierest  AC.  29  Esaü  C  —  ein  sü 
A.  32  gerne  C  =  gerner  A.  56  3  hoer  ichs  UKraus  =■  hört 
ichs  Iju.  Paul  ^-3  (hoert  es  C,  beert  irs  E).  5  den  UKraus 
=  den  grüenen  CE.  seit  CELa.  ==  send  UKraus.  12  Ja 
Z7  (io  E)  =  Joch  C.     17  mir  ein  eweclicher  (ewelicher)  U  = 


177 

an  fröide  ein  angeslicher  ÜE  (jedoch  miner  fröide).  18  dennoch 
CEü=  da  nach.  19  al  =  alle.  57  5  dö  CU  =  dar  A.  10  Bi 
dem  brunnen  AUKraus  =  Uf  dem  anger  C.  11  gesach  ich 
einen  AUKraus  =  getroumde  mir  ein  C.  12.  13  ich  was  von 
der  snnnen  gegangen  ziio  dem  brunnen  (do  kom  ich  von  der 
sunnen  gegangen  zuo  dem  brunnen  A,  ich  was  von  sunnen 
untwichen  zv  dem  brünen  U)  Kraus  =  ich  was  zuo  dem 
brunnen  gegangen  von  der  sunnen  C.  15  Mir  CU  =  den  A. 
17  sorge  C  (sorgen  U)  =  swsere  A.  23  und  U  =  und  wie  A, 
und  doch  C.  25  niht  ze  AUKraus  =  niender  C.  36  suontac 
ALa.  =  suonestac  UKraus  (endes  tac  C).  -12  merket  CU  = 
hoeret  A.  58  1  Ich  BCDEs  =  Frouwe  ich  Fa.  [der]  {fehlt 
BCs)  =  der  DEFa.  5  [iemer]  =  iemer  BCDEFas.  9  enkan 
E  =  niene  kan  BC  (niht  in  «,  net  in  s,  n-cht  F).  15  Tuot  ir 
BCE  =  nü  tuot  Fs  (tuont  a).  alrerst  BCEF  =  von  erst  a 
(irst  s).  17  Wir  BCFs  (Sie  S)  =  Wir  man  wir  a.  19  Kunnet  ir 
BC  (kunnen  zi  s,  kau  si  E)  =  kumt  iu  (kumen.  und  die  F, 
sit  ir  a).  24  man'n  (man  in  EF,  man  hem  s)  =  m?n  BCa.  25  uns 
BCEFs  —  uns  wiben  a.  26  der  BCEFs  =  wan  der  (nieman 
wan  der  a).  beide  £'Fs  =  fehlt  BCa.  27  saget,  =  saget.  . 
30  und  sin  gemüete  ze  mäzen  tragen  Pf.  =  und  tragen  geuiüete 
ze  mäze  (und  sin  gemuete  setzen  E,  der  dine  in  zu  massen 
hie  und  do  und  trage  dein  gemüte  F,  und  da  bi  kan  tragin  beidu 
a,  unde  gedenchen  ym  zu  maesen  s,  das  er  gedenket  ze  ma.sse 
BC).  und  =  unde.  59  1  Wer  =  'Wer.  6  zuo  =  zuo'.  9  Daz 
E  =  dazs  (dasz  C).  60  1  wollen  CE  =  haut.  4  zomecliche 
(zorniclichen  E)  =  zornliche  C.  5  wol  gedagen  CE  =  vol 
gealten.  10  nu  Wa.  =  nü  wol  CE.  12  vil  vor  wirs  CE  = 
vor  denn.  17  gewin  CE  =  den  gewin.  20  ich  Wa.  —  als  ich  C 
(so  ich  E)    24  ich  in  CE  =  ich.    30  ein  CE  =  eine. 

61  11  Deich  Wa.  =  daz  ich.  ertoeret  =  ertoret.  63  \if. 
Die  reihenfolge  der  Strophen  nach  e;  La.  stellt  str.  Iff.  nach 
IS  ff.  63  16  swä  C  =  so  e.  26  sere.  Wa.  =  sgre,.  27  guot, 
Wa.  =  guot:.  64  31  swenne  ich  ir  beider  niht  enhän  C  = 
swenne  ich  niht  ir  beider  hän  (sit  ich  des  nu  niht  en  hau  E). 

65  4  daz  si  si  (si  si  C)  =  ir  si  mat.    *6  solten  C  =  solt. 

13  solhem  (selkem  C)  =  fehlt,  [keinen]  :=  keinen  6'.  15  werbe 
=  werbe  ab  (C  hat  aber  hinter  swer  in  z.  14).    ander  C  =  äne. 

66  4  die  La.  =  dich  C.  67  1  diu  BC  =  ein  A.  4  gras, 
=  gras.  .  6  hinget.  =  hinget,.  8  deheinez  BC  (dekeinez  A) 
=  keinez.  13  diuhten  =  dühten  (en  duhten  A,  endiuhten 
Patdi—3,  BC  abweichend).  18  ordenunge,  =  ordenunge!. 
20  zergät !  =  zergat.  .  22  cirken  A  =  cirkel  C  (kilchen  B). 
34  pfaffen  BC  =  die  pfaffen  A.  39  leiten  BC  =  diu  leiten  A. 
58  deheinez  (deheinoz  A,  deheines  BC)  =  keines.  60  der 
ietwederz  dem  andern  BC  (ietwederz  dem  andern  Ulrich 
V.  Lichtenstein  587  31)  =  daz  dicke  ein  ander  A.  68  6  da 
daz  C  =   daz  (abweichend  B).      7  lachent  C  =  linhtent  B. 

14  daz  er  B  der.      15  mine  kranechen  trite  Haupt   (raine 

Waith.  y.  d.Vog-elweide.    5.  Aufl.  12 


178 

kraneches  trite  La.)  =  miner  krenechen  trit  B.  47  man  den 
loste  durch  sine  muten  C  =  er  wart  erlost  von  siner  gebenden  B. 
60  doch  B  =  ouch.  69  72  orden  CD  ==  leben  B.  86  künde, 
kunte  r  =  gunde.  91  So  we  C  =  Owg  D.  92  alzan  =  alz 
an  (alsan  C,  allez  an  D).  126  sie  ungebachen  und  C  =  die 
ungebätten  gar  D.  134  nu  C  =  in  L>.  154  menege  D  = 
maneger  C  165  lebendiu  C  =  lebenden  D.  192  so  volge  B 
=  volge  CD.  194  ouch  CD  =  et  (es  B).  195  also  D,  reht 
alse  B  =  als  ez  C.  197  uns  ist  C  (von  La.  und  Kraus  nicht 
angegeben)  ist  uns  D  (?).  201  guote  C  =  muote  D.  214  an 
CD  =  [an].  70»  7  Diu  Milte  lönet  same  BC  =  der  mute 
lön  ist  so  A  (aber  muten).  23  wird  von  La.  in  klammer  ge- 
setzt 26  ander  La.  =  au  der  AC.  70''  1  liet  CO  =  lieht  A. 
10  ouch  im  die  sinen  iemer  C  =  im  ere  A.  24  daz  gelichet 
sich  A  —  dazz  sich  gelichet  (ir  sit  gelich  C).  also  =  als  C. 
(alse  A). 

71  11  und  betest  =  hetst  anders  (und  hettist  anders  a). 
12  du  betest  an  ir  lobe  also  gestriten  a,  nur  lob  alse  =  da 
betest  also  gestriten  an  ir  lop.  13  iemer  me  (iemer  a)  =  fehlt. 
83  des  C  =  wes.  kemenäten.  =  kemenäten?.  63  gehirme  C 
=  hirme.  72  10  pfert  C  =  pferit.  73  29  den  gotes  BC 
=  gotes.  30  herren  hiezen  BC  ==  hiezen  herre.  32.  33  der 
81  BC  —  si.  41  riche  BC  =  künege  A.  44  hinne  BC  =  hie  A. 
48  keisers  BC  =  küneges  A.  65  .süenen  A  =  süeneut  0. 
69  des  AC  =  dez.    74  3  varn,  =  varn :.    4  aleiue.  =  aleine,. 

12  sträzen,  =  sträzen.  .  13  ich  C  =  ist  A.  14  gewarte  A, 
warte  C  =  gewartet.  27  wan  La.  =  waz  AC.  30  für  brechen 
AC  =  fürbrechen.  38  diufe  =  düf  AC.  75  3  niwan  (nibt 
wan  C,  nieman  wan  B)  =  wan.  4  hat  C  (fehlt  B)  =  wil. 
14  im  nach  B  =  ime.  27  an  allen  B  =  äne.  40  ich  waen 
AC  =  wseu.  41  ir  sit  AC  =■  sit.  42  seitet  Wa.  =  beitet 
(seret  C,  seren  A).  50  der  stet  AC  =  derst.  52  gemachet: 
=  gemacbet!  53  bei  La.  ohne  klammer.  54  Alman  =  Almän. 
62  swendet  =  pfendet  (pfende,  m  swendet  corrigiert  C). 
80  herre  BC  =  uü  A.  100  äne  alle  .46'  =  äne.  103  herre 
der  Wa.  =  her  AC-  (abweichend  B).  106  martersere  AC  = 
und  marterer  B.  129  fürste  AC  =  Liupolt  B.  145  niht  C 
=  iht.  151  Herzoge  A  =  Liupolt  C.  152  nibt  A  =  und 
niht  C.  155  mir  A  =  mich  C.  157  nn  A  =  sus  C.  158  sit 
A  =  daz  C.  dir  A  =  dich  C.  159  mir  A  =  mich  C.  174  ist 
A  =  ist  er  C.  179  möre  Wa.  =  töre  AC.  180  we  wie  AC 
=  wie.  76  3  lonne  Wa.  =  lone  AR  (lonenne  C).  7  boesten 
=  boe.stem  C  (hoste  jK,  beste  A).      10  lonnes  =  lönes  ACB. 

13  so  C  =  als.  17  daz  C  =  wol  daz.  enwahset  v.  d.  Hagen 
=  wahset  C.  28  volfüeget  C  =  wol  füeget  A.  30  spreche 
=  sprseche.  33  eigem  A  =  eigenem  C.  38  Sus  rite  ich  fruo 
und  kume  niht  heim  B.  (vgl.  die  parodie  Ulrichs  v.  Sing.)  = 
kume  ich  späte  und  rite  fruo  AC,  Gast  komet  spate  vnde 
rytet  vro  OB.    41  diu  =  die  (7.     46  mine  =  min  (ming  C), 


179 

57  halte  C  =  behalte  0.  prüeven  hin.  prüeven  her  0  = 
prüeven  hin.  prüeven  dar  La.  prüeven  her  C'.  71  hohgelobter 
BBt  =  wol  gelobter  AC.  prise,  =  prise!.  72  und  ich  doch 
B{t),  went  ich  (doch  hinter  von  dir)  B  =  sit  ich  AC.  wise! 
=  wise,.  7ö  gein  —  gein  Bt  =  ze  —  ze  AC.  76  ir  keinem 
wart  ich  nie  so  holt  so  ich  bin  B  (ir  wart  mir  keiner  me  so 
liep  als  ich  bin  t)  =  so  holt  enwart  ich  ir  dekeinem  nie  so 
(so  fehlt  A)  AC.  77  got  B  =  frön  Krist  .4C  (abtceicliend  t). 
79  ich  muoz  dem  iemer  holder  Bt  (Ich  mvz  e  ienen  han  lieber 
vil  0)  =  mir  muoz  der  iemer  lieber  AC.  80  wan  ich  hän 
noch  B  (wann  ich  gewyn  gar  kum  t)  =  ich  wil  noch  haben 
AC.  81  namen  AO  =  leben  C.  82  sinen  herren  unde  im 
rate  A  =  unde  sinen  herren  lere  CO.  83  müez  ime  sin  bein, 
swenn  erz  ze  deheime  A  =  müezen  im  diu  bein,  als  ers 
zem  C  (er  sich  zuo  dem),  Verlamen  mtzen  syne  beyn,  swen 
er  sich  tzvm  0.  85  ime  sin  A  =  sin  CO.  erlame  A  =  müeze 
erlamen  CO.  86  schäme  A  =  schämen  CO.  87  schemelicher 
A  =  tugendelöser  CO.  89  so  valsch  geheize  —  geheize  A 
=  ir  valsche  gelübde  —  gelübde  CO.  96.  97  stehen  nicht 
in  0,  97  nur  in  C.  102  daz  min  Bt  =  min  CO. 
10-1  Worten  oder  mit  werken,  mit  gewizzenem  gersete  B  {nur 
alder  mit  gewissenen  rsete),  worten  und  mit  werken  ixnd  mit 
gerete  t  =  gebferde,  mit  gewisser  rede,  mit  raete  CO  {doch 
gerete).  105  grüset  BOto  =  griuiet  C.  108  Ivlter  B  =  süeze 
CO  (schone  o,  recht  t,  dann  als  ein  liehter).  liebiu  B  =  lüter 
CO  (schone  t,  guote  o).  117  wiut  =  windet  Bt.  120  sin  Bt 
=  Wesen,  alsam  v.  d.  Hag.  =  als  B  {abweichend  t).  77  3  dar 
umbe  C  =  dar.  5  entstän  C  =  enkan  verstau.  78  3  ich  sin 
C  ==  ichs.  59  hilfet  C  =  gehilfet.  72  muoste  v.  d.  Rag.  = 
müeste.  80  dem  Wa.  =  den  (de  C).  99  selben  =  selber  C. 
110  wolveile  C  =  veile.  Str.  12i  ff.  utid  129 /f.  sind  bei  La. 
gesondert.  79  15  sint  C  =  sin.  27  rederichen  La.  =  rede- 
riche  C.  iegesliches  Wa.  =  iegesliche  C.  28  einen  La.  = 
eime  C.  49  der  megede  BC  =  megde.  51  beide  sin  als  BC 
(alse  B)  =  sin  also.  5S  ***  =  an  diner  räche  gegen  in, 
herre  vater,  niht  erwint  C  {fehlt  in  B).  54  ''**  =  wan  si 
meinent  dich  mit  ganzen  triuwen  kleine  C  {felüt  in  B).  Die 
reihenfolge  der  Zeilen  ist  in  C:  51.  55.  53.  54.  52.  56.  Dieselbe 
tcird  verteidigt  unter  vornähme  einiger  änderungen  von 
Koethe,  ZfdA  41.  300.  59  nieman  BC  =  ieman.  81  breit, 
=  breit:.  83  vlürn.  dir  sint  beide  BC  (verlürn)  =  niht 
verlüm!  dirst.  80  1  von  BC  =  [von].  2  und  =  unde. 
4  wie  BC  =  we  wie.  13  er  diu  C  =  erz.  16  zwein  BC 
=  [zwein]. 

81  8  worden  C  =  [worden],  als  Bartsch  =  als  ob  C. 
10  bereitet  C  =^  vereitet.  13  bekande  C  =  kande.  18  tuont! 
Wa.  =  tuont,.  19  vil  unriuwecliche  Pf.  =  nü  vil  riuwecliche 
C.  stuont,  Wa.  =  stuont!.  23  jsemerlichiu  jär  C  =  jaemer- 
liche  schar.    27  trüren  C  =  trtre.    28  inneclichen  v.  d.  Hag. 

12* 


180 

=  inneclichen  s§re  C.  30  vögele  (vogel  C)  =  vogel  die. 
31  ist  C  =  ist  d&  bi.  33  verlorn.  =  verlorn  {ohne  punkt, 
mit  komma  Kraus).  47  selbe  ü  =  saelden.  82  46  heil  A 
=  teil  C.  54  d&  >1  =  daz  C.  60  des  heilegeistes  Wa.  =  den 
heilegestez  (den  beilegestes  C,  den  heiligeist  A).  83  25  koemen 
Barisch  =  komen.  61  schulde  BCE  =  schult.  66  besliezen 
Pf.  =.  entsliezen  CEO.  67  kurzlich  (kürtzelich  J5)  =  kurz- 
wilen  C.  70  unde  Bf.  =  dort  und  CE.  84  1  krump,  = 
krump:.  2  mac.  =  mac  ohne  punkt.  3  du  =  (du.  4  kleine.  = 
kleine),.  12  baz  C  =  fehlt.  13  noch  sunder  Bartsch  (gar 
s.  Bf.)  =  nach  Sünden  ü.  obedach  C  =  äne  dach.  29  dem 
tören  a  =  den  toren  C.  31  ir  iuch,  reinen  C  =  iuwer,  guoten 
a.     37  gezeme  C  =  iu  zeme  a.      85  3  gelac  La.  =  lac  C. 

86  4  werden  -dC  =  wesen.     11  riuwe  (ruwe  AC)  =  ruowe. 

87  22  spehen.  =  spehen  ohne  punkt.  23  tougen  =  tougen: . 
30  in  Haupt  =  in,.  31  toren,  Haupt  =  tören. .  88  12  Des 
Wa.  =  der  ü.  90  6  und  =  unde.  13  deist  =  daz  ist  CE. 
20  und  =  unde.    25  des  vor  niht  Wa.  =  vor  daz  (fehlt  CE). 

91  1  ir  sult  ACW  =  du  solt  3  groziu  gülte  Bf.  (grozer 
gelt  A,  groze  ge. .  W)  =  grceste  gülte  C.  14  duz  C  =  du 
daz  ie.  32  iu  (uch  C)  =  dir.  92  21  Diu  wernde  Wa.  (du 
werde  BC)  =  der  werden  A.  22  irz  C  (ir  das  B)  =  inz  (in 
daz  A).  32  und  zürne  ich  daz  CE  (.  .  zur  .  .  ich  W)  =  ist 
mir  daz  zorn  A.  48  diun  CW  =  diu  AB.  49  schoene  BCW 
=  schoenez  A.  50  ouwe  AW  =  und  owe  BC.  ich  ez  = 
ichz.  93  4  swiech  (swie  ich  CE)  =  swiez.  12  län  =  l&n,. 
(wan  —  verstän)  Wa.  =,  wan  —  verstau,.  13  gebaere  CE  = 
bsere.  24  winstern  Wa.  =  vinstern  CE.  31  diniu  (dine  GE) 
=  din.  33  dinge  ein  kint  CE  =  sinne  ein  rint.  35  mache 
GE  =  mach  e.  unreine  Wa.  =  gebeine  (fehlt  CE).  36  sele 
versinke  C  =  versenke  sich  (sei  sich  versenke  E).  94  6  höre 
Wa.  =  here,.  7.  8  (sin  —  ere  —  mere)  Wa.  =,  sin  —  ere, — 
mßre.  13  brceder  Singei\  bloedes  kl  =  boeses  C.  39  ist  kl 
=  was  C.  58.  9  ist  Krist,  der  war  got  ist  C  (warer)  =  ist 
der  wäre  Krist  (ist  Krist  kl),  nach  62  hat  La.  des  bistü 
frowe  geret  C  (fehlt  M).  70  got  kl  =  got  selbe  C.  himel- 
touwe  kl  =  touwe  G.  72  entslöz  Bf.  (entslozen  kl)  =  beslöz 
C.  73  des  Bf  =  daz  Ck.  129  ein  M  =  eine  C.  134  nn  ist 
uns  ir  beider  kl  (unser  b.)  =  daz  ist  unser  meiste  G.  148  Swä 
Bf.  (swaz  M)  =  D&  (das  G).  153  sünde  kl  =  schulde  G. 
162  nleman  vor  ze  kl  =  nieman  vor  äne  G. 

95  ist  zuerst  kritisch  hergestellt  von  Wackernagel  (s.  182 
anm.).  Die  abweichungen  von  dessen  texte  sind  folgende:  4  doch 
E  =  och  (fehlt  F).      12  so  enruoche  F  =  ]o  enruoche  E. 

17  so  enwurde  E  =  so  wurd  F.    niemer  EF  —  nimmere. 

18  eukumest  E  =  enksemest  (kernest  F).  21  klage  (clagen 
F)  =  clag  ich  E.  23  ie  warn  mit  rede  E  (waren  gut  mit 
reden  ie  J")  =  mit  rede  ie  wären.  24  got  F  =  fehlt  E. 
2d  oh  E  =  Sit  (seint  F).    35  daz  E  =  oh  F.    36  alle  F  = 


181 

rnine  (alle  mine  iJ).  96  6  mir  an  ir  (an  ir  A)  =  mir.  97  8  und 
E  =  [lind].  98  26  mich  da  bi  i;  =  bi.  99  7  werden  E 
=  werben.  100  11  tröstes  =  liebes  (fehlt  E).  12  einen  E 
=  ein.  101  2  sus  getan  gevelle  E  =  so  getan  ungevelle 
(solich  ungeveUe  F).  102  3  tage,  =  tage. .  4  So  4  =  nü 
BC.  strit.  =  strit:.  8  solch  A  =  groz  BC.  13  werde  BC 
=  wird  (wirt  A).  103  11  groze  swaere  hän  =  grozer  swaere 
niht  enhän  AC  (abweidiend  E).  22  frönde  AC^E  =  diu  fröide 
MF.  CK  24  bete  AC  =  wan  bete  MF.  E.  so  taete  ich  AC 
=  ich  taete  MF.  E.  105  2  an  wize,  an  rcete  =  äne  wiz  rot 
AC.  8  ze  J.  =  zer  C.  106  7  ein  schoene  frouwen  siht  C  = 
siht  schoene  frowen.  9  lachet  C  =  lache.  10  schiezen  C  = 
schieze.  20  swenne  C  =  so.  22  er  5  =  er  e.  29  und  = 
unde.  32  da  OLa.  =  feJüt  B.  übermäze  0  =  unmäze  BLa. 
39  mezze  B  =  mezze  und  trage  (trüge  0).  49  man  B  =  man 
80  (also  vil  0).  56  ich  A  =  wir  C.  57  erbornen  A  =  er- 
bome  C.  58  von  A  =  nach  C.  59  mit  volge  des  die  liute 
il  =  die  liute  des  mit  volge  C.  60  ncete  ersehen  A  (not) 
=  noeten  sehen  C.  62  beid  üzen  unde  och  innen.  Wa.  = 
beidiu  üzen,  unde  och  innen  (oh)ie  punki).  70  nu  mir  = 
mich  A.  schaden  A  =  schaden  schäme.  107  1  iuwer  sinne 
C  =  iwem  sin.  2  gein  vinden  traget  C  =  tragt  gein  vinden. 
4  sin  lip  sin  C  =  lip  und  sin.  5  luch  in  wirde  C  =  in  wirde 
iuch.  24  mit  grözen  fröuden  wart  C  =  wart  mit  grözen 
fröiden.  26  oren  C  =  ore.  49  sin  C  =  dez.  108  1  Vil 
tumbiu  B  =  Tnmbiu  C.  dich  =  ,  sich  C  (sprich  B).  3  umbe 
hört  B  ^=  unbekort  C.  4  vröut  dich  B  =  schadet  dir  C. 
wemdez  leit  B  =  langer  haz  C.  5  rehten  sin  B  =  guoten 
muot  C.  6  du  minne  B  =  minne  C.  7  rehter  fuoge,  und  B 
=  reinem  guote  C.  8  boesen  rseten  B  =  boesen  C.  gar  B 
=  iemer  gerne  C.  9  swaz  dir  J5  =  swaz  C.  10  duz  dann  B 
=  du  daz  C.  109  7  niwan  (niht  dan  C)  =  wan.  110  5  an 
sin  q  =  anz.    8  ein  ander  (enander  q)  =  ander. 


182 

Vergleichuug   der   reihenfolge   der  töne   bei  Lachmann 
mit  der  in  unserer  ausgäbe. 

XIII    1  =  96  53  25  =  27  97  3-t  =  44 

XIII  11  =  97  54  37  =  45  99    6  =  23 

XV    1  =  98  56  14  =  52  100    3  =  11 

XVI    1  =  99  57  23  =  37  100  24  =  91 

XVII    1  =  100  58  21  =  51  101  23  =  84 

XVII  31  =  101  59  37  =  89  102  29  =  88 

3    1  =  94  60  34  =  53  103  13  =  72 

8    4  =  67  61  33  =  46  104  23  =  77 

10  1  =  79  62    6  =  49  104  33  =  86 

11  6  =  73  63    8  ==  50  105  13  =  74 
13    5  =  80  63  32  =  38  106  17  ==  fehlt 

13  33  =  8  64  31  =  66  107  17  =     „ 

14  38  =  83  65  83  =  32  108    6  =     „ 
16  36  =  70  66  21  =  92  109    1  =  17 
18  29  =  68  69    1  =  30  110  13  =  18 
20  16  =  69  70    1  =  33  110  27  =  41 
26    3  =  76.  106     70  22  =  34  111  12  =  105 
31  13  =  75  71  19  =  103  111  22  =  65 

36  11  =  107  71  35  -=  5  112    3  =  40 

37  24  =  108  72  31  =  35  112  17  =  22 

37  34  =  109  73  23  =  48  112  35  =  2 

38  10  =  110  74  20  =  30  113  31  =  4 

39  1  =  54  75  25  =  55  114  23  =  56 

39  11  =  14  76  22  =  82  115    6  =  10 

40  19  =  31  78  24  =  78  115  30  =  29 

41  13  =  64  82  11  =  71  116  33  =  90 

42  15  =  42  84  14  =  79  117    7  =  90 

43  9  =  58  85  25  -=  85  117  29  =  43 

44  11  =  47  85  34  =  28  118  12  =  59 

44  35  =  62  87    1  =  87  118  24  =  19 

45  37  =  15  88    9  =  36  119  17  =  39 

46  32  =  16  90  15  =  61  120  16  =  3 

47  16  =  102  91  17  =  1  120  25  =  9 
47  36  =  63  92    9  =  20  121  33  =  60 

49  25  =  12  93  20  =  21  122  24  =  93 

50  19  =  24  94  11  =  57  124    1  =  81 

51  13  =  25  95  17  =  6  166  21  =  104 

52  23  =  26  96  29  =  7  183    1  =  95 


Verzeichnis  der  liederanf  änge.  •) 

Diu  Minne  lät  sich  nennen  da  84  27 

diu  werlt  was  gelf,  rot  unde  blä  55 

friuntlichen  lac  36 

ich  bin  einer  der  nie  halben  tac  64  33 

ich  sach  hie  vor  eteswenne  den  tac  85 

got  gebe  ir  iemer  guoten  tac  39  1 

nu  wachet!  uns  get  zuo  der  tac  69  61 

roter  munt,  wie  du  dich  swachest  25  25 

ahi  wie  kristenliche  nu  der  bähest  lachet  75  51 

mir  ist  liep  daz  si  mich  klage  53  25 

maneger  fraget  waz  ich  klage  8 

ich  lebte  ie  nach  der  liute  sage  103  17 

swer  verholne  sorge  trage  42  17 

ouwe  miner  wunneclicher  tage  26  9 

swes  leben  ich  lobe,  des  tot  den  wil  ich  iemer  klagen  79  33 

mir  ist  min  erre  rede  enmittenzwei  geslagen  46  25 

fro  Werlt,  ir  sult  dem  wirte  sagen  91 

ez  ist  in  unsern  kurzen  tagen  78  129 

swelch  herre  nieman  niht  versaget  78  49 

lange  swigen  des  hat  ich  gedäht  35 

uns  hat  der  winter  geschat  über  al  54 

wer  zieret  nu  der  eren  sal  69  136 

ez  wsere  uns  allen  44 

wer  gap  dir,  Minne,  den  gewalt  45  41 

min  erste  rede  dies  ie  vernam  3  17 

wip  muoz  iemer  sin  der  wibe  hoehste  name  63  37 

in  nomine  dumme  ich  wil  beginnen :  sprechet  amen  75  121 

Unmäze,  nim  dich  beidiu  an  78  89 

sich  wolte  ein  ses  gesibent  hän  78  81 

der  ich  vil  gedienet  hän  52  41 

wie  fro  Saelde  kleiden  kan  42  9 

wie  hän  ich  unsaellc  man  101 


')  Ich  habe  nicht  bloss  die  liederanfänge  meiner  ausgäbe 
aufgenommen,  sondern  auch  alle  diejenigen  Strophen  berück- 
sichtigt, die  in  einer  von  den  anderen  ausgaben  als  anfange 
eines  selbständigen  liedes  gefasst  sind. 


184 

wie  kumet  daz  ich  so  manegem  man  9  10 

ir  reinen  wip,  ir  werden  man  92  1 

ich  freudehelfeloser  man  45  1 

von  Röme  keiser  here,  ir  hat  also  getan  79  1 

der  anegenge  nie  gewan  78  17 

in  einem  zwivellichen  wän  32 

mich  hat  ein  wunneclicher  wän  5 

man  höhgemäc,  an  friunden  kranc  78  57 

nn  sing  ich  als  ich  ß  sanc  43 

ich  drabe  da  her  vil  rehte  drier  slahte  sanc  79  25 

die  losen  scheltent  guoten  wiben  minen  sanc  51  10 

min  alter  klösensere,  von  dem  ich  so  sanc  79  73 

wol  mich  der  stunde,  daz  ich  sie  erkande  18 

ouwe  waz  eren  sich  eilendet  von  tiuschen  landen  80 

ir  fürsten,  die  des  küueges  gerne  waeren  äne  76  61 

diu  kristenheit  gelepte  nie  so  gar  nach  wäne  75  21 

ich  hän  des  Kerndseres  gäbe  dicke  enpfangen  75  91 

herzöge  üz  österriche,  ez  ist  iu  wol  ergangen  76  21 

mir  hat  ein  liet  von  Franken  70''  1 

die  wile  ich  weiz  dri  hove  so  lohelicher  manne  75  111 

nemt,  frouwe,  disen  kränz  13 

ez  troumte,  des  ist  manic  jär  69  106 

wer  gesach  ie  hezzer  jär  59 

ouwe  war  sint  verswunden  alliu  miniu  jär  81 

ich  wil  nu  teilen,  e  ich  var  53  1 

frouwe,  vernemt  durch  got  mir  ditze  msere  2 

mirst  diu  ere  unmsere  88 

bin  ich  dir  unmaere  24 

ich  hän  dem  Missensere  74  15 

fenuoge  herren  sint  gelich  den  gougelaeren  109 
er  künec  min  herre  lech  mir  gelt  ze  drizec  marken  76  51 
von  Röme  voget,  von  Fülle  künec,  lät  iuch  erbarmen  76  31 
min  sele  müeze  wol  gevarn  92  37 

J"ch  was  durch  wunder  üz  gevarn  84  14 
16  Friderich  üz  Österriche  also  gewarp  68  13 
hie  vor,  dö  man  so  rehte  minneclichen  warp  63  1 
ein  meister  las  93 
do  der  sumer  komen  was  57 
swä  der  hohe  nider  gät  71  27 
bi  den  liuten  nieman  hat  90  1 
swer  sich  ze  friunde  gewinnen  lät  78  65 
böte,  sage  dem  keiser  sines  armen  mannes  rät  79  57 
swie  wol  der  beide  ir  manicvaltiu  varwe  stät  38  1 
er  ist  ein  wol  gefriunder  man,  also  diu  weit  nu  stät  110 
got,  diner  Trinitäte  94 

got  weiz  wol,  daz  min  lop  waer  iemer  hovestsete  76  102 
wir  suln  den  kochen  raten  70*  15 
genuoge  kunnen  deste  baz  9  37 
Werlt,  du  ensolt  niht  umbe  daz  89  15 


185 

ich  muoz  verdienen  swachen  haz  71  40 

noch  dulte  ich  tougenlichen  haz  47  21 

man  seile  mir  ie  von  Tegerse  77 

der  rife  tet  den  kleinen  vogeJen  we  56 

ob  ieman  spreche,  der  nu  lebe  69  1 

waz  hat  diu  werlt  ze  gebenne  21 

mir  ist  von  ir  geschehen  13  33 

ich  hoere  iu  so  vil  der  tugende  jehen  58 

ich  hoere  im  maneger  eren  jehen  103  1 

ich  hoere  des  die  wisen  jehen  69  76 

ich  bän  min  lehen,  al  diu  werlt,  ich  hän  min  lehen  76  41 

sie  frägent  mich  vil  dicke,  waz  ich  habe  gesehen  79  9 

Werlt,  ich  hän  dinen  Ion  ersehen  92  25 

der  stuol  ze  Körne  ist  allererst  berihtet  rehte  75  1 

müget  ir  schouwen  waz  dem  meien  25 

den  diemant  den  edelen  stein  78  9 

ich  saz  üf  eime  steine  67  49 

äne  Uep  so  manic  leit  61 

miner  frouwen  darf  niht  wesen  leit  26  33 

mehtiger  got,  du  bist  so  lanc  und  bist  so  breit  79  81 

ir  bischofe  und  ir  edeln  pfaffen  ir  sit  verleitet  75  41 

die  wisen  rätent,  swer  ze  himelriche  welle  106  21 

ichn  weiz  wem  ich  geliehen  muoz  die  hovebeUen  75  101 

mit  saelden  müeze  ich  Mute  üf  sten  69  211 

sagt  an,  her  Stoc,  hat  iuch  der  bähest  her  gesendet  75  61 

leider  ich  muoz  mich  entwenen  90  8 

ich  trunke  gerne  da  man  bi  der  mäze  schenket  106  31 

der  also  guotes  wibes  gert  als  ich  da  ger  51  28 

allererst  lebe  ich  mir  werde  83 

do  Liupolt  sparte  nf  gotes  vart,  üf  künftige  ere  75  141 

Philippe,  künec  here  70'  1 

nu  sol  der  keiser  here  74  29 

her  Wicman,  ist  daz  ere  70''  15 

swer  sich  des  staeten  friundes  durch  übermuot  beheret  106  51 

»welch  herze  sich  bi  disen  ziten  niht  verkeret  75  31 

mir  hat  her  Gerhart  Atze  ein  pfert  72  1 

waz  Wunders  in  der  werlte  vert  69  196 

nieman  kan  mit  gerten  87 

her  bähest,  ich  mac  wol  genesen  73  25 

80  we  dir,  Werlt,  wie  übel  du  stest  69  91 

ich  wolt  hern  Otten  mute  nach  der  lenge  mezzen  76  11 

ouwe  wir  müezegen  liute,  wie  sin  wir  versezzen  80  15 

ja  Uge  ich  mit  gedanken  der  alrebesten  bl  96 

ich  wände  daz  sie  wsere  missewende  fri  51  37 

swer  gibt  daz  minne  sünde  si  3  25 

swer  an  des  edeln  lantgräven  rate  si  79  41 

der  in  den  ören  siech  von  ungesühte  si  68  49 

zwo  fuoge  hän  ich  doch,  swie  ungefüege  ich  si  63  13 

swie  Uep  si  mir  von  herzen  si  32  17 


186 

diu  kröne  ist  elter  danne  der  künec  Philippes  si  68  1 

daz  milter  man  gar  wärhaft  si  86 

ich  gesprach  nie  wol  von  gnoten  wiben  11 

vil  tumbiu  Werlt,  ziuch  dinen  zonm,  wart  umbe  dich  108 

Philippes  künec,  die  nähe  spehenden  zihent  dich  68  37 

dßswär,  Reimär,  du  riuwes  mich  71  14 

swelch  man  wirt  äne  muot  ze  rieh  78  113 

rit  ze  hove,  Dietrich  71  66 

fro  Saelde  teilet  umbe  sich  45  33 

ein  frouwe  wil  ze  schedeliche  62  11 

genäde,  frouwe!  also  bescheidenliche  34 

ouwß  ez  kumt  ein  wint,  daz  wizzet  sicherliche  80  8 

in  gesach  nie  tage  slichen  33  7 

ich  hän  hern  Otten  triuwe,  er  welle  mich  noch  riehen  76  1 

ir  vil  rainneclichen  ougenblicke  22 

her  keiser,  swenne  ir  Tiuschen  fride  73  61 

du  solt  eine  rede  vermiden  33  13 

do  gotes  sun  hien  erde  gie  73  37 

min  frouwe  ist  underwilent  hie  47  1 

er  schale,  in  swelhem  uaraen  er  si,  der  dankes  triege  76  81 

uns  irret  einer  hande  diet  72  33 

au  dem  fritage  wurde  wir  vor  der  helle  gefriet  107  21 

nu  wil  ich  mich  des  scharpfen  sanges  ouch  genieten  75  131 

ich  horte  diu  wazzer  diezen  67  1 

frouwe  enlät  iuch  niht  verdriezen  28 

frouwe,  enlät  iuch  des  so  niht  verdriezen  2  9 

'sit  wiÜekomen,  her  wirf,  dem  gruoze  muoz  ich  swfgen  75  71 

maneger  trüret,  dem  doch  liep  geschiht  64  17 

ein  man  verbiutet  äne  pfliht  65 

min  ouge  michel  wunder  siht  60  11 

sie  frägent  unde  frägeut  aber  alze  vil  38  17 

künc  Constantin  der  gap  so  vil  69  46 

ich  hän  ir  gedienet  vil  90  22 

got  git  ze  künege  swen  er  wil  73  13 

mir  tuot  einer  slahte  wille  4 

herzeliebez  frouwelin  12 

herzeliebez  frouwelin  97 

solt  ich  den  pf äffen  raten  an  den  triuwen  min  79  65 

mac  ieman  deste  wiser  sin  47  31 

ich  bin  des  muten  lantgräven  Ingesinde  75  81 

under  der  linden  14 

ja  waz  wirt  der  kleinen  vogeline  98 

die  verzagten  aller  guoten  dinge  50 

wer  kan  nu  ze  danke  singen  41 

waz  sol  lieblich  sprechen  ?  waz  sol  singen  40  8 

ouwe,  hovelichez  singen  66 

so  die  bluomen  üz  dem  grase  dringent  15 

er  hat  niht  wol  getrunken,  der  sich  übertrinket  106  41 

vil  süeze  wsere  minne  82 


187 

saget  mir  ieman,  waz  ist  minne  30 

aller  werdekeit  ein  füegaeriiine  16 

rieh,  herre,  dich  und  dine  muoter,  der  megede  kint  79  49 

stimer  unde  winter  beide  sint  23 

3wä  guoter  bände  würzen  sint  72  17 

wolveile  unwirdet  mangen  lip  78  105 

min  frouwe  ist  ein  ungenaedic  wip  26 

diu  minne  ist  weder  man  noch  wip  78  121 

selpvar  ein  wip  105 

mich  nimt  iemer  wunder  waz  ein  wip  29 

si  wunderwol  gemachet  wip  27 

wie  sol  man  gewarten  dir  89 

der  hof  ze  Wiene  sprach  ze  mir  69  31 

wir  klagen  alle  und  wizzen  doch  niht  waz  uns  wirret  75  11 

swer  mir  ist  slipfic  als  ein  is  78  73 

vil  hohgelobter  got,  wie  selten  ich  dich  prise  76  71 

wer  sieht  den  lewen  ?  wer  sieht  den  risen  78  97 

junc  man,  in  swelher  ahte  du  bist  69  181 

ich  bin  iu  eines  dinges  holt,  haz  unde  nit  51  19 

ich  lepte  wol  und  äne  nit  47  11 

ich  minne,  sinne  lange  zit  102 

ich  hän  die  zit  99 

ein  niuwer  sumer,  ein  niuwe  zit  20 

waz  ich  doch  gegen  der  schoenen  zit  6 

Minne  diu  hat  einen  site  37 

Herzoge  üz  Österriche,  lä  mich  bi  den  liuten  75  151 

ich  bin  als  unschedeliche  frö  64 

ich  waere  dicke  gerne  frö  39  19 

ich  bin  nu  so  rehte  fro  19 

von  Kölne  werder  bischof,  sit  von  schulden  fro  79  17 

hie  vor,  dös  alle  wären  frö  60  21 

ich  wil  nu  mere  üf  ir  genäde  wesen  frö  46  1 

wil  aber  iemen  wesen  frö  42 

ich  hän  ir  so  wol  gesprochen  31 

die  veter  habent  ir  kint  erzogen  69  121 

ist  daz  mich  dienest  helfen  sol  103  25 

sit  deich  ir  eigenlichen  sol  3  33 

ob  ich  mich  selben  rüemen  sol  49 

ouwe  daz  mir  so  maneger  missebieten  sol  46  33 

der  Missenaere  solde  74  1 

ich  bin  dem  Bogenaere  holt  78  1 

ir  sult  sprechen  willekomen  52 

her  keiser,  sit  ir  willekomen  73  1 

die  grisen  wolteu  michs  überkomen  60 

nu  bitet,  lät  mich  wider  komen  53  13 

die  mir  in  dem  winter  fröude  hänt  benomen  48 

dri  sorge  habe  ich  mir  geuomen  71  53 

waz  eren  hat  frö  Böne  70"  29 

an  wibe  lobe  stet  wol  daz  man  sie  heize  schcene  75  171 


iB8 

mir  ist  verspart  der  saelden  tor  69  16 

herre  got,  gesegene  mich  vor  sorgen  10 

ez  gienc  eins  tages  als  unser  herre  wart  geborn  68  25 

ich  häte  ein  schoene  bilde  erkorn  92  49 

müeste  ich  noch  geleben  daz  ich  die  rosen  40 

swer  äne  vorhte,  nerre  got  69  151 

stsete  ist  ein  angest  und  ein  not  7 

die  zwivelsere  sprechent,  ez  si  allez  tot  51  1 

her  keiser,  ich  bin  frönebote  73  49 

ich  sach  mit  minen  ougen  67  25 

die  herren  jehent,  man  sülz  den  frouwen  62  1 

durhsüezet  und  geblüemet  sint  die  reinen  frouwen  106  1 

min  frouwe  ist  zwir  beslozzen  21  11 

järlanc  sint  die  tage  trüebe  100 

ir  fürsten,  tugendet  iuwer  sinne  mit  reiner  gtiete  107  1 

vil  süeziu  frouwe  hohgelopt  mit  reiner  güete  106  11 

ein  wip  mit  wibes  güete  104 

daz  ich  dich  so  selten  grüeze  33 

Marjä  klär,  vil  hohgeloptiu  frouwe  süeze  107  11 

ouwe  daz  wisheit  unde  jugent  71  1 

selbwahsen  kint,  du  bist  ze  krump  84  1 

ich  hän  gesehen  in  der  werlte  ein  michel  wunder  76  91 

ouwe  der  wise  die  wir  mit  den  grillen  sungen  80  22 

Sit  got  ein  rehter  rihtaere  heizet  an  den  buochen  76  112 

ich  hän  gemerket  von  der  Seine  unz  an  die  Muore  75  161 

dir  hat  enboten,  frouwe  guot  3  1 

weder  ist  ez  übel,  oder  ist  ez  guot  9 

swer  houbetsünde  unt  schände  tuot  69  166 

ganzer  fröuden  wart  mir  nie  so  wol  ze  muote  17 

junger  man,  wis  hohes  muotes  1 

ich  sanc  hie  vor  den  frouwen  umbe  ir  blozen  gruoz  63  49. 


Wörterbuch,  i) 


ä  interj.,  zur  Verstärkung  des 
nachdrucks  angehängt  an 
imperative  (bekerä,  sniä) 
oder  imperativische  Parti- 
keln (neinä). 

ab  prüp.  von. 

abe  adv.  ab. 

aber  abermals;  aber. 

abgründe  stn.  abgrund. 

ahi  interj.  hah. 

ahte  stf.  läge,  stand. 

aebtaere  stm.  geächteter. 

al  adj.  all,  ganz;  auch  adv.; 
aldä,  alhie  kaum  verschieden 
von  da,  hie. 

aleine  mit  gen.  verlassen  von. 

allererst,  alrerst  zuerst,  erst 
recht;   von   alrerste  zuerst. 

allez  eigentl.  acc.  sg.  n.  immer- 
fort. 

Alman  bezeichnung  des  Deut- 
schen im  munde  des  Ita- 
lieners. 

almuosensere  almosenempfän- 
ger. 

alsam  ebenso;  rel.  ebenso  wie; 
als  ob. 

also,  abgeschwächt  alse,  als 
adv.  so,  ebenso,  unter  der 
bedingung;  rel.  wie,  wenn. 

alsolch  gerade  solch. 

alsus  so. 

alten  swv.  alt  werden. 

alter  stm.  altar. 

alters  eine  ganz  allein. 


alumbe  ringsherum. 

alzan  =  aUez  an  immerfort. 

ande  sv^m.  kränkung. 

anden  strafen. 

ander  adj.  der  zweite;  in  einem 
vergleiche  pleonastisch:  als 
min  ander  hant  ivie  meine 
hand. 

anders  adverbialer  gen.  im 
übrigen,  sonst. 

äne,  an  ohne,  ausser;  mit  vor- 
angestelltem gen.  ledig,  er- 
mangelnd. 

anegenge  stn.  anfang. 

anegengen  siw.  einen  aneganc, 
d.  h.  eine  heil  oder  unheil  be- 
deutetide  begegnung  machen. 

ange  adv.  zu  enge  sorgfältig. 

augestlich  schrecklich. 

arc  arg,  karg. 

arebeit  stf.  mühe,  leid;  das 
durch  mühe  errungene. 

arke  f.  kästen. 

armen  swv.  arm  sein. 

armman  unglücklicher  mann. 

ars  stm.  der  hintere. 

art  stf.  beschaffenJieit. 

arzenie  stf.  heilkwnde. 

bäbest  papst. 

balde  adv.  eilig. 

balsamite  balsampflanze. 

balsme  swm.  baisam. 

balt  kühn,  dreist. 

ban  stm.,  pl.  benne  bann. 


')  Man  suche  v  immer  unter  f. 


190 


baniere  stf.  hanner. 

bannen  stv.  prät.  bien  in  den 
bann  tun. 

bar  mit  gen.  entblösst  von. 

barmensere  erharmer. 

barmunge  stf.  erbarmen. 

barn  stn.  kind. 

baz  adv.besser,  ivohler,pleonas- 
tisch  nach  com.:  groezer  baz. 

bede  =  beide. 

bedenken  mit  acc.  sorgen  für. 

be vollen  adv.  völlig. 

begän,  begen  stv.,  prät.  beg'ie 
unterne'imen,  ausüben;  sich 
begen  leben. 

begonde,  begunde  prät.  von 
beginnen. 

begrifen  greifen. 

behalten  bewahren,  aufbe- 
wahren, zurückhaltend  im 
geben  sein ;  den  strit  b.  den 
sieg  behaupten;  sich  b.  sich 
halten,  aufführen. 

behereu  siov.  rcfl.  mit  gen.  sich 
jemandem  gegenüber  über- 
heben. 

heberten  erzwingen. 

behüeten  behüten,  vei'hüten, 
sich  hüten  vor. 

beide  — nnde  sowohl — cdsauch. 

beidenthalp,  bedenthalben  auf 
beiden  Seiten. 

beiten   swv.  mit  gen.  warten. 

bejagen  erwei-ben. 

bekennen  kennen. 

bekeren  wenden,  einrichten. 

bekerkeln  einlcerkern  (?). 

bekliben  stv.  fest  wachsen, 
ivurzel  fassen. 

belangen  unpers.  verlangen. 

beliben,  bliben  stv.  bleiben, 
zurückbleiben. 

benahten  die  nacht  hinbringen. 

beraten  stv.  versorgen. 

bereiten  zurecht  machen. 

berihten  in  Ordnung  bringen, 
unterweisen. 

bem  stv.  tragen,  bringen, 
schaffen. 


bern  swv.  schlagen. 

bescheiden  stv.  auseinander- 
setzen; zuweisen,  bestimmen. 

bescheiden,  part  dazu,  sich 
zu  benehmen  wissend. 

bescheidenlich  adj.  gebührlich. 

bescheidenliche  adv.  auf  fest- 
gesetzte weise;  also  b.  unter 
solcher  bedingung. 

bescb  einen  stw.  offenbar  ma- 
chen. 

bescheiten  stv.  schelten;  part. 
bescholten  mit  makel  be- 
haftet. 

heschoenen  verschönern,  wohl 
aufnahmen  (?). 

beseme  swm.  besen. 

besitzen  belagern,  bildl.  82  51. 

besliezen  einschliessen ,  zu- 
schliessen. 

besorgen  mit  acc.  sorge  tragen 
ettcas  abzuwenden. 

bestän,  besten  angreifen,  er- 
greifen; zukommen,  zuge- 
hören (mit  acc). 

beste  adv. ;  so  —  beste  so  gut 
als. 

bestellen  besetzen. 

besonder  adv.  besonders,  ein- 
zeln. 

besuochen  nachsuchen. 

beswseren  schwer  maclien,  be- 
kümmern. 

betagen  zu  tage  kommen ;  den 
tag  hinbringen. 

bete  stf.  bitte. 

betiuten  deutlich  beschreiben. 

betoeren  zum  toren  machen, 
äffen. 

betragen  unpers.  m.  acc.  der 
person  u.  gen.  der  sache,  zu 
lange  dauern,  lästig  werden. 

betriegen  stv.  betrügen;  part. 
betrogen  verblendet. 

bettestat  lagerstätte. 

bewseren  beweisen. 

bewarn  schützen;  verhüten. 

bewarten  mit  einer  wache  be- 
setzen. 


191 


bewegen  stv.,  sich  eines  dinges 
auf  eticas  verzichten. 

bezzer  35  20  nützlicher. 

bezzerunge  wendung  zum 
bessern. 

bi  präp.  bei,  an ;  bi  drizec  pfän- 
den gegen  dreissig  pfund; 
adv.  in  der  nähe. 

biderbe  nützlich,  tüchtig,  vor- 

bien  prät.  von  bannen,  [nehm. 

bieten:  an  b.  ^  erbieten,  er- 
weisen. 

bilde  stn.  bild,  gebilde,  vorbild. 

binden,  ze  beine  gering  an- 
schlagen; wol  gebunden  mit 
gutem  gebende. 

bispel  stn.  lehrhafte  rede. 

biten  stv.  bitten,  mit  gen.  um 
etwas;  mit  dat.  für  einen. 

biten  stv.  warten. 

blä  blau. 

blat,  niht  ein  b.  nicht  das  ge- 
ringste. 

blecken  sichtbar  werden. 

blichen    stv.    blass,     farblos 

blint  blirul,  dunkel,     [iverden. 

blöz  substantiviert  in  decke 
b.  decice  das  blosse  (?). 

blüemen  (mit  blumen)  schmü- 
cken. 

bluot   stf.,  gen.  blüete  blute. 

Bogenaere  Bogner,  graf  von 
KatzenelUnbogen. 

bore  stm.  borg:  äne  b.  so  dass 
nicht  (iceiter)  geborgt  zcird. 

borgen  auf  borg  nehmen  oder 
geben;  üz  b.  etitleihen;  vgl. 
Zamcke,  PBB  VII,  602. 

bosch  busch. 

bcese  geizig  7"»  87. 

bösen  swv.  schlecht  sein. 

boteschaft  tätigkeit  als  böte. 

bouwen  =  büwen  wohnen. 

brä  stf.  braue. 

brechen  durchbrechen,  sich 
durch  etwas  nicht  einengen 
lassen;  für  b.  bei  seite  schie- 
ben, als  nicht  vorhanden 
betrachten. 


breiten  ausbreiten. 

brief  aufzeichnung  (schuld- 
buch). 

brinnen  stv.,  prät.  bran  bren- 
nen (intr.). 

broede  hinfällig. 

brogen  sich  übermütig  be- 
'nehmen. 

brunne  swm.  quelle. 

büezen  wider  gut  machen,  ab- 
hülfe wovon  verschaffen  (mit 
gen.). 

buggerämen  in  buggeräm  (ein 
aus  Ziegenhaaren  gewebter 
Stoff)  kleiden  (?). 

buoz,  des  ist  b.  dafür  ist  ab- 
hülfe geschaffen. 

butze  swm.  schreckbild. 

cirke  swm.  reif,  fürstenkrone. 

da  (da)  da ;  rel.  wo,  da  . .  an 
daran,  woran;  da  .  .  inne 
darin,  worin  etc.  Es  dient 
auch  zur  einleitung  einer 
antwort,  z.  b.  36  46. 

dagen  swv.  schweigen. 

dahte  prät.  von  decken. 

dan,  danne,  denne  als  nach 
comparativen. 

dan,  dannen  von  dannen,  rel. 
von  wo. 

danc  da7ik,  preis ;  dankes  frei- 
willig ;  äne  danc  Widerwillen. 

dandern  =  die  andern. 

danne,  denne  dann;  =  dan. 

dannoch,  dennoch  ferner  noch, 
noch. 

dar  dahin,  wohin,  dazu;  also 
dar  immer  zu. 

dar  =  da  in  dar  abe,  dar 
an  etc. 

dast  =  daz  ist. 

dazt  =  daz  du. 

dehein,  dekein  irgend  ein  (ul- 
lus),  kein. 

deich  =  daz  ich. 

deis,  deist  =  daz  ist. 

deiz  =  daz  ez. 


192 


dekein  =  dehein. 

denne  =  danne. 

der,  diu,  daz  pron.  dem.  und 

rel.,  art.;  gen.  des  deswegen; 

diu  (instrumentalis)  geliche 

derartig. 
der  m  dermite,   dernider  = 

dar,  da. 
derde  =  die  erde. 
d§st  =  daz  ist. 
deste  desto. 

deswär  =  daz  ist  war  fürwahr. 
deweder    irgend    eitler    (mit 

negation  kei^ier)  von  zweien. 
dicke  oft. 

dienen  dienen,  verdienen. 
dienest  stm.  oder  stn.  dienst; 

min  d.  sagen  eine  empfeh- 

lung  von  mir  bestellen;  sin 

d.  enbieten  eine  empfehlung 

sagen  lassen. 
dienstmann  ministeriale. 
diep,  min  d.  der  mich  hestohlen 

hat. 
diet  stf.  volk,  leute;  die  lieiden. 
diezeu  stv.  rauschen. 
dinc  Sache,  angelegenheit. 
dingen  verhandeln. 
dirre,   disiu,   diz   oder  ditze 

dieser. 
disputieren  76,  58  abschätzen 

(?);  vgl.  Schönbach,  ZfdA 

39,  347. 
diufe  stf.  diebstaM. 
dö  (do)  da,  damals,  als. 
doln  dulden. 
dön  ton ;  doenen  tönen. 
dörperheit   bäurisches   beneh- 
men. 
dörperlich  bäurisch. 
dougen  =  diu  ougen. 
draben  traben. 

drsete  adj.,  dräte  adv.  schnell. 
drie  stf.  die  drei,  dreiheit. 
drien  drei  faltig,  zur  drei  ma- 

cJien. 
dringen  stv.  dringen,  drängen. 
driunge  Verdreifachung. 
dro  stf.  drohung. 


drü  stf.  schlinge,  klemme. 
drüzzel  stm.  schnauze. 
dulteclich  mit  leiden  verknüpft. 
dumme  entstellt  aus  lat.  domini. 
durch,  dur  wegen,  um  —  urillen. 
durchsüezen    mit    lieblichkeit 

durchdringen. 
Dürinc,  Dürenc  stm.  Thüringer. 
dürfen  nötig  haben,  brauchen. 
dürfte  stf.  bedürftigkeit. 
dürkel  durchlöcliert. 
duz  stm.  schall. 

§  stf.  Satzung;  insbesondere 
kirchliche  Satzung  im  gegen- 
Satz  zu  der  weltlichen  (reht) ; 
religion. 

g  adv.  frülier,  elier,  lieber;  be- 
vor, ehe;  dafür  auch  e  danne, 
e  daz;  als  präp.  in  6  daz 
vordem. 

ebensere  gleichmacJier. 

ebene  adv.  gleichmässig ,  an- 
gemessen. 

ebenkristen  mitchrist. 

eht,  et  adv.  nur,  eben,  nun 
einmal. 

eichiu  adj.  von  eichenholz. 

eiden  in  eid  nehmen. 

eigen  adj.  eigen,  leibeigen;  stn. 
eigentum,  spec.  grwndbesitz; 
für  e.  zu  eigen. 

eigenlichen  adv.  vrie  ein  leib- 
eigener. 

ein  ein,  allein ;  sin  eines  leben 
das  leben  von  ihm  allein; 
eine  sw.nom.  oder  adv.  allein, 
auch  mit  gen.,  z.  b.  liebes 
eine  ohne  den  geliebten;  üf 
ein  zusammen;  als  artikel 
auch  in  vergleichungen  und 
anreden,  wo  im  nhd.  kein 
artikel  steht. 

einest  einmal. 

einlif  elf. 

einloetic  aus  einer  gleichmäs- 
sigen  masse  gebildet  (?). 

eischen  stv.  fordern. 

eilen  stn.  kraft. 


193 


elleude  in  fremdem  lande 
weilend. 

eilenden,  sich  in  die  fremde 
gehen. 

elliu  nom.  sg.  f.  und  nom.  acc. 
pl.  n.  von  al. 

en  1.  =  ne ;  2.  =  in ;  3.  =  den. 

enbern  stv.  mit  gen.  entbehren, 
frei  bleiben  wovon. 

enbieten  stv.  mssen  lassen. 

enbizen  friihstücJcen;  enbizzen 
sin  gefrühstückt  haben. 

ende  enle;  eines  dingesz'ende 
kommen  mit  etwas  zum  ab- 
schluss  kommen;  dest  ein 
ende  das  steht  fest;  ein  e. 
geben  eineyi  endgültigen  aus- 
Spruch  tun;  Jon  weiz  ich 
niht  ein  ende  ich  weiss  es 
nicht  bestimmt. 

endeliche  adv.  entschieden. 

endelist  letzte  Mugheit. 

enderät  endgültiger  entschluss. 

enfremeden  fern  halten. 

engelten  stv.  mit  gen.  nachteil 
wovon  haben;  wes  hänt  sie 
engolten  trodurch  haben  sie 
es  verschtddet? 

enhein  kein. 

enmitten  mitten;  enmittenzwei 
in  der  mitte  entzwei. 

enpfähen  stv.  empfangen. 

enpfallen  entfallen. 

enpflegen  mit  gen.  sich  be- 
nehmen gegen. 

en(t)springen  entspringen,  blü' 
ten  treiben. 

enthalten  fassen. 

entrennen  zertrennen. 

entriuwen  fünvahr. 

entsliezen  aufsclüiessen. 

entsten  wahrnehmen,  ver- 
stehen; sich  e.  Verständnis, 
urteil  haben. 

entswellen  die  aufschwdlung 
verlieren,  besänftigt  werden. 

entwenen  entwöhnen. 

entwern,  einen  eines  dinges 
versagen. 


entwich  stm.  das  entweichen. 

entwonen  sich  enttcöhnen. 

enweder  keiner  von  zweien. 

enwiht  =  ein  wiht  ein  unbe- 
deutendes ding,  so  viel  als 
nichts,  e.  machen  zu  nichte 
machen. 

er  pron.  er,  derjenige;  dat. 
auch  reflexiv;  pleonastisch 
das  prädicat  vorweg  neh- 
mend :  ich  binz  der  sun  etc. 

erbarmen  mit  acc.  leid  tun, 
jammern. 

erbeiten  mit  gen.  warten  auf. 

erben  sich  vererben. 

erbermde  stf.  barmherzigkeit. 

erbermic  barmherzig. 

erblenden  blenden. 

erborn  angeboren. 

erdenken  durch  nachdenken 
finden. 

erdringen  durch  drängen  ge- 
winnen. 

ere  stf.  ehre,  häufig  im  plur.: 
e.  hän  geehrt  icerden,  mit 
gen.  ivodurch.  tuo  din  e.  tu 
was  dir  zur  ehre  gereicht. 

ervarn  durchfahren. 

erfiuhten  anfeuchten,  erfri- 
schen. 

erfüllen  anfüllen. 

erfürhten,  part.  erforht  fürch- 
ten. 

ergän  geschehen,  ergehen,  ab- 
laufen. 

ergeben  hingeben. 

erglesten  erglänzen. 

ergraben  eingraben. 

erheben  stv.  anheben. 

erhellen  stv.  erschallen. 

erholn,  sich  etwas  versäumtes 
einbnngen. 

erkennen  kennen,  kennen  ler- 
nen; mute  erkant  als  frei- 
gebig bekannt. 

erkiesen  stv.,  pari,  erkorn  er- 
wählen. 

erkosen,  sich  sich  satt  plaudern. 

erlaben  erfrischen. 


Walth.  T.  d.  Vogelweide.    5.  Autl. 


13 


194 


erlAzen,  einen  eines  (Unges 
einem  eticus  erlassen. 

erlesen  herauslesen. 

eiiiden  erleiden,  sich  gefallen 
lassen. 

ermen  arm  machen. 

erre  adj.  comp.  früJiere. 

erschamen,  sich  in  schäm  ge- 
raten. 

erscheinen  swv.  zeigen. 

erschelleu  siv.  erschallen. 

erschrecken  stv.  auffahren, 
zurückbeben  (mit  gen  ). 

erste  adv.  zuerst. 

erteilen  zuteilen. 

ertoeren  ztim  toren  machen,  für 
einen  toren  halten,  betäuben. 

erweit  part.  auserwählt. 

erwenden  zur  umkehr  bringen, 
abwenden. 

erwerben  ausrichten  mit  seiner 
bemühung  45  16. 

erwinden  umkehren,  aufhören, 
nachlassen. 

erzüuden  entzünden. 

est  =  ez  ist. 

eteslich  mancher. 

eteswaz  etwas. 

eteswenne  manchmal. 

val  adj.  fahl,  blond. 

val  fa,ll,  ze  valle  geben  «Vis 
verderben  stürzen. 

valsch  stm.  falschlieit,  falsche 
münze,  makel. 

valwen  fahl  werden. 

vären  mit  gen.  trachten  nach. 

vaeren    auflauern,    überlisten. 

varn  fahren,  überhaupt  sich 
bewegen,  kommen;  sich  be- 
nehmen, befinden;  varn  läzen 
preisgehen,  keinen  wert  wo- 
rauf  legen;  part.  vamde 
rasch  vergänglich,  im  stände 
sich  zu  bewegen,  tvoMauf; 
V.  guot  bewegliche  habe; 
varndez  volc  spielleute. 

varwe  färbe,  äusseres  an- 
seilen. 


vaste  adr.  sehr,  dicht. 

vastenkiuwe  fastenfrass. 

vech  bunt. 

vehen,  ven  hassen,  feindselig 
behandeln. 

vehten  sich  abmülien. 

veige  zum  verderben  bestimmt. 

vellen  zu  falle  bringen. 

velschen,  sich  sich  falsch  er- 
weisen. 

veltgebü  behautes  feld. 

verbern  stv.  ferti  bleiben  von, 
vermeiden,  unterlassen. 

verbieten,  ein  spil  den  gegner 
im  spiel  überbieten. 

verderben  swv.  zu  gründe 
richten. 

verdienen  dienen  um  etwas, 
was  man  erlangen  will  oder 
schon  erlangt  hat,  durch 
dienst  erwerben. 

verdriezen ,  mich  verdriuzet 
eines  dinges  mir  toird  etwas 
zu  viel,  dauert  zu  lange. 

verdringen  verdrängen,  drätv- 
gen  zu  (?). 

vereinen,  sich  mit  gen.  seinen 
sinn  ivorauf  richten. 

vereischen  erfahren. 

verenden  1.  ein  ende  finden; 
2.  zu  ende  bringen. 

vervähen,  vervän  mit  acc. 
helfen,  nützen. 

vervarn  vergehen. 

vervellen  zu  falle  bringen. 

vergän  mit  acc.  bei  einem  vor- 
beigehen. 

vergeben  gestatten  34  4;  ver- 
giften, mit  dat. 

vergebene  adv.  umsonst. 

vergelten  bezahlen. 

vergezzen  7nit  gen.  vei-gessen; 
sich  V.  sich  versehen;  part. 
vergezzen  gedankenlos. 

verguot  =  für  guot. 

verheret  durch  Vornehmheit 
unnahbar  gemacht. 

verhouwen  niederhauen;  ver- 
wunden. 


195 


verirren  in  dw  irre  führen, 
m  Verwirrung  bringen. 

verjehen  mit  gen.  aussagen, 
zugestehen. 

verkeren  ins  gegenteil  ver- 
wandeln ;  verdrehen. 

verkiesen  stv.  verschmähen. 

verklüsen  einsperren  wie  in 
eine  Mause. 

verlegen  zu  lange  gelegen 
habend,  durch  trägheit  in 
seinem  äusseren  vernach- 
lässigt. 

verleiten  in  die  irre  führen. 

Verliesen,  fliesen  stv.  verlieren, 
vergeblich  anwenden. 

verUsten  überlisten. 

vermiden  unterlassen,  fern 
bleiben  von. 

vermissen  entbehren ;  durch 
ein  V.  weil  es  ihm  fehlt  (an 
mittein  zum  geben). 

vemaejen  einnäfien,  einschnü- 
ren. 

verpflegen  aufhören  zu  treiben. 

verpflihten,  sich  ze  sich  an 
etwas  hängen. 

verre  adv.  fern,  in  die  ferne, 
aus  der  ferne;  viel,  sehr. 

verren  entfernen,  entfremden. 

verschallen  übertönen. 

verschampt  die  schamhaftig- 
keit  verloren  habend. 

verschelken  knechten. 

verschraget  verschränkt,  in 
einer  schiefen  unrichtige^i 
Stellung  befindlich  (?). 

verschroten  part.  falsch  ge- 
schnitten. 

verschulden  verdienten,  ver- 
gelten. 

versiunen,  sich  zu  verstand 
kommen,  verständig  sein; 
überlegen;  sich  auf  etwas 
verstehen;  part.  versunnen 
verständig. 

versitzen,  versezzen  sin  sich 
auf  einen  falschen  platz 
gesetzt  haben. 


versmäheu  verächtlich  erscliei- 
nen. 

versnideu  zerschneiden ;  ver- 
louiiden  (Midi.). 

versprechen  mit  acc.  gegen 
etwas  sprechen. 

verstän,  ze  guote  v.  zum  guten 
auslegen:  sich  v.  verständig 
sein ;  mit  gen.  gewahr  weeden. 

versümen  vernachlässigen,  un- 
nütz hinbringen;  sich  v. 
nachlässig  sein;  seine  zeit 
unnütz  hinbringen. 

versuochen  erproben. 

verswachen  geringer, schlechter 
maclien. 

verswern  durch  meineid  preis- 
geben. 

vert  im  vorigen  jähre. 

vertragen  sich  gefallen  lassen, 
gelten  lassen. 

verwsenen,  sich  erwarten  (mit 
gen.). 

verwarren  =  verworren  part. 
zu  verwerren  in  Unordnung 
bringen. 

verwäzen  part.  verflucht,  un- 
glückselig. 

verwizen  stv.  vorwerfen. 

verzaget  mit  gen.  verzweifelt 
an;  zurückhaltend,  knause- 
rig mit. 

verzihen,  sich  mit  gen.  ver- 
zichten auf. 

verzinsen  als  zins  hingeben. 

vielt  prät.  von  valten. 

vient,  vint  feiitd. 

vieren  behauen,  glätten  (=  lat. 
quadrare). 

vil  subst.  mit  gen.'^niel;  adv. 
sehr. 

Villen  geissein. 

vingerlin  stn.  fingerring. 

vingerzeigen  mit  dem  finger 
zeigen. 

fiuhte  stf.  feuchtigkeit. 

fle  =  flehe  stf.  das  flelwn. 

fliesen  =  Verliesen. 

fliz  Sorgfalt. 

13* 


196 


flizen,  si(;h  sich  befleissigen. 

flüetic  flutig,  überströmend. 

voget  richter,  schirmlierr. 

volenden  zu  e)ide  bringen. 

volfüegen  zur  Vollendung 
bringen. 

volge  beistimmung. 

volgen,  mite  v.  folgen,  gesell- 
schaft  leisten. 

volle  swm.  fülle;  ze  vollen  voll- 
ständiq. 

vollecliche  adv.  reichlich. 

volmezzen  reichlich  gemessen. 

volrecken  vollstä)tdig  ausein- 
andersetzen. 

von  von,  in  folge  von,  vor, 
durch. 

vor,  hie  v.  früher. 

vorhte  stf.,  auch  im  plur. 
furcht. 

fremede  fern,  fremd,  zurück- 
haltoid  (34  28),  seltsam. 

freudehelfelös  adj.  dem  nie- 
mand zur  freude  verhilft. 

frevellichen  ndv.  vermessen. 

fri  läzen  fern  bleiben  von. 

fride  stm.  Waffenruhe,  rechts- 
sicherheit. 

fridebsere  friedfertig. 

friedel  geliebter. 

inen  frei  macJien. 

fristen  verschieben,  schützen. 

friunden  zum  geliebten  maclien. 

friundin,  -inne  geliebte. 

friunt  freund,  geliebter,  geliebte. 

friuntlichen  adv.  nach  art  eines 
geliebten. 

frö  sin  mit  pen.  einverstanden 
sein,  bilhgen. 

frö  =  freu  proklittsche  form 
zu  frouwe. 

frömde  =  fremde. 

frone,  fron  indeclinahles  adj. 
heilig. 

fronebsere  heilig,  herrlich. 

fronebote  gerichtsbote. 

frouwe,  frou,  frö  lierrin  (ad- 
lige) datne;  here  f.  anrufung 
der  Maria. 


frouwelin  diminut.  dazu,  als 
anrede  an  ein  mädchen 
niederen  Standes,  der  der 
titel  frouwe  von  rechtstvegen 
nicht  zukommt. 

frum(e)  swm.  vorteil. 

frümekeit  trefflichkeit. 

frunien  nützen. 

füegaerinne  bewirkerin. 

fliegen  zu  wege  bringen,  zu 
teil  werden  lassen. 

fuoge  schickliches  benehmen, 
geschicklichkeit. 

fuore  lebensweise. 

fuoz,  niemer  f.  nie  einen  fuss 
breit. 

für  adv.  u.  präp.  vor,  für,  an- 
statt, über  —  hinaus,  mehr 
als,  gegen ;  für  sich  vorwärts. 

fürder  adv.  bei  seile,  weg. 

fürgedanc  stm.  vorausgehende 
Überlegung. 

furrieren  füttern. 

gäch,  mir  ist  g.  ich  habe  es 
eilig. 

gäben,  in  allen  g.  in  aller  eile. 

gäben  swv.  eilen. 

gampelspil  possenspiel. 

gan  ich  gönne;  zu  gunnen. 

gän,  gen  gehen;  abe  g.  ge- 
brechen; an  g.  angreifen; 
üf  g.  überhand  nehmen;  zuo 
g.  sich  nähern. 

ganz  unverletzt,  vollständig. 

ganzlich  das  selbe. 

gar  adv.  ganz. 

ge-  Partikel,  bildet  teils  mit 
einem  nom.  oder  verb.  eine 
feste  composition  von  eigen- 
tmnlicJier  bedeutung ,  teils 
hat  es  vor  dem  verb.  eine 
Pestimmte  syntaktische  func- 
tion,  ohtie  sonst  die  loort- 
bedeutung  zu  verändern.  Im  ^ 
letzteren  falle  suche  man 
unter  dem  einfachen  worte. 
So  gibt  es  dem  prät.  in  tem- 
poralsätzen   die   bedeutung 


197 


des  aorists  und  steht  da,  too 
im  lat.  das  plusquamp.  ge- 
setzt wird.  Ferner  steht  es 
neben  ie  und  den  damit  zu- 
sammengesetzten Wörtern, 
bei  dem  infin.  nach  hiUfs- 
zeitwörtern,  in  verallgemei- 
nernden relativsätzen. 

gebären  sich  benehmen,  um- 
gelien,  dafür  gebseren  93 
17  (?). 

gebe  stf.  gäbe. 

geben  swv.  mit  dat.  beschenken. 

gebende  stn.  kopfschmucJc. 

gebieten,  gebiut  mir  verab- 
schiede mich. 

gebüre.  sum.  bauer. 

gedanc  stm.  gedanke. 

gedenken  nach  mit  seinen  ge- 
danken  etioas  zu  erfassen 
suchen. 

gedien  =  gedihen  sio.  in  einen 
zustand  geraten. 

gedinge  swm.  u.  stn.  hoffnung. 

gedingen  hoffen. 

gedultic  verträglich. 

gevallen  zufallen. 

gevar  adj.  eine  gewisse  färbe 
habend. 

gevelle  stn.  das  fallen  der 
Würfel,  ausfall. 

gef  riunt  mit  freunden  versehen. 

gefüege,  adv.  gefuoge  schick- 
lich, wolerzogen. 

gegen,  gein  präp.  mit  dat. 
gegen,  entgegen,  gegenüber. 

gehaben,  sich  sich  benehmen. 

gehaz  adj.  feindlich. 

geheize  stn.  verspreclien. 

geheizen  versprechen. 

gehirmen  ruJien. 

gehiure  lieblich. 

gehovet  höfisch. 

geil  fröhlich. 

gein  =  gegen. 

geläz  stm.  oder  stn.  gestalt, 
aussehen. 

geleben  erleben. 

gelf  glänzend. 


gelich  gleich;  adv.  geliche 
gleichmässig ,  eyitsprechend. 

geliehen  vergleichen,  gleich 
stellen;  gleich  kommen. 

geligen  darnieder  liegen;  obe 
g.  die  Oberhand  behalten. 

gelt  stm.  oder  stn.  Vergeltung; 
einkommen. 

gelten  kosten;  bezahlen,  ver- 
gelten. 

gelust  wolgefallen. 

gemach  riüie,  bequemlichkeit. 

gemeine  gemeinsam ,  überein- 
stimmend ;  ez  g.  hän  gemein- 
same Sache  machen. 

gemeit  fröhlich,  stattlich. 

gemelich  spasshaft. 

gemüete  stn.  gesinnung,  Stim- 
mung. 

gemuot  gesinnt,  gestimmt. 

g(e)näde  gnade,  huld;  insbe- 
sondere gunst  der  geliebten 
dame;  eines  g.  hän  einem 
seine  gunst  getcähren;  öfters 
ist  g.  bittender  ausruf,  so- 
viel als  „gewähret  mir 
gnade". 

genäden  gnädig  sein. 

genseileclich  gnädig. 

genaeme  genehm,  angenehm. 

genesen  am  leben  bleiben,  ein- 
halten werden,  sein  Seelen- 
heil finden. 

genieten,  sich  mit  gen.  sich 
stark  mit  etwas  abgeben. 

geniezen  mit  gen.  vorteil  wo- 
von haben;  genozzen  vorteil 
gewonnen  habend. 

genöz,  gnöz  stm.  jemand  der 
einem  gleich  ist  (mit  gen.). 

genozen  gleichstellen,  da  zuo 
dem. 

genuoc  subst.  indecl.  genug; 
adj.  viel;  adv.  gennoc  und 
genuoge. 

ger  stf.  verlangen. 

gersete  sin.  rat. 

gerihte  stn.  gericht,  rechts- 
ordnung,  regiening. 


198 


gerinc  stm.  bemühen. 
gern  mit  gen.  heyehren,  ver- 
langen;   die    gernden    die 

gaben  heischenden  spielleute. 
gerne  gern,  bereitwillig;  comp. 

geruer. 
geselle  genösse,  freund. 
gesiht  stf.  anblicJc ;  zir  gesihte 

von  ihren  äugen. 
gesinde    sin.    gesamtheit   der 

untergebenen. 
gestalt  part.  von  stellen. 
gestän  stehen  bleiben,  bleiben. 
gesunde  =  gesunt 
geswigen  stv.  vei'strimmcn. 
getät  beschaff enJieit. 
getriuwen,  getrüwen  trauen, 

zutrauen,  sich  getrauen. 
getwerc  stn.  zwerg. 
gewalt,  stm.  gewalt,  gewalt- 

tätigkeit. 
gewaltecliche(n)  adv.  gewaltig, 

getcaltsam. 
gewaltic  sin  mit  gen.  in  seiner 

gewalt  haben. 
gewerp  stm.  Werbung,  bemüh- 

ung. 
gewinnen  erlangen,  bekommen. 
gewizzen  verständig. 
gewon  adj.  gewohnt. 
geworht  part.  von  wtirken. 
gihe,  gibt  zit,  jehen. 
gitekeit  habsucht. 
gitsen  habsüchtig  sein. 
glesin  gläsern. 
gouch  kukuk;  narr. 
gougelaere  gaukler. 
gougelbühse  zauberbüchse. 
gougelfuore   lehensweise,    die 

etvig  wechselt  xoie  die  künste 

eines  gauklers. 
gra  grau. 
grät  stm.  gräte. 
grimme  schrecMich. 
grinen  stv.  knurren. 
gröz  dick,  gross. 
güete  trefflichkeit,  auch  implur. 
gnggaldei  kuckuck  (?). 
gtilte  stf.  schuld. 


guneren  beschimpfen. 
gunnen  mit  gen.  gönnen. 
guot  adj.  gut,  nützlich;   für 
g.  hau  womit  vorlieb  nehmen. 
guot  stn.  etwas  gutes,  besitz. 

habe  stf.  Hafen. 

habedanc  stm.  dank,  lob. 

haben,  hän  haben,  halten,  be- 
handeln; intr.  halten  (vom 
reiter). 

hal  prät.  von  hellen  uml  von 
heln. 

halbe  adv.  zur  hälfte. 

halsen  stv.  umarmen;  pari. 
gehaiseu  zärtlich. 

halten  behalten. 

handelunge  bewirtung. 

hanhte  prät.  von  Jienken. 

hant,  einer  bände  einerlei; 
guoter  bände  von  guter  art. 

hautgetät  stf.  geschöpf. 

bar,  nibt  ein  här  nicht  das  ge- 
ringste. 

harpfen  harfe  spielen. 

harte  adv.  zu  herte  sehr. 

heben,  sich  sich  aufmaclien, 
anfangen. 

hei  interj.  hah. 

beiden  stm.  lieide. 

beilegeist  heiliger  geist. 

heiles  wort  beglückwünschung. 

heim  Jieimwesen;  heim,  hein 
nach  hause;  beirae  zu  hause. 

beimescb  einheimisch. 

helfe  hülfe. 

helfen  mit  acc.  oder  dat.,  mit 
gen.  wozu  verlielfen. 

bellemor  höllenmohr,  teufel. 

bellen  stv.  schallen;  eilen  (?) 
82  53. 

heln  stv.  verhehlen. 

henken  hängen  lassen. 

her  lier;  bisher;  da  her  bis- 
Jier. 

hör  und  h§re  erhaben,  lieilig, 
vornehm,  übermütig. 

herebernde  herrlich,  lieilig. 

h§ren  swv.  hör  machen. 


199 


hergeselle  kampfgenosse. 
herliche    adv.    in    herrlicher 

tceise. 
harsch    sich  vornehm   beneh- 
mend. 
herte  hart. 

herzeichen  feldzeicJien. 
herzeleide  stf.,  herzeleit  stn. 

herzeleid. 
herzeliebe   stf.  herzensfreude, 

Iterzliche  neigung. 
herzeUep    stn.    Iierzensfreude, 

geliebte. 
hien   erde  =  hie  en  e.  hier 

auf  erden. 
himelfrouwe  herrin  des  him- 

mels. 
himelhort  himmelsschatz. 
hin  von  hier;  hin  umbe  auf 

die  andere  Seite;  hin  ze  järe 

MÄers  jähr. 
hlnaht  hente  nacht. 
hinder  sich  zurück. 
hinne  =  hie  inne  hierin. 
hiure  in  diesem  jähre. 
hoch,  hö  adj.  hoch,  lierrlich, 

gehoben,  fröhlich. 
hovebsere  in  höfischer  siite  be- 
wandert. 
hovebeUe  swm.  hofbeller,  höf- 

ling. 
hovelich ,     adv.    hoveliche(n) 

ho  f gemäss. 
hövescheit  höfisches  benehmen. 
höveschen  den  hof  machen. 
hovestsete  dem  hofe  treu. 
hovewert  des  hofes  teert. 
höhe,  hö  adv.  zu  hoch ;  sit  ez 

in  also  höhe  ste  da  es  ihnen 

so  teuer  zu  stehen  kommen 

kann. 
hohgemäc  adj.  von  vornehmer 

verivandt  Schaft. 
höhgemüete    gehobene,   fröh- 

liclie  Stimmung. 
höhgemuot  adj.  in  fröhlicher 

Stimmung. 
hoene  schmählich. 
honegen  voll  honig  sein. 


hoenen  in  schände  bringen. 

homnnc  februar,  bildl.  fräst- 
beulen. 

hört  schätz. 

houbetsünde  todsiinde. 

hübesch  =  hövesch. 

hulde  huld,  geneigtlieit;  mit 
hulden  mit  erlaubnis. 

huobe  hufe,  stück  land. 

huote  hut,  aufsieht,  auflaue- 
rung, vorsieht. 

ie  je;  immer. 

iedoch  jedoch,  dennoch. 

ieglich,  iegeslich  jeglich. 

ieman,  iemen  jemand ;  in  ab- 
sichtssätzen  auch=niemand. 

iemer  j>  {nie  nach  ich  wände); 
immer;  iemer  mere  immer- 
fort. 

iender  irgendwo. 

iesä  sogleich. 

iesch  prät.  von  eischen. 

ietweder  jeder  von  zweien. 

ieze,  iezuo  jetzt. 

iht  irgoid  etwas;  adverbial: 
irgend,  etwa;  in  absichts- 
sätzen  =  niht. 

i'm  =  ich  im. 

in  1.  in,  ein;  2.  ihn,  ihnen; 
3.  =  ich  ne. 

ine  =  ich  ne. 

Ingesinde  stn.  gesamtheit  der 
hofleute;  ich  bin  i.  ich  ge- 
höre zum  i. 

inme  =  in  dem(e). 

inuän  innen. 

inne  innen,  in  inne  bringen 
m.  gen.  belehren  über. 

innecfich,  adv.  innecliche(n) 
lierzlich. 

insigel  Siegel,  Stempel. 

irre  mit  gen.  unsiclier  in  be- 
zug  auf. 

irren  7nit  gen.  stören  worin. 

ja  ja,  fürwahr. 

jämerliche  adv.  mit  jammer. 

jarlanc  in  dieser  zeit  des  Jahres. 

jehen    siv.,   1.  sg.  ind.  gihe 


200 


behaupten,  zugestelwn  {mit 
dat.  der  person  utid  gen.  der 
Sache);  sich  j.  für  sich  be- 
ken7ien  als. 

j6  fürwahr,  ähnlich  joch. 

junc,  ze  jungest  zuletzt. 

juncherre  junger  lierr. 

jungen  jung  werden. 

kalc  kalk,  iüncJie. 

kamertere  Schatzmeister. 

kapfen  schauen. 

kappe  mantel. 

karkelvar  kärkerfarben  (?). 

kein  irgend  ein,  kein. 

kemenäte  heizbares  zimmer, 
vertrauliches  gemach,  im 
gegensatze  zu  dem  allge- 
meinen empfangsaal. 

kempfe  kämjyfei-. 

kiel  scjdff'  von  bestimmter  art. 

kiesen  stv.  wahrnehmen,  wäh- 
len. 

kint,  von  kinde  von  kind  auf. 

kit,  daz  k.  das  heisst. 

kiusche  adj.  enthaltsam,  rein. 

kiusche  stf.  enthaltsamkeit, 
reinheit. 

klagen  mit  acc.  beklagen. 

kleine  subst.  und  adv.  wenig. 

klosensere  klausyier. 

klüs  Mause. 

knoUe  swtn.  anschwellung ;  ich 
gewinne  knollen  ich  werde 
grob. 

krä  stf.  krälie. 

kraft  kraft,  fülle. 

krage  swm.  hals. 

kranc  schwach,  gering. 

kraneche  stvm.  kranich;  kra- 
nechen  trit  stolzer  tritt. 

krenken  scMväcJien,  a-nied- 
rigen. 

Krieche  swm.  GrriecJie;  ze 
Kriechen   in  Gi'iechenlatul. 

kripfe  swf.  krippe. 

kristen  krist. 

kumber  bedrängnis,  leid. 

künde  stf.  bekanntschaft. 


kündeclicheu  adv.  offen,  vor 
aller  äugen. 

kündekeit  list. 

kunder  stn.  seltsames  geschöpf. 

kündic  bekannt. 

kunft  ankunft,  herannahen. 

künftic  kommend. 

kunneu  wissen,  verstellen,  kön- 
nen; k.  ze  sich  auf  etwas 
verstellen;  einem  k.  mit 
einem  fertig  werden  können. 

kunterfeit  stn.  das  nachge- 
machte, unechte. 

kür  stf.  waM ;  säzen  ander  k. 
setzten  sich  zu  einer  andern 
loahl  (?). 

kür  conj.  prät.  von  kiesen. 

kurzewile  kurzweil,  Unterhal- 
tung. 

kurzlich  adv.  kurz. 

küssen  stn.  kissen,  im  Wort- 
spiel mit  küssen  küssen. 

lacheliche  adv.  dem  lachen 
entsprechend. 

läge  stf.  hinterhalt. 

län  =  läzen. 

lanc:  eines  tages  lanc  die 
länge  eines  tages. 

lantrehtsere  jemand,  der  sich 
mit  dem  landrecht  abgibt, 
danach  richtet. 

Isere  leer,  mit  gen.  von. 

lajren  leeren;  1.  von  wegnehmen 
von  (69,11?). 

lasier  schände. 

lasterliche(u)  in  schimpflicher 
weise. 

läzen,  län  lassen,  verlassen, 
fahren  lassen,  vergeben;  sich 
1.  sich  verlassen;  einem  den 
strit  1.  ihm  das  feld  räumen; 
lät  mich  gän  nehmt  an  (ge- 
setzt), ich  ginge. 

le  stm.  hügel. 

leben  stn.  leben,  stand,  Stel- 
lung. 

lecker  Schmarotzer,  Schmeich- 
ler. 


201 


ledic  frei. 

lehen  lehen,  Verleihung. 

leide  adv.  schmerzlich;  1.  sin 
weh  sein;   1.  tuon  weh  tun. 

leiden  1.  unangetiehm  weixle^i 
oder  sein;  2.  unangetiehm 
maclien. 

leisten  befolgen. 

leit  adj.  leid,  verhasst. 

leit  =  leget;  leite  =  legete. 

leste  superl.  letzte. 

letzen  m.  acc.  ein  ende  maclien. 

liebe  stf.  freude,  liebe;  in  K 
bedeutet  liebe  das  liebsein 
wie  schoene  das  schönsein. 

liebe  adv.  angenehm ;  mir  wir- 
det  1.  ich  komme  in  ange- 
nehme Stimmung. 

lieben  1.  angenehm  werden 
oder  sein;  2.  angenehm 
maclien. 

liegen  lügen;  verweigern:  nie 
gelouc,  ezn  sagte  nie  ver- 
weigerte zu  sagen. 

lieht  licht,  glänzend. 

liep  stn.  freude,  angenehmes; 
geliebte{r). 

ligen  liegen,  niedersinken;  1.  an 
woratif  beruhen,  womit  ver- 
knüpft sein ;  obe  1.  obsiegen. 

lihen,  ^wät  lech  leihen,  zu 
lehen  geben;  part.  geligen 
erborgt,  nur  üusserlich  an- 
genommen. 

lihte  ad.  wertlos. 

lihte  adv.  leicht,  vielleicht. 

lihtgemuot  oberflächlich. 

liljeuvar  lilienfarben. 

lip  leib,  leben,  person. 

üst  stm.  wissen,  kunst,  list. 

liuten  dat.  pl.  von  lüt  laut. 

16  =  loch  stm.  hain. 

loc  stm.  locke. 

lös  leichtfertig,  frech. 

IfBsen  loskaufen. 

lougen  stn.  läugnung;  äne, 
snnder  1.  unläugbar. 

lune  laune,  Unbeständigkeit. 

lützel  substantivisch  und  ad- 


verbial tvenig;  öfters  litotes 
=  nichts,  nicht;  lützel  ie- 
man  =  niemand. 

mäc  stm.  verwandter. 

maget  Jungfrau. 

malhe  swf.  sack,  tasche. 

man  mann,  lehnsmann. 

mäne  swm.  mond. 

manec  manch,  viel. 

msere  adj.  Jierrlich,  wert. 

msere  stn.  nachricht,  ruf; 
höher  m.  sin  in  grossem  an- 
sehn stellen. 

margarite  perle. 

mat  subst.  das  mattmacJien  im 
Schachspiel;  einem  m.  tuon 
einen  matt  machen. 

mäze  stf.  mass,  verhältniss; 
ze  mäze  in  gehöriger  weise. 

me  =  mer. 

megetlich  jungfräulich. 

meinen  meinen,  im  sinne  haben, 
seine  neigung  worauf  richten 
(mit  acc);  mit  lobe  m.  = 
loben;  m.  an  beziehen  auf. 

meiste  superl.  grösste. 

melden  verraten. 

menen  treiben. 

menneschlichen  adv.  als 
mensch. 

menscheit  menschliches  wesen. 

mere,  mer,  me  substantivischei' 
und  adverbialer  comp. mehr; 
weiter,  ferner. 

merksere  aufpasser. 

merken   aufpassen,  beachten. 

mez  styi.  mass. 

mezzen  messen,  zumessen,  ab- 
wägen. 

michel  gross ;  michels  um  vieles. 

miden  meiden,  fern  bleiben 
wovon. 

miete  lohn. 

milte  adj.  freigebig;  stf.  frei- 
gebigkeit;  miltecllche  adv. 
freigebig. 

minneclich,«  /r.minnecUche(n) 
auf  liebe  bezüglich,  in  einer 


202 


der  liebe  entsprechenden 
weise;  lieblich. 

minner,  rainre  adj.  Meiner; 
subst.  u.  adv.  iveniger. 

inissebieten ,  mit  dat.  gering- 
schätzig behandeln. 

missegau  übel  ergehn. 

raissestän  übel  anstehn. 

missetät  vei-gehen,  makel. 

missetreten  fehl  treten. 

missetuon  unrecht  handeln. 

missevarn  vei'kehrt  handeln. 

misseweude  stf.  makel. 

mitewist  stf.  beiwohnung. 

mittel  adj.  in  der  mitte  be- 
findlich. 

mittelswanc  mittlerer  schwung 
{des  rosses). 

mitten,  ie  mitten  mittlerweile. 

raüen  =  müejen  quälen,  be- 
trüben. 

müezen  in  die  läge  kommen 
etwas  zu  tun,  müssen,  sollen, 
mögen. 

mügen  können,  vermögen; 
gerne  m.  guten  grund  wozu 
haben;  müget  ir  schouwen 
so  viel  als  „schaut  doch"; 
waz  mac  ich  (des)  tcas  kann 
ich  dafür ;  daz  ich  es  niene 
mac  nichts  dafür  kann. 

münizisen  frügstempel. 

muose  prät.  von  müezen. 

muot  Seele,  sinn,  Stimmung, 
absieht ;  mir  wirdet  ze  muote 
eines  dinges  ich  entschliesse 
mich  tcozu. 

muoten  an  begehren  von. 

nac  stm.  nacken. 

nach  adv.  beinalie;  »tacÄ  (dar 

nach  nachdem) ;  jyräp.  nach, 

gemäss. 
nähe(n)  adv.  nahe;  n.  spehen 

genau  zuseJien ;  n.  ligen  am 

herzen  liegen. 
naehest  jüngst,  vor  kurzem. 
nähgebür  nachbar. 
name  name,  stand,  person. 


ne,  en,  angelehnt  n  nicht;  in 
abhängigen  conjunctivsätzen 
1.  es  sei  denn,  dass ;  2.  dass 
nicht  =  lat.  quin. 

nebelkrä  stf.  nebelkrähe. 

neina  nicht  doch,  auch  als  er- 
munternder zuruf  gebraucht, 
ohne  dass  etwas  zu  ver- 
neinen ist. 

nemen,  sich  an  n.  mit  acc. 
sich  mit  etwas  befassen. 

nem  am  leben  erhalten. 

niden  stv.  hassen,  beneiden, 
zürnen  wegen. 

nider  adj.  niedrig. 

niender,  niener  nirge^ids;  in 
keiner  hinsieht. 

niene  nicht. 

niet  ■=  niht. 

nigen  stv.  sich  neigen. 

niht  nichts,  nicht ;  niht  Steines 
kein  stein. 

nit  hass,  neid,  zorn;  nit  hän 
m.  gen.  zürnen  wegen. 

niuwan,  niewan  nichts  als,  nur. 

niuwe  adj.  neu,  neumodisch. 

niuwe  stf.  neuJieit,  frische. 

noch  und  auch  nicht,  noch; 
ein  weder  kann  vorhergeJien, 
ist  aber  häufig  zu  er- 
gänzen. 

nöue  (neunte  stunde)  himmel- 
fahrtstag. 

not,  äne  n.  läzen  unhelieUigt 
lassen. 

nötic  in  not  befindlich. 

nu  jetzt,  nun,  nun  aber; 
da  nun. 

nuz  stm.  ertrag. 

ob  1.  präp.  über;  2.  conj.  tcenn, 

ob. 
obe  1.  adv.  oben,  über,  mit 

dat.  über  etwas  hinaus;   2. 

conj.  =  ob. 
obedach  obere  bedeckung,  ab- 

sehluss. 
och  =  ouch. 
oder,  ode,  od  oder. 


203 


ordenunge  Ordnung,  ahieilung 
(engelchor). 

organieren  die  hegleitwig  spie- 
len (?). 

ors  stn.  ross. 

ort  stn.  spitze,  ende;  unz  üf 
(an)  daz  ort  bis  zu  ende, 
roüständig. 

ouge,  under  ougen  in's  gesteht, 
im  g. 

ongenblic  blick  der  äugen. 

ougenweide  stf.  was  man  mit 
den  äugen  erblickt. 

onwe,  ouwi  ach  (drückt 
schmerz,  Sehnsucht  und  er- 
staunen aus). 

palast  sfmn.hauptgebättde  einer 
bürg,  welches  den  saai  ent- 
hält. 

pfaffe  swm.  geistlicher  (nicht 
cerächilich). 

pfaflich  adj.  nach  art  der 
geistlichen. 

pfahten  gesetzlich  feststellen. 

pfarre  sicf.  pfarrei. 

Pfät  stm.  Po. 

pfäwe  sicm.  pfau. 

pfeller  ein  Seidenstoff. 

pfenden  berauben. 

pflegsere  rormund. 

pflegen  s/r.  mit  gen.  sich  wo- 
mit abgeben,  wofür  sorgen, 
etwas  treiben,  leisten,  be- 
sitzen. 

pfliht  anteil;  äne  p.  ohne  dass 
jemand  daran  anteil  nimmt. 

pflihten  sich  verbinden;  zno 
mit. 

porte  pforte. 

predjen  predigen. 

prtiefen  untersuchen;  anstif- 
ten. 

Pülle  Äpulien. 

r&t,  des  wirdet  rät  dafür  wird 
abhülfe  geschaffen;  min  w. 
r.  mir  tcird  geholfen,  ich 
werde  gerettet. 


redegeselle  freund,  geliebter, 
der  sich  an  der  Unterhaltung 
mit  der  geliebten  genügen 
lässt. 

rederich  verständig. 

regen  in  bewegung  setzen. 

reht  stn.  recht,  was  einem  zu- 
kommt; ze  rehte  in  richtiger 
weise,  von  recht  stcegen; 
durch  r.  von  rechtswegen. 

rehte  ston.  das  selbe;  nach 
dem  rehten  richtig,  gerade. 

rehte  adv.  recht,  gerade,  wahr- 
haft. 

reine  trefflich. 

reise  zug,  auch  kriegszug. 

rennen  sprengen  (vom  reiter). 

reren  fallen  lassen. 

rich(e)  adj.  reich,  vornehm. 

riche  stn.  reich,  herrschaft, 
reichsoberha  upt. 

riehen  reich  machen. 

rihtaere  richter,  leiter. 

rihten  gerade  machen,  richten; 
einem  r.  ihm  recht  ver- 
schaffen. 

rimphen  stv.  sich  zusammen- 
ziehen. 

rinc  panzerring;  kreis  von 
mensclien,  insbesondere  ge- 
richtsversammlmig. 

ringe  leicht,  klein. 

ringen  stv.  kämpfen,  sich  ab- 
mühen. 

ringen  swv.  leicht  machen. 

ris  stn.  stab,  zepter. 

risen  stv.  fallen;  einem  üf  r. 
auf  einen  fallen. 

riuschen,  rüschen  tauschen. 

r inten  ausroden. 

riuwe  schmerz,  reue. 

riuwen  stv.  schmerzen,  leid 
tun. 

Riuze  Russe. 

roeseloht  rosig. 

rüegen  mit  acc.  vor  gerichi 
worüber  klagen. 

rüemsere  pralüer. 

rüemic  prahlerisch. 


204 


rüereu  berühren,  treffen. 

rügge  stm.  rücken. 

rftnen,  einem  mite  r.  mit  einem 

vertraulich  flüstern. 
ruochen  mit  gen.  sich  kümmern, 

geruhen;    nu   enruoche   ich 

kümmere  mich  nicht  darum, 

es  ist  mir  einerlei. 
ruowe  rufie. 

s  angelehnt  =  es  oder  si. 

sselde  stf.  glück,  heil. 

sseldenrich  segensreich. 

saelekeit  glück. 

sselic  beglückt ;  sselic  si  Segens- 
ivunsch,  mit  dem  man  sich 
von  etwas  abwendet,  womit 
man  nichts  zu  schaffen 
haben  will. 

sam(e)  ebenso ;  tvie,  als  ob. 

sanfte  adv.  sanft,  angenehm, 
wohl. 

sant  =  samt  mit. 

säze  stf.  hinterhalt. 

schaben  abkratzen. 

schäch  Schach  (der  zuruf  beim 
spiel). 

schaffen  ststov.  ausführen,  ein- 
richten, festsetzen,  bestim- 
men, vermachen;  mit  in 
schaffen  mit  ihnen  gemein- 
same Sache  machen;  part. 
geschaffen  beschaffen,  ge- 
staltet. 

schal  freudiger  lärm  einer  hof- 
haltung;  ze  schalle  werden 
zum  gespött  werden. 

schale  knecht,  gemeiner,  bos- 
hafter mensch. 

schalchaft  gemein,  bösivillig. 

schalkheit  gemeines  benehmen. 

schallen  lärmen,  jubeln;  ein 
grosses  haus  machen  (75  87). 

schani(e)  schäm,  schamhaftig- 
keit:  wibes  seh.  etwas,  des- 
sentwegen sich  ein  weib  zu 
schämen  hat. 

schämen  schämen. 

schapel  stn.  blumenkranz. 


scheiden  scJieiden,  untei-scJiei- 
den,  entscheiden. 

schellen  einen  schall  machen. 

seh  em  eil  eil  schändlich. 

Schemen  spotten. 

schiere  bald. 

schiezen  intr.  sich  rasch  be- 
wegen. 

schilhen  schielen. 

schimpfen  scJierzen. 

schin  adj.  offenbar;  seh.  tuon 
zeigen,  seh.  werden  sich 
zeigen.  ^ 

schin  stm.  glänz,  äusseres  an- 
sehn. 

schinen  glänzen,  sich  zeigen. 

schöne  adv.  zu  schoene. 

schouwen  substant..infin.  aus- 
sehen. 

schrin  stm.  oder  stn.  schrein. 

schroten,  prät.  schriet  schnei- 
den, zuschneiden,  bildl.  zu- 
teilen. 

schulde,  schult  schuld;  von 
schulden  mit  gutem  gründe, 
mit  recht. 

se  interj.  siehe,  da  {hast  du). 

sedel  stm.  sitz. 

seit,  Seite  =  saget,  sagete. 

selten  umstricken  (?). 

selbwahsen  von  selbst  ge- 
wachsen. 

selbwesende  d^irch  sich  selbst 
existierend. 

selde  stf.  wohnsitz. 

selpvar  eigene  färbe  habend, 
ungeschminkt. 

selten,  häufig  litotes  =  nie. 

seltssene  seltsam. 

sem  mir  (semir  =  sam  mir) 
got  so  wahr  mir  gott  helfe. 

senelich  betrübt ;  senelicher 
kumber  liebeskummer. 

senen  intr.  und  refl.  schmerz, 
besonders  liebesschmerz  em- 
pfinden; part:  senede,  sende; 
sende  leit  liebesleid,  s.  suht 
liebeskrankheit. 

seufte  adj.  sanft,  angenehm. 


205 


seuf  ten  besänftigen,  erleichtern . 

ser  stn.  schmerz. 

seien  verletzen. 

ses  die  sechs  auf  dem  Würfel. 

set,  pluralbilduyig  zu  se. 

setzen  einsetzen;  für  s.  sich 
vorstellen,  erwarten. 

sibenen  zur  sieben  machen. 

Sicherheit  gewähr,  bürgscliaft. 

siechen  krank  sein. 

siechhüs  krankenhaus. 

sigen  stv.,  prät.  seic  sinken. 

sigenunft  sieg. 

sin,  häufig  im  lil.  geist,  ver- 
stand; einen  sin  (67  12)  eine 
verständige  Überlegung. 

sinewel  kugelrund. 

sinewellen  icie  eine  kugel  rollen. 

sinnelos  nicht  bei  sinnen. 

sinnen  ze  auf  etwas  denken. 

sippe  adj.  vertcandt. 

Sippe  stf.  verwatultschaft. 

Sit  später,  seitdem;  sit  daz 
oder  blo  ss  sit  rel.  na  chdem,da . 

Site  stm.,  öfters  im  plur.  sitte, 
he}iehmen. 

sitzen  sich  setzen;  gesezzen 
sin  sitzen. 

siuren  bitter  machen. 

slahte  stf.  art;  einer  s.  von 
einer  gewissen  art. 

sieht  sclüicht,  glatt. 

suchen  leise  gelien. 

slinden  stv.  verschlingen. 

slipfic  glatt. 

sloufen  aiizielien. 

slucken  rerscldingen. 

smac  geruch,  duft. 

smsehe  widerwärtig,  verächt- 
lich. 

smal  schmal,  gering. 

smecken  duften. 

snüegen  stv.,  pari,  gesmogen 
schmiegen. 

snarrenzaere  geigenkratzer  (?). 

snit  schnitt,  ernte. 

so  so,  wie,  wenn,  dann;  somit, 
darum,  atuJerseits,  dagegen; 
s6-ie  —  8Ö-ie  je-desto. 


sorgen  betrübt  sein. 

spaehe  kunstvoll. 

spam  schonen;  ü.f  s.  auf- 
schieben. 

spehen  prüfend  betrachten,  ge- 
wahr werden. 

spil  spiel,  ergötzung;  daz 
bezzer  s.  das  bessere  teil. 

spüde  =  spilnde  pari. 

spil(e)n  sich  lebJutft  bewegen, 
hüpfen,  funkeln. 

spiz  spiessbraten. 

spor  stn.  fusstapfen. 

sprechen,  mit  dat.  einem  eticas 
nachsagen,  einen  nennen; 
einem  zuo  s.  zu  einem  spre- 
chen; einen  tac  s.  festsetzen. 

sprach  aussjjruch,  icort;  läzent 
sin  ze  spräche  niet  lassen 
ihn  nicht  zu  worte  kommen. 

Stäben  den  eid  abnehmen  {man 
wurde  dabei  mit  dem  Stabe 
des  richters  berührt). 

stän,  sten  stehen,  sich  befinden, 
sich  ausnehmen;  s.  an  ab- 
hängen von ;  bi  s.  neben  et- 
was stellen;  lä  stän  lialt 
inne. 

starc  gewaltig,  gewichtig. 

stat  stf.  stelle;  an  miner  s. 
soweit  es  auf  mich  ankommt. 

stat(e)  stf.  gelegenheit. 

stsete  adj.  beständig;  siibst. 
beständigkeit;  adv.  staetec- 
lichen. 

stseten  beständig  machen, 
sichern. 

Stegen  den  weg  bereiten. 

steUe  f.  gestell  zum  aufbe- 
wahren von  gegenständen 
(69  11  ?). 

stellen  anstellen ;  pari,  gestalt 
gestaltet,  beschaffen. 

sterben  swv.  töten. 

stille  heimlich. 

Stire  Steiermark. 

stiure  stf.  Unterstützung. 

stiuren  unterstützen. 

stole  stf.  priestergewand. 


206 


stoereu  in  Unordnung  bringen, 

zerstören. 
«tolz  stattlich. 
sträle  stf.  pfeil. 
strit  streit,  eifrige  hemühung; 

sunder  s.  sicherlich;  den  s. 

behalten  das  feld  behaupten ; 

einem  den  s.  läzen  sich  für 

überwunden   erklären,    das 

feld  räumen. 
striuzen  spreizen. 
strö  Strohhalm,  Strohlager. 
stunde,    ze  stunden    ahhald; 

uuder  stunden   ab  wui  zu; 

zeiner  stunde  einmal. 
stunt  =  stunde  in  adverbialen 

atisdrücken:  zaller  s.  immer; 

an  der  selben  s.  alsbald. 
Sturm  kämpf. 
süenaere  friedensstifter. 
süenen  zum  frieden  bringen. 
süeze  adj.  süss,  lieblich;  sub- 

stant.  süssigkeit. 
süezen  süss  macJien. 
suht  krankJieit. 
suhl    schuldig    sein,     sollen, 

werden. 
sumelich  manch. 
sumerlate      stf.      einjähriger 

sehössling,  rute. 
sumunge  säumniss. 
Sünden  sündigen. 
sunder  adj.  besonder;  adv.  be- 
sonders; präp.  ohne. 
sundern  siov.  sondern. 
sunnevar  sonnenfarbig. 
suochen,   an  einen   einen  er- 
suchen um. 
suone  frieden. 
suontac  tag  des  jüngsten  ge- 

richts. 
sus  so. 

swä  [so]  wo  immer. 
swacn  gering,  loertlos. 
swachen  1.  verringert  icer den; 

2.    schivächen ,    beeinträch- 

iigen,    an    der   ehre    schä- 

dtaen. 
swalwe  swf.  schwalbe. 


swaune,  sweuue  wenn  (tem- 
poral). 

swar  ivohin  immer. 

swär,  swaere  schwei;  drückend, 
unangenehm. 

swsere  stf.  kummer. 

Sweben  schweben,  schtoimmen. 

sweiben  schweben. 

swelch,  -hes  tvas  für  einer, 
welcfier. 

swenden  schwinden  machen. 

swenken  schwingen. 

swer,  swaz  [so]  wer,  was 
auch  immer;  wenn  jemand; 
swaz  kumbers  wieviel  kum- 
mer. 

swer(e)n  schwören. 

swie  wie  auch  immer,  wie  sehr 
auch,  wiewol. 

swinde  kräftig. 

swingen  (sich)  schictngen. 

tac,  bi  kurzen  tagen  vor  kurzer 
zeit. 

tach  bedeckung. 

tageliet  morgenlied  des  Wäch- 
ters, im  plur.,  weil  liet  die 
einzehie  stroplie  bedeutet. 

tandaradei  bedeutungsloser  re- 
frain. 

tar  1.  sg.  zu  türren. 

teil,  miner  fröuden  teil  was 
mir  an  freuden  zugeteilt  ist; 
ein  teil  etwas. 

tiure  adj.  kostbar,  teert,  selten; 
adv.  um  holien preis;  comp. 
tiurre. 

tiuren  wertvoll  machen,  ver- 
Jierrlichen. 

tiu(t)sch  deutsch. 

toben  rasen,  nicht  bei  ver- 
stände sein. 

Toberlü  Dobrilugk,  ehemaliges 
Cisterzienserkloster ,  jetzt 
Stadt  im  regierungsbezirk 
Frankfurt  a.  0. 

teeren  zum  besten  haben. 

toeresch  töricht. 

torste  prät.  von  türren. 


207 


touc  1.  sg.  zu  tilgen. 

touf  stm.  taufe,  christliche 
religion. 

toagen  adj.  und  adv.  heimlich, 
stn.  gsiieimnis. 

tougen  liehe  adv.  im  geJieimen. 

Trabe  Trave. 

träge  adv.  zu  traege  säumig. 

trabten  überlegen. 

Träne  Trani. 

treit  3.  sg.  ind.  von  tragen, 

triuten  lieb  haben,  liebkosen. 

triuwe  stf.,  häufig  im  pl.  treue, 
gegebenes  ivort,  an  den  triu- 
wen  min,  bi  minen  triuwen 
in  treuer  gesinnung,  auf- 
richtig. 

tröst  Zuversicht,  hoffnung. 

troesten  ermutigen,  hoffnung 
machen. 

trüge  stf.  betrug. 

trügelich,  adv.  trügelichen  be- 
trügerisch. 

tugen  taugen,  wert  sein. 

tagenden  w?'<tugentaMSS<a<(<?n. 

tugent  tüchtigkeit,  treffliche 
eigenschuft  oder  icirkung, 
feines  benehmeti. 

tagen thaft  liebenstvürdig ,  ge- 
fällig. 

tumben  sich  unbesonnen  be- 
nehmen. 

tump  unerfahren,  unbesonnen, 
töricht. 

taon  tun,  haiuieln,  maclien;  wo 
es  ein  vorlier gehendes  verb. 
vertritt,  ebenso  construiert 
wie  dieses  (sie  sebent  mich 
.  .  also  tuon  ich  sie) ;  ander 
t.  ducken,  verstecken ;  getan 
beschaffen,  wol  g.  schön. 

turn  turyn. 

türren,  ich  tar,  prät.  torste 
wagen. 

tüsentstunt  tausendmal. 

twahen  stv.  waschen,  praet. 
twuoc. 

twerch  quer,  schief;  gen. 
twerhes  adv. 


twingen  zwingen,  in  seiner 
geivalt  haben,  bekümmern. 

übergeben  aufgeben. 

übergnöz  stm.  was  alles  atidere 
in  seiner  art  übertrifft. 

übergrä  übermässig  grau. 

Überguide  stf.  was  etwas  an- 
deres an  wert  übertrifft. 

Übergülden  mit  acc.  einen 
hölieren  loert  verleihen. 

Überher  übermässig  vornehm. 

überhere  Übergewalt. 

überhoehen  übertreffen. 

überkomen  überzeugen. 

übermäze  stf.  was  über  das 
gebührende  mass  hinausgeht. 

übermüete  stf.  Übermut. 

übersehen  nicht  beachten. 

überstriten  besiegen. 

übertrinken,  sich  sich  im  trin- 
ken übernehmen. 

überwundern  durch  tounder 
überbieten. 

übric  zu  gross. 

üeben,  sich  sich  bemühen. 

üf  adv.  und  präp.  auf,  auf 
—  hin,  gegen,  hin  nach;  üf 
und  abe  zu  und  ab ;  uf  und 
üz  ganz  und  gar;  üf  ein 
zusammen. 

üffe  adv.  auf;  ü.  tragen  auf 
dem  köpfe  tragen. 

umbevähen  umarmen. 

umbgrifen  umfassen. 

unbehuot  ohne  aufsieht. 

unbereit  unzugänglich,  fem. 

unbescheiden  nicht  bescheid 
wissend. 

unbetwungen  nicht  von  kum- 
mer  bedrückt. 

unbewoUen  unbefleckt. 

unbeworren  unbehelligt. 

unbilde  stn.  unerhörte  erschei- 
nung. 

undanc,  habeu.  seivencünscht; 
ze  undanke  tvider  willen. 

ünde  stf.  woge. 

under   adv.    u.   präp.   unter, 


208 


zwtscfien;  dar  ander  dabei, 
inzwischen. 

underkomen  sieh  vor  selten 
gegen. 

underleinen  stützen. 

underwilen(t)  zuweilen. 

underwinden,  sich  sich  an- 
nehmen. 

unebene  unangemessen. 

iineren  scMndeji ,  gering- 
schätzig behandeln. 

unerläu  nicht  fahren  gelassen. 

uuverebenet  unausgegliclien. 

un  verschart  unverletzt. 

unverworren  ungestört. 

unverzaget  unverdrossen. 

unfuoge  Unschicklichkeit. 

ungahtet  mit  gedanken  nicht 
erfasst. 

ungebachen  ungebacken,  iin- 
ausgebildet  (?). 

uugebsere  stf.  gejammer. 

ungedienet  ohne  gedient  zu 
haben. 

ungedult  Unverträglichkeit. 

ungefüege  adj.  unschicklich, 
von  unschicklichem  beneh- 
men. 

ungefüege  stf.  Unschicklichkeit. 

ungefuoc  stm.  ungebühr. 

uugehazzet  nicht  angefeindet. 

ungelonet,  des  wirt  u.  das 
bleibt  unbelohnt. 

ungeloube  falscher  glaube, 
irrlehre. 

ungemälet  ungeschminkt. 

ungemeine  nicht  allen  gemein- 
sam. 

ungemüete  üble  Stimmung. 

ungenäde  ungnade,  elend. 

ungenseme  loiderwärtig. 

ungeslehte   wnedle   Herkunft. 

ungesühte  stn.  gicht. 

ungewert  keine  gewährung  er- 
langend. 

ungezogenliche  auf  unfeine  art. 

unheimlich   nicht  vertraidich. 

unhövescheit  unfeines  beneh- 
men. 


uukiusche  stf.  unkeuschheit. 
unkristen  stm.  nichtchrist. 
unmsere  gleichgültig,  zuwider. 
unmäze  stf.  masslosigkeit,  Un- 
ziemlichkeit (78  89i^ 
unmäze  adj.  masslos. 
unnäheu  adv.  fern. 
unnot,  mir  ist  u.  ich  habe  nicht 

nötig. 
unrehte    adv.    unrichtig,    mit 

unrecht. 
unsselic  vom  Unglück  verfolgt, 

verwünscht. 
unsanfte  adv.  unangenehm;  u. 

tuon  weh  tun. 
unschamelich  adj.  dessen  man 

sich     nicht     zu     schämen 

braucht. 
unsenfte  adj.  unangenehm. 
Unsinnen  subst.  infin.  törichtes 

.  benehmen. 
unstsete  adj.  unbeständig ;  stf. 

Unbeständigkeit. 
unsümic  nicht  saumselig. 
unwerdekeit  mangel  ami  ach- 

tung. 
unwert  gering  geachtet. 
unwirden  mit  acc.  die  achtung 

benehmen. 
unwise  üble  melodie. 
unwitze  stf.  unterstand. 
unz  bis. 
urloup   erlaubnis   (zu  gehen), 

Verabschiedung. 
ursprinc  quell. 
üzer  adj.  äussere. 

wä  wo ;  wä  nemt  ir  woher; 

wä  nu  wo  sind  nun. 
wäfeu  interj.  wehe. 
waejen,  wsen  wehen. 
wal,  gen.  walles  das  wallen, 

wallende  flüssigkeit. 
Walch  stm.  Wälscher. 
walden,   walten   mit  gen.  in 

seiner   gewalt   haben,    sich 

icomit  abgeben,  es  fügen. 
walgen  sich  wälzen,  rollen. 
wallsere  pilger. 


209 


wamme  stf.  hauch. 

wan  1.  ausser,  nur,  als  (nach 
negatioiien) ,  sondern;  wan 
daz  nur  dass,  icenn  nicht; 
wan  der  dorn  wäre  nicht, 
der  dorn;  niht  wan  nichts 
als  nur ;  2.  =  wände ;  3. 
warum  nicht,  dass  doch. 

wan  meinunff,  hoffnung;  aue 
w. ,  sunder  w.  sicherlich; 
nach  wäne  aufs  Ungewisse. 

wauc,  plur.  wenke  das  wanken, 
abkehr  von  etwas. 

wände,  wand,  wan  deym,  weil. 

Wandel  itm.  oJer  n.  makel, 
fehler,  Schadenersatz. 

wandelbsere  mit  felüern  Ge- 
haftet. 

wandelieren  variieren,  man- 
nigfaltig machen. 

wandeln  Schadenersatz  leisten. 

wpenen  meinen,  glauben,  hoffen. 

war  nemen,  w.  tuon  mit  gen. 
achten  auf. 

war  ade.  tcolitn;  wo  in  w.  nach, 
w.  zuo. 

war  stn.  wahrJieit;  w.  haben 
recht  haben. 

wärhaft  sein  wort  haltend. 

wärheit  Wahrhaftigkeit,  ge- 
gebenes wort ;  von  w.  wahr- 
haftig. 

warnen,  sich  sich  versorgen. 

warten  schauen;  warten  {mit 
gen.);  auch  mit  dat.  =  auf- 
lauern; wart  nmbe  dich 
schau  dich  um,  nimm  dich 
in  acht. 

wasten  verwüsten. 

wät  stf.  gewand. 

we  wehe,  ach  (für  jede  art 
von  gemütsbewegung). 

^vec,  ander  wegen  län  bleiben 
lassen;  ze  weg'e  auf  dem 
wege,  fort. 

weder  welcher  von  zweien ;  im 
ersten  gliede  einer  doppel- 
frage =  lat.  utrum. 

wegen   stv.  wägen,  erwägen; 

Walth.  V.  d.  Vogrelweide.    5. 


höhe  w.  hoch  anscldagen, 
grossen  wert  legen  auf. 

wegewerende  den  weg  ver- 
sperrend. 

weise  swm.  waise;  so  hiess 
der  kostbare  edelstein  in 
der  deutschen  königskrone, 
weil  er  nicht  seinesgleichen 
hat. 

wellen  wollen;  meinen,  be- 
haupten ;  waz  wolde  ich  dar 
gesezzen  was  hatte  es  für 
einen  zweck,  dass  ich  mich 
dahin  setzte. 

wenden  hinwenden,  zuwenden; 
abwenden,  ein  ende  womit 
machen ;  einen  eines  dinges 
einen  icovon  abbringen. 

wenen  sich  mit  gen.  sich  ab- 
geben mit. 

wengel  stn.  wänglein. 

wenken  ausweicJien,  nicht 
stand  halten. 

wer,  waz  wer;  irgendwer ;  gen. 
wes  iceshalb;  waz  mit  gen. 
ivas  für;  waz  ob  wie  wenn, 
vielleicht;  waz  danne,  w. 
darumbe  was  tut  es. 

wer  stf.  Verteidigung. 

werben  sich  bemühen,  handeln. 

werc  tcerk,  {schneider-)arbeit. 

werde  in  würdiger  weise. 

werdecliche(n)  in  ehrenvoller 
weise;  w.  ligen  würdig  an- 
gebracht sein. 

werdekeit  ehre. 

werden  werden,  zu  teil  werden; 
vvider  w.  zurückkommen,  von 
neuein  zu  teil  werden;  ze 
leide  w.  in  leid  geraten; 
waz  wirt  der  vogeline  tcas 
soll  aus  den  vöglein  werden. 

werfen,  umbe  w.  herumwerfen, 
verändern. 

werlt  weit;  zer  wcrlte  ver- 
stärkt bei  ie ;  al  diu  werlt  vgc. 

wem  währen,  dauern. 

wem  gewähren,  einen  eines 
dinges. 


Aufl. 


U 


210 


wem  wehren. 

werren   stv.   mit  dat.  stören, 

bekümmern. 
wesen  sein. 

wesse  prät.  von  wissen, 
wette  stn.  pfand ,   bezalüung 

einer  schuld. 
wibel  stm.  kornwitrm. 
wiben,     sich    ein,    tceiöliches 

wesen  annehmen. 
wich  75  172,  s.  anm. 
wider    adv.   gegen,    dawider; 

zurück,   von  neuem;  präp. 

mit    acc.   und    dat.    gegen, 

gegenüber,  im  vergleich  zu. 
widerlernen  verlernen. 
widersagen  das  gegenteil  von 

etwas  sagen  {mit  acc.) ;  fehde 

ankündigen. 
widerstän  zuicider  sein. 
widerstrebe  toiderstand. 
widerstrit    Wettstreit;    en    w. 

um  die  wette. 
widerswanc  gegenschlag. 
widertuon   zurückgeben,   ver- 
gelten, 
yviderwürken  zunichte  machen. 
widerzseme  widerwärtig. 
wiht  geringfügiges  ding,  nichts. 
wilde  adj.  nicht  gezähmt,  nicht 

vertraut,  fremd. 
wilde  stf.  ungezähmtheit ,  un- 

stäfes  boieJimen. 
Avile,  die  wile  tcährenddem; 

under  wilen  bisweilen. 
wilent  eJiedem. 

wiut,  ein  w.  etwas  nichtiges. 
wint  =  windet, 
wipheit  Weiblichkeit. 
wirde  würde,  ehre. 
wirden  wert  machen. 
Avirs  adv.  comp,  schlechter. 
Wirtschaft  hausJwrrnschaft. 
wise  weise,  melodie;   kürzere 

form  wis:  in  baUes  wis  nach 

art  eines  balles. 
wit  stf.  Strang  aus  geflochtenen 

reisern;    bi    der    wide    bei 

strafe  des  Stranges. 


witze  stf.,  öfters  im  plur.  cer- 
staml. 

wiz,  daz  wize  =  das  weisse 
im  äuge. 

wizen  stf.  vorwürfe  machen, 
einem  die  schuld  wovon  (acc.) 
gehen. 

wizzende  stf.  wissen. 

wolgetsene  Schönheit 

Avolveile  leicht  käuflich;  w. 
unwirdet  l.  k.  zu  sein 
schäiulet. 

wort  und  wise  text  und  me- 
lodie. 

wunder  lownder,  etwas  ausser- 
ordentliches, mit  gen.  qrosse 
menge  wovon ;  mich  uimt  w. 
eines  dinges  mich  ergreift 
Verwunderung  worüber. 

wundersere  wutidertäter. 

wunderlich  uimdervoll,  selt- 
sam. 

Avunderlichen  adv.  ausser- 
ordentlich. 

wundern  tcunder  tun. 

wunderwol  ausserordentlich 
gut. 

wünnebernde,  wunneclich 
wonnevoll. 

wünsch  Vollkommenheit ;  ze 
wünsche  in  vollkommener 
weise. 

wünschen  sich  ideale  bilden, 
phantasieren. 

würken,  part.  geworht  handeln, 
bereiten. 

würz  stf.  kraut. 

zage  swm.  feigling. 
zagel  stm.  schwänz. 
zäi  interj.  hah. 
zam  vertraut. 

zamen  zahm,  fügsam  macJien. 
zart  stm.  liebkosung. 
zarten  liebkosen. 
zehant  sogleich. 
zein  stm.  metaUstab. 
zeln  ze  anrechnen  als ;  gleich- 
stellen ivomit. 


211 


zemea  stv.  geziemen,  wol  an- 
stehen, gebühren. 

zer  stf.  zehrung. 

zerliden  zerstückeln. 

zerstceren  in  vericirrung 
bringen. 

zesewer  adj.  flect.  rechter 
(dexter). 

aester  107,  75  vielleicht  für 
sester ,  bezeichnung  eines 
masses  aus  lat.  sextarins. 

zeslunden  sofort. 

zewäre  fürwahr. 

ziehen  ziehen,  erzielten;  den 
zonm  z.  straff  anziehen,  utn 
den  lauf  zu  hemmen;  baz  ge- 
zogen besser  gezeichnet,  ge- 
bildet ;  z.  nihinauslaufen  auf. 

zit,  an  der  z.  rechtzeitig. 

zogen  hinhalten. 

zorn,  mir  ist  z.  mich  versetzt 
in  zorn. 


zucken  gewaltsam  oder  rasch 
ziehen,  icegreissen;  sie  ruh- 
ten iif  sie  rissen  in  die  höhe 
(ihre  habe,  damit  niemand 
etwas  davon  bekäme). 

zuht  erziehung,  wolgezogen- 
heit,  anstand. 

zunge  spräche,  nation. 

zweien  entzweien. 

zwifel  zw  ei  fei,  ungewissJieit; 
verztveifhing. 

zwivelsere  verzweifler ,  i)essi- 
mist. 

zwivellich  verzweiflungsvoll ; 
zwivellicher  wän  Verzweif- 
lung. 

zwivellop  zweideutiges  lob. 

zwivelwän  ungewissheit. 

zvnx  adv.  zweifach. 

zwisch  zweifach,  in  under 
zwischen  unter  einander. 


Druck  von  Karras,  Kröber  &  Nietschmann,  Halle  (Saale). 


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